Zusammenfassung

Ein Junge übergibt den drei ??? am Strand von Rocky Beach einen Brief für einen gewissen 'Johnny', der sie auf eine geheimnisvolle Schatzsuche schickt. Justus öffnet den Brief trotz Warnung und entschlüsselt das Rätsel um ein 'geschütztes Königreich' und einen 'Schwarzen See' als Hinweis auf den Kings National Park. Dort angekommen, treffen sie auf einen unfreundlichen Campingwart und einen angeblichen Geologen namens Brad Smith, der nach einem Dosenöffner sucht. Die Spur führt zu einer einsamen Hütte, wo Peter von einer unbekannten Frau niedergeschlagen wird. Im Kamin entdecken sie ein Geheimfach mit einer Schachfigur und Seiten eines Manuskripts der populären Serie 'Tal der Tränen' von Glenn McCart.

Es stellt sich heraus, dass es ein Wettrennen um das Finale der Serie ist: Wer das vollständige Manuskript zuerst zu Notar Pellister bringt, erhält die Rechte daran. Nachdem ihnen die gefundenen Seiten aus dem Zelt gestohlen werden, entlarvt Justus den 'Geologen' Smith als Lügner. Die Spur führt weiter zu einem schwarzen Turm, den die exzentrische Verlegerin Lady MacWeiden mitten im Park errichtet hat. Justus und Bob brechen ein, finden Folterinstrumente und lösen versehentlich einen Roboter-Ritter aus, der Dudelsack spielt. Sie entdecken das Gemälde 'Schlacht von Culloden', das den Weg zur nächsten Station weist: 'Mount Heaven and Hell'.

Doch Lady MacWeiden und ihr Diener McGeorge überraschen die Detektive, nehmen ihnen die Schachfigur ab und werfen sie durch eine Falltür in einen Lagerraum. Mit einer Nebelmaschine und einem Feuerlöscher inszenieren die Jungen einen Brand, woraufhin MacWeiden die Tür öffnet und flieht. Monika, die Rangerin, die Peter niedergeschlagen hatte (weil sie ihn für einen Wilderer hielt), befreit sie. Sie erklärt, dass sie mit dem Autor Glenn befreundet ist und MacWeiden ihn ausgebeutet hat. Gemeinsam fahren sie zu den Felsen 'Heaven and Hell'. Dort finden sie das finale Manuskript, werden aber von 'Brad Smith' gestellt, der sich als Mark Walker (Johnny) entpuppt – ein Kritiker und ehemaliger Freund von Glenn, der die drei ??? nur benutzt hat, weil er Angst vor MacWeiden hatte. Die Detektive können Walker überwältigen, und Monika bringt das Manuskript zum Notar, damit der Erlös dem Nationalpark zugutekommt.

Review

Schotten, Schrott und Dudelsäcke – Warum der Feuerturm eigentlich gar nicht brennt
Ein schwarzer Turm im Nationalpark, ein Roboter mit Dudelsack und die deutsche Stimme von Jodie Foster als Rangerin? Folge 85 ist ein herrlich absurder Trip, den ihr nicht verpassen dürft!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder,

heute schnappen wir uns den Visitenkarten-Vorrat, packen den Dietrich ein und reisen... nach Schottland? Nein, Moment. Wir reisen in einen US-Nationalpark, der aussieht wie Schottland, inklusive Burg, Nebel und – haltet euch fest – einem Dudelsack spielenden Roboter-Ritter. Ja, ihr habt richtig gehört. Willkommen zu Folge 85: Feuerturm!

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr diese Folgen, bei denen man sich fragt: "Was hat der Autor zum Frühstück gehabt?" und gleichzeitig denkt: "Egal, ich will auch was davon!"? Genau so ist der Feuerturm. Schon das Cover verspricht Drama: Ein lodernder Turm (der im Hörspiel gar nicht brennt, aber dazu später mehr) und unsere drei Detektive in Action. Der erste Hördurchgang lässt einen leicht verwirrt, aber bestens unterhalten zurück. Es ist dieser spezielle 90er-Jahre-Vibe der "Triumvirat-Ära" – ein bisschen trashig, ein bisschen gruselig und absolut charmant.

DIE STORY


Alles beginnt harmlos am Strand von Rocky Beach (wo sonst?). Ein Junge drückt den drei ??? einen Brief für einen gewissen "Johnny" in die Hand. Statt den Brief einfach wegzuwerfen oder zur Post zu bringen, wittert Justus natürlich sofort ein spezialgelagertes Rätsel. Der Brief führt sie in den "Kings National Park", wo eine Art literarische Schnitzeljagd auf sie wartet. Es geht um das verschollene Manuskript des Bestseller-Autors Glenn McCart. Doch Justus, Peter und Bob sind nicht allein: Eine furienhafte Verlegerin, ein falscher Geologe und ein schottischer Diener mischen kräftig mit. Am Ende landen alle in einem schwarzen Turm, der voller Fallen steckt. Klingt wie eine Folge von Scooby Doo? Ist es auch fast.

UNSERE HELDEN


Justus Jonas: Unser Erster Detektiv ist in Hochform, was seine Besserwisserei angeht. Mein absolutes Highlight: Wie er den falschen Geologen Brad Smith mit dem erfundenen (bzw. halb-erfundenen) Mineral "Kampylit" aufs Glatteis führt. "Das ist ein Nervengift!" – Justus, du alter Bluffer! Seine Deduktionen sind messerscharf, auch wenn seine Entscheidung, in eine offensichtliche Falle zu laufen, mal wieder fragwürdig ist.

Peter Shaw: Der arme Kerl. In dieser Folge ist er der offizielle Prügelknabe. Erst hat er Panik vor Bären (okay, verständlich), dann wird er von der Rangerin Monika niedergeschlagen ("Au, mein Kopf!") und muss schließlich mit einer Beule am Hinterkopf den Chauffeur spielen. Peters Leiden ist unser Vergnügen. Aber: Er fährt den Wagen sicher durch den Nebel, also Ehrenmann.

Bob Andrews: Bob ist hier der solide Mittelstürmer. Er recherchiert, er kombiniert, er erkennt die Whiskey-Marke am Ende. Ohne Bob wären die Jungs wahrscheinlich immer noch im Wald und würden nach Dosenöffnern suchen.

DIE GEGENSPIELER


Hier glänzt die Folge richtig! Lady MacWeiden ist der Knaller. Sie ist so herrlich böse, arrogant und überzogen, dass es eine Freude ist. Eine Verlegerin, die Autoren in Türme sperrt und Folterkammern besitzt? Arbeitsrechtlich schwierig, hörspieltechnisch genial. Ihr Diener McGeorge ist der klassische Handlanger, aber mit schottischem Akzent. Und dann ist da noch Mark Walker (alias Johnny), der Kritiker. Ein schmieriger Typ, der Kinder für sich arbeiten lässt, weil er selbst zu feige ist. Ein tolles Ensemble an Unsympathen!

BESTE MOMENTE


1. Der Roboter-Ritter: Justus und Bob brechen in den Turm ein, lösen einen Mechanismus aus und plötzlich... spielt ein mechanischer Ritter Dudelsack. Das ist so absurd, dass ich jedes Mal laut lachen muss. Wer baut sowas? Und warum?
2. Der Nebel-Trick: Wie die Jungs mit einer Nebelmaschine und einem Feuerlöscher einen Brand simulieren, um aus dem Verlies zu entkommen, ist klassische MacGyver-Schule. Justus Jonas in seinem Element.
3. Das Finale: Wenn Mark Walker entlarvt wird und Monika ihn zwingt, aus seinem eigenen kitschigen Roman vorzulesen. Strafe muss sein!

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Die Logik macht hier Urlaub. Eine riesige schwarze Burg mitten in einem US-Nationalpark? Und niemand findet das seltsam? Lady MacWeiden agiert wie eine Bond-Bösewichtin, was für eine Jugendbuch-Verlegerin vielleicht etwas drüber ist. Und warum heißt die Folge "Feuerturm"? Es brennt nicht wirklich (nur der Fake-Nebel), und im Buch heißt das Ding "Schwarzer Turm". Hier hat das Marketing wohl einfach nach einem cooleren Titel gesucht.

SERIEN-KONTEXT


Jetzt wird's nerdy, Freunde! Diese Folge ist historisch extrem wichtig, denn sie basiert auf dem ersten Buch von Ben Nevis. Ja, genau, der Ben Nevis, der bis heute fleißig für die Serie schreibt. Er brachte damals (1997 als Buch, 1999 als Hörspiel) frischen Wind rein. Sein Stil zeichnet sich oft durch Reisen (hier Nationalpark), etwas skurrile Technik (Roboter) und actionreiche Plots aus. "Feuerturm" ist quasi der Prototyp für viele spätere Nevis-Folgen wie Todesflug oder Tal des Schreckens.

Im Kanon der Serie steht die Folge für den Übergang in die "Neuzeit". Wir haben Matthias Fuchs als Erzähler (der Nachfolger des legendären Peter Pasetti), der der Serie eine etwas wärmere, aber auch modernere Note gab. Die Folge wird oft übersehen, ist aber bei Fans als "Hidden Gem" beliebt, weil sie so wunderbar atmosphärisch ist.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier fährt Europa schwere Geschütze auf!

Hansi Jochmann (Monika): Leute, spitzt die Ohren! Monika, die schlagkräftige Rangerin, wird von keiner Geringeren als der deutschen Feststimme von Jodie Foster gesprochen! Wenn Monika spricht, hat man sofort Clarice Starling aus Das Schweigen der Lämmer im Kopf. Das verleiht der Figur eine unglaubliche Coolness.
Renate Pichler (Lady MacWeiden): Eine Legende! Sie war die Stimme für resolute Damen bei Europa (oft bei TKKG oder Fünf Freunde). Leider ist sie 2019 verstorben, aber hier liefert sie eine Performance ab, die so schneidend scharf ist, dass man sich beim Zuhören ducken möchte.
Lothar Grützner (Mark Walker): Seine Stimme trieft nur so vor Arroganz und Süffisanz. Perfekt besetzt für den schmierigen Kritiker.
Helmut Ahner (Campingwart): Ein Urgestein. Viele kennen ihn als Butler Johann aus DuckTales oder aus unzähligen Nebenrollen in den 80er-Jahre-Hörspielen. Er schafft es, selbst einer kleinen Rolle wie dem Campingwart Charakter zu verleihen.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Hörspiel erschien am 10. Mai 1999. Interessant ist der Titel-Wirrwarr: Der Arbeitstitel des Buches war Die drei ??? und der schwarze Turm. Das wurde wohl geändert, um Verwechslungen mit anderen "Turm"-Geschichten zu vermeiden oder weil "Feuer" actionreicher klingt. Ein klassischer Fall von "Cover verspricht mehr als der Inhalt", denn der Turm ist schwarz, nicht brennend. Aber hey, wir verzeihen das.


FAN-SERVICE-CHECK


Visitenkarte: Wird natürlich überreicht.
Dietrich: Kommt zum Einsatz.
Peter hat Angst: Check. Bären-Phobie inklusive.
Justus hält einen Vortrag: Check. Thema: Mineralogie und Urheberrecht.
Schrottplatz: Kommt zwar nicht vor, aber die Bastel-Einlage mit der Nebelmaschine ist Schrottplatz-Geist pur.

FAZIT & EMPFEHLUNG


Feuerturm ist wie ein B-Movie, das man einfach lieben muss. Die Story ist hanebüchen, die Logik löchrig wie ein Schweizer Käse, aber die Atmosphäre, die Sprecher und der Unterhaltungswert sind top. Es ist keine "ernste" Krimi-Folge, sondern ein Abenteuer-Hörspiel mit Scooby-Doo-Faktor.

Für wen? Für alle, die Wald-Atmosphäre mögen, Schottland-Fans sind und kein Problem damit haben, wenn es mal etwas absurder wird.

Ranking: Solides Mittelfeld mit Tendenz nach oben wegen des hohen Spaßfaktors. Kein Klassiker wie Gespensterschloss*, aber der perfekte Begleiter für eine verregnete Autofahrt.

Wusstest du schon?

Dies ist die erste Buchvorlage von Ben Nevis für die drei ???.
Der Titel 'Feuerturm' ist irreführend, da es sich in der Handlung um einen 'Schwarzen Turm' handelt. Feuer spielt nur als Ablenkungsmanöver eine Rolle.
Justus erwähnt das fiktive Gestein bzw. Gift 'Kampylit' – tatsächlich gibt es das Mineral Kampylit (eine Varietät von Mimetesit), welches Blei und Arsen enthält, also durchaus giftig ist.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 Dudelsack-Robotern
Das Rätsel
Die Schnitzeljagd basiert auf einer Mischung aus Fantasy-Roman und realen Orten, was charmant, aber stellenweise etwas konstruiert wirkt. Die Verbindung zwischen dem 'Schwarzen Loch' (Loch Ness/See) und dem Turm ist klassische drei ???-Rätselkost. Dass man für die Lösung spezifisches Wissen über die Schlacht von Culloden braucht, ist sportlich, wird aber durch das Gemälde im Turm fair aufgelöst.
Plot & Logik
Ein schwarzer Turm im schottischen Stil mitten in einem US-Nationalpark? Das ist schon sehr 'campy' und verlangt dem Hörer einiges an 'Suspension of Disbelief' ab. Auch der Roboter-Ritter wirkt eher wie aus einer Scooby-Doo-Folge. Dass Glenn McCart (Mike Wirman) so einen Aufwand betreibt, nur um seine Tantiemen zu spenden, ist eine nette, wenn auch umständliche Motivation.
Kapitel
1 Absender unbekannt 0:00 min
2 Auf in die Wildnis 8:33 min
3 Die Botschaft des Königs 15:32 min
4 Der schwarze Turm 24:36 min
5 Feuer 34:27 min
6 Auf heißer Spur 46:37 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus hat starke Momente, besonders als er den 'Geologen' mit der Lüge über das 'Kampylit' (Nervengift statt Gestein) entlarvt. Auch die Idee mit der Nebelmaschine zur Flucht zeugt von schneller Auffassungsgabe.
P
Peter Shaw
Der arme Peter muss wieder leiden: Er wird niedergeschlagen ('Beule'), hat Angst vor dem 'nordkalifornischen Kampfbär' und muss fahren. Seine Skepsis erdet die abgedrehte Story etwas.
B
Bob Andrews
Bob ist solide, recherchiert am Anfang und ist bei der Turm-Action aktiv dabei. Er durchschaut am Ende die Identität von 'Johnny' durch die Whiskey-Marke.

Sprecher

Verwandte Folgen

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