Zusammenfassung

Der Fall beginnt mit einem Anruf des ehemaligen Rockstars Peter 'PJ' Journey, der die drei Detektive in sein 'Ferienparadies Sonnenglühen' nach Long Beach bittet. Dort wurde seinem Stammgast Finn Levine eine ausgestellte Bassgitarre aus dem Appartement gestohlen, nachdem Levine niedergeschlagen wurde. PJ berichtet, dass dies bereits der zweite Vorfall ist; zuvor verschwand ein Sprungtuch eines Trampolins. Justus entscheidet klugerweise, nicht die offensichtliche Falle – das luxuriöse und leerstehende Appartement 'Neptuns Hochthron' – zu beziehen, sondern sich im Zimmer darunter einzumieten, um den Einbrecher auf frischer Tat zu ertappen.

Während Justus beim Abendessen die Gäste beobachtet, legen sich Peter (im Gartenhäuschen) und Bob (mit Kameraüberwachung) auf die Lauer. Tatsächlich dringt ein Unbekannter in den 'Hochthron' ein und stiehlt alte Socken von einer Wäscheleine. Beim Versuch, den Täter zu stellen, wird Peter Shaw von einem Komplizen niedergeschlagen, und die Diebe entkommen. Sie hinterlassen jedoch ein Graffiti an der Rezeption: 'Terminar em Pizza'. Justus kombiniert schnell, dass es sich um Portugiesisch handelt, doch der tiefere Sinn bleibt zunächst verborgen.

Die Lage eskaliert am nächsten Tag dramatisch, als Mrs. Haynes, ein weiterer Gast, plötzlich halluziniert und ein feuerspeiendes Monster sieht. Während die Detektive und Gäste ihr zu Hilfe eilen, wird aus ihrem Zimmer ein alter Gebäudeplan der 'Vice Hall' gestohlen. Bob analysiert eine Teeprobe und findet heraus, dass Mrs. Haynes die südamerikanische Droge Ayahuasca verabreicht wurde. Parallel dazu recherchiert er die Hintergründe von PJs letztem Konzert in der Vice Hall und stößt auf einen alten Rechtsstreit mit PJs ehemaligem Bandkollegen Liam Schäffer, der nun in Brasilien lebt.

Bob löst auch das Rätsel um das Graffiti: 'Terminar em Pizza' ist eine brasilianische Redewendung dafür, dass ein Unrecht ungesühnt blieb. Justus und Peter entdecken unterdessen Wanzen und Kameras, mit denen die Täter das Resort überwachen. Als Liam Schäffer und seine Frau Beatriz erneut versuchen einzudringen, kommt es zur Konfrontation. Peter wirft sich todesmutig vor deren Fluchtwagen. Im finalen Gespräch stellt sich heraus, dass Liam sich um den Ruhm und die Einnahmen für die von ihm erfundenen Showeffekte betrogen fühlt. PJ sieht seine Fehler ein und schlägt ein Versöhnungskonzert vor, dessen Einnahmen Liam zugutekommen sollen, auch wenn die Polizei wegen der Körperverletzung und des Drogeneinsatzes eingeschaltet werden muss.

Review

🍕 Terminar em Pizza? Von Rockstars, Drogen und Socken-Dieben!
Ein verblassender Rockstar, ein Hotel voller Geheimnisse und ein brasilianisches Pizza-Rätsel. Warum Bob Andrews in Folge 227 zum MVP wird und wieso das Happy End moralisch fragwürdig ist, lest ihr hier!

Hallo liebe Kassettenkinder, Streaming-Junkies und Zentrale-Bewohner!

Es ist wieder soweit: Der Finger schwebt über der Play-Taste, der Kirschkuchen steht bereit (danke, Tante Mathilda!) und wir tauchen ein in Folge 227: "Melodie der Rache". Ein Titel, der klingt wie eine Mischung aus Rosamunde Pilcher und einem Italo-Western, aber hey, wir sind hier in Rocky Beach, da ist alles möglich. Also, schnappt euch eure Visitenkarten (weiß, rot, blau – ihr kennt den Drill), denn wir checken ein in ein Ferienparadies, das eher nach "Hotel California" riecht: Man kann jederzeit auschecken, aber gehen kann man nie... zumindest nicht ohne Kopfschmerzen.

ERSTER EINDRUCK


Mein erster Gedanke nach den ersten Minuten: Huch, sind wir in einer Zeitschleife? Ein verblassender Rockstar, ein Hotel, mysteriöse Diebstähle... das schreit förmlich nach "Spuk im Hotel" (Folge 62) meets "Musik des Teufels" (Folge 84). Aber Moment! Christoph Dittert serviert uns hier keinen aufgewärmten Kaffee von gestern, sondern einen exotischen Cocktail mit einer Prise Brasilien und... Pizza? Ja, richtig gelesen. Pizza. Dazu später mehr. Die Atmosphäre ist schön sommerlich-nostalgisch, aber mit einer düsteren Unterströmung, die mir sofort gefallen hat. Es wirkt alles etwas erwachsener, zumindest bis zur Auflösung.

DIE STORY


Kurzfassung für Eilige: Peter "PJ" Journey, eine Rocklegende, die ihre besten Tage hinter sich hat (und das sind viele Tage), ruft unsere drei Detektive in sein "Ferienparadies Sonnenglühen". Dort klaut jemand scheinbar wertlosen Schrott: alte Socken, ein Trampolin-Sprungtuch. Klingt nach einem Fall für die Müllabfuhr, ist aber brisanter. Ein Gast dreht durch halluzinogene Drogen völlig durch und sieht feuerspeiende Monster. Und dann ist da dieses Graffiti: "Terminar em Pizza". Justus wittert sofort Lunte, Peter wittert Gefahr, und Bob wittert... nun ja, Recherchearbeit.

UNSERE HELDEN


Fangen wir mit dem MVP der Folge an: Bob Andrews. Leute, unser Archivar ist hier "on fire"! Er ist nicht nur der Mann, der Google erfunden hätte, wenn es das nicht schon gäbe, er ist hier auch der Linguist und Chemiker vom Dienst. Er knackt das brasilianische Rätsel, er analysiert Teeproben (Bob, der Laborant!) und gräbt die entscheidenden Infos zur "Vice Hall" aus. Ohne Bob wären Justus und Peter noch beim Socken-Sortieren.

Justus Jonas hat auch seine Momente. Herrlich, wie er das offensichtliche Köder-Appartement "Neptuns Hochthron" verschmäht und sich stattdessen strategisch klug im Zimmer darunter einnistet. Ein klassischer Justus-Move: "Ich denke, also bin ich... woanders als der Täter vermutet." Allerdings überlässt er die großen Geistesblitze diesmal eher Bob.

Und Peter Shaw? Ach, unser armer Zweiter Detektiv. Er muss mal wieder körperlich herhalten. Er wird niedergeschlagen (Running Gag Check: ✔️) und wirft sich am Ende todesmutig vor ein Auto. Peter ist und bleibt der Action-Held, der die Schmerzen für das Team erträgt. Die Witze über seinen Namen ("Peter Journey? So heiße ich auch!") sind charmant und lockern das Ganze auf.

DIE GEGENSPIELER


Liam Schäffer und seine Frau Beatriz. Puh. Motivtechnisch sind wir hier im klassischen "Du hast mir meinen Ruhm gestohlen"-Bereich. Das ist okay, aber nicht bahnbrechend. Liam wirkt verbittert, Beatriz eher als loyale Komplizin. Sie bleiben etwas blass, was vielleicht auch daran liegt, dass ihre Aktionen (Drogen verabreichen!) viel krasser sind als ihre Persönlichkeiten wirken. Man kauft ihnen die skrupellose Rache ab, aber als Charaktere bleiben sie eher zweidimensional.

BESTE MOMENTE


1. Das Pizza-Rätsel: Als Bob erklärt, was "Terminar em Pizza" bedeutet. Das ist nicht nur lehrreich, sondern auch ein cooler Twist. Eine brasilianische Redewendung in Rocky Beach? Muito bem!
2. Die Socken-Szene: Dass jemand in ein Luxus-Appartement einbricht, um alte Socken von der Wäscheleine zu klauen, ist so absurd, dass es schon wieder genial ist. Justus' trockener Kommentar dazu ist Gold wert.
3. Bobs Tee-Analyse: Es ist immer toll, wenn die Jungs ihre Ausrüstung benutzen. Der Baukasten kommt zum Einsatz! Das erinnert an die guten alten Zeiten von "Gespensterschloss".

SCHWACHSTELLEN


Hier muss ich mal kurz den Spaß beiseitelegen und den Realismus-Check machen. Die Täter verabreichen einer unschuldigen Frau (Mrs. Haynes) Ayahuasca! Das ist eine extrem starke, halluzinogene Droge. Das ist schwere Körperverletzung, wenn nicht sogar versuchter Mord. Und was passiert am Ende? PJ schlägt ein "Versöhnungskonzert" vor? Äh, hallo? Polizei? Handschellen? Gefängnis? Die harmonische Auflösung wirkt angesichts der Brutalität des Verbrechens (Niederschlagen, Vergiften) völlig naiv. Das ist so, als würde Skinny Norris jemanden überfahren und Justus sagt: "Schwamm drüber, kauf mir ein Eis."

Außerdem: Im Hörspiel wird Bobs Recherche teilweise etwas stark zusammengefasst. Man merkt, dass hier gekürzt wurde (dazu gleich mehr).

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge reiht sich ein in die Tradition der "Hotel-Fälle" und "Musik-Fälle". Wer die Atmosphäre hier mag, sollte sich unbedingt "Spuk im Hotel" (Folge 62) oder "Musik des Teufels" (Folge 84) anhören. Interessant ist der Fokus auf vergessene Stars, ein Thema, das Autor Christoph Dittert gerne aufgreift (siehe auch "Der Geist des Goldgräbers").

Ein spannendes Detail für Nerds: Die Redewendung "Terminar em Pizza" (Alles endet in Pizza) gibt es wirklich! Sie stammt aus den 60ern im brasilianischen Fußball, wenn Funktionäre bei Konflikten am Ende einfach Pizza essen gingen, statt Probleme zu lösen. Dittert hat hier also echte Kulturgeschichte verbaut.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Jetzt haltet euch fest, denn der Cast ist ein Fest für Ohrenmenschen!

Beatriz Schäffer wird gesprochen von Alexandra Wilcke. Kommt euch die Stimme bekannt vor? Sie sollte! Sie ist die deutsche Stimme von Eowyn ("Ich bin kein Mann!") in Der Herr der Ringe! Und für die Disney-Fans: Sie ist die Singstimme von Nala in Der König der Löwen und von Pocahontas. Dass wir eine elbische Schildmaid/Disney-Prinzessin als Bösewichtin haben, ist der absolute Wahnsinn!
Liam Schäffer wird von Nic Romm gesprochen. Ihn kennen viele als den ängstlichen Wikinger Tjure aus dem Realfilm von Wickie und die starken Männer. Außerdem spricht er den Zwerg Ori in den Hobbit-Filmen. Ein Mittelerde-Reunion bei den drei ???!
PJ (Peter Journey) wird von Hannes Hellmann gesprochen. Ein Urgestein! Er war schon in Folge 215 "...und die verlorene Zeit"* als Professor Hogan dabei. Seine raue Stimme passt perfekt zum gealterten Rocker.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Christoph Dittert. Wie so oft mussten für das Hörspiel Federn gelassen werden. Fans bemängeln (zu Recht), dass Bobs Recherchen im Hörspiel oft nur erzählt statt erlebt werden. Im Buch gibt es zum Beispiel ein direktes Gespräch mit dem Bühnenarbeiter, das im Hörspiel nur referiert wird. Auch fehlen im Hörspiel Szenen wie der Diebstahl bei anderen Gästen (Mrs. Morrison und Mr. Bentley) und ein gefakter Sauna-Zwischenfall. Das Buch ist hier deutlich komplexer und logischer aufgebaut.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Melodie der Rache" ist ein solider Fall mit toller Atmosphäre, einem überragenden Bob und interessanten Gastsprechern. Das "Pizza"-Rätsel ist kreativ, die Location macht Spaß. Abzüge gibt es für das moralisch fragwürdige Happy End (Drogen verabreichen ist kein Kavaliersdelikt, PJ!). Trotzdem: Für Fans von Hotel-Settings und Detektivarbeit mit Chemiebaukasten ist die Folge ein Muss.

Ranking: Solides Mittelfeld mit Tendenz nach oben wegen des Casts.
Geeignet für: Fans von Bob, Linguistik-Nerds und alle, die Pizza lieben.

Wusstest du schon?

Der Titel 'Melodie der Rache' ist eine Anspielung auf die musikalische Vergangenheit des Auftraggebers.
Die Redewendung 'Terminar em Pizza' (Enden in Pizza) existiert in Brasilien tatsächlich und geht auf Konflikte im Fußball in den 1960er Jahren zurück.
Christoph Dittert greift hier erneut das Thema 'vergessene Stars' auf, das in der Serie öfter vorkommt.
Cover
Bewertung
7.5
7,5 von 10 vergifteten Teetassen
Das Rätsel
Die Grundidee hinter 'Terminar em Pizza' ist erfrischend originell und bietet Bob eine tolle Bühne für seine Recherchen. Dass scheinbar wertloser Plunder gestohlen wird, baut eine schöne Neugier auf, auch wenn das Motiv 'Rache eines alten Bandkollegen' ein Klassiker der Serie ist. Die Auflösung ist fair hergeleitet.
Plot & Logik
Der Plan der Täter ist extrem risikoreich und teils überzogen. Mrs. Haynes mit einer starken Droge wie Ayahuasca zu vergiften, nur um einen Gebäudeplan zu stehlen, wirkt unverhältnismäßig brutal für das Ziel, PJ lediglich zu schaden. Dass PJ trotz dieser schweren Straftaten (Körperverletzung, Drogenverabreichung) sofort ein 'Versöhnungskonzert' plant, wirkt etwas naiv-romantisch, passt aber zur exzentrischen Musiker-Figur.
Kapitel
1 PJs Bassgitarre 0:00 min
2 Sprungtuchdiebstahl 10:37 min
3 Terminar em pizza 21:04 min
4 Monster-Alarm 27:52 min
5 Neue Spuren 37:46 min
6 Konfrontation mit der Wahrheit 50:04 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Zeigt gute strategische Weitsicht, indem er 'Neptuns Hochthron' als Köder nutzt, statt ihn zu bewohnen. Seine Analyse der Situation ist scharf, er überlässt aber Bob diesmal die großen Heureka-Momente.
P
Peter Shaw
Muss ordentlich einstecken (K.O.-Schlag), zeigt aber beim Stoppen des Fluchtwagens vollen Körpereinsatz. Die Namenswitze ('Peter Journey? So heiße ich auch') sind sympathisch.
B
Bob Andrews
Ganz klar der MVP dieser Folge. Er führt die chemische Analyse durch, entschlüsselt das portugiesische Sprichwort, gräbt die Geschichte der 'Vice Hall' aus und führt das entscheidende Telefonat mit dem Bühnenarbeiter Wilfred.

Sprecher

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