Zusammenfassung

Die Folge beginnt in medias res: Peter und Bob stehen in der verwüsteten Villa des Schriftstellers Garvin Sterling vor einem zerbrochenen Aquarium. Als Sterling heimkehrt, zwingt er die Detektive, die Wahrheit zu erzählen. Peter berichtet, wie er im Skatepark einen Jungen namens Jock kennenlernte, der ihn unter dem Vorwand, ihm ein Skateboard zu verkaufen, zur Villa lockte. Dort angeblich ohne Schlüssel, brachte Jock Peter dazu, die Tür mit einem Dietrich zu öffnen – der Beginn eines Albtraums, denn plötzlich tauchten zwei echte Gangster, Marlow und Rick, auf. Sie suchten den 'Jadekönig', eine extrem seltene Briefmarke. Peter und Jock wurden im Keller gefangen gehalten, bis Bob zur Rettung eilte und im Handgemenge das Aquarium zu Bruch ging, was die Gangster in die Flucht schlug.

Zurück in der Gegenwart stellt sich heraus: Jock ist eigentlich Joseph, Garvins Neffe, und Garvin behauptet, den Jadekönig gar nicht zu besitzen. Justus stößt dazu und enthüllt, dass er bereits im Hintergrund recherchiert hat. Er traf Leopold Nelson, einen Briefmarkenexperten, dem der Jadekönig von einem Unbekannten angeboten wurde. Die Spur führt in die Vergangenheit: Der verstorbene Filmproduzent Christopher Ascot war der heimliche Geliebte von Garvins Bruder Paul (Jocks Vater). In einem wiedergefundenen Brief erfahren die Detektive, dass Ascot die Marke Paul geschenkt hatte. Da Pauls Haus jedoch vor zehn Jahren niederbrannte, galt die Marke als vernichtet.

Justus kombiniert messerscharf: Garvin Sterling ist pleite und wollte einen Versicherungsbetrug begehen, indem er Marlow und Rick anheuerte, den Tresor zu öffnen, um den Diebstahl der (angeblich verbrannten) Marke vorzutäuschen. Doch Garvin hatte die Marke damals tatsächlich aus dem brennenden Haus seines Bruders gestohlen. Als Judith Sterling, Jocks Mutter, die Zusammenhänge begreift, fährt sie zum Wochenendhaus der Familie, wo Garvin die Marke versteckt hält. In einer dramatischen Konfrontation zündet die wütende Judith das Haus an, um die Vergangenheit auszulöschen. Erst später offenbart Justus den Twist: Judith hatte den Jadekönig vor dem Brand an sich genommen und in einem Kästchen vergraben. Die Marke ist gerettet und kann nun für eine Million Dollar an Nelson verkauft werden, während Garvin wegen Versicherungsbetrugs verhaftet wird.

Review

Scherben, Skater & Millionen-Marken: Warum der Jadekönig kleben bleibt!
Peter knackt Schlösser, Bob wirft mit Aquarien und Oliver Kalkofe nerdet ab! Warum Folge 211 ein modernes Meisterwerk ist und was das alles mit der Deutschen Post zu tun hat, lest ihr hier!

Hallo liebe Kollegen, Spezialgelagerte und Kassettenkinder!

Holt die Lupe raus und stellt den Kirschkuchen beiseite, denn heute wird es philatelistisch! Ja, ich weiß, Briefmarkensammeln klingt erst mal so spannend wie Justus beim Diät-Halten zuzusehen, aber STOPP! Bevor ihr abschaltet: Wir reden hier von André Marx. Der Mann könnte auch das Telefonbuch von Rocky Beach verfilmen und es wäre ein Thriller. Folge 211 „…und der Jadekönig“ liegt auf dem Plattenteller (oder in der Streaming-Playlist), und ich sage euch: Das Ding hat mehr Ecken und Kanten als Tante Mathildas Porzellansammlung nach einem Erdbeben.

ERSTER EINDRUCK


BÄM! Scherben, Chaos, nasse Hosen. Wir starten nicht gemütlich in der Zentrale, sondern mitten im Desaster. Peter und Bob stehen in einer verwüsteten Villa, ein Aquarium ist hinüber, und der Hausbesitzer guckt böse. Das nenne ich mal einen Einstieg! Man denkt sofort: „Okay, was hat Peter JETZT wieder angestellt?“ Die Atmosphäre ist dicht, filmreif und schreit förmlich: „Hör mich weiter!“ Ein klassischer Marx-Move, der uns sofort am Haken hat wie einen dicken Fisch im Pazifik.

DIE STORY


Peter Shaw, unser allerliebster Dietrich-Experte, wollte eigentlich nur ein Skateboard kaufen. (Klassiker, oder? Immer wenn Peter Sport machen will, endet es im Verbrechen.) Ein Junge namens Jock lockt ihn in eine Villa, angeblich um das Board zu holen. Zack – Tür zu, Peter knackt das Schloss (natürlich!), und plötzlich stehen zwei Gorillas im Wohnzimmer, die den „Jadekönig“ suchen. Nein, das ist kein neuer Bösewicht aus dem Marvel-Universum, sondern eine extrem seltene Briefmarke. Es folgt eine Geiselnahme, eine spektakuläre Rettung durch Bob und ein riesiger Haufen Scherben. Doch das ist erst der Anfang! Denn der Hausbesitzer Gavin Sterling spielt ein falsches Spiel, und Justus riecht Lunte. Es geht um verbrannte Häuser, tote Filmproduzenten und ein Familiendrama, das sich gewaschen hat.

UNSERE HELDEN


Peter: Der heimliche MVP dieser Folge! Er trägt die erste Hälfte fast allein. Ja, er ist naiv (wer geht mit einem Fremden in eine Villa in Beverly Hills?), aber er zeigt auch Mumm. Seine Dietrich-Skills retten den Tag, und dass er die ganze Story unter Druck beichtet, ist großartig gespielt von Jens Wawrczeck. Unser Zweiter blüht auf, wenn er leiden muss.

Bob: Der Mann für die Action! Bob „The Rock“ Andrews wirft Steine, rettet Peter und recherchiert nebenbei noch die halbe Hollywood-Geschichte. Solide Leistung, auch wenn er hier eher der Sidekick für Peters Drama ist.

Justus: Der Erste Detektiv macht das, was er am besten kann: Er sitzt rum, isst wahrscheinlich (off-screen) und kombiniert. Während Peter und Bob ihr Leben riskieren, hat Justus schon längst den Briefmarken-Experten Nelson ausgequetscht. Seine Schlussfolgerung am Ende ist wieder typisch „Sherlock Jonas“ – herrlich arrogant und brillant zugleich.

DIE GEGENSPIELER


Die Gangster Marlow und Rick sind leider ziemliche Standard-Ware aus dem „Handbuch für Handlanger, Band 1“. Groß, böse, nicht die Hellsten. Aber Gavin Sterling (gesprochen von Stephan Benson) ist ein wunderbar schmieriger Charakter. Man möchte ihm sofort ins Gesicht springen. Und dann ist da noch Judith Sterling, die Mutter. Ohne zu viel zu verraten: Hell hath no fury like a woman scorned! Eine starke Frauenfigur, die ausnahmsweise mal nicht nur Tee serviert oder ohnmächtig wird.

BESTE MOMENTE


1. Der Aquarium-Crash: Soundtechnisch 1A umgesetzt. Man hört förmlich, wie das Wasser und die Fische durchs Wohnzimmer fliegen.
2. Das Verhör: Die Szene, in der Peter dem wütenden Sterling erklären muss, warum er in dessen Haus eingebrochen ist, ist Comedy-Gold. Peters Gestammel ist oscarreif.
3. Justus‘ Reveal: Wenn Justus am Ende erklärt, wo die Marke wirklich war. Ein klassischer „Aha!“-Moment, bei dem man sich an die Stirn klatscht.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Zufall, dass Jock im Skatepark ausgerechnet Peter trifft, der zufällig Dietrich-Spezialist ist, ist größer als Justus' Appetit. Das ist schon arg konstruiert. Und warum genau lässt Sterling die Detektive nach dem Einbruch einfach gehen, nur weil sie ihm eine Geschichte erzählen? In der Realität hätte der Mann die Cops gerufen, bevor Peter „Spezialgelagerter Sonderfall“ sagen kann.

SERIEN-KONTEXT


Jetzt wird’s nerdig! Briefmarken hatten wir schon mal, erinnert ihr euch? In Folge 26 „…und der rote Pirat“ klebten die Dinger auf einem Korken! Und natürlich die legendäre Spinne in Folge 6 „…und die singende Schlange“ (auch wenn das keine Briefmarke war, aber das Motiv „kleines, wertvolles Ding wird gesucht“ ist ähnlich).
Interessant ist hier der Vibe: Die Folge fühlt sich extrem „klassisch“ an. Erbschaftsstreit, alte Briefe, ein verschollenes Objekt – das hätte auch Robert Arthur schreiben können. André Marx beweist mal wieder, warum er der inoffizielle Nachfolger Arthurs ist. Die Folge gilt unter Fans als eine der stärksten der Neuzeit (Goldenes Fragezeichen 2021!), und das völlig zu Recht.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, festhalten: OLIVER KALKOFE ist dabei! Ja, der Kalkofe! Als Leopold Nelson darf er den exzentrischen Briefmarken-Nerd spielen, und man hört ihm den Spaß in jeder Sekunde an. Kalkofe ist ja selbst Riesen-Fan (hat sogar Hörbücher eingelesen), und hier liefert er eine Performance ab, die fast schon zu gut für eine Nebenrolle ist.

Und dann Stephan Benson als Gavin Sterling. Den kennen wir doch! Der Mann ist ein Wiederholungstäter in Rocky Beach. Er war schon der Bösewicht Mr. Applegate in Codename: Cobra (Folge 116) und Miles Dempster in Geisterbucht (Folge 150). Seine Stimme (er synchronisiert u.a. Kenneth Branagh und Daniel Craig!) trieft hier vor falscher Freundlichkeit. Perfekt besetzt!

PRODUKTIONS-HISTORIE


Hier gibt es einen spannenden Unterschied zum Buch: In der Vorlage von André Marx (erschienen 2020) ist die erste Hälfte viel komplexer strukturiert. Dort wird die Geschichte aus drei verschiedenen Perspektiven erzählt, die erst später zusammenlaufen (ähnlich wie im Special Dreitag). Im Hörspiel (2021) hat man das vereinfacht und lässt Peter die Geschichte als Rückblende erzählen. Das ist verständlich für den Hörfluss, nimmt dem Ganzen aber ein bisschen die Raffinesse des Buches.

Fun Fact: Dass die Folge 2021 rauskam, ist fast schon prophetisch. Im Dezember 2021 brachte die Deutsche Post nämlich tatsächlich offizielle „Die drei ???“-Briefmarken raus! Justus, Peter und Bob zum Aufkleben. Zufall? Oder hat Justus da seine Finger im Spiel gehabt?


FAN-SERVICE-CHECK


- Visitenkarte: Wird natürlich überreicht (auch wenn sie im Chaos vermutlich nass geworden ist).
- Dietrich: Peters Universalwerkzeug bekommt seinen großen Auftritt.
- Justus‘ Besserwisserei: Check. Er korrigiert sogar Experten.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„…und der Jadekönig“ ist ein absolutes Brett. Spannend, logisch (bis auf den Skatepark-Zufall) und mit einem tollen Ensemble. Es ist eine dieser Folgen, die man auch Leuten zeigen kann, die behaupten, sie seien „zu alt“ für Hörspiele. André Marx liefert ab, die Sprecher haben Bock, und die Story hat mehr Tiefe als der Pazifik vor Rocky Beach.

Für Fans von klassischen Krimis und Familien-Intrigen ein Muss. Wer Action à la „Angriff der Computer-Viren“ sucht, ist hier falsch. Hier wird noch mit Köpfchen und Dietrich gearbeitet!

So, und jetzt entschuldigt mich, ich muss meine Briefmarkensammlung nach Millionen-Schätzen durchsuchen. Man weiß ja nie...

Wusstest du schon?

Oliver Kalkofe, bekannt aus dem Fernsehen (Kalkofes Mattscheibe), spricht die Rolle des Briefmarkenexperten Leopold Nelson.
Die Folge nutzt eine für die Serie eher untypische Erzählstruktur zu Beginn, bei der die Handlung der ersten Hälfte als Rückblende von Peter erzählt wird.
Der 'Jadekönig' (Green British Nanda Two Pence) ist eine fiktive Briefmarke, erinnert aber an reale Raritäten wie die Blaue Mauritius.
André Marx schrieb die Buchvorlage, André Minninger adaptierte das Skript – eine bewährte Kombination für komplexe Fälle.
Cover
Bewertung
8.5
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8,5 von 10 zerbrochenen Aquarien
Das Rätsel
Die Konstruktion ist clever verschachtelt: Ein inszenierter Einbruch, der durch echte Gier (der Gangster) und Peters Naivität entgleist. Die Hintergrundgeschichte um die Briefmarke und das Familiendrama ist emotional verankert und nicht nur Mittel zum Zweck. Dass der 'Auftraggeber' des Einbruchs das Opfer selbst ist, ist ein klassisches, aber hier gut variiertes Motiv.
Plot & Logik
Die Handlung ist weitgehend schlüssig, auch wenn es ein großer Zufall ist, dass Jock ausgerechnet Peter (den Dietrich-Experten) im Skatepark trifft, ohne zu wissen, dass er Detektiv ist – was Jock später aber damit erklärt, dass Stacy es ihm gesteckt hatte. Garvins Plan, Einbrecher zu engagieren, die nur den Tresor öffnen sollen, ist riskant, passt aber zu seiner Verzweiflung.
Kapitel
1 Der Anfang 0:00 min
2 Green British Nanda 2 Pence 7:32 min
3 Rick und Marlow 16:34 min
4 Nächtlicher Besuch 27:56 min
5 Ein Liebespaar 38:56 min
6 In Flammen 54:20 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch Hintergrundarbeit. Während Peter und Bob an der Front kämpfen, sammelt er die entscheidenden Puzzleteile (Nelson, San Pedro). Seine Schlussfolgerung über den Versicherungsbetrug ist stark.
P
Peter Shaw
Der heimliche Star der Folge. Er trägt die komplette erste Hälfte durch seine Erzählung und ist physisch gefordert (Dietrich, Fesselung, Kampf). Seine Skater-Skills sind mal wieder plotrelevant.
B
Bob Andrews
Übernimmt den Recherche-Part über Ascot und die Filmbranche und rettet Peter und Jock im richtigen Moment mit vollem Körpereinsatz (Steinwurf). Solide Teamarbeit.

Sprecher

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