Zusammenfassung

Die drei ??? reisen inkognito zum 'Marriott House' auf einer Insel vor der Küste, um als bezahlte Akteure an einem exklusiven Krimi-Wochenende teilzunehmen. Justus soll das Opfer spielen, Peter den Mörder. Doch kaum hat der Veranstalter Jack Lowell die Gäste eingeschlossen und die Insel verlassen, kippt die Stimmung: Bob wird niedergeschlagen und sein Handy gestohlen, zudem wurde das Türschloss mit Sekundenkleber sabotiert. Die Gruppe ist gefangen. Kurz darauf verschwindet der Musikproduzent Lloyd Scavenger. Die Gäste beobachten durch ein Bodenfenster entsetzt, wie er scheinbar von unsichtbaren Geisterhänden durch eine Wand gezogen wird.

Justus offenbart daraufhin der panischen Gesellschaft die wahre Identität der drei ???. Bei der Durchsuchung des Hausarchivs finden sie eine Karteikarte über einen Vorfahren Scavengers, der ein Mörder gewesen sein soll – ein mögliches Motiv für Rachegeister? Bob jedoch entdeckt auf einer weiteren Karte den Namen 'Petra Scassage', den er als Anagramm für 'Secret Passage' entschlüsselt. Das führt die Detektive zu einem Geheimgang hinter einem Gemälde mit Astern-Motiv.

Der Gang endet in einem stinkenden Hühner-Pavillon im Garten. Kurz darauf taucht Scavenger im Haus wieder auf, völlig verstört, und behauptet, von Geistern entführt worden zu sein. Am nächsten Morgen trifft die Polizei ein und berichtet, dass in Scavengers Villa auf dem Festland eingebrochen und ein wertvolles Gemälde gestohlen wurde. Justus kombiniert messerscharf: Scavenger hat seine Entführung nur inszeniert. Beweise sind ein historischer Fehler auf der gefälschten Karteikarte (New Mexico war 1893 noch kein US-Bundesstaat) und Vogelkot auf Scavengers Kopf, der nur aus dem Hühner-Pavillon stammen kann. Scavenger nutzte das Spiel als Alibi, um sein eigenes Bild zu stehlen und die Versicherung zu betrügen.

Review

Geister, Gänge und Geflügelkot – Warum Folge 131 ein Meisterwerk ist
Eingesperrt auf einer Insel, ein Haus voller Geheimgänge und ein prominenter Cast, der Hollywood-Niveau hat. Warum 'Haus des Schreckens' mehr ist als nur eine weitere Gruselfolge.

Hallo liebe Kassettenkinder, Freunde der gepflegten Detektivarbeit und Visitenkarten-Junkies!

Heute knöpfen wir uns einen modernen Klassiker vor, der so atmosphärisch ist, dass man beim Hören fast nasse Füße bekommt. Schnappt euch einen Kakao, wir reisen zum „Haus des Schreckens“ (Folge 131). Und eins vorweg: Diese Folge ist wie ein gut gereifter Kirschkuchen von Tante Mathilda – saftig, dunkel und mit einer überraschenden Füllung.

ERSTER EINDRUCK


Schon in den ersten Minuten wird klar: Hier wird nicht gekleckert, hier wird geklotzt. Regen peitscht, Donner grollt, und wir befinden uns auf einer einsamen Insel. Das Setting schreit förmlich nach Agatha Christie („Und dann gabs keines mehr“), nur dass wir statt zehn kleinen Negerlein drei neugierige Detektive haben. Die Atmosphäre ist von Sekunde 1 an so dicht, dass man sie schneiden könnte. Man fühlt sich sofort an das legendäre „Winchester Mystery House“ erinnert. Mein erster Gedanke: Endlich mal wieder ein klassisches „Locked Room Mystery“ ohne hanebüchene Weltraum-Aliens oder tanzende Teufel. Hier riecht es nach altem Holz, Staub und... nun ja, Hühnerkacke. Aber dazu später mehr.

DIE STORY


Kurzfassung für Eilige: Justus, Peter und Bob lassen sich für ein Krimi-Wochenende im mysteriösen „Marriott House“ anheuern. Justus spielt das Opfer, Peter den Mörder (Ironie des Schicksals, unser Schisser vom Dienst als Killer!). Doch kaum sind sie auf der Insel eingeschlossen und der Veranstalter weg, wird aus dem Spiel bitterer Ernst. Handys weg, Schlösser verklebt, und der exzentrische Musikproduzent Lloyd Scavenger wird vor den Augen aller durch eine massive Wand gezogen. Geister? Dämonen? Oder doch nur ein sehr ausgeklügeltes Schiebetür-System? Die drei ??? müssen ermitteln, bevor die panischen Gäste sich gegenseitig an die Gurgel gehen.

UNSERE HELDEN


Justus Jonas: Unser erster Detektiv ist in Hochform. Während alle anderen hyperventilieren, analysiert Justus Vogelkot. Ernsthaft. Sein Moment, als er den historischen Fehler auf der Karteikarte entlarvt („New Mexico wurde erst 1912 zum 47. Bundesstaat der USA“), ist der ultimative Justus-Flex. Man hört förmlich, wie er sich innerlich auf die Schulter klopft. Er ist der Fels in der Brandung, an dem der Wahnsinn der Gäste zerschellt.

Peter Shaw: Der arme Kerl. Er soll den Mörder mimen, hat aber eigentlich wie immer die Hosen voll. Trotzdem: Peter schlägt sich wacker. Er kriecht durch engste Geheimgänge (Klaustrophobie lässt grüßen!) und liefert sich herrlich trockene Wortgefechte mit Justus. Seine Rolle als „Undercover-Mörder“ sorgt für einige der witzigsten Dialoge der Folge.

Bob Andrews: Applaus für den Mann im Archiv! Bob ist hier der MVP (Most Valuable Player). Ohne ihn und seine Entschlüsselung des Anagramms „Petra Scassage“ (Secret Passage) würden die Jungs wahrscheinlich heute noch im Keller stehen und alte Zeitungen lesen. Bob beweist mal wieder, dass Recherche sexy sein kann.

DIE GEGENSPIELER & GÄSTE


Das Ensemble ist hier der eigentliche Star. Wir haben:

Alexander Nolan: Gesprochen von Wilfried Hochholdinger. Ein arroganter Schnösel, der Justus ständig intellektuell herausfordert. Er ist der Draco Malfoy dieser Folge – man liebt es, ihn zu hassen.

Das Ehepaar Parsley: Mary Parsley ist ein nervliches Wrack, ihr Mann Ian versucht verzweifelt, die Contenance zu wahren. Sie bringen diese wunderbare „Wir sind normale Bürger und wollen hier nur weg“-Panik rein.

Lloyd Scavenger: Das „Opfer“. Ein theatralischer Musikproduzent, der so überzogen leidet, dass man ihm fast eine Himbeere für schlechtes Schauspiel verleihen möchte – was im Nachhinein natürlich absolut Sinn ergibt!

BESTE MOMENTE


1. Der Wand-Abgang: Die Szene, in der Scavenger durch die Wand gezogen wird, ist soundtechnisch brillant gelöst. Das Entsetzen der Gäste wirkt echt.
2. Das Anagramm: Als Bob „Petra Scassage“ löst. Ein klassischer Rätsel-Moment, bei dem man als Hörer kurz stoppt und denkt: „Verdammt, warum bin ich da nicht drauf gekommen?“
3. Justus' Sherlock-Moment: Die Erklärung am Ende. „Warum hatte er Vogelkot auf dem Kopf?“ – „Weil er durch den Hühner-Pavillon gerannt ist!“ Einfach, logisch, genial. Ein Beweis, der so banal ist, dass er schon wieder brillant wirkt.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan des Täters ist... ambitioniert. Welcher Versicherungsbetrüger denkt sich: „Hey, ich will mein eigenes Bild klauen. Dafür miete ich eine Insel, engagiere Schauspieler, inszeniere ein Geister-Wochenende und lasse mich durch eine Wand ziehen“? Ein einfacher Einbruch hätte es auch getan, Lloyd! Aber gut, wir sind bei den drei ???, da muss es kompliziert sein. Ein kleiner Kritikpunkt ist auch die Zufälligkeit, mit der Bob genau die richtige Karteikarte im riesigen Archiv findet. Das war schon sehr viel „Deus ex Machina“ (oder „Deus ex Archiv“).

SERIEN-KONTEXT


Folge 131 ordnet sich nahtlos in die Riege der „Isolations-Folgen“ ein, ähnlich wie „Toteninsel“ oder „Das leere Grab“. Sie stammt aus der Feder von Marco Sonnleitner, der oft für seine Action-Lastigkeit kritisiert wird, hier aber beweist, dass er auch Atmosphäre kann. Das „Marriott House“ ist eine offensichtliche Hommage an das reale Winchester Mystery House in San Jose, Kalifornien. Dieses Haus wurde von der Witwe des Gewehr-Magnaten Winchester erbaut und ist berühmt für Treppen, die ins Nichts führen, und Türen, die sich in Wände öffnen – genau wie im Hörspiel. Für Fans ist die Folge ein modernes Highlight, das oft in Top-10-Listen der „Neuzeit“ (alles ab Folge 100) auftaucht.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier müssen wir kurz innehalten und den Hut ziehen. Die Besetzung ist Hollywood-reif:

Susanne Lothar (Shawne Davison): Eine Legende des deutschen Films (Funny Games, Der Vorleser). Sie war bekannt für extrem intensive, oft verstörende Rollen. Dass sie hier in einem Jugendhörspiel mitmacht, ist ein Ritterschlag. Leider verstarb sie viel zu früh im Jahr 2012. Ihre Performance verleiht der Figur eine Ernsthaftigkeit, die man selten in Kinderhörspielen findet.
Wilfried Hochholdinger (Alexander Nolan): Seine Stimme kennt man! Er ist oft der arrogante Bösewicht oder der glatte Karrierist. Filmfans kennen ihn vielleicht als Schneider aus Inglourious Basterds oder als Synchronstimme in diversen Serien (House of Cards, Prison Break). Seine süffisante Art passt perfekt zum Charakter Nolan.
Stephan Benson (Lloyd Scavenger): Ein vielbeschäftigter Sprecher, unter anderem die deutsche Stimme von Daniel Craig (in Sylvia) oder Kenneth Branagh. Er gibt dem Musikproduzenten genau die richtige Mischung aus Arroganz und (gespielter) Panik.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien 2009 und basiert auf dem gleichnamigen Buch von Marco Sonnleitner (erschienen 2006). Interessant: In der Fan-Community genießt diese Folge einen fast schon legendären Ruf. Sie gewann 2009 bei der Abstimmung auf 3Fragezeichen.de das „Goldene Fragezeichen“ als bestes Hörspiel des Jahres! Ein seltener Fall, wo sich Buch-Fans und Hörspiel-Fans einig sind, auch wenn das Buch natürlich (wie immer) noch detaillierter auf die absurden architektonischen Eigenheiten des Hauses eingeht.


FAN-SERVICE-CHECK


Running Gag: Peter hat Angst. Check.
Justus' Besserwisserei: New Mexico Fact. Check.
Bob und das Archiv: Er darf im Hausarchiv wühlen. Check.
Visitenkarte: Wird übergeben (wenn auch nur im Kontext der Vorstellung).
Easter Egg: Der Name „Marriott“ ist nicht zufällig gewählt, sondern eine Anlehnung an Sarah Winchester (im Hörspiel Sarah Marriott).

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Haus des Schreckens“ ist ein absoluter Pflicht-Hörer. Sie kombiniert den Grusel der Klassiker-Ära mit der modernen Produktionstechnik. Die Story ist zwar hanebüchen kompliziert (typisch Sonnleitner), aber so charmant verpackt, dass es egal ist. Wer „Schrecken aus dem Moor“ oder „Geisterbucht“ mochte, wird diese Folge lieben. Perfekt für verregnete Herbstabende!

Ranking: Definitiv in den Top 20 aller Zeiten.

Wusstest du schon?

Das 'Marriott House' ist offensichtlich vom realen Winchester Mystery House in San Jose inspiriert, das ebenfalls für seine architektonischen Kuriositäten und Geistergeschichten bekannt ist.
Die Folge gewann 2009 das 'Goldene Fragezeichen' als bestes Hörspiel des Jahres bei der Fan-Abstimmung.
Der Name 'Petra Scassage' ist ein Anagramm für 'Secret Passage'.
Cover
Bewertung
8.5
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8,5 von 10 Kirschkuchenstücke (eines hat Peter vor Schreck fallen lassen)
Das Rätsel
Ein klassisches 'Locked Room Mystery' mit einem schönen Twist. Das Anagramm 'Petra Scassage' ist typisch für Bob und fair lösbar. Die Entlarvung durch den Vogelkot und den historischen Fehler mit New Mexico zeugt von guter Recherchearbeit und klassischer Detektivkunst.
Plot & Logik
Der Plan des Täters ist riskant, aber für einen ???-Bösewicht herrlich theatralisch. Dass er extra ein ganzes Krimi-Wochenende nutzt, um sich ein Alibi für einen Versicherungsbetrug zu verschaffen, ist zwar umständlich, passt aber zur exzentrischen Figur des Musikproduzenten. Die Isolation auf der Insel sorgt für logische Spannung.
Kapitel
1 Marriott's Island 0:00 min
2 Das Haus der Geister 5:49 min
3 Der Mörder geht um 16:43 min
4 Das Fenster im Boden 26:04 min
5 Schritte in der Wand 43:08 min
6 Das Archiv 47:57 min
7 Es stinkt 53:57 min
8 Bericht aus der Hölle 59:17 min
9 Das Spiel ist aus 64:42 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert am Ende mit einer lückenlosen Beweisführung. Seine Beobachtungsgabe (Vogelkot, fehlende Angst beim Schrei) ist hier auf Sherlock-Holmes-Niveau.
P
Peter Shaw
Darf als 'Mörder' im Spiel mal eine andere Rolle einnehmen, was für witzige Dialoge sorgt ('Der Spinner ist aber heute der Mörder'). Zeigt in den Geheimgängen zwar Angst, bleibt aber handlungsfähig.
B
Bob Andrews
Der intellektuelle MVP der Folge. Ohne seine Entschlüsselung des Anagramms wären sie wohl immer noch im Archiv. Auch seine Recherchekompetenz blitzt auf.

Sprecher

Verwandte Folgen

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