Zusammenfassung

Der Fall beginnt mit einem Anruf von Mrs. Sullivan, die unter einem mysteriösen Gedächtnisverlust leidet. Nach einem Besuch bei ihrem Neffen fuhr sie durch die 'Magic Mountains', ein Gebiet, das angeblich von alten Indianerflüchen belastet ist. Sie erinnert sich nur noch an einen schwarzen Lastwagen und eine unheimliche Gestalt mit Adlerkopf, bevor sie Stunden später mit zerrissener Kleidung und Kopfschmerzen wieder zu sich kam. Bei einem Treffen im Restaurant 'Hooter' – nachdem Bob vor dem Fernsehsender 'Sundown TV' beinahe den cholerischen Mr. Taylor angefahren hatte und Peter sich mit dem arroganten Senderchef Mr. Caddy um einen Parkplatz stritt – erzählt sie den Detektiven ihre Geschichte und zeigt ihnen einen im Auto gefundenen hölzernen Adlerkopf.

Justus kombiniert, dass die Vorfälle immer bei Vollmond geschehen. Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, fahren die drei ??? in der nächsten Vollmondnacht selbst in die Berge. Dort werden sie von einer schwer bewaffneten Polizeisperre angehalten, die angeblich einen Bankräuber sucht. Über eine Umleitung gelangen sie tief in den Wald und treffen auf eine verwirrte junge Frau, Debbie, die ebenfalls unter Amnesie leidet. Justus findet in ihrem Auto Hinweise auf einen Bankraub und eine goldene Indianermaske. Doch die Situation kippt, als sie eine Lichtung mit Indianerpfählen und einem Tipi entdecken.

Justus wagt sich allein in das Tipi, während Bob und Peter draußen warten. Plötzlich entpuppt sich Debbie als Schauspielerin, die Justus mit einer Waffe bedroht. Bob und Peter gelingen die Flucht zu einer nahegelegenen Luxusvilla. Dort beobachten sie durch das Fenster eine Gruppe reicher Leute, darunter Mr. Caddy und Mr. Taylor, die an Monitoren das Geschehen im Wald verfolgen. Es stellt sich heraus, dass alles inszeniert ist: Ein perverses 'Reality Game', bei dem auf das Verhalten der unwissenden Opfer gewettet wird. Mrs. Sullivan und Taylor waren vorherige 'Kandidaten'.

Justus wird gefangen genommen und soll einen 'Trank des Vergessens' (eine Droge vom Geheimdienst) erhalten. Doch er durchschaut das Spiel und konfrontiert Caddy damit, dass sie alles wissen. Bob und Peter stürmen herein und enthüllen, dass sie das Beweisvideo (die 'Dokumentation Mrs. Sullivan') gesichert haben. Die Schauspieler, die Caddy angeheuert hat, wenden sich gegen ihn, als sie das Ausmaß der kriminellen Energie erkennen, und das perfide Spiel fliegt auf.

Review

Big Brother im Indianer-Reservat – oder: Der Trank, der die Logik vergaß
Justus blufft, Peter zittert und Bob findet ein Video. Folge 98 ist ein wilder Mix aus Mystery-Grusel und Trash-TV-Satire. Warum der 'Trank des Vergessens' Kultstatus hat (leider aus den falschen Gründen), lest ihr hier!

Hallo liebe Kassettenkinder, Streaming-Junkies und Zentrale-Besetzer!

Wisst ihr, was ich an den Drei ??? so liebe? Dass sie uns manchmal Geschichten auftischen, die so herrlich 'drüber' sind, dass man sich fragt: Hatte der Autor beim Schreiben vielleicht selbst einen kleinen Schluck vom mysteriösen Zaubertrank? Folge 98, Tal des Schreckens, ist genau so ein Kandidat. Wir schreiben das Jahr 2001. Reality-TV steckte noch in den Kinderschuhen (Big Brother startete in Deutschland 2000), und Ben Nevis dachte sich wohl: „Das kann ich toppen – mit Indianern, Gedächtnisschwund und einem Superschurken, der aussieht wie der nette Opa von nebenan, aber fieser ist als Skinny Norris an einem schlechten Tag.“

Schnappt euch eine Tüte Chips und setzt euch bequem in euren Sessel (oder ins Auto, aber bitte nicht in den Magic Mountains parken), hier kommt die Analyse!

ERSTER EINDRUCK


Das Cover verspricht klassischen Grusel: Ein düsterer Totempfahl, Nebel, Vollmond-Vibes. Und tatsächlich beginnt die Folge bärenstark. Eine Frau ohne Gedächtnis, ein hölzerner Adlerkopf und ein unheimliches Tal. Die erste Hälfte der Folge ist atmosphärisch so dicht, dass man fast vergisst, dass wir uns in einer modernen Folge befinden. Man hat dieses wohlige „Hier stimmt was ganz und gar nicht“-Gefühl. Doch dann... nun ja, dann biegt die Story scharf links ab in Richtung „Trash-TV trifft James-Bond-Bösewicht für Arme“. Aber dazu später mehr.

DIE STORY


Mrs. Sullivan hat einen Filmriss. Buchstäblich. Ihr fehlen Stunden, sie wacht in ihrem Auto auf, die Kleidung zerrissen, und auf dem Beifahrersitz liegt ein gruseliger Adlerkopf. Klassischer Dienstag in Rocky Beach, oder? Die Spur führt in die „Magic Mountains“ und das titelgebende Tal des Schreckens. Angeblich treiben dort indianische Geister ihr Unwesen und verwandeln Menschen in Bäume oder Steine. Unsere drei Detektive wittern natürlich keinen Geist, sondern ein Verbrechen. Sie fahren selbst hin (bei Vollmond, wann sonst?) und geraten in einen Strudel aus inszenierten Banküberfällen, falschen Indianern und einer Verschwörung, die so komplex ist, dass man fast Mitleid mit den Verbrechern hat, die das alles organisieren mussten.

UNSERE HELDEN


Justus „Ich durchschaue alles“ Jonas: Unser Erster Detektiv ist hier in absoluter Bestform. Während andere noch bibbern, analysiert Justus schon die Kamerawinkel. Sein Highlight ist das Finale in der Villa. Er steht dem Bösewicht Mr. Caddy gegenüber und blufft sich so souverän durch die Situation, dass man fast applaudieren möchte. Sein Monolog, in dem er Caddy erklärt, dass dessen ganzer Plan eigentlich ziemlich dämlich ist, gehört in die Hall of Fame der Justus-Momente.

Peter „Ich habe ein ungutes Gefühl“ Shaw: Peter darf mal wieder den abergläubischen Skeptiker mimen. „Das ist ein indianischer Fluch, Justus!“ – ja, sicher Peter. Aber man muss ihm lassen: Als es hart auf hart kommt, schleicht er sich mutig an die Villa ran. Er ist der Action-Held wider Willen, auch wenn er vorher fast einen Herzkasper bekommt, weil ein Ast im Wind knarrt.

Bob „Recherchen und Archiv“ Andrews: Bob ist hier der MVP (Most Valuable Player) der Hintergrundarbeit. Er erkennt den Fernseh-Fritzen Mr. Taylor wieder und findet am Ende das entscheidende Beweisvideo. Ohne Bobs Adlerauge (Wortspiel beabsichtigt) hätten Justus' rhetorische Fähigkeiten am Ende nichts genützt.

DIE GEGENSPIELER


Mr. Caddy. Ein Fernsehproduzent, der so zynisch ist, dass er Menschen in Todesangst versetzt, nur damit reiche Schnösel darauf wetten können. Er ist herrlich unsympathisch, arrogant und dabei so überzeugt von seiner eigenen Genialität, dass sein Fall umso befriedigender ist. Seine Handlanger (die Schauspieler im Wald) sind eher blass, aber die Figur der „Debbie/Susan“ ist spannend, weil sie zwischen Opfer und Täterin schwankt und am Ende das Zünglein an der Waage spielt.

BESTE MOMENTE


1. Der Parkplatz-Beef: Ganz am Anfang streiten sich Peter und Mr. Caddy um einen Parkplatz. Das ist so wunderbar banal und menschlich. Peter lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen, und Justus kommentiert trocken. Großes Kino im Kleinen.
2. Die Wald-Atmosphäre: Die Fahrt durch die Magic Mountains ist soundtechnisch 1A umgesetzt. Das Knacken im Unterholz, die unheimliche Stille – da bekommt man Gänsehaut.
3. Justus' Analyse: „Was Sie da machen, ist doch alles ein großer Bluff!“ – Der Moment, in dem das Kartenhaus der Bösewichte zusammenfällt, ist purer Zucker für Fan-Ohren.

SCHWACHSTELLEN


Leute, wir müssen reden. Über den Trank des Vergessens.
Ernsthaft? Caddy hat Zugang zu einer Droge vom Geheimdienst (!), die Menschen gezielt die letzten Stunden vergessen lässt, ohne Nebenwirkungen, außer ein bisschen Kopfweh? Wenn er solche Kontakte hat, warum macht er dann illegale Wetten im Wald? Er könnte die Weltherrschaft an sich reißen! Das ist so ein massives Plot-Device, um zu erklären, warum die Opfer nicht zur Polizei gehen, dass es fast schon weh tut. Es zieht die sonst recht bodenständige Krimi-Handlung unnötig ins Phantastische.
Auch der logistische Aufwand: Hubschrauber, Straßensperren, Dutzende Schauspieler, Pyrotechnik... nur für eine Wette? Die Gewinnmargen müssen astronomisch sein, damit sich das rechnet.

SERIEN-KONTEXT


Folge 98 gehört zur Ära der „neuen Klassiker“ um die Jahrtausendwende. Autor Ben Nevis ist bekannt (und berüchtigt) dafür, gerne mal Action-Thriller-Elemente in die Serie zu bringen (man denke an Todesflug, Folge 92). Tal des Schreckens passt gut in diese Phase: Es ist moderner, technischer und zynischer als die alten Fälle.
Interessant ist der Vergleich zu Folge 106 Der Mann ohne Kopf (Partys, Drogen, Exzesse) oder Folge 104 Gift per E-Mail (moderne Medien). Nevis greift hier das aufkommende Phänomen des „Reality TV“ und des Voyeurismus auf, treibt es aber auf die Spitze. Für Fans ist die Folge oft ein zweischneidiges Schwert: Die Atmosphäre wird geliebt, der „Trank des Vergessens“ wird meist als einer der dümmsten MacGuffins der Seriengeschichte verspottet.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier hat Europa mal wieder tief in die Schatzkiste gegriffen:
Lothar Grützner (Mr. Caddy): Eine absolute Legende! Man kennt seine knarzige, autoritäre Stimme aus unzähligen Rollen. Er war z.B. Alfred Pennyworth in der 90er-Jahre Batman-Zeichentrickserie und Opa Lou bei den Rugrats. Im Europa-Universum war er oft der undurchsichtige Wissenschaftler oder Senator (z.B. bei Larry Brent oder Macabros). Er spricht Caddy mit einer so wunderbaren Arroganz, dass man ihn sofort hasst.
Heidi Schaffrath (Mrs. Sullivan): Na, bei wem klingelt es? Richtig! Das ist Frau Glockner, die Mutter von Gaby aus TKKG! Es ist immer wieder verstörend schön, wenn die „netten TKKG-Mütter“ bei den drei ??? plötzlich Mordopfer oder Verdächtige sind.
Céline Fontanges (Debbie/Susan): Sie ist die Tochter der Schauspielerin Astrid Kollex und eine vielbeschäftigte Synchronsprecherin (z.B. in Borgen oder als Meerjungfrau Rikki in H2O). Bei den drei ??? ist sie eine „Wiederholungstäterin“ und war unter anderem als Ellen in Der Mann ohne Kopf (Folge 106) oder Karen in Spuk im Netz (Folge 132) zu hören.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Hörspiel basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ben Nevis aus dem Jahr 2001. Ein interessantes Detail: Im Buch wird Bobs Wutausbruch gegenüber Caddy noch etwas deftiger beschrieben („arroganter Affe“).
Ein Fun-Fact zum Setting: Das Restaurant „Hooter“, in dem sich die Jungs treffen, ist nicht nach der amerikanischen Restaurantkette benannt (ein Schelm, wer Böses dabei denkt!), sondern laut Buchvorlage nach einer alten Autohupe (engl. „hooter“), die über dem Eingang hängt. Das geht im Hörspiel etwas unter, ist aber ein typisches Nevis-Detail, da der Autor ein Faible für Technik und Autos hat.


FAN-SERVICE-CHECK


Justus' Visitenkarte: Wird natürlich übergeben. Pflichtprogramm.
Peters Angst: Check. „Da ist was im Busch!“
Schrottplatz-Romantik: Kommt kurz vor, aber die Zentrale wird schnell gegen den Wald getauscht.
Popkultur: Justus erwähnt die (fiktive) Serie „Noble Woman“, um Susan zu enttarnen. Ein schöner Moment, der zeigt, dass Justus nicht nur Bücher liest, sondern auch mal fernsieht (oder zumindest ein fotografisches Gedächtnis für TV-Zeitschriften hat).

FAZIT & EMPFEHLUNG


Tal des Schreckens* ist wie ein B-Movie, das sich für einen Blockbuster hält – und genau das macht den Charme aus. Die Atmosphäre im Wald ist wirklich gruselig und gehört zum Besten, was die Sounddesigner damals abgeliefert haben. Die Auflösung ist herrlich überzogen, aber spannend inszeniert. Wer über die Logiklöcher (groß wie der Grand Canyon) hinwegsehen kann, bekommt 62 Minuten beste Unterhaltung.

Geeignet für: Fans von Verschwörungstheorien, Waldspaziergänger mit starken Nerven und alle, die Reality-TV schon immer für das Werk des Teufels hielten.
Nicht geeignet für: Logik-Fetischisten und Leute, die Angst vor hölzernen Vögeln haben.

Wusstest du schon?

Der Autor Ben Nevis schrieb die Buchvorlage unter dem gleichen Titel.
Die Figur 'Mr. Caddy' wird von Lothar Grützner gesprochen, einer bekannten Stimme im Europa-Universum.
Das Restaurant 'Hooter' ist nach einer alten Autohupe benannt, die über dem Eingang hängt.
Justus erwähnt die Serie 'Noble Woman', in der die Schauspielerin Susan mitgespielt hat – ein nettes Detail zur Popkultur-Einbettung.
Cover
Bewertung
8
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8 von 10 hölzernen Adlerköpfen
Das Rätsel
Die Grundidee ist eine klassische 'Scooby-Doo'-Finte: Ein übernatürliches Phänomen (Indianerfluch) wird aufgebaut, um etwas Profanes zu verdecken. Hier ist die Auflösung – eine Art 'Truman Show' für perverse Reiche – durchaus originell, aber völlig überkonstruiert. Dass Justus allein durch die 'Katzen-Schlüsselanhänger' und die Logikfehler im Bankraub-Plot draufkommt, ist clever, aber für den Hörer schwer vorauszuahnen.
Plot & Logik
Hier knirscht es gewaltig. Der Aufwand, den Caddy betreibt (Hubschrauber, Schauspieler, Straßensperren, Drogen vom Geheimdienst!), steht in keinem Verhältnis zum simplen Wettvergnügen. Besonders der 'Trank des Vergessens' wirkt wie ein billiges Plot-Device, um zu erklären, warum die Opfer nicht zur Polizei gehen. Auch dass die Polizei im echten Leben nie Wind davon bekommt, ist unglaubwürdig.
Kapitel
1 Blackout 0:00 min
2 Der Fluch des Adlers 7:29 min
3 Taylor kneift 16:29 min
4 Der Albtraum beginnt 24:41 min
5 Das Tal des Schreckens 32:23 min
6 Im Dickicht des Waldes 39:25 min
7 Lauschangriff 46:22 min
8 Seitenwechsel 55:47 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist in Hochform. Er durchschaut die Inszenierung brillant, etwa als er bemerkt, dass 'Debbie' eine Minikamera an der Brille trägt. Sein Bluff am Ende ('Wir haben das Tape versteckt') ist ein klassischer Justus-Moment.
P
Peter Shaw
Peter darf zunächst den abergläubischen Part übernehmen ('Das ist ein indianischer Geist!'), zeigt aber Mut, als es darauf ankommt, und schleicht sich zur Villa, um Justus zu retten.
B
Bob Andrews
Bob ist der Rechercheur und derjenige, der die entscheidenden Verbindungen knüpft (er erkennt Mr. Taylor wieder). Seine Entdeckung des Videobandes ist der Schlüssel zum Sieg.

Sprecher

Verwandte Folgen

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