Zusammenfassung

Auf dem Schrottplatz von Titus Jonas findet eine Versteigerung statt. Ein altes Schachspiel entfacht einen erbitterten Bieterstreit zwischen dem sportlichen Bradley und dem älteren Bishop Blake. Blake gewinnt das Spiel für unglaubliche 7.000 Dollar. Doch kaum verlässt er das Gelände, wird er von einem Auto angefahren und schwer verletzt. Bevor er das Bewusstsein verliert, flüstert er Justus den Namen 'Sam Chiccarelli' zu. Das teure Schachspiel ist spurlos verschwunden.

Die drei ??? teilen sich auf: Justus befragt Mrs. Kretschmer, die Nachbarin der verstorbenen Vorbesitzerin Irene Hammantree. Er erfährt von Irenes Bruder, dem verschollenen Schachgenie Gregor Lansky. Peter besucht Blake im Krankenhaus und wird dort fast in eine Falle gelockt, als ein falscher Arzt versucht, Blake zu entführen. Bob spürt Sam Chiccarelli auf, erlebt aber eine Überraschung: Sam ist eine Frau und ehemalige CIA-Agentin. In ihrem Haus überrascht Bob einen Einbrecher – den falschen Arzt aus dem Krankenhaus.

Die Ermittlungen ergeben, dass Bradley nur ein harmloser Schachfan ist. Der falsche Arzt entpuppt sich als Griffin Silverman, Gregor Lanskys Sohn. Justus kombiniert schließlich messerscharf, dass das Schachspiel gar nicht gestohlen wurde, sondern Blake es vor dem Unfall noch in seinen Kofferraum legen konnte. Zurück auf dem Schrottplatz finden sie das Spiel tatsächlich in Blakes Wagen. Es enthält ein Geheimfach mit Mikrofilmen, die beweisen, dass Bishop Blake ein Doppelagent im Kalten Krieg war. Griffin Silverman taucht auf und bedroht die Detektive, doch Sam Chiccarelli greift ein. Am Ende entscheiden alle Beteiligten, die alten Beweise zu vernichten und die Vergangenheit ruhen zu lassen.

Review

Schachmatt im Kofferraum – Warum Folge 169 ein moderner Klassiker ist
82 Minuten Spionage-Thriller in Rocky Beach? André Marx meldet sich zurück und liefert mit 'Die Spur des Spielers' ein Brett ab, das selbst Justus Jonas ins Schwitzen bringt. Warum Wolf Frass hier brilliert und der Kofferraum der wahre Star ist, lest ihr im Review!

Hallo liebe Kollegen, Spezialgelagerte Sonder-Fans und Kassettenkinder!

Holt euch einen Kirschkuchen (aber bitte ohne Kerne, Tante Mathilda schaut schon streng!), denn heute müssen wir über einen echten Brocken reden. Und mit Brocken meine ich nicht Peters Bizeps, sondern die Spielzeit von Folge 169: "Die Spur des Spielers". Über 80 Minuten! Das ist Spielfilmlänge, Leute. Normalerweise schlafe ich bei so einer Länge spätestens beim zweiten Musik-Zwischenspiel ein (nichts für ungut, Herr Hagitte), aber hier? André Marx is back in town, und er hat nicht gekleckert, sondern geklotzt.

ERSTER EINDRUCK


Wow. Einfach nur wow. Nach dem ersten Hören dachte ich: "Habe ich gerade eine Drei ???-Folge gehört oder versehentlich einen John-le-Carré-Roman in den Player geschoben?" Die Atmosphäre ist dicht, erwachsen und herrlich düster. Kein Geister-Hokuspokus, sondern handfeste Bedrohung. Man merkt sofort: Das hier ist Champions League, nicht Kreisklasse Rocky Beach.

DIE STORY


Alles beginnt harmlos auf dem Schrottplatz (wo sonst?). Onkel Titus hat den Auktionator-Hammer ausgepackt und verscherbelt Gerümpel. Ein Schachspiel geht für unfassbare 7.000 Dollar an einen alten Mann namens Bishop Blake. Doch kaum ist der vom Hof, wird er überfahren. Unfall? Von wegen! Das Schachspiel ist futsch, Blake liegt im Koma, und Justus wittert Lunte. Was folgt, ist eine Schnitzeljagd durch die Vergangenheit des Kalten Krieges, inklusive verschollener Schachgenies, CIA-Verbindungen und einer Dame, die gar keine Dame ist – oder doch?

UNSERE HELDEN


Justus: Unser erster Detektiv ist in absoluter Höchstform. Der Moment, als er kombiniert, wo das Schachspiel wirklich ist (Stichwort: Kofferraum), ist purer Sherlock Holmes. Ich habe laut "BÄM!" gerufen. So muss ein Justus Jonas sein: Arrogant, brillant und allen anderen drei Schritte voraus.
Peter: Der arme Kerl. Erst muss er im Krankenhaus den besorgten Neffen spielen (Oscar-verdächtig!), und dann wird er von einer Krankenschwester fast zu Tode erschreckt. Peters Panik-Level ist hier wunderbar dosiert – nicht nervig, sondern verständlich, wenn man bedenkt, dass ihm ein falscher Arzt an den Kragen will.
Bob: Unser Archivar hat den wohl peinlichsten Moment der Folge. Er sucht einen "Sam Chiccarelli", erwartet einen Kerl und... nun ja. Die Szene, in der er von der echten Sam zurechtgewiesen wird, ist Gold wert. Aber Bob wäre nicht Bob, wenn er sich nicht charmant aus der Affäre ziehen würde.

DIE GEGENSPIELER & NEBENFIGUREN


Hier glänzt die Folge richtig.
Bishop Blake: Gesprochen vom legendären Wolf Frass (dazu gleich mehr). Eine tragische Figur, die dem Ganzen emotionales Gewicht gibt.
Sam Chiccarelli: Endlich mal eine taffe Frau, die den Jungs zeigt, wo der Hammer hängt. Astrid Kollex spricht sie mit so viel Reibeisen in der Stimme, dass man Angst bekommt, nur vom Zuhören.
Mrs. Kretschmer: JA! Sie ist wieder da! Die nervigste Nachbarin seit es Zäune gibt. Ihre Diskussionen über Thanksgiving-Deko sind so banal und gleichzeitig so lustig, dass sie den perfekten Kontrast zur ernsten Spionage-Story bilden.

BESTE MOMENTE


1. Die Auktion: Onkel Titus als Auktionator ist immer ein Highlight. Wie er die Preise hochtreibt – da wäre selbst Sotheby's neidisch.
2. Der Kofferraum-Twist: Es ist so simpel. Justus erklärt, dass Blake den Stock brauchte, um die Beifahrertür zu öffnen, ergo muss er vorher am Kofferraum gewesen sein. Logik, die weh tut, so gut ist sie.
3. Das Finale: Kein Scooby-Doo-Ende, wo dem Monster die Maske vom Kopf gerissen wird. Stattdessen eine melancholische Entscheidung, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Das hat Tiefe.

SCHWACHSTELLEN


Wenn ich meckern muss (und das muss ich als Fan ja): Der Zufall, dass der Unfallfahrer ein Teenager war, der nichts mit der Story zu tun hatte, ist schon sehr... konstruiert. Das ist so ein typischer "Marx-Zufall", um die Handlung ins Rollen zu bringen. Aber hey, wir sind in Rocky Beach, da ist die Zufallsdichte pro Quadratmeter eh höher als irgendwo sonst auf der Welt.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge markierte 2014 die große Rückkehr von André Marx nach einer Pause. Und was für eine! Fans ordnen sie oft in die Top-Liste der "Neuzeit" ein. Wichtig für die Lore-Jäger: Mrs. Kretschmer kennen wir schon aus Folge 149 "Die blutenden Bilder" (und später taucht sie wieder auf). Es ist schön zu sehen, dass Rocky Beach bewohnt wirkt und Nachbarn nicht einfach verschwinden.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, wir müssen über Wolf Frass (Bishop Blake) reden. Der Mann war eine Legende. Leider ist er 2022 verstorben, aber hier zeigt er noch mal seine ganze Klasse. Seine tiefe, brummige Stimme kennen viele von uns als Erzähler aus "Dragonball Z" (Ja, wirklich!) oder als Bösewicht in diversen Hörspielen. Er verleiht der Figur Blake eine unglaubliche Schwere.
Und dann ist da Nicolas König als Bradley. Der Gag ist: Nicolas König spricht bei Europa sonst fast immer die Bösewichte (oder bei TKKG die Schläger). Dass er hier den harmlosen Schach-Nerd spielt, der nur eine falsche Fährte ist, ist ein genialer Meta-Gag der Regie. Wir hören seine Stimme und denken sofort "Aha, der Täter!" – und liegen falsch. Well played, Frau Körting!

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch zur Folge wurde von den Fans auf 3Fragezeichen.de zum "Besten Buch 2013" gewählt. Zurecht! Die Hörspielumsetzung von 2014 hält sich wacker, auch wenn André Minninger das Skript natürlich straffen musste. Trotzdem blieb die Überlänge von 82 Minuten. Das ist mutig, denn normalerweise wird alles auf 60-70 Minuten runtergekürzt. Hier hat man der Story Raum zum Atmen gelassen.


FAN-SERVICE-CHECK


- Schrottplatz-Romantik: Check. Auktionen bei Titus sind Kult.
- Tante Mathilda: Check. Sorgt sich, dass Titus zu viel Geld ausgibt.
- Visitenkarte: Wird natürlich überreicht.
- Inspektor Cotta: Darf am Ende auch mal kurz vorbeischauen, muss aber nicht die Welt retten.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Die Spur des Spielers" ist ein Meisterwerk der neueren Ära. Wer auf klassische Detektivarbeit steht, Spionage-Thriller mag und keine Angst vor Überlänge hat, MUSS diese Folge hören. Sie ist weniger "Kinderkrimi" und mehr "Krimi für Erwachsene, die im Herzen Kinder geblieben sind".

Also: Kopfhörer auf, Welt aus, Rocky Beach an!

Wusstest du schon?

Mit fast 82 Minuten Spielzeit ist dies eine der längsten regulären Folgen der Serie.
Die Folge wurde von den Fans auf 3Fragezeichen.de zum 'Besten Hörspiel 2014' gewählt.
Der Autor André Marx griff hier erneut auf die Figur der Mrs. Kretschmer zurück, die bereits in früheren Fällen (z.B. 'Die blutenden Bilder') auftauchte.
Cover
Bewertung
9
🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒 🍒
9.2 von 10 Kirschkuchenstücke (das letzte Stück hat Tante Mathilda leider versteckt)
Das Rätsel
Ein klassisches 'Verstecktes Objekt'-Rätsel, brillant erweitert durch eine komplexe Spionage-Hintergrundgeschichte. Dass das Schachspiel die ganze Zeit im Kofferraum lag, ist eine der besten Schlussfolgerungen der jüngeren Seriengeschichte – simpel, logisch und doch für den Hörer überraschend.
Plot & Logik
Die Geschichte ist dicht gewoben. Ein kleiner Zufall ist der Unfallfahrer (ein Teenager), der nichts mit der Spionage-Story zu tun hat, aber das ist verzeihlich, da es den Plot erst ins Rollen bringt. Die Motivationen der alten Agenten sind glaubwürdig dargestellt.
Kapitel
1 Unterm Hammer 0:00 min
2 Fahrerflucht 8:47 min
3 Krankenbesuch 14:57 min
4 Zwillinge hinter dem Fliegengitter 20:08 min
5 Sam Chiccarelli 27:57 min
6 Analysen 32:23 min
7 Der verschwundene Großmeister 37:49 min
8 Mrs. Hammontrees Geheimnis 45:56 min
9 Wer ist wer? 58:47 min
10 Die Lansky-Eröffnung 69:15 min

Im Detail

J
Justus Jonas
In Höchstform. Seine Deduktion bezüglich des Autoschlüssels und des Kofferraums ist Sherlock Holmes pur. Zitat: 'Er schließt also die Beifahrertür auf und legt den Stock hinein...'
P
Peter Shaw
Bekommt viel Action, besonders im Krankenhaus und bei der Verfolgung auf dem Parkplatz. Seine Angst vor der Krankenschwester sorgt für klassischen Peter-Humor.
B
Bob Andrews
Hat den wohl peinlichsten, aber auch witzigsten Moment, als er 'Sam' für einen Mann hält und dann von der echten Mrs. Chiccarelli zurechtgewiesen wird.

Sprecher

Verwandte Folgen

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