Zusammenfassung

Die drei ??? übernehmen einen Fall für Dr. Sandra Sandler von einer Musikstiftung, die das bizarre Fogmeyer House gemietet hat. Dort soll der verstorbene Erfinder Fenn Fogmeyer einst das 'Phantasmofon' gebaut haben – ein Gerät, das Geisterstimmen in Licht und wieder in Töne wandelt. Peter ist skeptisch und hat Geistern abgeschworen, doch vor Ort erleben die Detektive flackernde Lichter und unheimliche Klänge, die durch das komplexe Rohrsystem des Hauses geleitet werden. Ein anonymer Anrufer, der sich 'Niemand' nennt, fordert die Detektive auf, das Haus zu verlassen, und warnt mit pseudowissenschaftlichen Drohungen vor einem schwarzen Loch. Justus inszeniert eine Flucht, doch bei der heimlichen Rückkehr tappt Bob in eine Falle und stürzt eine Treppe hinab, während Peter von einem flüchtigen Einbrecher niedergeschlagen wird.

Am nächsten Tag teilen sich die Detektive auf: Bob recherchiert an der Uni bei Fogmeyers Erbin Professorin Kapoor und findet auf einem Wachszylinder eine Rätselbotschaft. Peter befragt den Nachbarn Mr. Watts und erfährt von einer Halloween-Tradition, bei der Fogmeyer das Gerät Kindern vorführte. Justus kombiniert die Hinweise und erkennt in Fogmeyers Rätsel ('Die Produkte aus Volt und Ampere') den Namen des Nachbarn: Watt. Währenddessen taucht im Haus eine junge Frau auf, die behauptet, die Stipendiatin Tess Songora zu sein und überfallen worden zu sein. Als 'Niemand' erneut anruft und droht, die Freunde zu entführen, wenn Justus ihm nicht das Phantasmofon aushändigt, stellt Justus dem Erpresser eine Falle.

Es stellt sich heraus, dass die angebliche Tess Songora in Wahrheit Ria Thompson ist, die Assistentin der Professorin. Sie steckte hinter dem Spuk, den Anrufen und dem Einbruch, um das wertvolle Gerät zu stehlen. Justus überführt sie mithilfe eines Fotos der echten Tess. Im Finale versammeln sich alle mit Mr. Watts im Salon. Um Punkt acht Uhr an Halloween (simuliert durch die verstellte Uhr) öffnet sich ein Geheimversteck. Das Phantasmofon kommt zum Vorschein – doch es ist keine Erfindung Fogmeyers, sondern das Werk der vergessenen Erfinderin Charlotte Ashwood, deren Ruhm Fogmeyer mit diesem letzten Rätsel wiederherstellen wollte.

Review

Licht aus, Spot an – Geisterstunde mit Physik-Nachhilfe!
Peter glaubt nicht mehr an Geister, Justus baut ein 'Justaphon' und im Keller wartet ein schwarzes Loch? Folge 235 ist ein atmosphärisches Brett mit einer wichtigen Botschaft und legendären Gastsprechern!

Moin, liebe Detektive und Kassettenkinder!

Schnappt euch ein Stück von Tante Mathildas Kirschkuchen (aber den guten, nicht den, den Justus schon angeknabbert hat) und macht es euch im Sessel bequem. Heute wird es nicht nur gruselig, sondern auch verdammt physikalisch! Wir werfen einen Blick auf die Folge 235: „und das Fantasmofon“. Und Leute, ich sage euch gleich vorweg: Wenn ihr dachtet, ihr hättet in Physik nicht aufgepasst, dann wartet mal ab, was Justus Jonas euch heute um die Ohren haut.

ERSTER EINDRUCK


Schon das Cover schreit förmlich „Atmosphäre“! Ein altes Haus, Nebel, düstere Stimmung – das Fogmeyer House (oder Fogmire, wie die Puristen sagen) lädt förmlich dazu ein, dass man sich darin verläuft. Der Titel „Fantasmofon“ klingt herrlich nach Jules Verne trifft Geisterbahn. Man drückt auf Play und – ZACK – sind wir mittendrin. Kein langes Vorgeplänkel in der Zentrale, keine Diskussionen darüber, wer den Müll rausbringt. Wir starten in media res im Auto. Das ist frisch, das ist schnell, das gefällt mir. Aber Moment mal... Peter glaubt nicht an Geister? Was ist denn hier los? Hat unser Zweiter Detektiv etwa heimlich Yoga gemacht oder eine Überdosis Rationalität gefrühstückt?

DIE STORY


Kurz und schmerzlos: Die drei ??? sind im Fogmeyer House, einem verwinkelten Kasten in den Santa Monica Mountains, der von einer Musikstiftung genutzt wird. Dr. Sandra Sandler hat die Jungs engagiert, weil es dort spukt: Stimmen, Lichter, Brummen. Der verstorbene Erfinder Fenn Fogmeyer soll hier das titelgebende „Fantasmofon“ gebaut haben, ein Gerät, das Geisterstimmen in Licht und wieder zurück in Töne wandelt. Klingt abgefahren? Ist es auch. Ein mysteriöser Anrufer namens „Niemand“ (Odysseus lässt grüßen!) droht mit kosmischen Katastrophen und einem schwarzen Loch im Keller. Ja, richtig gelesen. Ein schwarzes Loch. In Santa Monica. Die Immobilienpreise dürften im Keller sein.

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster ist mal wieder in Hochform. Er durchschaut den physikalischen Humbug des Erpressers schneller, als er „spezialgelagerter Sonderfall“ sagen kann. Sein Highlight: Die Inszenierung der Flucht und der Einsatz des „Justaphons“ (ein umgebauter Audioblocker). Ein klassischer „Ich habe da mal was vorbereitet“-Moment, den wir so lieben.

Peter: Hier wird es spannend! Peter hat beschlossen, seine Angst zu rationalisieren. „Alles nur Physik“, redet er sich ein. Das ist fast schon niedlich, wie er versucht, cool zu bleiben, während ihm innerlich wahrscheinlich der Puls durch die Decke geht. Aber: Er zieht es durch! Er interviewt empathisch den Nachbarn Mr. Watts und zeigt sich im Finale erstaunlich robust. Ein Hoch auf den neuen, mutigen Peter (mal sehen, wie lange das hält)!

Bob: Der Mann für Archiv und Staub. Bob wühlt sich durch die Uni-Unterlagen und findet die entscheidende Wachswalze. Leider ist er auch derjenige, der die Treppe runtersegelt. Armer Bob, immer auf die Kontaktlinsen-Träger!

DIE GEGENSPIELER


Die Antagonistin Ria Thompson (alias „Niemand“ alias „falsche Tess Songora“) liefert eine solide Performance ab. Technisch versiert, skrupellos, aber am Ende von der eigenen Arroganz und Justus' Genie geschlagen. Die Idee, die drei ??? mit Pseudowissenschaft zu verjagen, war kreativ, aber bei Justus natürlich zum Scheitern verurteilt. Ein solider Bösewicht, der aber gegen die Atmosphäre des Hauses fast etwas verblasst.

BESTE MOMENTE


1. Das Watt-Rätsel: „Die Produkte aus Volt und Ampere“. Okay, für uns alte Hasen war das so offensichtlich, dass es fast weh tat, aber wie Justus es herleitet und mit dem Namen des Nachbarn verknüpft – Chef’s Kiss.
2. Die Brüllblumen: Die Erklärung der akustischen Phänomene durch die Spielplatz-Rohre („Brüllblumen“) war ein wunderbar bodenständiger Moment inmitten des Spuks.
3. Das Finale: Punkt acht Uhr, Halloween, die Uhr schlägt (oder auch nicht), und das Geheimversteck öffnet sich. Das ist klassisches Abenteuer-Kino für die Ohren.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Die Sache mit dem „Schwarzen Loch“ und der „Singularität“ war schon sehr drüber. Dass Ria dachte, damit käme sie bei Justus Jonas durch, zeugt von mangelnder Recherche ihrerseits. Und die Laufzeit: Über 80 Minuten! Das ist ein Brett. Manchmal hätte man den Mittelteil etwas straffen können, auch wenn die Atmosphäre toll war.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier müssen wir kurz innehalten und den Hut ziehen. Die Besetzung ist Gold wert:

Ursula Sieg (Charlotte Ashwood): Leute! Das ist TIFFY! Ja, die Tiffy aus der Sesamstraße! Ursula Sieg ist eine absolute Legende. Sie war schon in Folge 176 (...und der gestohlene Sieg) als Beatrice dabei. Ihre Stimme zu hören, ist wie eine warme Decke aus Kindheitserinnerungen.
Peter Franke (Mr. Watts): Ein Schauspiel-Urgestein (Das Wunder von Bern, diverse Tatorte). Er war auch schon in neueren Folgen wie Feuriges Auge oder Tauchgang ins Ungewisse zu hören. Er verleiht Mr. Watts diese knorrige, aber herzliche Art, die man sofort mag.
Michael Prelle (Fenn Fogmeyer): Hier wird es traurig. Michael Prelle ist im Februar 2024 verstorben. Da die Folge erst im September 2025 erschien, ist dies eine seiner allerletzten Rollen (neben seiner Übernahme der Rolle des Chauffeurs Morton in Folge 224). Seine Stimme als verstorbener Erfinder aus dem „Jenseits“ (bzw. von der Wachswalze) zu hören, gibt dem Ganzen eine Gänsehaut-Ebene, die so sicher nicht geplant, aber sehr berührend ist. Ruhe in Frieden, Michael!
Viktoria Trauttmansdorff (Dr. Sandler): Eine hochkarätige TV-Darstellerin (Einsatz in Hamburg), die hier als Auftraggeberin glänzt.

SERIEN-KONTEXT & PRODUKTIONS-HISTORIE


Jetzt wird's nerdig, Freunde! Diese Folge stammt aus der Feder von Kari Erlhoff. Wer Kari kennt (z.B. von Botschaft aus der Unterwelt oder Im Bann des Drachen), weiß: Sie kann Atmosphäre! Das Fogmeyer House reiht sich nahtlos in die Tradition großer Spukhäuser ein, erinnert fast ein wenig an das Gespensterschloss oder die Flüsternde Mumie, nur mit mehr Technik.

Was diese Folge aber besonders macht, ist der „Matilda-Effekt“. Habt ihr das gegoogelt? Das ist das reale Phänomen, dass wissenschaftliche Leistungen von Frauen oft Männern zugeschrieben werden. Dass Charlotte Ashwood die wahre Erfinderin war und nicht Fogmeyer, ist eine tolle, moderne Botschaft, die dem Fall eine unerwartete Tiefe gibt. Bildungshörspiel, ick hör dir trapsen!

Interessant ist auch der Start in media res. Das Buch hat normalerweise eine Einleitung in der Zentrale, aber das Hörspiel wirft uns direkt ins Geschehen. Ein Kniff, den Regisseurin Heikedine Körting hier nutzt, um bei der enormen Länge (über 80 Minuten!) Zeit zu sparen.


FAN-SERVICE-CHECK


Blacky spricht! Unser Mynah hat Text! Und wer spricht ihn? Natürlich Heikedine Körting persönlich. Ein Fest!
Odysseus-Referenz: Der Anrufer nennt sich „Niemand“. Justus erkennt sofort die Anspielung auf die Odyssee. Wir nicken bedächtig.
  • Justus' Besserwisserei: Er korrigiert Peter bei physikalischen Einheiten. Das ist der Justus, den wir lieben (und manchmal schlagen wollen).

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Und das Fantasmofon“ ist eine starke, atmosphärische Folge, die vor allem durch ihr Sounddesign und die tolle Botschaft (Girl Power in der Wissenschaft!) punktet. Das Rätsel ist für Profis vielleicht etwas zu leicht, aber der Weg dahin macht Spaß. Besonders der Rollentausch – Peter mutig, Justus schauspielernd – bringt frischen Wind.

Ein Muss für Fans von Grusel-Atmosphäre und Technik-Rätseln. Und allein wegen Ursula Sieg und dem Gedenken an Michael Prelle gehört die CD (oder das Tape!) ins Regal.

Also: Licht an, Ohren auf und passt auf, dass euch kein schwarzes Loch verschluckt!

Wusstest du schon?

Die Folge thematisiert das reale Problem, dass Erfindungen von Frauen in der Geschichte oft Männern zugeschrieben wurden (Matilda-Effekt).
Der Name des Antagonisten 'Niemand' ist eine klassische Anspielung auf die Odyssee, wo sich Odysseus dem Zyklopen Polyphem als 'Niemand' vorstellt.
Die Sprecherin der Charlotte Ashwood, Ursula Sieg, ist eine Hörspiel-Legende und vielen noch als Stimme aus der 'Sesamstraße' bekannt.
Cover
Bewertung
6
🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒
6 von 10 Kirschkuchenstücken
Das Rätsel
Die Grundidee um das 'Phantasmofon' ist atmosphärisch stark, auch wenn die Auflösung des Kernrätsels ('Volt mal Ampere gleich Watt') für erfahrene Hörer sehr schnell durchschaubar ist. Die falsche Fährte mit der 'Singularität' ist herrlich abstrus, passt aber perfekt zum Charakter eines überdrehten Erpressers.
Plot & Logik
Die Geschichte ist in sich schlüssig, auch wenn Rias Plan, die Detektive mit Pseudophysik über schwarze Löcher zu verjagen, etwas gewagt wirkt – bei Peter hat es fast funktioniert, bei Justus natürlich nicht. Dass Justus den 'Audioblocker' genau im richtigen Moment dabei hat, ist ein klassischer 'Justus-hat-alles-vorbereitet'-Moment, aber verzeihlich.
Kapitel
1 Das Geistertelefon 0:00 min
2 Fogmire House 9:02 min
3 Gefahr in der Nacht 21:49 min
4 Neue Spuren 32:29 min
5 Volt und Ampere 47:08 min
6 Das Fantasmofon 61:36 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch seine Skepsis gegenüber der 'Geisterphysik' und durch seine Schauspielkunst bei der vorgetäuschten Flucht. Sein 'Justaphon'-Trick am Ende ist ein netter Kniff.
P
Peter Shaw
Überrascht positiv mit seinem neuen Vorsatz, nicht mehr an Geister zu glauben, was die Dynamik erfrischend ändert. Er zeigt sich zudem körperlich wehrhaft und führt ein empathisches Interview mit Mr. Watts.
B
Bob Andrews
Ist der König der Recherche. Sein Ausflug zur Uni und der Fund der Wachswalze sind essenziell für die Lösung. Er bekommt zudem ordentlich was ab (Treppensturz).

Sprecher

Verwandte Folgen

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