Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt mit einer nächtlichen Klettertour in den Hollywood Hills: Peter hat gewettet, dass er seine Initialen auf das Hollywood-Zeichen sprühen kann. Justus und Bob begleiten ihn widerwillig. Oben angekommen, beobachtet Peter voller Entsetzen, wie sich eine weiß gekleidete Frau („Das Gespenst von Hollywood“) vom Buchstaben H in die Tiefe stürzt. Doch als die Detektive den vermeintlichen Aufschlagort untersuchen, finden sie keine Leiche, sondern lediglich eine Puderquaste mit einem Griff in Form einer Biberpfote.

Am nächsten Tag kehren sie zurück, um Spuren zu sichern. Justus nimmt einen Gipsabdruck eines Schuhs, doch sie werden vom Wachpersonal entdeckt. Auf den Überwachungskameras sehen sie zwar den Sturz, aber das „Opfer“ steht danach einfach auf und verschwindet. Kurz darauf verschwindet Justus spurlos – er wurde entführt. Bob und Peter entdecken in der Puderquaste einen Teil eines zerschnittenen Briefes, der auf die Schauspielerin Casey Wye hindeutet. Mit Hilfe der Bibliothekarin Miss Bennett entschlüsseln sie einen Hinweis auf das verfallene „Hotel Pacific Pearl“.

Justus kann sich indes aus einem Keller befreien und trifft auf eine verwirrte Obdachlose namens Jezebel, die ihn warnt. Bob und Peter erkunden das Hotel und entgehen nur knapp einer tödlichen Falle: Eine Treppe klappt unter Peters Füßen weg. Justus stößt wieder zu ihnen und enthüllt, dass Jezebel in Wahrheit die totgeglaubte Casey Wye ist. Gemeinsam finden sie Oliver Tabor, den Wachmann und Neffen von Casey, der im Hotel niedergeschlagen wurde.

Der Täter gibt sich zu erkennen: Es ist der Anwalt Mr. Crowl. Er zwingt die drei ??? mit Waffengewalt, das letzte Rätsel zu lösen, um einen vermeintlichen Schatz („Juwelen“) zu finden. Die Spur führt zu einer Villa in der East Islay Street. Dort zwingt Crowl die Jungen, ein Geheimfach im leeren Pool zu öffnen. Justus ahnt eine Falle, doch Crowl ist gierig – und löst einen blendenden Magnesiumblitz aus. Inspektor Cotta, alarmiert durch Oliver Tabor, verhaftet den geblendeten Anwalt. Das „Vermächtnis“ entpuppt sich als wertloses, miserables Drehbuch von Casey Wye.

Review

Hollywood, Horror & eine Biberpfote – Warum Folge 128 oscarverdächtig ist
Peter klettert auf das Hollywood-Sign, Justus wird entführt und Bob angelt nach Uhren. Folge 128 'Schatten über Hollywood' ist eine Verbeugung vor dem alten Kino – und vor einer legendären Sprecherin.

Leute, schnappt euch eine Tüte Popcorn und dimmt das Licht – heute wird es cineastisch! Wir reisen in die Traumfabrik. Na ja, oder zumindest in den Hinterhof der Traumfabrik, wo der Lack schon ordentlich abblättert.

ERSTER EINDRUCK


Hand aufs Herz: Wer von uns wollte nicht schon mal auf den verdammten Hollywood-Schriftzug klettern? Folge 128 liefert uns genau diesen Fan-Traum, serviert ihn aber mit einer ordentlichen Portion Grusel und – ich mache keine Witze – einer Puderquaste mit Biberpfoten-Griff. Ja, ihr habt richtig gelesen. Mein erster Gedanke nach dem Hören: Das ist Astrid Vollenbruch in Bestform. Düster, atmosphärisch und mit diesem herrlich morbiden „Sunset Boulevard“-Vibe, den man sonst nur in Schwarz-Weiß-Filmen findet. Es riecht förmlich nach altem Zelluloid und Mottenkugeln.

DIE STORY


Alles beginnt mit einer klassischen „Peter-lässt-sich-zu-Blödsinn-hinreißen“-Aktion. Wegen einer Wette mit Jeffrey (den wir natürlich wieder nicht hören, der Kerl ist phantomhafter als Victor Hugenay) klettern die drei ??? zum Hollywood-Sign. Dort sieht Peter, wie sich eine Frau in Weiß vom Buchstaben „H“ stürzt. Horror pur! Aber unten angekommen? Keine Leiche. Nur besagte Puderquaste. Was folgt, ist eine wilde Jagd nach einem „Vermächtnis“, das in zerschnittenen Briefen und absurden Verstecken (eine Uhr, die man angeln muss!) verborgen liegt. Justus wird entführt, Peter fällt fast in den Tod, und am Ende stehen wir in einem leeren Pool und lernen, dass in Hollywood nicht alles Gold ist, was glänzt.

UNSERE HELDEN


Peter Shaw: Der heimliche MVP dieser Folge! Erstens: Er hat die Wette gewonnen (technisch gesehen). Zweitens: Der Mann klettert auf das Wahrzeichen von LA. Drittens: Er überlebt eine Treppe, die sich unter ihm in Luft auflöst. Unser Zweiter Detektiv schwankt hier herrlich zwischen „Ich mach mir in die Hose“ und „Ich bin Indiana Jones“.

Justus Jonas: Der Erste Detektiv beweist mal wieder, warum er der Chef im Ring ist. Er wird entführt, in einen Keller gesperrt und analysiert trotzdem eiskalt die Situation. Sein Zitat „Es gibt nichts Täuschenderes als eine offensichtliche Tatsache“ (geklaut bei Sherlock Holmes, aber wir verzeihen ihm) ist der Leitsatz der Folge.

Bob Andrews: Unser Mann für Recherchen und Archiv darf wieder in sein natürliches Habitat: Die Bibliothek. Seine Chemie mit Miss Bennett ist einfach Zucker. Man merkt, dass Bob der Einzige ist, der mit „normalen“ Menschen vernünftig reden kann, ohne wie ein wandelndes Lexikon zu klingen.

DIE GEGENSPIELER


Der Anwalt Mr. Crowl ist der klassische „Schmierlappen vom Dienst“. Keine Superkräfte, kein genialer Masterplan, einfach nur Gier und Skrupellosigkeit. Solide, aber kein Moriarty.

Der wahre Star ist aber Casey Wye (alias die Obdachlose Jezebel). Eine gefallene Diva, die in ihrer eigenen Wahnwelt lebt. Sie ist gruselig, tragisch und nervig zugleich – eine perfekte Mischung.

BESTE MOMENTE


1. Der Opener: Die Szene am Hollywood-Sign ist atmosphärisch eine der dichtesten der neueren Ära. Der Wind, das Knacken des Metalls, der Schrei – Gänsehaut!
2. Das Treppen-Fiasko: Als Peter im Hotel fast abstürzt. Das Sounddesign (knarzendes Holz, der Schrei) ist hier on point.
3. Das Finale: Justus durchschaut die Falle mit dem Magnesiumblitz. Dieser Moment, in dem er Crowl ins offene Messer laufen lässt, ist pure Genugtuung.

SCHWACHSTELLEN


Okay, Freunde, wir müssen reden. Der „Schatz“ ist ein... Drehbuch? Ein schlechtes Drehbuch? Ich verstehe die Ironie dahinter (der größte Schatz eines Künstlers ist sein Werk), aber für eine Schnitzeljagd auf Leben und Tod ist das schon ein ziemlicher Anti-Climax. Und warum Casey Wye ihren Tod vortäuscht und jahrelang als Obdachlose lebt, nur um dieses Machwerk zu schützen, ist mit Logik kaum zu erklären. Aber hey, das ist Hollywood!

SERIEN-KONTEXT


Jetzt wird’s nerdig! Diese Folge stammt aus der Feder von Astrid Vollenbruch, die uns auch den genialen Geisterzug (Folge 122) geschenkt hat. Man merkt ihren Stil: Es ist weniger „Action-Blockbuster“ und mehr „klassisches Krimi-Rätsel“.

Ein wichtiges Detail für Kontinuitäts-Fans: Wir treffen hier erneut auf Miss Bennett, die Bibliothekarin. Sie taucht auch in Feuermond (125), Haus des Schreckens (131) und Spuk im Netz (132) auf. Sie ist quasi die inoffizielle Nachfolgerin der legendären, aber seltenen Bibliothekarinnen der Frühzeit. Dass Bob hier so einen guten Draht zu ihr hat, festigt seinen Ruf als Liebling aller gebildeten Damen mittleren Alters.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier müssen wir kurz innehalten und den Hut ziehen. Gisela Trowe spricht Casey Wye/Jezebel. Für uns Hardcore-Fans ist das ein Gänsehaut-Moment der anderen Art: Trowe war bereits in den aller ersten Folgen dabei! Sie sprach Mrs. Selby in Die flüsternde Mumie (Folge 10) und Mrs. Osborne in Die bedrohte Ranch (Folge 33). Dass sie hier, kurz vor ihrem Tod im Jahr 2010, noch einmal eine so große Rolle übernimmt und den Kreis schließt, ist einfach magisch. Ihre Stimme hat dieses brüchige, fordernde Timbre, das die Rolle der verbitterten Diva perfekt macht.

Und noch ein Fun Fact für Besserwisser: Renate Pichler (Miss Bennett) ist auch keine Unbekannte. Sie sprach in Folge 45 (Gold der Wikinger) niemand Geringeren als Bobs Mutter! Hier flirtet Bob also quasi stimmtechnisch mit seiner Mom. Freud hätte seine Freude daran.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien 2009 und basiert auf dem gleichnamigen Buch von 2006. Interessant ist der reale Hintergrund: Die Geschichte greift den tragischen Selbstmord der Schauspielerin Peg Entwistle auf, die sich 1932 tatsächlich vom „H“ des Hollywoodland-Schriftzugs stürzte. Vollenbruch hat diesen wahren Mythos genommen und ihn in den drei ???-Kosmos gewoben. Das macht die Grusel-Szene am Anfang umso beklemmender, wenn man weiß, dass das wirklich passiert ist.


FAN-SERVICE-CHECK


- Visitenkarte: Wird natürlich überreicht.
- Dietrich: Justus knackt Schlösser, als wäre es sein Zweitjob.
- Schrottplatz: Die Zentrale kommt vor, Tante Mathilda wird erwähnt – alles da, was das Herz begehrt.

FAZIT & EMPFEHLUNG


Schatten über Hollywood ist ein atmosphärisches Highlight der 120er-Dekade. Wer auf Action und High-Tech steht, wird sich vielleicht langweilen. Aber wer (wie ich) auf staubige Hotels, tragische Film-Diven und klassische Rätsel steht, wird diese Folge lieben. Es ist kein Gespensterschloss, aber es spielt verdammt gut in der Liga der „Erwachsenen“-Fälle mit.

Für Fans von: Der seltsame Wecker, Die flüsternde Mumie (wegen Gisela Trowe!) und Billy Wilder Filmen.

Wusstest du schon?

Die Folge greift die reale Legende der Schauspielerin Peg Entwistle auf, die sich 1932 tatsächlich vom Hollywood-H stürzte.
Musikalisch werden in dieser Folge einige klassische Stücke aus der Original-Ära der Serie (u.a. im Stil von Carsten Bohn) zitiert, was für Retro-Feeling sorgt.
Justus zitiert Sherlock Holmes: 'Es gibt nichts Täuschenderes als eine offensichtliche Tatsache' (aus 'The Boscombe Valley Mystery').
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 Puderquasten mit Biberpfoten-Griff
Das Rätsel
Eine klassische Schnitzeljagd basierend auf zerschnittenen Briefteilen. Die Idee, die Hinweise in absurden Objekten (Biberpfote, Uhr) zu verstecken, ist originell, wenn auch etwas konstruiert. Die 'Fallen' (Wegklapp-Treppe, Magnesiumblitz) geben dem Rätsel eine physische Bedrohlichkeit, die gut funktioniert.
Plot & Logik
Das Motiv ist herrlich verschroben: Eine Racheaktion an einem Ehemann, der schon tot ist, die dann auf den Anwalt umgemünzt wird. Dass Crowl die Detektive zwingt, die Fallen für ihn auszulösen, ist ein kluger Schachzug für einen Bösewicht, der das Risiko scheut. Ein kleines Logikloch bleibt, warum Casey Wye jahrelang 'tot' spielt, nur um ein schlechtes Drehbuch zu beschützen.
Kapitel
1 Geisterstunde 0:00 min
2 Erste Ermittlungen 11:17 min
3 KCY 21:31 min
4 Die Botschaft des Talismans 25:33 min
5 Hotel Pacific Pearl 35:13 min
6 Fragen und Fallen 40:26 min
7 In der Geisterstadt 41:32 min
8 Verstorben 51:48 min
9 Niedergeschlagen 53:32 min
10 Wilde Kirschen 59:58 min
11 Magnesiumblitz 62:57 min
12 Die Juwelen 66:51 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert mit seiner Beobachtungsgabe ('Es gibt nichts Täuschenderes als eine offensichtliche Tatsache') und behält selbst in Geiselhaft einen kühlen Kopf. Seine Entschlüsselung der Hinweise rettet das Team.
P
Peter Shaw
Der heimliche Held der Folge. Er klettert auf das Wahrzeichen, überlebt die Treppenfalle und zeigt trotz seiner Angst vor Geistern vollen Körpereinsatz.
B
Bob Andrews
Übernimmt den Recherche-Part in der Bibliothek und hält den Kontakt zu Miss Bennett. Seine Analyse des 'Schatzes' am Ende ist trocken und treffend.

Sprecher

Verwandte Folgen

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