Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt mit einer Enttäuschung: Justus, Peter und Bob wollen eine Vernissage des Künstlers Ed Stingwood besuchen, doch die Ausstellung wurde kurzfristig abgesagt – angeblich wegen technischer Probleme, doch Peter vermutet einen Diebstahl. Ihre Neugier führt sie bis zum L.A. County Museum, wo sie jedoch von Inspektor Cottas Urlaubsvertretung, Inspektor Kershaw, barsch abgewiesen werden.

Zurück in der Zentrale meldet sich Kelly mit einem scheinbar langweiligen Auftrag: Ihre Tante Eleonor Madigan vermisst ein wertloses Medaillon. Widerwillig übernehmen die drei ??? den Fall. Miss Madigan entpuppt sich als exzentrische und anstrengende Dame, die ihr Haus voller Kunstschätze hütet – darunter auch einen vermeintlichen Druck des berühmten Gemäldes 'Die grüne Eisenfrau'. Während die Jungen erfolglos suchen und von Miss Madigan schikaniert werden, erreicht sie ein Hilferuf von Lydia Cartier. In ihrem Haus soll es spuken.

Justus und Bob (später auch Peter, der bei Madigan rausgeworfen wurde) untersuchen das Spukhaus. Tatsächlich erleben sie unerklärliche Phänomene: Ein Tisch wackelt heftig, Möbel werden verrückt, und Peter sieht sogar eine Geisterhand am Fenster. Die Detektive übernachten im Haus, um dem 'Poltergeist' auf die Schliche zu kommen, finden aber keine technischen Hilfsmittel.

Am nächsten Morgen, nach einer fliegenden Teetasse, zieht sich Justus zurück und kombiniert die Fakten. Er durchschaut das Spiel: Der Spuk war eine Inszenierung von Lydia Cartier selbst (Tischwackeln durch Kniebewegung, geworfene Tasse). Ihr Ziel war reine Ablenkung. Justus erinnert sich an Cartiers Mädchennamen aus dem Familienstammbaum: Hugenay. Sie ist die Tante des Meisterdiebs Victor Hugenay.

Die Auflösung: Hugenay hat den Diebstahl der echten 'Grünen Eisenfrau' organisiert. Das Bild hängt als vermeintlicher Druck getarnt offen bei Miss Madigan im Flur, ausgetauscht von ihrem Untermieter Ethan Easton. Damit die drei ??? bei ihrer Suche nach dem Medaillon nicht zufällig das Original erkennen, inszenierte Hugenay über seine Tante den Poltergeist-Fall, um die Detektive aus Madigans Haus zu locken.

Die drei ??? stellen Hugenay in seinem Hotelzimmer. Er gibt den Plan charmant zu, entkommt jedoch spektakulär durch einen Sprung aus dem Fenster auf eine Markise. Easton wird verhaftet, das Bild sichergestellt, und Miss Madigan findet ihr Medaillon schließlich in ihrem eigenen Bankschließfach wieder.

Review

Wenn der Tisch wackelt und der Franzose lacht wird sich gerade Peter vor Angst in die Hosen...
Ein vermeintlicher Poltergeist, eine super-nervige Tante und die Rückkehr des legendären Victor Hugenay. Warum 'Poltergeist' der Startschuss für eine neue Ära war und warum Peter mal wieder Schnappatmung bekommt, lest ihr hier!

Moin Kollegen! Schnappt euch ein Stück Kirschkuchen (aber bitte mit Sahne, sonst streikt Justus), denn heute reisen wir zurück ins Jahr 1997. Wir müssen über eine Folge reden, die in keiner gut sortierten Kassetten-Sammlung fehlen darf. Es geht um wackelnde Tische, nervige Tanten und – Trommelwirbel – die Rückkehr des charmantesten Kunstdiebs der Welt. Ja, richtig gehört: Victor Hugenay ist back in Town!

ERSTER EINDRUCK


Schon das Cover schreit einem förmlich "90er-Jahre-Grusel" entgegen. Eine düstere Fratze, Rot-Töne, alles sehr mysteriös. Wenn man die Kassette (oder den Stream) startet, merkt man sofort: Hier weht ein anderer Wind. Es fängt harmlos an, fast schon langweilig, aber genau das ist die Falle! Man denkt, man hört eine 08/15-Oma-sucht-Schmuck-Folge, und plötzlich steckt man bis zum Hals in einem der besten Plots, die die Serie je hervorgebracht hat.

DIE STORY


Eigentlich wollen die drei ??? nur ins Museum (Kultur, ihr wisst schon – Bob steht drauf), aber das fällt flach. Stattdessen ruft die Pflicht in Form von Kellys Tante: Miss Madigan. Die vermisst ein Medaillon. Gähn. Doch während Justus und Co. bei der super-anstrengenden Tante Staub wischen, meldet sich eine gewisse Lydia Cartier. In ihrem Haus spukt es! Tische rücken, Tassen fliegen, das volle Poltergeist-Programm. Was unsere Detektive nicht ahnen: Beide Fälle hängen zusammen wie Justus und sein Schrottplatz. Und am Ende wartet ein genialer Twist, der uns alle vor den Lautsprechern hat klatschen lassen.

UNSERE HELDEN


Justus Jonas: Unser Erster Detektiv ist in absoluter Höchstform. Er lässt sich von dem ganzen Geister-Hokuspokus keine Sekunde ins Bockshorn jagen. Sein Highlight? Die Szene am Frühstückstisch! Während alle anderen noch zittern, futtert Justus gemütlich weiter und demonstriert mal eben mit dem Knie, wie man einen Tisch zum Wackeln bringt. "Justus nickte bedächtig" – und wir wissen: Der Junge hat den Durchblick.

Peter Shaw: Ach, Peter. Unser Angsthase vom Dienst muss hier richtig leiden. Erst wird er von der furienhaften Miss Madigan schikaniert ("NICHT die Bilder anfassen!"), dann sieht er als Einziger eine Geisterhand (dazu später mehr) und verliert natürlich wieder jede Wette. Sein Puls dürfte dauerhaft im dreistelligen Bereich liegen. Aber wir lieben ihn ja genau dafür.

Bob Andrews: Der Mann für Recherche und Archiv hält sich wacker, wird aber beinahe von einer fliegenden Teetasse ausgeknockt. Solide Arbeit, auch wenn er diesmal etwas im Schatten von Justus' Genialität und Peters Panik steht.

DIE GEGENSPIELER


Leute, wir müssen über Victor Hugenay reden. Hans Irle spricht ihn mit diesem unfassbar charmanten französischen Akzent, dass man ihm fast freiwillig seine Wertsachen geben möchte. Er ist kein stumpfer Verbrecher, er ist ein Künstler. Seine Arroganz, die Detektive erst einzuladen, um sie abzulenken, ist einfach herrlich.

Aber auch die Damenriege ist stark: Miss Madigan ist die nervigste Auftraggeberin aller Zeiten (im positiven Sinne!). Man möchte durch die Lautsprecher greifen und sie schütteln. Und Lydia Cartier spielt die verängstigte Unschuld vom Lande so perfekt, dass man ihr die kalte Komplizin kaum zutraut.

BESTE MOMENTE


1. Der Frühstücks-Reveal: Justus erklärt trocken kauend, wie der Spuk funktioniert. Ein klassischer Sherlock-Holmes-Moment in Rocky Beach.
2. Hugenays Abgang: Er springt aus dem Fenster auf eine Markise! Wie cool kann man sein? "Au revoir, mes amis!"
3. Peters Rauswurf: Als Miss Madigan Peter rausschmeißt, weil er angeblich zu tollpatschig für ihre Kunstsammlung ist. Comedy-Gold!

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan ist völlig irre. Hugenay lässt seine Tante einen Spuk inszenieren, um die drei ??? aus dem Haus von Miss Madigan wegzulocken? Warum nicht einfach warten, bis sie weg sind? Das ist dieses typische Bond-Bösewicht-Overthinking. Aber hey, ohne diesen absurden Plan hätten wir keine Story.

Ein echter Logikfehler im Hörspiel: Peter sieht eine Geisterhand am Fenster. Das wird NIE erklärt. Im Buch gibt es die Szene so nicht, da ist alles rational. Im Hörspiel bleibt es ein echtes übernatürliches Phänomen, das einfach ignoriert wird. Haben wir hier etwa wirklich einen Geist gesehen, während Justus Knie-Gymnastik unter dem Tisch machte?

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist historisch! Es ist das erste Buch von André Marx, dem Mann, der die Serie später quasi im Alleingang revolutioniert hat (Toteninsel, Feuermond, anyone?). Man merkt sofort, dass die Plots komplexer werden.

Für die Lore-Nerds: Victor Hugenay taucht hier zum ersten Mal seit der Klassiker-Ära wieder auf! Er war vorher nur in Folge 12 (Der seltsame Wecker) zu hören (im Buch Super-Papagei war er auch, im Hörspiel aber nicht). Später kehrt er noch in Folge 103 (Das Erbe des Meisterdiebs) und im Jubiläumsfall 125 (Feuermond) zurück. Er ist quasi der Moriarty zu Justus' Holmes.

Kleines Detail: Inspektor Cotta hat Urlaub! Vertreten wird er von Inspektor Kershaw. Ein seltener Gastauftritt.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Ein absolutes Fest für Ohrenmenschen:
- Hans Irle (Hugenay): Leider 1998 verstorben, aber seine Stimme bleibt unvergessen. Er war auch Lopez in der Gefährlichen Erbschaft (Folge 17).
- Anne Marks-Rocke (Miss Madigan): Eine Legende! Die Frau wurde 102 Jahre alt (!) und war die Standard-Besetzung für "zickige/nervöse alte Dame" bei Europa (u.a. bei Hanni und Nanni oder als Mrs. Higgins). Ihre Performance hier ist oscarverdächtig nervtötend.
- Gerda Gmelin (Lydia Cartier): Theater-Adel aus Hamburg. Dass sie hier mitspielt, wertet die ganze Produktion auf.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Erschienen 1997. Wir befinden uns in der "neuen Ära" nach der langen Pause und dem Rechtsstreit der 80er/90er. Die Musik ist ein Mix – teilweise atmosphärisch, teilweise typisch 90er-Synthie. Interessant ist, dass André Marx hier erst 23 oder 24 Jahre alt war, als er das Buch schrieb. Ein Wunderkind, sag ich euch!


FAN-SERVICE-CHECK


- Justus zwickt sich die Unterlippe (Check!)
- Visitenkarte wird überreicht (Check!)
- Peter hat Angst vor Geistern (Check!)
- Ein Bösewicht, der die drei ??? respektiert (Hugenay ist ein Gentleman durch und durch)

FAZIT & EMPFEHLUNG


Folge 73 ist ein absolutes Muss. Sie markiert den Beginn der Ära Marx und bringt einen der besten Gegenspieler zurück. Die Mischung aus Grusel (im Spukhaus) und klassischer Detektivarbeit (Justus kombiniert) ist perfekt ausbalanciert. Wer diese Folge nicht kennt, hat die drei ??? nie geliebt!

Ranking: Ganz weit oben. Ein moderner Klassiker.

Wusstest du schon?

Dies ist die erste Buchvorlage von André Marx, der später zu einem der wichtigsten Autoren der Serie wurde.
Victor Hugenay taucht hier zum ersten Mal seit der Klassiker-Ära (Folge 12 'Seltsamer Wecker') wieder auf.
Im Hörspiel sieht Peter eine Geisterhand am Fenster – eine Szene, die im Buch nicht vorkommt.
Inspektor Cotta wird in dieser Folge von einer Urlaubsvertretung namens Kershaw (gesprochen von Frank Felicetti) ersetzt, auch wenn es im Transkript stellenweise zu Verwirrungen bei der Namensnennung kommt.
Cover
Bewertung
9.5
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9,5 von 10 fliegenden Teetassen
Das Rätsel
Ein brillanter Aufbau von André Marx. Zwei scheinbar unabhängige Handlungsstränge (das langweilige Medaillon und der spannende Poltergeist) werden am Ende logisch verknüpft. Dass der 'spannende' Fall nur ein Ablenkungsmanöver für den 'langweiligen' Fall ist, ist ein genialer Twist.
Plot & Logik
Der Plan von Hugenay ist gewagt (warum Detektive erst einladen, um sie abzulenken?), aber er passt perfekt zu seiner arroganten Spieler-Natur. Die physikalischen Erklärungen für den Spuk (Knie am Tisch, selbst geworfene Tasse) sind fast schon banale Taschenspielertricks, was die Auflösung aber umso charmanter macht.
Kapitel
1 Doppelte Abfuhr 0:00 min
2 Miss Madigans Medaillon 9:38 min
3 Hilferuf in der Nacht 16:38 min
4 Poltergeister 27:56 min
5 Terror hinter verschlossener Tür 33:18 min
6 Schwebendes Geschirr 47:11 min
7 Der Geistesblitz 52:57 min
8 Ein alter Bekannter 60:02 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist in Hochform. Er lässt sich nicht von Geistern blenden und zieht die entscheidende Schlussfolgerung über den Namen 'Hugenay'. Sein Moment am Frühstückstisch, als er den Tisch wackeln lässt, ist herrlich.
P
Peter Shaw
Peter muss leiden: Er wird von Miss Madigan schikaniert ('Nicht die Bilder!'), verliert die Wette und hat im Spukhaus die größte Angst. Er fungiert als emotionaler Anker der Folge.
B
Bob Andrews
Bob ist der aufmerksame Beobachter und Rechercheur, wird aber fast von einer fliegenden Tasse erschlagen. Solide Arbeit im Archiv und vor Ort.

Sprecher

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