Zusammenfassung

Der Fall beginnt harmlos auf dem Schrottplatz: Onkel Titus erbt von einem flüchtigen Bekannten namens Billy Ford (in Wahrheit William Benson) eine kleine Holzkiste mit einem roten Glasstein und hundert Dollar. Der Auftrag: Den Stein an einen gewissen „Beanie“ weitergeben. Da Titus diesen Namen nicht kennt, übernehmen die drei ???. Bob findet heraus, dass Ford eigentlich Benson hieß und in Afrika lebte, bevor er untertauchte. Zudem wurde bei Ford und dem Notar Robinshaw eingebrochen. Über eine Telefonlawine finden die Detektive eine weitere Erbin, Carrie Henson, die sie auf die Spur von Benjamin Whitehead, einem reichen Unternehmer in Santa Barbara, bringt. Whitehead gibt sich als „Beanie“ zu erkennen und besitzt bereits zwei andere Glasteile (Griff und Klinge), die mit Titus' Stein ein vollständiges Schwert bilden.

Doch bevor die Übergabe stattfinden kann, wird der Stein aus der Zentrale gestohlen. Ein anonymer Anrufer lenkt die Detektive zu einem Haus in der Newton Street. Dort beobachten sie eine Sekte, den „Bund des Schwertes“, bei einem Ritual. Justus gelingt es in einer waghalsigen Aktion, den echten Stein gegen einen Tennisball auszutauschen. Bob recherchiert weiter und stößt auf Dr. Ken Wright, einen Experten für Sekten, der ihm die Hintergründe des „brennenden Schwertes“ erklärt: Es soll bei einer Sonnenfinsternis Macht verleihen.

Als Bob Whitehead warnen will, überschlagen sich die Ereignisse. Die Sekte stürmt das Anwesen, entführt Justus, Peter und Whitehead und verschleppt sie ins Death Valley zur Sonnenfinsternis. Bob kann sich verstecken, entdeckt in Whiteheads Haus einen Geheimraum und entlarvt Whitehead als den verstoßenen „Bewahrer“ der Sekte, Ernest Blank. Butler Ben entpuppt sich als der untergetauchte Dr. Wright. Gemeinsam rasen sie zur Rettung in die Wüste. Dort will Whitehead gerade die Macht an sich reißen, als Dr. Wright (als Butler Ben getarnt) mit dem echten, leuchtenden Stein auftaucht, die Führung der Sekte übernimmt und so die Freunde rettet, um den Kult von innen heraus zu reformieren.

Review

Sektenspuk und Tennisbälle: Warum diese Folge ein absoluter Klassiker ist!
Ein mysteriöses Erbe, eine fanatische Sekte und ein Tennisball, der die Welt rettet? André Marx liefert mit 'Das brennende Schwert' einen der besten Fälle der 90er ab. Warum Bob hier der wahre Held ist, lest ihr im Review!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Mysteriums!

Heute knöpfen wir uns einen echten Leckerbissen aus der „Goldenen Ära“ der Neuzeit vor. Schnappt euch eure Visitenkarten (die weißen, nicht die bunten!) und haltet eure Tennisbälle bereit – wir reisen zurück ins Jahr 1997 zu Folge 74: ... und das brennende Schwert.

ERSTER EINDRUCK


Wow. Einfach nur wow. Wenn ihr wissen wollt, wie man Atmosphäre buchstabiert, dann hört euch die ersten Minuten dieser Folge an. Es fängt harmlos an – Onkel Titus erbt was! – und endet in einem okkulten Thriller, der selbst Justus Jonas kurzzeitig die Sprache verschlägt (aber nur kurzzeitig, keine Sorge). Man merkt sofort: Hier weht ein anderer Wind. Es ist düsterer, erwachsener und verdammt spannend. Der Titel klingt nach Fantasy-Roman, aber was wir bekommen, ist einer der besten Sektenthriller der Seriengeschichte.

DIE STORY


Alles beginnt auf dem Schrottplatz (wo sonst?). Onkel Titus erbt von einem flüchtigen Bekannten namens Billy Ford eine unscheinbare Holzkiste. Inhalt: 100 Dollar und ein roter Glasstein. Der Auftrag: Den Stein an einen gewissen „Beanie“ übergeben. Da Titus niemanden mit diesem Namen kennt, übernehmen unsere drei Spezialisten. Was wie eine harmlose Schnitzeljagd beginnt, entwickelt sich rasant zu einem Albtraum. Der Stein ist Teil eines mystischen Schwertes, hinter dem eine fanatische Sekte her ist. Es gibt Einbrüche, Entführungen und ein Finale im Death Valley während einer Sonnenfinsternis. Klingt episch? Ist es auch!

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster Detektiv ist in Hochform. Er kombiniert schneller als ein Supercomputer und beweist Nerven aus Stahlseilen. Sein Highlight: Der Moment, als er mitten in der Höhle des Löwen den wertvollen Stein gegen einen simplen Tennisball austauscht. Seine trockene Analyse dazu („Er hat exakt die gleiche Größe“) ist pures Gold.

Peter: Unser Sport-Ass überrascht! Normalerweise ist er ja eher für die Flucht zuständig, aber hier rettet sein Jonglier-Hobby quasi den Tag. Ja, ihr habt richtig gehört: Peters nerviges Ball-Gewerfe am Anfang ist nicht nur Lückenfüller, sondern plot-relevant! Chekhov’s Gun in Reinform. Außerdem muss der arme Kerl wieder ordentlich leiden (Entführung, Wüste, Todesangst) – Peter-Torture at its best.

Bob: Freunde, Bob ist hier der absolute MVP! Während Just und Peter eingesackt werden, zieht Bob eine One-Man-Show ab, die sich gewaschen hat. Er recherchiert nicht nur (Standard), er bricht in Villen ein, entdeckt Geheimräume und rettet am Ende zusammen mit Dr. Wright den Tag. Bob Andrews – der Indiana Jones des Archivs!

DIE GEGENSPIELER


Benjamin Whitehead: Gesprochen von der Legende Uwe Friedrichsen. Er spielt den arroganten, undurchsichtigen Millionär so herrlich schmierig, dass man ihm sofort misstraut – und doch überrascht ist, wie tief er wirklich drinsteckt. Ein Bösewicht mit Klasse und Wahn.

Der Bund des Schwertes: Eine Sekte, die an die Macht einer Sonnenfinsternis glaubt. Gruselig, fanatisch und zum Glück nicht ganz so albern wie manche anderen „Geheimbünde“ der Serie (ich schaue dich an, Bergmonster!).

BESTE MOMENTE


1. Der Tennisball-Swap: Die Chuzpe, einen heiligen Kultgegenstand gegen Peters Spielzeug zu tauschen, ist einfach legendär.
2. Das Finale im Death Valley: Die Soundkulisse, die Spannung während der Sonnenfinsternis, das irre Lachen der Fanatiker – Gänsehaut pur!
3. Die Auflösung: Der Moment, als klar wird, wer wirklich wer ist (Butler Ben = Dr. Wright, Whitehead = Ernest Blank). Ein Identitäts-Twist, der M. Night Shyamalan stolz machen würde.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Dass eine Gruppe fanatischer Sektierer nicht merkt, dass der „heilige Stein“ plötzlich fusselig ist und nach Gummi riecht, ist schon… naja, sehr glücklich. Auch dass Justus das Ding einfach so in der Tasche hat. Aber hey, wir sind bei den drei ???, da darf das Glück auch mal mit den Tüchtigen sein. Ein kleiner Kritikpunkt ist vielleicht, dass die Polizei (Inspektor Cotta!) am Ende mal wieder erst auftaucht, als die Arbeit schon erledigt ist. Klassiker.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist ein Meilenstein. Es ist der dritte Fall, den André Marx für die Serie schrieb (nach Poltergeist und Das versunkene Schiff – letzteres zog er zurück, es erschien erst später überarbeitet). Marx hat mit dieser Folge den Ton der „neuen Ära“ maßgeblich geprägt: komplexere Plots, logischere Rätsel und weniger Zufälle (okay, bis auf den Tennisball).

Interessant: Die Telefonlawine kommt hier mal wieder zum Einsatz! Ein schöner Rückgriff auf die Klassiker-Zeit, der zeigt, dass Marx die Wurzeln der Serie ehrt. Zudem taucht das Motiv der „falschen Identitäten“ auf, das Marx liebt (siehe Poltergeist, Spur des Raben).


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, die Besetzungsliste liest sich wie das Who-is-Who der deutschen Synchronelite:

Uwe Friedrichsen (Benjamin Whitehead): Eine absolute Legende! Viele kennen ihn als die deutsche Stimme von Danny Glover (z.B. in Lethal Weapon – „Ich bin zu alt für diesen Scheiß!“) oder Peter Falk in Columbo (manchmal). Und natürlich aus der Sesamstraße (Uwe). Dass er hier den Bösewicht gibt, ist ein Genuss.
Dietmar Mues (Dr. Wright / Butler Ben): Ein grandioser Theaterschauspieler mit einer unverwechselbaren, leicht rauchigen Stimme. Sein tragischer Tod im Jahr 2011 (er wurde bei einem Verkehrsunfall getötet) ist ein riesiger Verlust. Hier zeigt er sein ganzes Können, indem er zwischen dem unterwürfigen Butler und dem entschlossenen Wissenschaftler wechselt.
Helmo Liebig (Notar Robinshaw): Auch so eine Stimme, die man sofort erkennt (oft skurrile Charaktere).

PRODUKTIONS-HISTORIE


Erschienen ist das Hörspiel am 10. Februar 1997. Das Buch von André Marx kam im selben Jahr raus. Man merkt der Produktion an, dass Europa hier wieder mehr Budget oder zumindest mehr Liebe ins Sounddesign gesteckt hat als in den späten 80ern. Die Atmosphäre im Death Valley ist akustisch top umgesetzt.

Kleiner Nerd-Fact: Im Buch ist die Szene in der Wüste noch etwas ausführlicher und bedrohlicher beschrieben. Die Hitze und die Verzweiflung kommen im Text noch krasser rüber, aber das Hörspiel macht das Beste aus der Laufzeit.


FAN-SERVICE-CHECK


Onkel Titus & Tante Mathilda: Sind dabei und sorgen für den nötigen familiären Rahmen.
Zentrale & Schrottplatz: Check. Wir verbringen Zeit im „Headquarters“.
Running Gag: Peter jongliert. Justus isst (naja, fast). Bob liest.
  • Visitenkarte: Wird natürlich überreicht.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Und das brennende Schwert“ ist keine normale Folge – es ist ein Blockbuster im Hörspielformat. André Marx zeigt hier früh, warum er später zum beliebtesten Autor der Serie wurde. Die Mischung aus klassischem Rätsel (Erbschaft), Thriller-Elementen (Sekte) und Action (Wüste) ist perfekt ausbalanciert.

Diese Folge ist ein absolutes MUSS für jeden Fan und der perfekte Einstieg für Neulinge, die wissen wollen, warum die „neuen“ Folgen (post-Crimebusters) so gut sein können. Spannung, tolle Sprecher und ein Bob in Bestform – was will man mehr?

Ich vergebe 5 von 5 Tennisbällen für diesen Husarenstreich!

Wusstest du schon?

Dies ist einer der ersten Fälle, die André Marx für die Serie schrieb, und gilt als einer der Klassiker der 'neuen' Ära.
Der Tennisball, mit dem Peter am Anfang nervtötend jongliert, wird zum entscheidenden Werkzeug für den Austausch des Steins – ein perfektes Beispiel für 'Chekhov's Gun'.
Die Handlung spielt teilweise im Death Valley bei Badwater, dem tiefsten Punkt der USA.
Cover
Bewertung
9
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9.5 von 10 jonglierenden Peter Shaws
Das Rätsel
Die Grundidee mit den drei Teilen des Schwertes ist klassisch und effektiv. Besonders clever ist das doppelte Identitätsspiel (Whitehead als Bösewicht, der Butler als der Gute), das erst ganz am Ende aufgelöst wird. Der Hörer wird hier schön an der Nase herumgeführt.
Plot & Logik
Ein paar kleine Stolpersteine gibt es: Dass Justus den Stein einfach gegen einen Tennisball tauschen kann und die fanatischen Sektenmitglieder den Unterschied (Gewicht, Oberfläche) nicht sofort bemerken, ist schon sehr glücklich. Auch dass Dr. Wright als Butler so lange unentdeckt blieb, verlangt etwas 'Suspension of Disbelief'. Aber die dramatische Zuspitzung zur Sonnenfinsternis funktioniert hervorragend.
Kapitel
1 Eine geheimnisvolle Erbschaft 0:00 min
2 Gestohlene Informationen 9:41 min
3 Ein alter Trick 16:18 min
4 Der undurchsichtige Mr. Whitehead 22:15 min
5 In der Höhle des Löwen 33:09 min
6 Das brennende Schwert 40:50 min
7 Wenn Tag und Nacht sich vereinen 50:03 min
8 Logische Schlussfolgerungen 63:43 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Zeigt sich von seiner besten Seite: Er kombiniert schnell (z.B. beim Notar) und beweist Mut beim Austausch des Steins mitten im Sekten-Nest.
P
Peter Shaw
Ist hier mehr als nur der Angsthase. Er ist aktiv dabei, jongliert (was plot-relevant wird!) und muss die Entführung in die Wüste durchstehen.
B
Bob Andrews
Der heimliche Star der Folge! Er führt die entscheidenden Recherchen durch, entdeckt den Geheimraum bei Whitehead und rettet am Ende zusammen mit Dr. Wright die Situation. Ohne Bob wären Justus und Peter verloren gewesen.

Sprecher

Verwandte Folgen

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