Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt mit einer ruppigen Geburtstagsüberraschung für Peter Shaw: Justus und Bob 'entführen' ihn gefesselt und mit einem Sack über dem Kopf, um ihn schließlich zu einer Achterbahnfahrt einzuladen. Das Ziel ist der Zirkus Tonkatis, dessen Direktor Alois Copper ein alter Bekannter von Onkel Titus ist. Die Hauptattraktion des Zirkus ist 'Danorak', ein angebliches Monster aus Alaska. Während der Vorstellung fällt der Strom aus, und im Chaos wird der Frau des Bürgermeisters eine Kette gestohlen. Kurz darauf bemerken die Detektive, dass Danoraks Käfig leer ist.

In der folgenden Nacht beobachten die drei ???, wie der Clown Pico den Zirkus verlässt, und begegnen kurz darauf auf der Straße einer riesigen, haarigen Gestalt. Ihre Verfolgung führt sie zum Haus von Mrs. Berger, wo sie prompt von der Polizei als Einbrecher verhaftet werden, da Mrs. Berger kurz zuvor von einem 'Monster' überfallen wurde. Inspektor Cotta lässt sie jedoch laufen. Zurück im Zirkus finden sie den Tierpfleger Carter bewusstlos und zusammengeschlagen vor. Direktor Copper gesteht daraufhin, dass Danorak nur ein Schwindel sei – ein verkleideter Clown (Pico) mit Stimmverzerrer und Tonbandgerät.

Am nächsten Tag spitzt sich die Lage zu, als die Presse vom 'ausgebrochenen Monster' berichtet und der Zirkus vor dem Ruin steht. Die Detektive untersuchen Carters Wohnwagen und finden dort das Psychopharmakon 'Novril Insodon' sowie den gestohlenen (aber falschen) Schmuck der Bürgermeistergattin. Sie werden von Stuart überrascht, einem Gläubiger Carters, der sein Geld für eine verkaufte Achterbahn zurückfordert. Justus kombiniert die Fakten und konfrontiert Stuart: Carter hat nicht das Monsterkostüm benutzt, sondern den zirkuseigenen Gorilla Hannibal auf Medikamente gesetzt und darauf abgerichtet, glitzernde Gegenstände zu stehlen. In der Panik des Stromausfalls und später bei Mrs. Berger war es der Gorilla, der – teilweise in das Monsterkostüm gezwängt – auf Raubzug ging. Stuart wird überwältigt, als er versucht, den vermeintlichen Schmuck aus dem Monsterkäfig zu holen und dabei von Justus und Peter eingesperrt wird.

Review

Gorillas im Nebel – und Peter im Sack! Ein Trash-Fest zum Feiern.
Justus und Bob entführen Peter zum Geburtstag, ein Gorilla auf Drogen klaut Modeschmuck und Inspektor Cotta verzweifelt. Warum Folge 94 völlig absurd, aber genau deshalb genial ist.

Hallo liebe Kassettenkinder und Streaming-Junkies!

Heute widmen wir uns einer Folge, die in der Fan-Community einen ganz speziellen Platz einnimmt. Sie ist nicht das literarische Meisterwerk eines „Feuerteufels“, aber sie hat einen Unterhaltungswert, der höher ist als der Blutdruck von Peter Shaw in einer Geisterbahn. Wir sprechen über Folge 94: Das schwarze Monster. Schnappt euch ein Stück von Tante Mathildas Kirschkuchen, lehnt euch zurück (aber nicht zu weit, sonst landet ihr im Sack) und lasst uns analysieren, warum ein drogensüchtiger Gorilla manchmal genau das ist, was wir brauchen.

ERSTER EINDRUCK


Der Einstieg ist pures Gold. Man drückt auf Play und denkt: „Moment, höre ich hier gerade ein Verbrechen?“ Peter wird an seinem Geburtstag gefesselt, geknebelt und mit einem Sack über dem Kopf entführt. Von Justus und Bob. Das ist Mobbing auf höchstem Detektiv-Niveau! Man lacht, man leidet mit Peter, und man weiß sofort: Das hier wird keine normale Ermittlung, das wird ein Trip. Der Vibe ist herrlich trashig-mysteriös, so eine Mischung aus klassischer Grusel-Folge und einer Scooby-Doo-Episode auf Steroiden.

DIE STORY


Justus und Bob schenken Peter einen Besuch im „Zirkus Tonkatis“. Doch statt Popcorn und Clowns gibt es „Danorak“, das Monster aus Alaska. Als während der Vorstellung der Strom ausfällt (Klassiker!), verschwindet Schmuck und das Monster bricht angeblich aus. Es folgen: Ein nächtlicher Einbruch bei Mrs. Berger, eine Verfolgungsjagd und die Erkenntnis, dass das Monster vielleicht doch nicht nur ein Mann im Kostüm ist. Am Ende stehen wir vor der wohl wildesten Auflösung der Neuzeit: Ein Gorilla, der auf Psychopharmaka gesetzt wurde, um Modeschmuck zu klauen, damit Schulden für eine Achterbahn bezahlt werden können. Ja, ihr habt richtig gelesen. Das ist der Plot. Und er ist großartig in seiner Absurdität.

UNSERE HELDEN


Peter Shaw ist der absolute MVP dieser Folge. Der arme Kerl will nur seinen Geburtstag feiern und endet als Geisel seiner Freunde, wird in eine Achterbahn gezwungen und muss dann noch ein Monster jagen. Seine Panik in der Achterbahn („Eine Achterbahn, ihr Idioten!“) ist oscarverdächtig. Jens Wawrczeck spielt das mit einer Inbrunst, dass man ihn einfach in den Arm nehmen möchte.

Justus Jonas läuft zur Hochform auf, wenn es darum geht, Leute verbal in die Ecke zu drängen. Sein Verhör am Ende („Hat Ihnen eigentlich schon mal jemand gesagt, dass Sie ungeheuer dämlich sind?“) ist der Justus, den wir lieben: Arrogant, brillant und völlig ohne Geduld für kriminelle Dummheit.

Bob Andrews ist hier der pragmatische Wingman. Er fährt den Passat (bzw. den Käfer, je nach Interpretation der Ära), identifiziert Medikamente und macht brav bei der Entführung mit. Solide Leistung, aber die Show stehlen die anderen beiden.

DIE GEGENSPIELER


Die menschlichen Gegenspieler (Carter, Stuart) sind eher blass und dienen nur als Mittel zum Zweck. Der wahre „Antagonist“ ist die Situation selbst – und natürlich Hannibal, der Gorilla. Dass ein Tier zum Juwelendieb umschult, ist zwar biologisch fragwürdig, aber als Bedrohungsszenario funktioniert es erstaunlich gut, besonders in den dunklen Szenen.

BESTE MOMENTE


1. Die Entführung: „Happy Birthday, Peter! Jetzt rein in den Sack!“ – Der Dialog im Campingwagen ist Comedy-Gold.
2. Das Verhör bei Cotta: Als die drei ??? verhaftet werden (mal wieder) und Justus Inspektor Cotta quasi diktiert, wie er seinen Job zu machen hat. Die Chemie zwischen Cotta und den Jungs ist hier schon wunderbar etabliert.
3. Der Twist: Der Moment, als klar wird, dass es zwei Monster gibt – den Clown im Kostüm UND den echten Gorilla. Das ist so drüber, dass es schon wieder genial ist.

SCHWACHSTELLEN


Wir müssen über den Elefanten – oder besser den Gorilla – im Raum sprechen. Der Plan der Verbrecher ist so unnötig kompliziert, dass er fast schon wehtut. Warum einen Gorilla dressieren? Warum für Modeschmuck? Und wie genau funktioniert das logistisch? Ein Gorilla, der gezielt „Glitzerndes“ klaut und dabei nicht auffällt? Hier hat Autor André Marx die „Suspension of Disbelief“ bis zum Zerreißen gespannt. Wer Logik sucht, ist hier falsch. Wer Action will, ist richtig.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge markiert eine interessante Phase. Wir befinden uns im Jahr 2000, die Serie hat sich nach der „New Era“ wieder stabilisiert. André Marx war zu dieser Zeit der „Retter“ der Serie, derjenige, der Qualität und klassisches Feeling zurückbrachte. Dass ausgerechnet er diesen Trash-Plot geschrieben hat, ist ironisch, aber es zeigt auch, dass die drei ??? wieder experimentierfreudiger wurden. Es ist keine „Deep Lore“-Folge wie das Erbe des Meisterdiebs, aber sie festigt die Rolle von Inspektor Cotta als festem Verbündeten.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es interessant für Nerds! Wir hören Werner Cartano als Zirkusdirektor Alois Copper. Cartano ist ein Urgestein des Europa-Labels. Die Hardcore-Fans kennen ihn als Dick Perry aus Folge 37 (Der heimliche Hehler)! Ihn hier wiederzuhören, ist wie ein Besuch von einem alten Bekannten.

Außerdem dabei: Holger Mahlich als Inspektor Cotta. Er hat die Rolle des polizeilichen Kontakts zu dieser Zeit fest im Griff und bringt diese wunderbare Mischung aus Genervtheit und Respekt rüber, die Reynolds nie ganz so draufhatte.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Ein spannender Fact für Besserwisser: Im Buch heißt der Zirkus „Trinket“, im Hörspiel wurde er in „Tonkatis“ umbenannt – vermutlich, weil „Trinket“ im Deutschen blöd klingt oder rechtliche Gründe hatte.

Noch spannender: Autor André Marx hat selbst zugegeben, dass er das Buch nicht besonders mag. Er schrieb es kurz nach seinem Umzug nach Berlin, während er noch zwischen Umzugskartons saß. Er meinte mal in einem Interview, er habe es „einfach runtergeschrieben“. Das erklärt vielleicht, warum die Logik hier manchmal Urlaub macht. Aber genau dieser „Unfall“ macht die Folge heute zum Kult!

FAZIT & EMPFEHLUNG


Ist Das schwarze Monster ein Meisterwerk der Kriminalliteratur? Nein. Ist es ein riesiger Spaß? Absolut JA! Diese Folge ist perfekt für einen regnerischen Sonntagnachmittag. Sie nimmt sich selbst nicht zu ernst, liefert tolle Justus-Peter-Momente und hat diesen speziellen „Trash-Charme“, den wir an manchen Folgen so lieben. Ein Muss für Fans, die Peter leiden sehen wollen und Gorillas cool finden.

Also: Kopfhörer auf, Licht aus – und passt auf eure Halsketten auf!

Wusstest du schon?

Im Hörspiel heißt der Zirkus 'Tonkatis', in der Buchvorlage 'Trinket'. Die Änderung erfolgte vermutlich aus markenrechtlichen Gründen.
Peter Shaw feiert in dieser Folge Geburtstag, sein genaues Alter wird jedoch wie üblich verschwiegen ('Da muss man mit Überraschungen rechnen').
Der Name des Monsters 'Danorak' wird im Buch oft 'Dunnerak' geschrieben.
Werner Cartano (Alois Copper) ist ein Urgestein der Europa-Hörspiele und war schon in diversen frühen Folgen zu hören.
Cover
Bewertung
6
🦍 🦍 🦍 🦍 🦍 🦍 🦍 🦍 🦍 🦍
6 von 10 betäubten Gorillas
Das Rätsel
Die Grundidee ist eine klassische Scooby-Doo-Variation: Ein angebliches Monster entpuppt sich als Fake. Der Twist, dass hinter dem 'Fake-Monster' (Mensch im Kostüm) noch ein 'echtes Tier' (der Gorilla) steckt, ist clever konstruiert. Die Auflösung ist logisch hergeleitet, auch wenn die Idee eines juwelenstehlenden, medikamentenabhängigen Gorillas schon sehr weit hergeholt wirkt.
Plot & Logik
Der Plan des Täters ist unnötig kompliziert. Warum einen Gorilla dressieren, um billigen Modeschmuck zu klauen, um Schulden für eine Achterbahn zu bezahlen? Dass der Gorilla ausgerechnet während des Stromausfalls 'aktiviert' wird und dann später noch mal im Kostüm loszieht, erfordert viel 'Suspension of Disbelief'. Justus' Schlussfolgerungen am Ende wirken fast schon hellseherisch präzise für die dünne Faktenlage.
Kapitel
1 Im Reich der wilden Tiere 0:00 min
2 Dunnerak 11:26 min
3 Ein Schrei in der Nacht 21:08 min
4 Der leere Käfig 30:09 min
5 Das Geheimnis des Monsters 41:36 min
6 Affentheater 45:27 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist in Hochform, was die Analyse angeht. Er durchschaut schnell, dass Copper mehr weiß, als er zugibt. Sein Verhör von Stuart am Ende ist dominant und rhetorisch stark ('Hat Ihnen eigentlich schon mal jemand gesagt, dass Sie ungeheuer dämlich sind?').
P
Peter Shaw
Peter ist der Star der Folge. Vom 'Entführungsopfer' an seinem Geburtstag bis zum unfreiwilligen Monster-Jäger. Seine Panik in der Achterbahn und seine Skepsis gegenüber dem 'Menschen im Kostüm' ('So bewegt sich kein Mensch') sind essenziell für die Lösung.
B
Bob Andrews
Bob übernimmt hier eher die klassische Recherche- und Fahrerrolle. Er hat weniger starke Einzelmomente als Peter, ist aber als nüchterner Beobachter wichtig, etwa als er die Medikamente identifiziert.

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 93 Alle Folgen Nächste Folge Folge 95