Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt mit einem Wasserrohrbruch im Hause Andrews, weshalb Bob, Peter und Justus kurzfristig Tickets für den legendären Luxuszug Coast Imperial von Los Angeles nach Seattle übernehmen. Die Stimmung ist ausgelassen, bis ihnen im Panoramawagen ein extrem nervöser Mann, Ray Witty, auffällt. Als Justus ihn an der Bar anspricht, reagiert Witty panisch und verschwindet kurz darauf spurlos, nachdem er seinen Handschuh verloren hat.

Die Detektive beginnen zu ermitteln. Bob versucht, den Handschuh zurückzugeben, prallt dabei jedoch mit einer älteren Dame, Mrs. Lockwood, zusammen. Kurz darauf taucht 'Ray Witty' wieder im Salonwagen auf – doch Justus bemerkt sofort Ungereimtheiten: Der Mann ist plötzlich entspannt, hat andere körperliche Merkmale (einen Abdruck einer Perücke) und erinnert sich scheinbar nicht an den Vorfall an der Bar. Justus ist überzeugt: Der echte Witty wurde entführt und durch einen Doppelgänger ersetzt. Zusammen mit dem hilfsbereiten, aber skeptischen Zugbegleiter Cecil Arbuthnot durchsuchen sie den Gepäckwagen, finden aber nichts, nicht einmal im Wassertank.

Die Situation spitzt sich zu, als Peter im Poolwagen von einem riesigen Schatten angegriffen wird, den er für das ausgestorbene Urzeitinsekt Arthropleura hält. Justus entlarvt dies jedoch als Ablenkungsmanöver: Zerrissene Fahrkartenstücke und die Gruselshow sollten die Detektive gezielt vom Salonwagen fernhalten. Bob recherchiert parallel einen Fossilienraub in L.A., in den der echte Witty verwickelt war. Justus kombiniert: Witty wollte auspacken, und seine Komplizen haben ihn im Zug abgefangen.

Im Finale konfrontieren die drei ??? die Passagiere im Salonwagen. Es stellt sich heraus, dass fast alle Gäste dort zur Bande gehören. Witty wurde betäubt und als alter Mann im Rollstuhl getarnt mitten unter ihnen versteckt. Die Detektive können knapp in ihre Kabine entkommen und die Polizei verständigen, die den Zug beim Halt in Sacramento umstellt und die Bande festnimmt.

Review

Mord im Orient-Express trifft Rocky Beach: Ein All-Star-Cast auf Schienen!
Justus, Peter und Bob im Luxuszug, ein ganzer Waggon voller Lügner und die deutsche Stimme von Gandalf als Schaffner. Warum Folge 189 ein absolutes Muss für Nostalgiker ist!

Moin, liebe Kollegen und willkommen im spezialgelagerten Sonder-Blog!

Schnappt euch eine Fahrkarte, packt den Kirschkuchen ein und lasst den Rolls Royce in der Garage stehen. Heute wird’s luxuriös, klaustrophobisch und ein bisschen gaga. Wir steigen ein in den Coast Imperial und widmen uns Folge 189: „… und der unsichtbare Passagier“.

ERSTER EINDRUCK


Leute, ich liebe es, wenn die drei ??? ihre Komfortzone (den Schrottplatz) verlassen und in ein „Closed Room“-Szenario geworfen werden. Ein Zug, der durch die Nacht rast? Draußen Unwetter (oder zumindest Dunkelheit), drinnen Plüsch, Mahagoni und zwielichtige Gestalten? Das schreit förmlich nach Agatha Christie! Der erste Eindruck ist: Edel. Die Atmo stimmt von der ersten Sekunde an. Man riecht förmlich das teure Parfüm der Passagiere und das Angstschweiß-Deo von Peter.

DIE STORY


Alles beginnt mit einem Klassiker des Andrews-Universums: Ein Wasserrohrbruch. Ernsthaft, wenn bei Bob zu Hause nicht gerade eingebrochen wird, steht der Keller unter Wasser. Deshalb „müssen“ unsere drei Detektive Erste-Klasse-Tickets für den Luxuszug Coast Imperial nutzen. Das Leben ist hart.

Kaum an Bord, treffen sie auf Mr. Ray Witty, der nervöser ist als Peter bei einer Geisterbeschwörung. Witty verliert einen Handschuh, verschwindet – und taucht kurz darauf als tiefenentspannter Typ wieder auf. Justus Jonas, unser menschlicher Lügendetektor, wittert sofort: Das ist ein Doppelgänger! Was folgt, ist ein Katz-und-Maus-Spiel auf Schienen, bei dem sich herausstellt, dass in Waggon Nr. 1 so ziemlich niemand der ist, der er zu sein scheint. Und dann krabbelt da noch ein Urzeit-Viech durch den Pool...

UNSERE HELDEN


Justus ist in Höchstform. Er ist dieser eine Typ, der im Restaurant dem Kellner erklärt, wie man die Serviette richtig faltet. Seine Obsession mit dem „Perückenabdruck“ auf der Stirn des falschen Mr. Witty ist pures Gold. Er lässt sich von nichts beirren – nicht mal davon, dass ihm niemand glaubt. Ein echter Justus-Moment: Arrogant, brillant, unerträglich. Herrlich.

Peter... ach, Peter. Er darf mal wieder den Action-Part übernehmen und durch Abteile schleichen. Aber sein Highlight (oder Lowlight?) ist die Begegnung im Pool-Wagen. Dass er bei einem riesigen Insekt nicht sofort ohnmächtig wird, rechne ich ihm hoch an. Er ist der emotionale Anker der Folge, der das ausspricht, was wir alle denken: „Leute, das ist hier alles total krank!“

Bob ist mal wieder der MVP der Recherche. Selbst in einem fahrenden Zug schafft er es, Infos über einen Fossilienraub ranzuschaffen. Der Mann könnte wahrscheinlich auch in einer Wüste ohne WLAN herausfinden, wer die Pyramiden gebaut hat. Außerdem ist er der Grund für die Reise – danke, Familie Andrews!

DIE GEGENSPIELER


Das Spannende hier: Es gibt nicht den einen Bösewicht. Es ist eine verdammte Verschwörung! Dass fast der ganze Waggon unter einer Decke steckt, ist ein Twist, den man zwar erahnen kann, der aber trotzdem Spaß macht. Die Schurken wirken durch ihre schiere Masse bedrohlich, auch wenn ihr Plan (dazu gleich mehr) vielleicht etwas... over the top ist. Besonders im Gedächtnis bleibt der falsche Mr. Witty, der so tut, als wäre alles normal – Gaslighting vom Feinsten.

BESTE MOMENTE


1. Justus vs. Trevor: Als Justus den aggressiven Passagier Trevor fragt, ob er dann „nackt durch den Zug rennen“ würde, wenn seine Kleidung weg wäre. Trockener Humor at its best.
2. Die Perücken-Deduktion: Sherlock Holmes wäre stolz. Justus sieht einen roten Striemen auf der Stirn und kombiniert einen kompletten Kriminalfall. Das ist der Stoff, aus dem Legenden sind.
3. Das Finale: Wenn der Groschen fällt und die Detektive realisieren, dass sie umzingelt sind. Echte Beklemmung!

SCHWACHSTELLEN


Okay, wir müssen über den Elefanten – oder besser gesagt: den Tausendfüßler – im Raum reden. Die Arthropleura. Ein riesiges Urzeit-Insekt im Pool? Wirklich? Das war so ein Moment, wo die Story kurz ins Trashige abdriftet. Klar, es wird später als Ablenkungsmanöver erklärt, aber es wirkt wie ein Fremdkörper in diesem sonst so stilvollen Krimi. Und mal ehrlich: Der Aufwand der Verbrecher (Maskenbildner, Schauspieler, ganzer Waggon gemietet, Fake-Monster) steht in keinem Verhältnis zur Beute. Aber hey, wir sind in Rocky Beach (bzw. im Zug), da drückt man ein Hühnerauge zu.

SERIEN-KONTEXT


Züge sind ein wiederkehrendes Motiv bei den drei ???. Wir erinnern uns liebevoll an den „Rasenden Löwen“ (Folge 15) – ein absoluter Klassiker. Auch in „Der rote Rächer“ (Folge 96) wurde schon auf Schienen ermittelt. „Der unsichtbare Passagier“ reiht sich hier wunderbar ein, wirkt aber moderner und glatter produziert. Es ist eine typische Hendrik-Buchna-Folge: Viel Atmosphäre, ein bisschen History-Vibe (Fossilien) und ein Hauch von „Old School“.

SPRECHER-SPOTLIGHT (DAS IST DER WAHNSINN!)


Leute, haltet euch fest. Die Besetzungsliste liest sich wie das „Who is Who“ der deutschen Hörspielgeschichte. Das ist kein Hörspiel, das ist ein Klassentreffen der Legenden!

Eckart Dux (Mr. Arbuthnot): Der Mann ist eine Ikone! Er ist die deutsche Stimme von Gandalf (Ian McKellen) im Hobbit und von Arthur Spooner (Jerry Stiller) in King of Queens. Seine warme, leicht brüchige Stimme verleiht dem Schaffner so viel Würde und Charme. Ein absoluter Genuss!
Claus Wilcke (Ray Witty): Kennt ihr Percy Stuart? Wenn nicht, fragt eure Eltern/Großeltern. Wilcke war in den 60ern/70ern DER deutsche TV-Star. Ihn hier als nervösen (und falschen) Witty zu hören, ist großes Kino.
Gernot Endemann (Mann/Trevor): Hier werde ich sentimental. Gernot Endemann war „Schorsch“ aus der Sesamstraße und über Jahre eine feste Größe im EUROPA-Kosmos (u.a. Major bei TKKG). Er ist 2020 verstorben, was diese Rolle zu einer seiner letzten großen Auftritte bei den drei ??? macht. Ruhe in Frieden, Legende!
Wolfgang Kaven (Cowboy Dick): Bis 2023 war er der Erzähler bei TKKG! Seine markante Stimme hier als Cowboy zu hören, ist ein wunderbares Crossover für Kassettenkinder.
Robert Missler (Hank): Er ist die Stimme von Grobi in der Sesamstraße und ein unfassbar vielseitiger Sprecher. Seit 2017 hat er sich aus dem Beruf zurückgezogen.

Ernsthaft, allein für diesen Cast muss man die Folge hören. Das ist Hörspiel-Adel!

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Hendrik Buchna (erschienen 2016). Buchna ist bekannt dafür, wissenschaftliche Fakten (hier die Arthropleura) in seine Fälle einzubauen. Im Buch sind einige Szenen natürlich ausführlicher, aber die Hörspielbearbeitung von André Minninger fängt den Kern super ein. Interessant: Die Arthropleura gab es wirklich im Karbon-Zeitalter – Justus hat also (natürlich) recht. Dass sie bis zu 2,5 Meter lang wurden, macht die Pool-Szene im Nachhinein noch gruseliger.


FAN-SERVICE-CHECK


Visitenkarte: Wird übergeben (check).
Justus isst: Es wird zumindest über das luxuriöse Essen im Speisewagen philosophiert (halber check).
Bob recherchiert: Trotz Urlaub und Zugfahrt (doppelter check).
  • Peter hat Schiss: Und wie! (check).

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Und der unsichtbare Passagier“ ist ein festliches Bankett für Ohrenzeugen. Die Story ist spannend, die Atmosphäre dicht wie Nebel in London und die Sprecherriege ist schlichtweg sensationell. Wer über das etwas alberne Monster hinwegsehen kann, bekommt einen der besten Fälle der neueren Ära (Folgen 150+). Perfekt für lange Auto- oder Zugfahrten (haha!).

Ein Muss für Fans von Kammerspielen und Sprecher-Nerds!

Wusstest du schon?

Die Handlung erinnert stark an Agatha Christies 'Mord im Orient-Express', kehrt das Motiv aber um (Entführung statt Mord).
Das 'Monster' Arthropleura existierte tatsächlich im Karbon-Zeitalter und war der größte landlebende Gliederfüßer der Erdgeschichte.
Der Autor Hendrik Buchna ist bekannt für Fälle mit historischem oder wissenschaftlichem Hintergrund.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 Kirschkuchen (mit extra Sahne für Eckart Dux)
Das Rätsel
Eine klassische 'Locked Room'-Variante im Zug, die sehr an Agatha Christie erinnert, aber schön variiert wird. Die Idee, dass fast alle Passagiere unter einer Decke stecken, ist zwar nicht neu, aber für ein Jugendhörspiel effektiv umgesetzt. Der Hörer kann durch Justus' Beobachtungen (Perückenabdruck, Verhalten) gut miträtseln.
Plot & Logik
Der Plan der Verbrecher ist extrem aufwendig (ganzen Waggon mieten, Doppelgänger, Maskenbildner an Bord), was hart an der Grenze zur Unglaubwürdigkeit kratzt, aber im 'Die drei ???'-Kosmos noch funktioniert. Dass sie die Detektive so lange gewähren lassen, statt sie früher festzusetzen, ist typische Schurken-Arroganz. Der 'Monster'-Moment im Pool wirkt etwas deplatziert und trashig.
Kapitel
1 Verschwunden! 0:00 min
2 Unmöglich, aber wahr 10:27 min
3 Original oder Fälschung? 20:20 min
4 Kontroll-Aktion 30:22 min
5 Gigant auf vielen Beinen 39:08 min
6 Die Masken fallen 47:24 min
7 Stunde der Wahrheit 55:17 min
8 Ein fast perfektes Verbrechen 60:22 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch scharfe Beobachtungsgabe (der Perückenabdruck). Sein Moment, als er trotz aller Widerstände an seiner Theorie des Doppelgängers festhält, zeigt seinen unerschütterlichen Glauben an die eigene Logik.
P
Peter Shaw
Darf den Action-Part übernehmen (Einbruch in Kabinen) und liefert den klassischen Grusel-Moment im Poolwagen, auch wenn er sich hier kurzzeitig etwas zu leicht ins Bockshorn jagen lässt.
B
Bob Andrews
Trägt durch seine Recherche zum Fossilienraub das entscheidende Motiv bei und fungiert als Bindeglied, als er den 'Austausch' knapp verpasst.

Sprecher

Verwandte Folgen

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