Zusammenfassung

Der Fall beginnt im Haus der Jonas', wo ein heftiger Streit zwischen Tante Mathilda und Onkel Titus entbrennt. Mathilda ist fasziniert von der TV-Sendung 'Karma Hour', in der die Spiritistin Astrala angeblich live Kontakt zu Toten aufnimmt und verblüffende Details weiß – so auch den Tresor-Code von Mathildas Freundin Emily. Bob, der schlichten soll, erkennt in Astrala sofort seine ehemalige Psychologin und Gegnerin Clarissa Franklin. Um der Sache auf den Grund zu gehen, fährt Bob zum Sender 'Spirit Network' und liefert unter einem Vorwand eine Pizza direkt ins Studio. Clarissa gibt sich geläutert, behauptet, therapiert zu sein, und bittet Bob, sie nach Hause zu fahren.

Am Bungalow in 'Little Rampart' angekommen, überschlagen sich die Ereignisse: Ein Schuss fällt, Clarissa sinkt zu Boden, und Bob wird niedergeschlagen. Als Justus und Peter später eintreffen, leugnet Clarissa zunächst den Vorfall, gibt dann aber zu, von einem Unbekannten erpresst zu werden. Kurz darauf wird ein Brandanschlag auf den Schrottplatz verübt, während Clarissa sich dort aufhält – sie flieht panisch. Die Detektive brechen daraufhin in ihren Bungalow ein und finden ein vermeintliches Erpresserschreiben. Plötzlich taucht Clarissa mit einer weiteren alten Bekannten auf: Laura Striker, eine kriminelle Ex-Klientin von Clarissa. Die Situation ist undurchsichtig, besonders da Bob zunehmend aggressiv und irrational auf Clarissa reagiert, was er auf eine frühere Hypnose zurückführt.

Die Lage spitzt sich zu, als Überwachungskameras bei Sax Sandler aufzeichnen, wie Laura Striker heimlich ein Päckchen Strychnin in Bobs Käfer deponiert. Justus durchschaut das falsche Spiel: Er beweist, dass Astralas Show eine Aufzeichnung ist (weshalb Mathildas Freundin Emily unmöglich live angerufen haben kann – Mathilda gibt später zu, gelogen zu haben). Im finalen Showdown im Bungalow versucht Clarissa, den Spieß umzudrehen: Sie beschuldigt Bob, ihr aus verschmähter Liebe nachzustellen und die Pizza vergiftet zu haben. Laura Striker isst demonstrativ das angebliche Gift (Traubenzucker), um die Beweise der Inszenierung zu vernichten. Justus entlarvt schließlich den Racheplan der beiden Frauen: Sie wollten Bob als wahnsinnigen Stalker und Mörder ins Gefängnis bringen, als Vergeltung für Clarissas eigene Haftstrafe.

Review

Bob Andrews in der Schlangengrube: Wenn Psychopathinnen zweimal klingeln!
Die Queen of Mean ist zurück! In Folge 188 'Signale aus dem Jenseits' wird Bob zum Spielball zweier legendärer Schurkinnen. Warum Pizza-Lieferungen lebensgefährlich sein können und wer Justus 'Wichtigpups' nennt, erfahrt ihr hier.

Moin, liebe Kollegen! Schnappt euch einen Kirschkuchen (aber bitte ohne Strychnin!), lehnt euch zurück und stellt das Radio leiser – heute wird es psychologisch. Und zickig. Und herrlich bekloppt. Wir reden über Folge 188: Signale aus dem Jenseits.

ERSTER EINDRUCK


Heiliger Schrottplatz! Wenn man den Namen "André Minninger" als Autor liest und dann noch Judy Winters Stimme im Inlay entdeckt, weiß der erfahrene Fan sofort: Heute gibt’s keine gemütliche Schatzsuche im alten Bergwerk. Heute gibt es Psychoterror. Mein erster Gedanke war: "Endlich! Die Queen of Mean ist zurück!" Die Atmosphäre startet direkt mit einem Ehestreit bei den Jonas’ (immer ein Highlight) und kippt dann schnell in diesen typischen, leicht trashigen Psycho-Thriller-Vibe, den Minninger so liebt. Es fühlt sich weniger an wie ein klassischer Fall, sondern eher wie eine Folge "Gute Zeiten, Schlechte Zeiten" auf Valium – im besten Sinne!

DIE STORY


Tante Mathilda ist im Esoterik-Wahn und schaut "Karma Hour", eine Astro-TV-Show, bei der man sich fragt, ob Oliver Kalkofe das Drehbuch geschrieben hat (dazu später mehr!). Bob, unser Meister der Recherche, guckt einmal kurz auf den Bildschirm und kriegt Schnappatmung: Die TV-Wahrsagerin "Astrala" ist niemand anderes als Dr. Clarissa Franklin! Ja, DIE Franklin. Die Frau, die Bob in Folge 76 fast in den Wahnsinn getrieben hat.

Was macht Bob? Ruft er die Polizei? Nein. Er liefert Pizza aus. Ernsthaft. Er nutzt seinen Nebenjob, um sich ins Studio zu schleichen. Von da an geht alles den Bach runter: Ein Schuss fällt, Clarissa spielt das unschuldige Opfer, Bob wird niedergeschlagen und plötzlich drehen die Damen den Spieß um. Bob soll der irre Stalker sein, der Clarissa nachstellt. Und als Sahnehäubchen taucht auch noch Laura Striker auf – eine weitere Ex-Schurkin. Es ist ein perfides Spiel, bei dem Bob an seinem Verstand zweifelt und Justus beweisen muss, dass unser Archivar kein Attentäter ist.

UNSERE HELDEN


Bob Andrews: Der arme Kerl. Andreas Fröhlich darf hier wieder zeigen, warum er der schauspielerisch Stärkste der drei ist. Bob ist wütend, verwirrt, emotional labil und schreit rum. Man nimmt ihm die Verzweiflung wirklich ab, auch wenn das Skript ihn manchmal Dinge tun lässt, für die man ihm eigentlich den Detektivausweis entziehen müsste (Pizza-Lieferung ins Höllenloch, echt jetzt?).

Justus Jonas: Unser erster Detektiv ist in Bestform, wenn es darum geht, arrogante Damen zu zerlegen. Während Bob emotional kollabiert, bleibt Justus die Ruhe selbst. Seine Analyse der Videoaufnahmen am Ende ist klassischer Sherlock-Holmes-Stuff. Er ist der Fels in der Brandung, wenn Bob im Treibsand versinkt.

Peter Shaw: Peter ist hier der pragmatische Macher. Er fährt, er bricht ein, er parkt Autos um. Er versteht zwar die Hälfte der psychologischen Spielchen nicht ("Hä? Wieso isst die jetzt Zucker?"), aber genau das macht ihn sympathisch. Er steht loyal zu Bob, auch wenn der gerade wie ein Wahnsinniger wirkt.

DIE GEGENSPIELER


Leute, jetzt mal Butter bei die Fische: Judy Winter und Regina Lemnitz sind das absolute Highlight dieser Folge. Das ist Champions League der Synchronsprecherinnen.

Clarissa Franklin (Winter) ist so herrlich aalglatt, manipulativ und falsch, dass man ihr am liebsten durch die Boxen an den Hals springen würde. Und dann Laura Striker (Lemnitz)! Sie spielt die prollige, aggressive Ex-Knackie-Braut mit einer Energie, dass es kracht. Die Chemie zwischen den beiden ist pures Dynamit. Man merkt in jeder Sekunde, wie viel Spaß die beiden Diven hatten, diese völlig überzogenen Rollen zu sprechen. Sie sind böse, sie sind zynisch, und sie sind absolut großartig.

BESTE MOMENTE


1. "Wichtigpups": Laura Striker nennt Justus "Wichtigpups". Ich lag am Boden. Das muss in den offiziellen Kanon aufgenommen werden!
2. Der Showdown: Wenn Justus die beiden Damen im Bungalow konfrontiert und Laura Striker anfängt, das vermeintliche Gift (Traubenzucker) zu fressen, um Beweise zu vernichten. Das ist so absurd trashig, dass es schon wieder genial ist.
3. Cottas Genervtheit: Inspektor Cotta hat so gar keinen Bock auf diesen Zickenkrieg. Seine trockenen Kommentare sind Gold wert.
4. Der Cameo: Oliver Kalkofe ruft als "Paul" in der Astro-Show an. Meta-Humor vom Feinsten, denn Kalkofe verarscht solche Sendungen ja beruflich.

SCHWACHSTELLEN


Okay, wir müssen reden. Der Plot hat Löcher, durch die ein ganzer Rolls-Royce passt.
Der Pizza-Plan: Dass Bob zufällig Pizza liefert und Franklin zufällig Hunger hat... come on. Das ist konstruierter als ein IKEA-Regal ohne Anleitung.
Die Komplexität: Der Plan der Damen basiert darauf, dass Bob genau so reagiert, wie er reagiert. Wenn Bob einfach Cotta angerufen hätte, wäre der ganze Plan verpufft.
Der Zucker-Moment: Dass Laura Striker das "Gift" isst, ist zwar dramatisch, aber juristisch gesehen völlig egal, weil sie ja auf Video dabei gefilmt wurde, wie sie irgendwas ins Auto kippt. Versuchter Mord ist es trotzdem. Aber hey, wir sind hier in Rocky Beach, nicht im Jura-Seminar.

SERIEN-KONTEXT


Hier wird es für uns Nerds interessant! Diese Folge ist quasi das "Avengers: Endgame" der Minninger-Schurkeinnen.
Clarissa Franklin: Dies ist ihr dritter Auftritt. Alles begann in Folge 76 "Stimmen aus dem Nichts" (Klassiker!), wo sie Bob hypnotisierte. Dann kam Folge 99 "Rufmord", wo sie schon mal versuchte, Bob fertigzumachen. Sie ist Bobs persönliche Nemesis, sein Moriarty.
Laura Striker: Sie kennen wir aus Folge 97 "Insektenstachel". Damals war sie noch solo unterwegs. Dass diese beiden sich im Knast/Psychiatrie getroffen haben, ist eine nette World-Building-Idee.
André Minninger: Der Autor liebt es, alte Fäden wieder aufzunehmen (siehe auch "Spur der Toten" später). Er hat ein Faible für starke, manipulative Frauenfiguren, die den Detektiven (und besonders Bob) psychisch zusetzen.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Judy Winter (Clarissa Franklin): Eine Legende! Sie ist die deutsche Stimme von Jane Fonda, Shirley MacLaine und Vanessa Redgrave. Diese Eleganz in der Stimme nutzt sie perfekt, um die Psychopathin zu mimen.
Regina Lemnitz (Laura Striker): Ebenfalls eine Ikone. Sie spricht Whoopi Goldberg und Roseanne Barr. Ihre raue, direkte Art ist der perfekte Kontrast zu Winters kühler Arroganz.
Oliver Kalkofe (Anrufer Paul): Der Mann hinter "Kalkofes Mattscheibe". Dass er hier eine Astro-TV-Show anruft, ist ein wunderbares Easter Egg für deutsche TV-Kenner.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien 2017 und basiert, wie fast alle neueren Minninger-Folgen, auf einem Original-Hörspielskript, nicht auf einem Buch von Robert Arthur oder den amerikanischen Nachfolgern. Das merkt man auch: Der Stil ist härter, psychologischer und weniger "rätsellastig" als die klassischen Geschichten. Minninger polarisiert oft mit diesem Stil, aber hier passt es einfach, weil die Charaktere schon etabliert waren.


FAN-SERVICE-CHECK


Tante Mathilda vs. Onkel Titus: Der Streit am Anfang über Geld und Aberglaube ist purer Fan-Service. "Titus, du alter Geizhals!"
Das Archiv: Bob wird als "der Mann fürs Archiv" gewürdigt, auch wenn er diesmal mehr Actionheld wider Willen ist.
Justus' Vorträge: Er darf wieder dozieren, bis alle genervt sind. Herrlich.

FAZIT & EMPFEHLUNG


Ist "Signale aus dem Jenseits" eine logische, brillante Detektivgeschichte? Nein. Ist sie ein riesiger Spaß? JA!

Diese Folge ist ein "Guilty Pleasure". Man hört sie nicht wegen des Rätsels, sondern um Judy Winter und Regina Lemnitz dabei zuzuhören, wie sie völlig freidrehen. Es ist Trash, aber Edel-Trash. Wer die Franklin-Folgen mag, kommt hier voll auf seine Kosten. Wer klassische Rätsel sucht, wird vielleicht den Kopf schütteln.

Für mich eine der unterhaltsamsten Folgen der Neuzeit, einfach wegen des hohen Drama-Faktors. Schnappt euch Popcorn!

Wusstest du schon?

Es ist der dritte Auftritt von Clarissa Franklin (nach 'Stimmen aus dem Nichts' und 'Rufmord') und der zweite von Laura Striker (nach 'Insektenstachel').
Oliver Kalkofe hat einen Gastauftritt als Anrufer 'Paul' in der Astrala-Show.
Regina Lemnitz (Laura Striker) ist die deutsche Feststimme von Whoopi Goldberg und Roseanne Barr.
Justus erwähnt den Begriff 'Ödipuskomplex' und erklärt ihn Peter – eine für die Serie ungewöhnlich explizite psychologische Thematik.
Cover
Bewertung
8.5
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8,5 von 10 vergifteten Traubenzuckern
Das Rätsel
Die Enttarnung der TV-Show als Aufzeichnung ist ein klassischer Justus-Moment, der fair hergeleitet wird. Der Rest des 'Rätsels' ist eher ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel, bei dem die Detektive in eine Falle tappen sollen.
Plot & Logik
Der Plan der Antagonistinnen ist extrem konstruiert. Er setzt darauf, dass Bob zufällig Pizza liefert, sich irrational verhält und Justus genau die falschen Schlüsse zieht. Dass Laura Striker das 'Gift' isst, um Beweise zu vernichten, obwohl sie auf Video beim Einbruch in Bobs Auto gefilmt wurde, ist juristisch fragwürdig, aber dramaturgisch wirkungsvoll.
Kapitel
1 Angstschweiß 0:00 min
2 Auf Sendung 5:35 min
3 Irritationen 15:05 min
4 Spurlos verschwunden 21:24 min
5 Erpressung 28:51 min
6 Zur besten Sendezeit 40:51 min
7 Weißes Pulver 44:51 min
8 Tiefe Gefühle 49:35 min
9 Eigenes Interesse 54:56 min
10 Das Blatt wendet sich 57:12 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus läuft zur Hochform auf, als er Cotta und die 'Damen' im Finale konfrontiert. Seine Analyse der Videoüberwachung und der Zeitabläufe rettet Bob den Kopf.
P
Peter Shaw
Peter fungiert als solider Sidekick, der skeptisch bleibt und die physische Arbeit (Einbrüche, Umparken) übernimmt. Er durchschaut die psychologischen Spielchen nicht sofort, steht aber loyal zu Bob.
B
Bob Andrews
Bob steht im Zentrum und muss leiden. Seine psychische Labilität durch die 'Triggerung' wirkt etwas gezwungen, um das Stalker-Narrativ zu bedienen, aber Andreas Fröhlich spielt die Verwirrung und Wut großartig.

Sprecher

Verwandte Folgen

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