Zusammenfassung

Der Fall beginnt mit einem Anruf von Alfred Hitchcock in der Zentrale. Er sucht für ein Filmprojekt ein echtes Spukschloss. Bob recherchiert und findet das 'Schloss Terrill' im Schwarzen Canyon, erbaut vom Stummfilmstar Stephen Terrill, dem 'Mann mit den tausend Gesichtern'. Terrill verschwand einst mitsamt seinem Auto im Meer und hinterließ eine Nachricht, dass sein Geist das Schloss niemals verlassen werde. Justus und Peter wagen einen ersten nächtlichen Besuch. Die Atmosphäre ist beklemmend: Ein eisiger Wind weht, Orgelmusik ertönt und Peter glaubt, ein blinzelndes Auge auf einem Gemälde gesehen zu haben. Beide fliehen in panischer Angst.

Am nächsten Tag ermitteln sie weiter. Sie besuchen Jonathan Rex, Terrills ehemaligen Manager, der in der Nähe des Schlosses Wellensittiche züchtet. Rex bestätigt die Spukgeschichten. Bei einem weiteren Besuch am Schloss bei Tageslicht treffen sie auf Skinny Norris, der versucht, sie mit einer Steinlawine in einer Höhle einzusperren. Justus gelingt es jedoch, die Steine mit einem Hebel zu bewegen und sie zu befreien. Justus schlussfolgert: 'Ich bemühe mich lediglich, meine angeborene Intelligenz durch ständiges Üben voll zu entfalten.'

Um das Phänomen der Angst wissenschaftlich zu untersuchen, schickt Justus später Bob und Peter erneut ins Schloss. Sie entdecken einen Vorführraum und ein Skelett, werden aber eingesperrt und sehen das 'Blaue Phantom'. Sie entkommen nur knapp. Justus lässt nicht locker und dringt schließlich gemeinsam mit Peter erneut ein. Sie finden einen Geheimgang hinter einem Spiegel. Im Inneren des Schlosses werden sie vom 'Blauen Phantom' und einem 'Araber' überwältigt und gefesselt. Eine 'Zigeunerin' taucht auf, verhöhnt sie und nimmt ihnen das Messer ab.

Die Rettung naht durch Bob und Morton, die den anderen folgen. Sie befreien Justus und Peter. Justus hat mittlerweile kombiniert, dass das Schloss durch einen Tunnel mit der Voliere von Jonathan Rex verbunden ist. Sie stürmen Rex' Haus und konfrontieren ihn. Justus enthüllt: Jonathan Rex und Stephen Terrill sind dieselbe Person. Terrill lebt, er hat seinen Tod nur vorgetäuscht, weil seine Piepsstimme seine Karriere im Tonfilm beendete. Die Geistererscheinungen waren technische Tricks (Trockeneis, Infraschall), um das Schloss vor dem Verkauf zu schützen. Bob schlägt vor, das Schloss in ein Gruselkino zu verwandeln, womit Terrill seine Schulden bezahlen kann.

Review

Der Ur-Knall des Grusels: Warum das Gespensterschloss auch nach 40 Jahren noch spukt
Ein blaues Phantom, ein schreiender Peter und der wohl größte Kontinuitätsfehler der Seriengeschichte. Wir reisen zurück in den Schwarzen Canyon zu Folge 11 (oder war es Folge 1?)!

Moin, liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder!

Heute entstauben wir mal den heiligen Gral. Die Mutter aller Fälle. Den Urknall des spezialgelagerten Sonderinvestigierens. Wir reden über Folge 11: ...und das Gespensterschloss.

"Moment mal!", ruft jetzt der geneigte Klugscheißer aus der letzten Reihe, "Das ist doch eigentlich der erste Fall!" Exakt, Sherlock! Aber dazu später mehr im Nerd-Teil. Schnappt euch eine Tüte Kirschkuchen (Danke, Tante Mathilda!), lehnt euch zurück und lasst uns in den Schwarzen Canyon fahren.

ERSTER EINDRUCK


Schon der Anfang ist Gänsehaut pur. Diese Orgelmusik! Dieser Wind! Wenn Peter Pasetti (der Gottvater der Erzählerstimmen) von "unwahrscheinlichen Ereignissen" spricht, wissen wir: Jetzt wird's ernst. Das Gespensterschloss ist atmosphärisch so dicht, dass man den Nebel fast aus den Lautsprecherboxen wabern sieht. Es ist der perfekte Einstieg in die Welt der drei ??? – gruselig, aber gemütlich. Man möchte sich sofort unter der Bettdecke verkriechen, aber gleichzeitig unbedingt wissen, was hinter der nächsten Tür lauert.

DIE STORY


Alfred Hitchcock persönlich (zumindest im Hörspiel-Universum) ruft an und braucht ein echtes Spukhaus für einen Film. Unsere Jungs finden das "Schloss Terrill", die einstige Bude des Stummfilmstars Stephen Terrill, der angeblich mitsamt seinem Rolls-Royce ins Meer geplumpst ist. Aber: Sein Geist soll noch immer durch die Gänge schlurfen. Und tatsächlich: Ein Blaues Phantom geistert durch die Hallen, eine unheimliche Orgel spielt von selbst und jemand (oder etwas?) will Justus, Peter und Bob verjagen. Klassischer "Scooby-Doo"-Stoff, aber in RICHTIG gut.

UNSERE HELDEN


Justus ist hier in Höchstform. Er ist herrlich arrogant ("Ich bemühe mich lediglich, meine angeborene Intelligenz..."), manipuliert seine Freunde schamlos und hat diesen unerschütterlichen Dickkopf, den wir so lieben. Er lässt sich von nichts beeindrucken – nicht mal von fliegenden Dolchen.
Peter... ach, Peter. Unser Held vom Erdbeerfeld liefert hier die Blaupause für alle zukünftigen Panikattacken. Er will weg, er zittert, er schreit – und geht trotzdem immer wieder mit rein. Ein echter Ehrenmann, auch wenn seine Knie klappern wie Kastagnetten.
Bob ist hier der stille MVP. Er wühlt sich durch Archive (ohne Google, Leute! Mit Karteikarten!), bricht sich im Buch zwar das Bein (im Hörspiel zum Glück nicht), und rettet am Ende den Tag mit einer genialen Geschäftsidee.

DIE GEGENSPIELER


Wir haben hier gleich zwei Kaliber. Zum einen Skinny Norris, der in dieser Folge nicht nur ein nerviger Ekel ist, sondern ein echter Krimineller! Er löst eine Steinlawine aus, um Justus und Peter in einer Höhle einzusperren. Das ist versuchter Mord, Freunde! Nichts mit "Hahaha, ich hab euch reingelegt". Skinny meint es todernst.
Und dann natürlich Stephen Terrill / Jonathan Rex. Ein tragischer Bösewicht, wie er im Buche steht. Seine Motivation (Karriereende wegen Piepsstimme) ist fast schon rührend skurril. Als "Blaues Phantom" ist er eine Ikone.

BESTE MOMENTE


1. Die Visitenkarte: Der Moment, in dem die Karte übergeben wird. Gänsehaut!
2. Die Lawine: Justus nutzt physikalische Hebelgesetze, um Felsbrocken zu bewegen. MacGyver wäre stolz.
3. Der Twist: Dass der Manager Rex und der Star Terrill ein und dieselbe Person sind. Als Kind hat mich das komplett umgehauen!
4. Der Spruch: "Spezialgebiet?" - "Wir übernehmen jeden Fall!" Bam. Statement.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan von Terrill ist... kompliziert. Er verkleidet sich als Zigeunerin (ein Klischee, das heute sehr schlecht gealtert ist), spielt Orgel und nebelt die Bude ein, nur damit keiner das Schloss kauft? Ein einfaches "Betreten verboten"-Schild hätte es vielleicht auch getan. Und dass Justus die "Angst" seiner Freunde messen will, ist selbst für ihn grenzwertig sadistisch.

SERIEN-KONTEXT (Der Nerd-Teil!)


Okay, Freunde, jetzt wird's wild.
Die Nummerierung: Dies ist eigentlich Buch Nr. 1, wurde von Europa aber als Folge 11 veröffentlicht. Warum? Weil man mit dem "Super-Papagei" (Buch Nr. 8) starten wollte, da die Story actionreicher war.
Kontinuitäts-Chaos: Da es als Folge 11 produziert wurde, kennen die Jungs Hitchcock schon und Morton fährt sie im Rolls-Royce. Im Buch hingegen gewinnen sie den Rolls-Royce erst in diesem Fall (beim Autoverleih Gelbert) und lernen Hitchcock erst kennen! Das Hörspiel tut so, als wäre alles "Business as usual".
Rückkehr: Das Gespensterschloss sehen wir später in Folge 76 "Stimmen aus dem Nichts" wieder (als Sanatorium) und es wird oft referenziert. Stephen Terrill selbst bleibt (leider) ein One-Hit-Wonder, aber sein Geist schwebt über der Serie.
Fehler-Alarm: Es gibt einen legendären Skript-Fehler! Bob sagt im Hörspiel: "Und was war mit der Lawine? Das war ein Mordanschlag!" – Dabei war Bob in der Szene gar nicht dabei! Er saß in der Bibliothek. Peter hätte das sagen müssen. Ups!


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier müssen wir kurz Tacheles reden. In den Infos zur Folge geistert oft der Name Eberhard Krug herum. Aber – und hier zeigt sich der wahre Fan – im Europa-Hörspiel spricht der großartige Wolf Rahtjen den Stephen Terrill / Jonathan Rex! Rahtjen hat diese wunderbar tiefe, rauchige Stimme, die perfekt zur düsteren Atmosphäre passt. (Eberhard Krug war zwar auch eine Legende bei Maritim-Hörspielen, aber hier hören wir Rahtjen).

Und dann der absolute Hammer: Andreas von der Meden. Der Mann ist eine Legende. Er spricht hier Skinny Norris UND Morton! In derselben Folge! Er chauffiert die Jungs zum Schloss und versucht sie fünf Minuten später als Skinny umzubringen. Das ist schizophrene Sprecher-Kunst auf höchstem Niveau. Wir vermissen dich, Andreas!

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Hörspiel erschien am 02.03.1980, also mitten im goldenen Zeitalter. H.G. Francis hat das Buch von Robert Arthur (erschienen 1964 in den USA) knackig adaptiert. Interessant: Im Buch ist die Auflösung noch komplexer, mit mehr Geheimgängen und einer längeren Verfolgung durch den "Nebel". Die Hörspiel-Version ist straffer, verliert aber nichts von der Magie.


FAN-SERVICE-CHECK


Visitenkarte: Check.
Rolls-Royce: Check (auch wenn er hier eigentlich noch nicht da sein dürfte).
Zentrale: Check.
Tante Mathilda: Check (meckert rum, ist aber lieb).

FAZIT & EMPFEHLUNG


"...und das Gespensterschloss" ist ein absolutes MUSS. Es ist das Fundament, auf dem unsere Kindheit gebaut wurde. Wer wissen will, warum die drei ??? so erfolgreich sind, muss diese Folge hören. Sie hat Grusel, Witz, Rätsel und diese unvergleichliche 80er-Jahre-Atmosphäre.

Für Einsteiger: Pflichtprogramm.
Für Veteranen: Immer wieder ein Genuss.

Justus würde sagen: "Ein vollendeter Fall."

Wusstest du schon?

Dies ist eigentlich der allererste Fall der drei ??? (Buchband 1), wurde aber in der deutschen Hörspielreihenfolge als Nummer 11 veröffentlicht.
Stephen Terrills 'Fistelstimme' ist ein historischer Verweis auf echte Stummfilmstars, deren Karrieren am Tonfilm scheiterten (z.B. John Gilbert).
Hitchcock tritt hier noch aktiv als Auftraggeber auf, was in späteren Folgen (und der neuen Chronologie) nicht mehr der Fall ist.
Cover
Bewertung
10
👻 👻 👻 👻 👻 👻 👻 👻 👻 👻
10 von 10 blauen Phantomen
Das Rätsel
Ein klassisches Scooby-Doo-Rätsel: Der Spuk wird technisch erklärt. Die Auflösung ist fair, da Justus die Hinweise (gleiche Schuhe bei verschiedenen 'Geistern', die Verbindung zur Voliere) logisch verknüpft. Dass Rex und Terrill dieselbe Person sind, ist ein gelungener Twist, auch wenn man als Hörer genau auf die Stimmen achten muss.
Plot & Logik
Der Plan von Terrill ist etwas umständlich (warum Leute erschrecken, statt einfach zurückgezogen zu leben?), aber im Kontext eines exzentrischen Schauspielers glaubhaft. Die 'Angst-Messung' von Justus wirkt pseudowissenschaftlich, dient aber gut als Plot-Treiber, um die Detektive immer wieder ins Schloss zu zwingen.
Kapitel
1 Man spricht vom Gespensterschloss 0:00 min
2 Echo aus dem Jenseits 5:05 min
3 In der Falle! 11:06 min
4 Der Mann mit der Narbe 17:51 min
5 Die Warnung der Zigeunerin 24:09 min
6 Das blaue Phantom 29:36 min
7 Im Verlies 37:04 min
8 Interview mit einem Gespenst 42:28 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist hier extrem dominant und fast schon rücksichtslos ('Es muss!'), um seine Neugier zu befriedigen. Seine Deduktion mit den markierten Schuhen ist brillant.
P
Peter Shaw
Peter ist der Archetyp des Angsthasen in dieser Folge. Er will ständig weglaufen, lässt sich aber doch immer wieder mitschleifen. Seine Angst ist für die Atmosphäre essenziell.
B
Bob Andrews
Bob glänzt als Rechercheur im Archiv und hat am Ende die rettende Idee für Terrills finanzielle Zukunft. Zudem zeigt er Mut, als er mit Morton zur Rettung eilt.

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 10 Alle Folgen Nächste Folge Folge 12