Zusammenfassung

Der Fall beginnt auf dem Schrottplatz – pardon, Gebrauchtwarencenter – wo der exzentrische Elliot Littlehorn die drei ??? aufsucht. Er spricht in Rätseln, möchte Hilfe beim „Gewinnen“ und behauptet vage, bestohlen worden zu sein. Er führt die Detektive zu seinem Wohnwagen an der Steilküste, wo er ihnen seine „Sturz in die Sonne“-Hütchenspiel-Show demonstriert. Kurz darauf trifft der Zirkus „Der finstere Stern“ ein, dem Littlehorn vorausgereist ist. Es herrscht dicke Luft zwischen ihm und dem Zirkuschef Kelvin Mitchell.

Die Detektive beobachten seltsame Vorfälle: Ein Dieb mit rosa Muff beklaut einen glatzköpfigen Besucher, und ein Hund verschwindet, nur um magisch wieder aufzutauchen. Justus durchschaut das Spiel schnell: Die Diebstähle und Wunder sind inszeniert, um Werbung für den Zirkus zu machen, der auf Mundpropaganda setzt. Doch die harmlose PR-Show wird ernst, als eine unheimliche alte Frau auftaucht und von einem „Sakrileg“ spricht, und kurz darauf Kirschkerne als Drohbotschaft auftauchen. Die Situation eskaliert, als der Wohnwagen von Zirkuschef Mitchell tatsächlich in Flammen aufgeht – Brandstiftung.

Bob recherchiert mithilfe des Ahnenforschers Dr. Benchfield die Geschichte des Zirkus, der einst von den fünf Franklin-Geschwistern gegründet wurde. Die Legende der „zwei Lebenden und drei Toten“ bezieht sich auf diese Familie. Bob findet heraus, dass es noch lebende Nachfahren gibt: Emily (eine Enkelin der Gründerin) und deren Enkelin Loreen Greenwald. Justus kombiniert, dass die alte Frau auf dem Festplatz die verkleidete Emily war und ihre Enkelin sich unerkannt im Zirkus aufhält.

Justus stellt eine Falle, indem er eine Versammlung einberuft. Er konfrontiert die Süßwarenverkäuferin Zoey damit, in Wahrheit Loreen zu sein. Zoey flieht panisch Richtung Klippen und stürzt fast ab, wird aber von Bob in letzter Sekunde gerettet. Im Anschluss gesteht sie: Sie wollte ihr vermeintliches Erbe antreten, indem sie Mitchell durch den Spuk und die Legende vertreibt, um den Zirkus dann günstig zu kaufen. Ihre Großmutter Emily hatte sie unwissentlich inspiriert und kurzzeitig unterstützt, ohne das Ausmaß von Zoeys Plänen zu kennen.

Review

SpongeBob im Zirkus des Grauens? 🎪👻
Wenn Justus Jonas auf SpongeBobs Stimme trifft, kann das nur eines bedeuten: Wir sind im Zirkus! Warum Folge 198 'Die Legende der Gaukler' ein Fest für Bob-Fans ist, aber eure Ohren verwirren könnte, lest ihr hier.

Moin liebe Detektiv-Kollegen und willkommen zurück in der Zentrale!

Heute knöpfen wir uns einen Fall vor, der mich beim ersten Hören emotional völlig verwirrt hat. Warum? Weil ich die ganze Zeit darauf gewartet habe, dass jemand „Ich bin bereit, ich bin bereit!“ ruft oder Krabbenburger brät. Aber dazu später mehr. Legt die Kirschkuchen-Gabeln beiseite, schnappt euch eine Visitenkarte (ihr wisst schon, die ohne Telefonnummer) und lasst uns eintauchen in Folge 198: Die Legende der Gaukler.

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr diese Folgen, die auf dem Schrottplatz beginnen und man sich sofort zu Hause fühlt? Genau so startet dieser Fall. Man riecht förmlich das alte Motoröl und Tante Mathildas frisch gebackene Kekse (oder in diesem Fall: die Abwesenheit derselben, weil wir ja arbeiten müssen). Aber dann... dann öffnet Elliot Littlehorn den Mund. Und plötzlich ist man nicht mehr in Rocky Beach, sondern in Bikini Bottom. Der erste Eindruck ist also: Skurril, atmosphärisch dicht, aber akustisch eine echte Herausforderung für mein inneres Kind.

DIE STORY


Alles beginnt herrlich mysteriös: Ein gewisser Elliot Littlehorn taucht bei Titus Jonas auf und faselt wirres Zeug über „Gewinnen“ und Diebstähle, die vielleicht gar keine sind. Er lockt unsere drei Fragezeichen zu einem Wanderzirkus, der so düster ist, dass er selbst Gotham City Konkurrenz machen könnte. Der Zirkus „Der finstere Stern“ (allein der Name verdient einen Preis für subtiles Marketing) wird von einer uralten Legende geplagt: „Zwei Lebende und drei Tote“. Klingt wie der Titel eines schlechten Mathe-Rätsels, ist aber der Kern eines jahrzehntealten Familiendramas.

Das Besondere: Zunächst wirkt alles wie ein abgekartetes Spiel. Justus, unser menschlicher Supercomputer, merkt schnell: Die Diebstähle auf dem Rummel sind Fake! Alles nur PR, um Leute anzulocken. Doch gerade als man denkt „Okay, Fall gelöst, ab zu Rubbish George“, brennt plötzlich wirklich ein Wohnwagen. Aus Spaß wird Ernst, aus PR wird Rache, und aus einem harmlosen Hütchenspieler-Trick wird ein Kampf um Leben und Tod an der Steilküste.

UNSERE HELDEN


Justus „The Brain“ Jonas: Der Erste Detektiv ist hier in Bestform. Ich liebe es, wenn Justus Dinge durchschaut, während alle anderen noch mit offenem Mund dastehen. Seine Analyse der „Diebstähle“ (der Mann mit der Glatze, der Hund, der verschwindet) ist Sherlock Holmes pur. Er lässt sich von dem ganzen Zirkus-Hokuspokus keine Sekunde blenden.

Peter „Der Schisser“ Shaw: Peter darf mal wieder den Action-Part übernehmen und vor allem: Angst haben. Aber auf die sympathische Art. Seine Skepsis gegenüber der Wahrsagerin ist herrlich, und bei der Verfolgung des „Diebes“ zeigt er, warum er der Sportler im Team ist. Ein solider Peter-Fall, auch wenn er intellektuell diesmal eher die zweite Geige spielt.

Bob „Recherche-Gott“ Andrews: Freunde, das ist ein BOB-Fall! Während Justus noch kombiniert, hängt Bob schon am Telefon mit Dr. Benchfield (einem Ahnenforscher, weil Bob natürlich solche Leute in seinem Rolodex hat). Ohne Bobs Wühlen in alten Zirkus-Archiven wäre der Fall unlösbar gewesen. Und am Ende? Da wird der Bibliothekar zum Actionhelden an der Klippe. Respekt, Mr. Andrews!

DIE GEGENSPIELER


Die wahre Antagonistin entpuppt sich erst spät: Zoey, die unscheinbare Süßwarenverkäuferin, die eigentlich Loreen Greenwald heißt. Ein klassischer „Wolf im Schafspelz“. Ihr Plan ist so theatralisch wie riskant: Erst Fake-Terror verbreiten, um den Preis zu drücken, dann den Laden übernehmen. Dass sie am Ende fast in den Tod stürzt, gibt der Figur eine tragische Note.

Aber der heimliche Star (oder Nervfaktor, je nach Geschmack) ist Elliot Littlehorn. Er ist zwar kein Bösewicht, aber als undurchsichtiger Auftraggeber treibt er die Handlung voran. Seine Hütchenspieler-Mentalität passt perfekt zum Thema: Nichts ist, wie es scheint.

BESTE MOMENTE


1. Das Orakel von Rocky Beach: Die Szene mit der Wahrsagerin ist Gold wert. Justus zerlegt ihren Hokuspokus rein rational, während Peter fast an Geister glaubt. Klassische Dynamik!
2. Bobs Rettungsaktion: Das Finale an der Steilküste ist überraschend spannend inszeniert. Dass ausgerechnet Bob das Mädchen festhalten muss, während Justus wahrscheinlich physikalische Berechnungen zur Reißfestigkeit von Textilien anstellt, war ein Highlight.
3. Die Meta-Ebene: Dass die Verbrechen im Zirkus anfangs nur inszeniert sind („Fake News“ im Hörspiel!), fand ich einen sehr modernen und cleveren Twist von Autor Christoph Dittert.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan von Zoey ist... kompliziert. Sie inszeniert Spuk, um den Zirkus billig zu kaufen? Warum nicht einfach warten, bis der Laden pleite geht? Zirkusse haben es eh schwer. Und dann zündet sie den Wagen an? Die Eskalationsstufe von „Ich klaue einen rosa Muff“ zu „Ich fackle den Laden ab“ war mir etwas zu steil. Zudem braucht die Folge am Anfang etwas lange, um in Fahrt zu kommen. Littlehorns Geschwurbel ist zwar lustig, aber man möchte ihm manchmal zurufen: „Komm zum Punkt, SpongeBob!“

SERIEN-KONTEXT


Zirkus-Folgen haben bei den drei ??? eine lange Tradition, sind aber oft... speziell. Denkt an „Tatort Zirkus“ (Folge 57) – ein Klassiker, aber auch ein bisschen trashig. Oder „Die schwarze Katze“ (Folge 4), wo der Rummelplatz eine große Rolle spielt. „Die Legende der Gaukler“ ordnet sich hier eher in die Reihe der düsteren, atmosphärischen Folgen ein, ähnlich wie „Der weinende Sarg“. Es ist kein Action-Blockbuster, sondern eher ein Kammerspiel mit Grusel-Touch.

Interessant für die Kontinuität: Wir sind mal wieder auf dem Gebrauchtwarencenter! Das ist in den neueren Folgen (leider) gar nicht mehr so selbstverständlich, da oft direkt in die Action gesprungen wird. Hier nimmt man sich Zeit für das Setting, was mir als Old-School-Fan das Herz wärmt.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Kommen wir zum Elefanten im Raum: Santiago Ziesmer als Elliot Littlehorn. Ja, es ist die Stimme von SpongeBob Schwammkopf (und Steve Urkel für die älteren Semester). Ziesmer ist eine Legende, keine Frage. Aber seine Stimme ist so markant, dass man unweigerlich gelbe Schwämme vor Augen hat. Man liebt es oder man hasst es. Fun Fact: Ziesmer war schon früher dabei, zum Beispiel in Folge 147 „Grusel auf Campbell Castle“ als Adam Campbell. Er gehört also fast schon zur erweiterten Rocky-Beach-Familie.

Ein weiterer Name, der aufhorchen lässt: Harald Dietl als Dr. Benchfield. Dietl war ein Urgestein der deutschen Synchron- und Schauspielszene (bekannt aus unzähligen Krimis wie „Die Männer vom K3“). Er verstarb 2022, was diesen Auftritt zu einem seiner späteren im ???-Universum macht. Eine schöne, seriöse Stimme, die den perfekten Kontrast zu Ziesmers Quieken bildet.

Manuela Eifrig (Zoey) kennt man übrigens auch aus der Gaming-Welt – sie spricht unter anderem Jill Valentine in den „Resident Evil“-Remakes. Kein Wunder, dass sie auch als Bösewichtin eine gute Figur macht!

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem Buch von Christoph Dittert und erschien im März 2019. Dittert ist bekannt dafür, dass er gerne komplexe Konstrukte baut (manchmal zu komplex?). Im Buch ist die Hintergrundgeschichte der Gaukler-Familie noch detaillierter ausgearbeitet, was im Hörspiel naturgemäß etwas gestrafft werden musste. Trotzdem hat André Minninger (Drehbuch) hier einen guten Job gemacht, die Essenz der „Legende“ zu bewahren, ohne dass wir drei Stunden Monologe hören müssen.


FAN-SERVICE-CHECK


Schrottplatz-Feeling: Check. Der Start bei Titus Jonas ist purer Fan-Service.
Justus' Visitenkarte: Wird (gefühlt) überreicht.
Bobs Archiv: Spielt eine zentrale Rolle.
Skurriler Auftraggeber: Littlehorn reiht sich nahtlos in die Galerie der seltsamen Klienten ein.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Die Legende der Gaukler“ ist eine solide Folge mit viel Atmosphäre, die aber unter einem etwas konstruierten Plot leidet. Wer Zirkus-Grusel mag und kein Problem damit hat, dass der Auftraggeber klingt, als würde er gleich Krabbenburger braten, wird hier gut unterhalten. Es ist kein All-Time-Classic, aber eine gute „Mittelfeld-Folge“, die durch die starken Sprecherleistungen (insbesondere Rohrbeck und Fröhlich) aufgewertet wird.

Für wen? Fans von Rätsel-Folgen und Zirkus-Atmosphäre.
Eher nicht für: Leute, die allergisch auf SpongeBob-Stimmen reagieren oder Action-Feuerwerke erwarten.

Bleibt neugierig, Kollegen!

Wusstest du schon?

Der Titel der Legende 'Die zwei Lebenden und die drei Toten' ist ein reales Motiv aus dem Mittelalter (memento mori), das hier für die Zirkusgeschichte adaptiert wurde.
Santiago Ziesmer, die deutsche Stimme von SpongeBob Schwammkopf, leiht dem Charakter Elliot Littlehorn seine markante Stimme.
Dies ist eine der Folgen, in denen Bob nicht nur im Archiv sitzt, sondern durch seine Recherche den entscheidenden Wendepunkt (Identifikation der Erbin) herbeiführt.
Cover
Bewertung
6
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6 von 10 magischen Hütchen
Das Rätsel
Die Grundkonstruktion ist clever: Ein Fall, der zunächst wie eine plumpe Diebstahlserie aussieht, entpuppt sich als PR-Stunt, hinter dem sich ein echtes Familiendrama verbirgt. Der Twist, dass die 'Verbrechen' erst fake sind und dann real werden, hält das Interesse wach.
Plot & Logik
Der Plan der Täterin ist riskant und etwas theatralisch – eine typische Drei-???-Schurkin, die lieber auf alte Legenden setzt als auf Anwälte. Dass Justus die Inszenierung der Diebstähle sofort durchschaut, ist logisch, aber dass Zoey ausgerechnet jetzt zur Brandstifterin wird, wirkt etwas überhastet eskaliert.
Kapitel
1 "Helft mir zu gewinnen!" 0:00 min
2 Von Zwergen und Dieben 9:24 min
3 Drei Tote 16:38 min
4 Zwei Lebende 28:55 min
5 Unheil 32:53 min
6 Unrat 40:00 min
7 Ahnenforschung 53:05 min
8 Fallensteller 59:20 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch seine Beobachtungsgabe. Er durchschaut das 'Hütchenspiel' der Zirkusleute sofort und lässt sich von den inszenierten Diebstählen nicht blenden. Sein Plan mit der Versammlung ist klassisch.
P
Peter Shaw
Ist der Mann für die Action und die emotionalen Reaktionen auf die 'gruselige' Legende. Seine Verfolgungsjagd des falschen Diebes ist ein Highlight, ebenso seine Skepsis gegenüber dem Orakel.
B
Bob Andrews
Trägt die Hauptlast der Lösung durch seine Recherchearbeit. Das Telefonat mit Dr. Benchfield ist der Schlüssel zum Fall, und seine Rettungstat an der Klippe gibt ihm einen starken Heldenmoment.

Sprecher

Verwandte Folgen

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