Zusammenfassung

Die drei Fragezeichen sind als Gäste in der beliebten Late-Night-Show 'Prime Time' des Moderators Kevin Anderson eingeladen. Die lockere Stimmung kippt, als eine Anruferin namens 'Mystery' mysteriöse Verse zitiert, die Anderson sichtlich aus der Fassung bringen. Am nächsten Tag wird die langjährige Mitarbeiterin Mrs. Brighton entlassen, nachdem Anderson ihr eine gestohlene Uhr untergeschoben hat – ein klassischer Fall von Rufmord, um sie loszuwerden. Sie beauftragt die Detektive, den wahren Grund für Andersons Nervosität zu finden. Bob erkennt in der Stimme von 'Mystery' seine ehemalige Psychiaterin Clarissa Franklin wieder, die ihn einst hypnotisierte (Folge 76). Er besucht sie in der Klinik 'Best Hope', wo sie ihre Unschuld beteuert und Bob manipuliert. Doch die Detektive lassen nicht locker: Mit Hilfe ihrer Freundinnen Kelly, Lys und Liz gelingt es ihnen, eine Wanze an Andersons Kleidung zu befestigen. Beim Abhören erfahren sie die schockierende Wahrheit: Anderson und der korrupte Klinikleieter Dr. Freeman halten Andersons genialen Bruder Steven ('Die Nachtigall') in der Klinik gefangen und unter Drogen, damit dieser Texte für die Show schreibt. Clarissa Franklin hat dies herausgefunden und erpresst die beiden nun. Um die Mitwisserin auszuschalten, plant Freeman, Franklin mit einer Überdosis zu töten und es als Unfall zu tarnen. Die drei ??? dringen als Wäschereiboten getarnt in die Klinik ein und finden Franklin in einer Gummizelle. Als Anderson und Freeman auftauchen, scheint die Lage aussichtslos – die Detektive werden eingesperrt und Freeman setzt die Spritze an. Doch Justus hat vorgesorgt: Er hatte sein Handy auf Sendung geschaltet, sodass Inspektor Cotter mithören konnte. Zudem enthüllt Justus nach der Stürmung durch die Polizei, dass er das tödliche Gift bereits vorher gegen ein harmloses Mittel ausgetauscht hatte. Anderson und Freeman werden verhaftet, Mrs. Brighton ist rehabilitiert.

Review

Psychospiele, Promi-Moderatoren und der dümmste Gift-Trick aller Zeiten – Folge 99 im Check!
Justus Jonas als Hellseher, Bob im Psycho-Duell und ein Gaststar, der lieber beim Radio geblieben wäre. Warum 'Rufmord' trotz Riesen-Logikloch genial ist.

Moin Kollegen! Schnappt euch einen Kirschkuchen (aber bitte ohne Schlafmittel!), denn heute müssen wir reden. Über eine Folge, die so knapp vor der großen 100er-Jubiläumsmarke erschien, dass man fast vergessen könnte, was für ein verdammtes Brett sie eigentlich ist. Wir reden über Folge 099: Rufmord.

Ich sage es gleich vorweg: Diese Folge ist wie eine Fahrt in Peters MG bei Nacht – düster, rasant und man hat ständig Angst, dass gleich einer aus der Kurve fliegt. Vor allem logisch. Aber dazu später mehr.

ERSTER EINDRUCK


Als ich die Kassette (ja, ich bin alt) damals zum ersten Mal eingelegt habe, dachte ich: "Wow, cool, die sind im Radio!" Die Atmosphäre ist sofort da. Das "On Air"-Feeling, die Anrufer, die Musikbetten – das wirkt alles extrem modern für damalige Verhältnisse. Es fühlt sich nicht nach einem gemütlichen Fall im Gebrauchtwarencenter an, sondern nach Großstadt-Thriller. Und dann diese Stimme... Wenn Judy Winter ins Mikrofon haucht, läuft es einem eiskalt den Rücken runter. Man merkt sofort: Hier geht's nicht um gestohlene Hühner, hier geht's an die Psyche.

DIE STORY


Justus, Peter und Bob sind zu Gast in der Late-Night-Show "Prime Time" von Star-Moderator Kevin Anderson. Alles ist 'easy peasy', bis eine Anruferin namens "Mystery" kryptische Reime aufsagt, die den Moderator völlig aus dem Konzept bringen. Kurz darauf wird die gute Seele des Senders, Mrs. Brighton, gefeuert – angeblich wegen Diebstahls. Ein klassischer Rufmord! Die drei ??? übernehmen und Bob merkt schnell: Die Stimme von "Mystery" kennt er doch! Sie gehört Clarissa Franklin, der Frau, die ihn in Folge 76 fast in den Wahnsinn getrieben hätte. Die Spur führt in die Psychiatrie "Best Hope", wo ein korrupter Arzt und ein gefangener Bruder (die "Nachtigall") Teil eines perfiden Erpressungsplans sind.

UNSERE HELDEN


Bob Andrews ist hier ganz klar der MVP (Most Valuable Player). Es ist selten, dass einer der Detektive so persönlich involviert ist. Seine Angst vor Franklin, gemischt mit dem Willen, sie zu besiegen, gibt der Folge eine emotionale Tiefe, die wir sonst oft vermissen. Bob ist hier nicht nur der Recherchen-Bob, er ist das Opfer, das zum Jäger wird.
Peter ist... nun ja, Peter. Er fährt den Wagen, er hat Schiss, er macht den Wäscher. Solide Peter-Performance.
Justus hingegen... ach Justus. Er hat brillante Momente (die Wanze!), aber am Ende schießt er den Vogel ab. Dazu kommen wir bei den Schwachstellen.

DIE GEGENSPIELER


Leute, wir müssen über Clarissa Franklin reden. Judy Winter spielt diese Psychopathin mit einer solchen Hingabe, dass man fast Mitleid mit ihr haben möchte, bevor man sich erinnert, dass sie das pure Böse ist. Sie ist manipulativ, intelligent und gefährlich – genau das, was die drei ??? brauchen.
Dann haben wir Dr. Freeman. Jürgen Thormann (Gott hab ihn selig) spricht ihn so herrlich aalglatt und arrogant, dass man ihm am liebsten durch den Lautsprecher eine kleben möchte. Ein fantastischer Bösewicht.
Und dann ist da noch Kevin Anderson. Tja. Thomas Bug. Dazu sage ich gleich was.

BESTE MOMENTE


1. Das Verhör: Als Bob Clarissa Franklin in der Klinik besucht. Das psychologische Duell zwischen den beiden ist Hörspiel-Gold. Die Spannung knistert förmlich.
2. Die Wanze: Wie die Jungs mit Hilfe ihrer Freundinnen (ja, sie existieren noch!) Anderson verwanzen, ist klassische Detektivarbeit vom Feinsten.
3. Der Reim: "Es war die Nachtigall und nicht die Lerche." Ein Shakespeare-Zitat als Erpressung? Style-Punkte: 100.

SCHWACHSTELLEN


Okay, tief durchatmen. Wir müssen über DAS GIFT reden.
Das Finale in der Gummizelle ist hochdramatisch. Dr. Freeman will Franklin die Todesspritze geben. Justus enthüllt später: "Ätsch, ich habe das Gift schon vorher ausgetauscht!"
BITTE WAS?!
Wie zur Hölle hat Justus Jonas, während sie als Wäschereiboten getarnt waren, in einer Hochsicherheits-Psychiatrie den Giftschrank gefunden, das richtige Fläschchen identifiziert, eine identische Flüssigkeit parat gehabt und das Ganze unbemerkt ausgetauscht? Hat er den Schlüssel hergezaubert? Hat er Chemie studiert, während Peter geparkt hat? Das ist der größte "Deus Ex Machina"-Moment der Seriengeschichte. Es ist so absurd, dass es fast schon wieder lustig ist. Justus ist schlau, ja, aber hier macht ihn Autor André Minninger zum allwissenden Superhelden.

Zweiter Punkt: Thomas Bug. Die Idee, einen echten Moderator zu casten, war nett gemeint. Aber schauspielerisch wirkt er leider so hölzern wie der Zaun vom Schrottplatz. Man hört förmlich, wie er das Skript abliest. Neben Kalibern wie Thormann und Winter fällt das extrem auf.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist der Mittelteil der inoffiziellen "Franklin-Trilogie".
- Teil 1: Folge 76 Stimmen aus dem Nichts (Der erste Auftritt, Bob wird hypnotisiert).
- Teil 2: Folge 99 Rufmord (Das Wiedersehen).
- Teil 3: Folge 188 Signale aus dem Jenseits (Das späte Finale).
(Es gibt noch Folge 226 Die Spur der Toten, aber die 99 ist der direkte Nachfolger der 76).

"Rufmord" markiert auch das Ende einer Ära: Es ist eine der letzten Folgen, in denen die Freundinnen Kelly, Lys und Liz aktiv erwähnt und eingebunden werden, bevor sie ins Nirvana der vergessenen Nebenfiguren verschwinden. Genießt es, solange es dauert!


SPRECHER-SPOTLIGHT


Wir verneigen uns vor einer Legende: Jürgen Thormann (Dr. Freeman). Seine Stimme kennen wir alle als den deutschen Michael Caine oder als Alfred Pennyworth in den Batman-Filmen (Nolan-Trilogie). Er hatte diese einzigartige Art, Worte zu dehnen und arrogant klingen zu lassen, die einfach unerreicht ist. Dass er hier den schmierigen Arzt spielt, wertet die ganze Folge auf.
Und Judy Winter? Die Frau ist Synchron-Adel (Stimme von Shirley MacLaine, Jane Fonda). Dass sie für eine "Kinderhörspielserie" so eine Performance abliefert, zeigt, wie ernst sie ihren Job nahm.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien 2001 und stammt aus der Feder von André Minninger. Interessant ist, dass Minninger hier (wie oft in dieser Ära) das Buch quasi parallel bzw. als Vorlage für das Hörspiel schrieb. Es ist keine Übersetzung eines amerikanischen Robert-Arthur-Originals, sondern ein "German Original". Das merkt man auch am düsteren, psychologischen Ton, den Minninger in die Serie brachte und der den Übergang zur Folge 100 und darüber hinaus prägte.


FAN-SERVICE-CHECK


- Visitenkarten-Gag: Bob erwähnt im Radio die Visitenkarte und Peter murmelt trocken: "Sieht man natürlich nicht." Meta-Humor!
- Tante Mathilda: Ruft in der Live-Sendung an und beschwert sich, dass die Jungs arbeiten sollen. Legendär!
- Insider: Die Rückkehr zur Klinik-Thematik und die direkte Fortsetzung von Bobs Trauma ist Fan-Service pur für alle, die Kontinuität lieben.

FAZIT & EMPFEHLUNG


Trotz des absolut hanebüchenen Logiklochs am Ende (Justus, der Gift-Zauberer) ist "Rufmord" ein Meisterwerk der Atmosphäre. Die Spannung ist greifbar, die Schurken sind Weltklasse und Bob darf glänzen. Wer über Thomas Bugs Schauspielkünste hinweghören kann, bekommt einen der besten Psychothriller der Serie.

Ein Muss für alle, die es etwas düsterer mögen und wissen wollen, warum Bob manchmal nachts nicht schlafen kann.

Wusstest du schon?

Dies ist der zweite Auftritt von Clarissa Franklin nach Folge 76 'Stimmen aus dem Nichts'.
Der Sprecher von Kevin Anderson ist Thomas Bug, ein bekannter deutscher Radio- und Fernsehmoderator (u.a. VIVA, WDR), was als prominente Gastbesetzung gedacht war.
Justus erwähnt im Dialog 'unsere Freundinnen Liz, Lys und Kelly', was einer der letzten aktiven Einbeziehungen der Freundinnen in die Handlung entspricht, bevor sie aus der Serie geschrieben wurden.
Cover
Bewertung
8
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8.5 von 10 hypnotisierten Detektiven
Das Rätsel
Kein klassisches 'Wer war es?', sondern ein Psychothriller. Dass Clarissa Franklin hinter 'Mystery' steckt, ist für den Hörer schnell klar. Der Reiz liegt im Motiv und der Aufdeckung des perfiden Systems um den 'Ghostwriter' Steven.
Plot & Logik
Die Geschichte ist spannend konstruiert, leidet aber unter einem massiven Logikloch im Finale: Justus behauptet, das Gift 'vorsorglich' ausgetauscht zu haben. Wann und wie er in der kurzen Zeit in der Klinik unbemerkt den Medizinschrank manipulieren konnte, bleibt völlig unerklärt und wirkt wie ein 'Deus Ex Machina'.
Kapitel
1 "Prime-Time" 0:00 min
2 Kälteschauer 8:33 min
3 Rufmord 18:43 min
4 Reue 25:24 min
5 Ausgetrickst 34:49 min
6 Machtspiele 45:08 min
7 In der Gummizelle 56:01 min
8 Die Flügel der Nachtigall 66:47 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brillant in der Analyse, aber im Finale grenzt seine Vorhersehung fast an Hellseherei. Er übernimmt die Führung beim technischen Lauschangriff.
P
Peter Shaw
Fungiert hier eher als pragmatischer Unterstützer und Fahrer, hat aber starke Momente bei der Durchführung der 'Wäscherei'-Tarnung.
B
Bob Andrews
Der heimliche Star der Folge. Seine traumatische Vorgeschichte mit Clarissa Franklin verleiht dem Fall eine emotionale Tiefe, die selten ist. Sein Alleingang in die Klinik zeigt großen Mut.

Sprecher

Verwandte Folgen

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