Zusammenfassung

Peter Shaw gerät auf dem Heimweg von einer Disco in dichten Nebel und fährt beinahe Deborah Snell an. Die völlig aufgelöste Joggerin behauptet, ein leuchtendes Geisterschiff gesehen zu haben. Am nächsten Tag auf dem Schrottplatz mischt sich Mr. King, ein Kunde von Onkel Titus, in das Gespräch der drei ??? ein. Er bestätigt die Sichtung und engagiert die Detektive. King entpuppt sich als Nachfahre des Piraten Hawk, genannt 'Der Tyrann', dem Erzfeind von Duncan, 'dem Finsteren'.

Justus, Peter, Bob und Mr. King fahren nachts aufs Meer hinaus und sehen tatsächlich die leuchtende 'Stormrider' mit einem winkenden Skelett an Bord, bevor sie sich scheinbar in Luft auflöst. Justus besucht daraufhin Conrad Farnham auf der Insel 'Der Haken'. Farnham, ein ehemaliger Filmproduzent, erzählt die Legende von Duncan und Hawk und dem verschollenen Schatz. Zurück in der Zentrale analysiert Bob Fotos des Geisterschiffs und entdeckt Unstimmigkeiten: Dem Skelett fehlt der linke Arm, genau wie Duncan. Justus kombiniert durch ein altes Tagebuch und ein Flaschenschiff aus dem Nachlass von Kings Großvater, dass die Schatzkarte im Modellschiff versteckt ist ('Direkt unter seinem Hintern').

Die Karte führt zu einer Unterwasserhöhle bei Farnhams Insel. Die drei ??? tauchen und finden Fässer mit 150 Jahre altem Whiskey. Als sie auftauchen, werden sie von Farnham und Snell gefangen genommen. Farnham gibt zu, das Geisterschiff inszeniert zu haben (mit Schwarzlicht und unsichtbarer Farbe), um King Angst einzujagen und an die Familienunterlagen zu kommen. Farnham beansprucht den Schatz für sich, da er auf seinem Grund liegt, und lässt die Detektive laufen. Doch Justus hat das letzte Lachen: 'Holz atmet nämlich.' Er erklärt, dass der Alkohol über die Jahrzehnte durch das Holz verdunstet ist ('Angel's Share') und die Fässer längst leer sind.

Review

Folge 93: Das Geisterschiff – Oder: Warum Käpt'n Blaubär plötzlich böse ist
Ein leuchtender Dreimaster im Nebel, ein Piratenfluch und Wolfgang Völz in Bestform. Warum Folge 93 der perfekte Grusel-Snack für zwischendurch ist und was das Ganze mit verdunstetem Alkohol zu tun hat.

ERSTER EINDRUCK


Leute, holt die Nebelmaschinen raus! Wenn eine Folge schon damit anfängt, dass Peter Shaw in seiner Rostlaube (sorry, MG) durch eine Suppe fährt, die dicker ist als Tante Mathildas Bratensoße, dann wissen wir: Es wird atmosphärisch! "Das Geisterschiff" ist einer dieser Fälle, bei dem man sich sofort die Decke bis zur Nase zieht. Es riecht förmlich nach Salzwasser, altem Holz und – ja, nach einem verdammt guten Abenteuer. Man spürt sofort diesen klassischen Vibe: Keine Hacker-Angriffe, keine Satelliten-Verfolgung, sondern gute alte Grusel-Romantik am Strand. Ein leuchtender Dreimaster? Ein Piratenfluch? Ein Skelett am Steuer? Shut up and take my money!

DIE STORY


Peter ist nachts auf dem Heimweg von der Disco (ja, unser Zweiter Detektiv hat ein Sozialleben!), als er im dichten Nebel beinahe die Joggerin Deborah Snell über den Haufen fährt. Die Dame ist völlig durch den Wind und faselt von einem leuchtenden Geisterschiff. Kurz darauf taucht Mr. Qin (oder King, je nachdem wen man fragt) auf, ein Nachfahre des berüchtigten Piraten Hawk, und engagiert die drei ???. Es geht um eine uralte Fehde zwischen zwei Piraten-Clans, einen verschollenen Schatz und ein Schiff, das eigentlich seit 150 Jahren auf dem Meeresgrund liegen sollte. Natürlich lassen sich Justus, Peter und Bob nicht lange bitten und stechen in See – nur um festzustellen, dass manche Legenden lebendiger sind, als ihnen lieb ist.

UNSERE HELDEN


Justus "Der Erklärbär" Jonas läuft hier zur Höchstform auf. Nicht nur, dass er mal eben anhand eines Fotos erkennt, dass einem Skelett ein Knochen fehlt (wer achtet auf sowas?), er liefert am Ende auch noch eine Physik-Lektion ab, die sich gewaschen hat. Sein Triumph über den Bösewicht ist rein intellektuell und herrlich süffisant.
Peter "Die Sportskanone" Shaw darf mal wieder den Chauffeur spielen und sich gruseln, beweist aber beim Tauchgang echte Eier. Ohne ihn hätten die Jungs den Schatz nie gefunden.
Bob "Recherche" Andrews ist der heimliche MVP. Während die anderen draußen rumturnen, wühlt er sich durch Archive und Fotos. Klassische Arbeitsteilung, wie wir sie lieben.

DIE GEGENSPIELER


Kommen wir zum Elefanten – äh, Bären – im Raum: Conrad Farnham. Gesprochen von niemand Geringerem als Wolfgang Völz. Der Mann spielt den arroganten, verbitterten Ex-Filmproduzenten mit einer Gravitas, dass man fast Mitleid mit ihm hat. Er ist kein 08/15-Verbrecher, sondern ein Mann mit Stil und einer fantastischen Stimme.
Deborah Snell (Beate Hasenau) ist ebenfalls eine Nummer für sich. Ihre rauchige Stimme sorgt sofort für Gänsehaut – man weiß nie, ob man ihr trauen kann oder ob sie gleich einen Zaubertrank braut (dazu später mehr).

BESTE MOMENTE


Der absolute Höhepunkt ist für mich der Moment auf See: Die drei ??? und Mr. Qin im kleinen Boot, Nebel überall, und dann taucht lautlos dieser leuchtende Dreimaster auf. Das ist Hörspiel-Kino vom Feinsten! Die Soundeffekte (das Knarren der Planken, das Plätschern) sind on point.
Und natürlich das Finale: Justus' Erklärung mit dem "Angel's Share". Das ist einer dieser Momente, wo man als Hörer davor sitzt und denkt: "Verdammt, der Dicke hat's wieder allen gezeigt!" Es ist kein Action-Showdown, sondern ein Sieg durch Wissen. I love it.

SCHWACHSTELLEN


Sind wir ehrlich: Der Plan des Bösewichts ist... naja, "Scooby-Doo-Level". Ein ganzes Schiff mit Spezialfarbe anmalen und mit Schwarzlicht beleuchten, nur um einen Typen zu erschrecken? Wirtschaftlich ist das sicher nicht. Und dass Justus zufällig den einen Film in der Videothek findet, in dem das Schiff als Requisite vorkam, ist schon ein Zufall von kosmischen Ausmaßen. Aber hey, wir sind in Rocky Beach, da ist Kommissar Zufall quasi der vierte Detektiv.

SERIEN-KONTEXT


Folge 93 stammt aus der Feder von André Minninger und erschien im Jahr 2000. Das ist mitten in der Ära der "Deutschen Originale", nachdem das US-Material aufgebraucht war. Minninger beweist hier, dass er den klassischen Geist der Serie (pun intended) perfekt verstanden hat. Die Folge fühlt sich an wie ein verlorener Klassiker aus den 80ern. Es gibt keine direkten Verbindungen zu großen Story-Arcs wie bei Victor Hugenay, aber sie steht als atmosphärisches Einzelwerk extrem stark da. Interessant: Der Name des Klienten sorgt oft für Verwirrung – im Skript steht "Mr. Qin", viele hören aber "Mr. King". Da er Nachfahre eines Piraten ist, passt beides irgendwie.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es legendär!
Wolfgang Völz (Conrad Farnham) ist natürlich Kult. Für uns Kinder der 90er ist er Käpt'n Blaubär! Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass ausgerechnet die Stimme des größten Lügenbarons der Weltmeere hier einen Bösewicht in einer Seefahrer-Geschichte spricht. Völz war außerdem die deutsche Stimme von Mel Brooks und Walter Matthau. Seine Performance wertet die Folge massiv auf.
Beate Hasenau (Deborah Snell) ist ebenfalls eine Legende. Disney-Fans kennen ihre herrlich dreckige Lache als Meerhexe Ursula in "Arielle, die Meerjungfrau" (die erste Synchro!) oder als Big Mama in "Cap und Capper". Wenn diese Frau spricht, hört man zu.
Der Erzähler ist Matthias Fuchs, der in dieser Ära den Job von Peter Pasetti übernommen hatte und mit seiner ruhigen Art perfekt zur Nebel-Stimmung passt.

PRODUKTIONS-HISTORIE


André Minninger hat hier sowohl die Buchvorlage als auch das Hörspielskript verfasst. Das ist eher selten, sorgt aber dafür, dass die Story sehr straff inszeniert ist. Es gibt kaum unnötige Längen. Die Folge erschien im November 2000 und gehört damit zu den frühen Werken der "neuen Zeitrechnung" der drei ???. Minninger greift hier tief in die Trickkiste der klassischen Grusel-Elemente, verzichtet aber auf übernatürlichen Quatsch am Ende – ganz in der Tradition von Robert Arthur.


FAN-SERVICE-CHECK


- Schrottplatz-Liebe: Die Szene auf dem Schrottplatz mit Onkel Titus ist herrlich nostalgisch.
- Visitenkarte: Wird natürlich überreicht (auch wenn Mr. Qin sie kaum liest).
- Justus' Besserwisserei: Der Monolog über die Verdunstung von Alkohol ist Peak-Justus.
- Film-Nerd Bob: Dass die Jungs in eine Videothek (RIP!) gehen, ist heute fast schon historische Dokumentation.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Das Geisterschiff" ist vielleicht nicht der komplexeste Krimi aller Zeiten, aber in Sachen Atmosphäre spielt diese Folge in der Champions League. Die Kombination aus Nebel-Grusel, Piraten-Lore und absolut hochkarätigen Gastsprechern (Völz & Hasenau!) macht sie zu einem absoluten "Comfort Listen". Perfekt für verregnete Herbstnachmittage oder lange Autofahrten im Dunkeln. Der Twist am Ende ist schlau und befriedigend. Wer die Klassiker liebt, wird diese Folge umarmen wollen.

Wertung: 8.5 von 10 leeren Whiskey-Fässern (die Engel waren durstig!)

Wusstest du schon?

Das Phänomen des verdunstenden Alkohols bei der Fasslagerung, das Justus beschreibt, nennt man in der Realität 'Angel's Share' (Schluck der Engel).
Die Folge basiert auf keinem amerikanischen Original, sondern ist eine deutsche Originalstory von André Minninger.
Wolfgang Völz (Conrad Farnham) ist bekannt als die deutsche Stimme von Käpt'n Blaubär – eine passende Besetzung für eine Seemanns-Folge.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 'Schlucken der Engel'
Das Rätsel
Ein klassisches 'Scooby-Doo'-Setup mit technischer Auflösung (Schwarzlicht). Das Versteck der Karte im Flaschenschiff ist ein schönes, klassisches Rätsel-Element. Der finale Twist mit dem verdunsteten Whiskey ist physikalisch clever und befriedigend, auch wenn der Hörer kaum darauf kommen kann.
Plot & Logik
Der Plan von Farnham ist unnötig kompliziert: Warum King erst mit einem aufwendigen Geisterschiff gruseln, statt ihm einfach ein Kaufangebot für den 'Trödel' zu machen? Dass Justus den Film 'Die Pirateninsel' zufällig in der Videothek findet und das Schiff wiedererkennt, ist ein großer Zufall.
Kapitel
1 Bei Nacht und Nebel 0:00 min
2 Jagd auf das Geisterschiff 12:18 min
3 Duncan, der Finstere 19:20 min
4 Das Tagebuch des Tyrannen 27:17 min
5 Die Suche nach der Schatzkarte 33:31 min
6 In Luft aufgelöst 43:42 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brillant in der Analyse. Sein chemisches Wissen über Whiskey-Lagerung rettet den moralischen Sieg am Ende. Zitat: 'Holz atmet nämlich.'
P
Peter Shaw
Der klassische Angsthase, der aber mutig taucht. Seine Beinahe-Kollision ist der Katalysator des Falls.
B
Bob Andrews
Stark eingebunden durch Fotoanalyse und Archivarbeit. Er entdeckt das fehlende Skelett-Teil auf den Fotos.

Sprecher

Verwandte Folgen

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