Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt im Palisades Park, wo Peter Shaw Zeuge wird, wie ein Mann von einem Schwarm Krähen angegriffen wird. Peter eilt zu Hilfe und vertreibt die Vögel, doch das Opfer, ein gewisser Gordon Dust, verhält sich merkwürdig abweisend und verschwindet schnell. Nachdem die drei ??? Dusts verlorene Brieftasche zurückgebracht haben, meldet sich am nächsten Tag Mrs. Goldie June bei ihnen. Die exzentrische Dame ist Dusts Nachbarin und finanzielle Förderin seines Projekts 'Cawing Crows', bei dem er und sein Partner Roy Hancock angeblich die Sprache der Krähen übersetzen. Mrs. June wurde jedoch plötzlich aus dem Projekt ausgeschlossen und fürchtet nun um Dusts Sicherheit, da sie eine mysteriöse Frau (Kimberly Cryder) beim Spionieren beobachtet hat. Bei einem Besuch präsentiert Dust den Detektiven und Mrs. June seine 'Forschungsergebnisse': Die Krähen würden vor einer nahenden Klima-Apokalypse warnen und die Menschen müssten fliehen. Justus wird misstrauisch, als Dust Mrs. June drängt, ihre Immobilien zu verkaufen und ihm eine Kontovollmacht zu erteilen, um nach Europa zu 'flüchten'. Recherchen ergeben, dass Dust keine wissenschaftliche Reputation hat und Hancock früher bei einer Lotterie arbeitete – genau jener, bei der Mrs. June Millionen gewann. Bob findet zudem heraus, dass Dusts Fachwissen aus Kinderbüchern stammt. Um die Betrüger zu überführen, stellen die drei ??? ihnen eine Falle im Park: Mit Hilfe des Vogeltrainers Frank Peel inszenieren sie einen massiven Krähenangriff auf Dust während der Geldübergabe. In Panik gesteht Dust den Betrug. Es stellt sich heraus, dass er die echten Angriffe durch Steinwürfe auf Nester provoziert hatte und die mysteriöse Kimberly Cryder eine Journalistin ist, die ihm wegen Tierquälerei auf der Spur war. Der Fall endet mit einem Geständnis und Peters Erkenntnis, dass er sein Surf-Date mit Jeffrey vergessen hat.

Review

Hitchcock trifft Humbug – Die drei ??? und der Angriff der Killer-Krähen
Krächz-Alarm in Rocky Beach! In Folge 228 müssen Justus, Peter und Bob klären, ob Vögel wirklich vor dem Klimawandel warnen oder ob hier jemand ganz gewaltig einen Vogel hat. Plus: Warum Irmgard Knef der heimliche Star dieser Folge ist!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Kassetten-Umdrehens!

Hier ist wieder euer Spezialist für Spezialgelagerte Sonderfälle, und heute widmen wir uns einer Folge, bei der man sich unweigerlich fragt: Haben wir versehentlich eine alte Hitchcock-VHS eingelegt? Schnappt euch ein Stück von Tante Mathildas Kirschkuchen (aber vorsicht, nicht krümeln!), denn es geht um Folge 228: Der Ruf der Krähen.

ERSTER EINDRUCK


Krächz! Flatter! Panik! Der Einstieg wirft uns direkt in einen kalifornischen Albtraum. Es ist heiß in Rocky Beach – so heiß, dass Justus vermutlich schon beim Denken schwitzt und Peter freiwillig um 7 Uhr morgens joggen geht (unser Sport-Ass, immer für eine Überraschung gut). Die Atmosphäre erinnert sofort an den Klassiker „Die Vögel“, und man wartet eigentlich nur darauf, dass Tippi Hedren um die Ecke biegt. Stattdessen bekommen wir eine Story, die irgendwo zwischen genialem Trash und solider Krimi-Kost schwankt. Man denkt: „Okay, Tier-Horror? Nehmen wir!“ Aber wie wir unsere drei Fragezeichen kennen, steckt natürlich kein Dämon, sondern ein gieriger Mensch dahinter.

DIE STORY


Peter „The Legs“ Shaw rettet im Park einen Mann vor einer aggressiven Krähen-Attacke. Der Gerettete, ein gewisser Gordon Dust, ist aber gar nicht dankbar, sondern macht sich aus dem Staub (Wortspiel beabsichtigt). Kurz darauf meldet sich Mrs. Goldie June – eine herrlich schräge Dame, die Dusts „Forschungsprojekt“ finanziert. Dust und sein Partner Hancock behaupten nämlich, sie könnten mit Krähen sprechen. Und was sagen die Vögel? „Klimawandel! Flieht nach Europa! Und gebt uns euer ganzes Geld!“ (Okay, fast). Justus wittert sofort den Braten, Bob taucht in die Bibliothek ab, und am Ende gibt es eine Falle, die so klassisch ist, dass man sie fast einrahmen möchte.

UNSERE HELDEN


Justus ist in dieser Folge in absoluter Höchstform als „Der Ungläubige“. Während alle anderen noch „Oh, wie faszinierend!“ rufen, hat Justus das Bullshit-Bingo schon gewonnen. Sein Satz „Ich gehe zu 99% davon aus, dass es sich um Scharlatane handelt“ ist pures Gold. Er zerlegt die Pseudowissenschaft der Bösewichte mit einer Präzision, die jeden Physiklehrer stolz machen würde.
Peter darf mal wieder den Action-Part übernehmen, glänzt aber überraschenderweise mit Filmwissen! Dank seines Vaters (der bei den Filmstudios arbeitet – wir erinnern uns!) erkennt er die Parallelen zu Hitchcocks Tricktechnik. Ein schöner Moment für den zweiten Detektiv, der sonst oft nur für die Dietrich-Arbeit zuständig ist.
Bob liefert den absoluten Comedy-Höhepunkt der Folge. Seine Recherche führt nicht zu einem verstaubten Wälzer, sondern zu einem Kinderbuch. Die Szene, in der er die „wissenschaftliche Quelle“ der Betrüger enttarnt, ist herrlich trocken inszeniert.

DIE GEGENSPIELER


Wir haben es hier mit einem Duo zu tun, das fast schon Bond-Bösewicht-Qualitäten hat – zumindest stimmlich. Gordon Dust (gesprochen von der deutschen Stimme von Kevin Spacey, dazu gleich mehr) ist der aalglatte Verführer, der auch Kühlschränke am Nordpol verkaufen würde. Sein Partner Roy Hancock ist eher der Mann fürs Grobe. Sie bleiben im Gedächtnis, weil sie so herrlich dreist lügen. Dass sie glauben, mit „Krähen warnen vor der Klima-Apokalypse“ durchzukommen, zeugt von einem Selbstbewusstsein, das ich mir manchmal wünsche.

BESTE MOMENTE


1. Der Kinderbuch-Reveal: Als Bob vorliest: „Kra, kra, kra, wer krächzt denn da?“ und damit das gesamte „wissenschaftliche“ Fundament von Dust zerstört. Großes Kino!
2. Justus' Falle: Die Inszenierung des finalen Angriffs mit Hilfe des Vogeltrainers Frank Peel. Das ist „Drei Fragezeichen“ wie aus dem Lehrbuch: Den Gegner mit den eigenen Waffen schlagen.
3. Jeder Satz von Mrs. Goldie June: Diese Frau ist eine Diva, und sie wird auch so gesprochen. Ein Genuss!

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich, Freunde: Der Plan der Bösewichte ist... ambitioniert. Eine alte Dame davon zu überzeugen, ihr gesamtes Vermögen zu überschreiben und nach Europa zu ziehen, weil ein paar Vögel krächzen? Das setzt schon sehr viel Naivität voraus. Auch das Thema „Klimawandel“ wirkt hier leider etwas wie ein Fremdkörper, der als Plot-Device herhalten muss, um Panik zu erzeugen. Das hätte man eleganter lösen können. Und: Warum genau musste Peter sein Date mit Jeffrey vergessen? Der arme Kerl (Jeffrey, nicht Peter) kommt in letzter Zeit echt zu kurz!

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge reiht sich ein in die Tradition der „Tier-Phänomen-Fälle“ wie Die bedrohte Ranch (Folge 33) oder Der Ameisenmensch (Folge 32), nur eben in modern. André Minninger, der hier sowohl Buch als auch Skript verfasst hat, liebt diese technischen/psychologischen Spielereien. Interessant ist der Kontrast zur Buchvorlage: Das Buch wurde von Fans oft kritisiert, weil die ersten 100 Seiten extrem zäh sind und fast nur geredet wird. Das Hörspiel macht hier alles richtig und strafft die Handlung enorm. Es ist kein Klassiker für die Ewigkeit, aber eine solide „Middle-Era“-Folge, die man gut weghören kann.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, hier müssen wir kurz innehalten und applaudieren!

Mrs. Goldie June wird gesprochen von Irmgard Knef. Und jetzt haltet euch fest: Irmgard Knef gibt es gar nicht! Das ist die Kunstfigur des Kabarettisten und Chansonniers Ulrich Michael Heissig. Er spielt (und spricht) eine fiktive Zwillingsschwester von Hildegard Knef. Dass Heikedine Körting ihn für diese Rolle geholt hat, ist ein absolut genialer Casting-Coup und sorgt für diesen einzigartigen, theatralischen Klang der Figur.
Gordon Dust wird gesprochen von Till Hagen. Den kennt ihr alle als die feste Synchronstimme von Kevin Spacey (House of Cards!). Er hat diese unfassbar ruhige, bedrohliche Autorität in der Stimme. Fun Fact: Er ist auch der Zoowärter Karl bei Benjamin Blümchen („Törööö!“). Der Mann kann also von Elefanten-Pflege bis Millionen-Betrug alles.
Roy Hancock ist Nicolas König. Ein Urgestein! Sein Vater Henry König war schon Karl May-Erzähler. Nicolas kennen wir als Timotheus aus der Toteninsel (Folge 100) oder aus unzähligen TKKG-Folgen. Wenn man einen harten Kerl braucht, ruft man Nicolas König an.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von André Minninger (erschienen 2023). Minninger ist ja quasi der „Master of Puppets“ im Europa-Studio und schreibt seit Ewigkeiten die Skripte. Dass er hier seine eigene Vorlage adaptiert hat, merkt man: Die Dialoge sitzen, und er wusste genau, was er kürzen muss (zum Glück!). Es ist eine der Folgen, wo das Hörspiel tatsächlich besser funktioniert als das Buch, weil die akustische Umsetzung der Krähen-Attacken einfach gruseliger ist als gedrucktes Papier.


FAN-SERVICE-CHECK


Peters Vater: Die Erwähnung seiner Arbeit bei den Filmstudios ist ein schöner Nicker zur Serien-Vergangenheit.
Hitchcock: Die ganze Folge ist eine Verbeugung vor „Die Vögel“. Peter erklärt sogar den „Sodium Vapor Process“ (die Gelbwand-Technik), die Disney und Hitchcock nutzten.
Visitenkarte: Natürlich wird die Karte überreicht. Das darf nicht fehlen.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Der Ruf der Krähen“ ist wie eine Tüte gemischte Bonbons: Manchmal etwas künstlich im Geschmack (die Story), aber mit ein paar echten Highlights dazwischen (die Sprecher!). Wer Justus gerne dabei zuhört, wie er Hochstapler intellektuell filetiert, wird hier seinen Spaß haben. Allein wegen der Performance von „Irmgard Knef“ und Till Hagen lohnt sich das Einschalten. Kein All-Time-Classic, aber solide Unterhaltung für den Samstagmorgen-Putz.

So, und ich gehe jetzt raus in den Park – aber ich nehme sicherheitshalber einen Regenschirm mit. Man weiß ja nie, was von oben kommt!

Wusstest du schon?

Die Sprecherin der Goldie June ist 'Irmgard Knef', eine fiktive Kabarett-Figur, die vom Kabarettisten Ulrich Michael Heissig verkörpert wird.
Till Hagen, der Sprecher des Bösewichts Gordon Dust, ist die bekannte deutsche Synchronstimme von Kevin Spacey.
Die Handlung nimmt explizit Bezug auf Alfred Hitchcocks Filmklassiker 'Die Vögel' und erklärt sogar dessen Tricktechnik.
Autor André Minninger schrieb sowohl die Buchvorlage als auch das Hörspielskript.
Cover
Bewertung
5.5
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5,5 von 10 zerfledderten Kinderbüchern
Das Rätsel
Der Fall ist weniger ein klassisches 'Whodunit' als ein 'Howcatchem'. Dass die Übersetzung der Krähensprache Humbug ist, ahnt der Hörer sofort. Die Spannung entsteht eher durch die Frage, wie genau die Betrüger die Angriffe inszenieren und wie Justus sie überführen wird. Die Auflösung mit den Steinwürfen ist simpel, aber plausibel.
Plot & Logik
Der Plan der Bösewichte ist extrem riskant und setzt auf die absolute Naivität von Mrs. June. Dass sie aufgrund einer 'Krähen-Warnung' ihr gesamtes Vermögen überschreiben soll, ist schon starker Tobak. Gut konstruiert ist hingegen die falsche Fährte mit der Spionin, die sich als Journalistin entpuppt.
Kapitel
1 "Sie bringen mich um!" 0:00 min
2 Kein neuer Fall 6:10 min
3 Vogelkunde 15:38 min
4 "Cawing Crows" 28:36 min
5 Angriff 37:22 min
6 Abstraktes Denken 49:15 min
7 Jackpot 60:05 min
8 Der Krähenflüsterer 70:39 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist hier in Bestform als Skeptiker. Er durchschaut den pseudowissenschaftlichen Hokuspokus sofort ('Ich gehe zu 99% davon aus, dass es sich um Scharlatane handelt') und nutzt Google sowie Bobs Recherche effizient. Seine Falle mit dem Vogeltrainer ist ein klassischer Justus-Moment.
P
Peter Shaw
Peter darf zu Beginn den Actionhelden spielen und zeigt Mut. Später liefert er mit seinem Wissen über Alfred Hitchcocks 'Die Vögel' (dank seines Vaters bei den Filmstudios) den entscheidenden Hinweis zur Methode der Täter.
B
Bob Andrews
Bob übernimmt den klassischen Recherche-Part in der Bibliothek. Sein Fund der Kinderbücher ('Kra, kra, kra, wer krächzt denn da?') sorgt für einen der witzigsten Momente der Folge und entlarvt Dusts intellektuelle Hochstapelei.

Sprecher

Verwandte Folgen

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