Zusammenfassung

Die drei Fragezeichen befinden sich auf einer Wanderung in den Rocky Mountains. Die Stimmung ist gereizt, da Peter seinen Wecker nicht abgestellt hat, der nachts im Zelt für Unruhe sorgt. Am nächsten Tag geraten sie in dichten Nebel und sehen eine weiße Gestalt, die heult und scheinbar schwebt – das Phantom. Auf der Flucht verletzt sich Justus am Fuß. Die drei suchen Zuflucht im 'Lake View', einem einsamen Haus der Familie Masterson. Dort treffen sie auch auf den Schriftsteller Mr. Faulkner und Sarah, die Tochter des Hauses. Faulkner erzählt die Legende von Richard Ashford, der einst eine Goldmine betrieb und spurlos verschwand.

Nachts sehen alle eine weiße Hand am Fenster. Faulkner stürmt hinaus, um den vermeintlichen Scherzbold zu stellen, und verschwindet im Nebel. Als die Telefonleitung tot ist, übernimmt Justus die Ermittlungen. Trotz Verletzung will er den Nebelberg absuchen. Peter begleitet ihn widerwillig, während Bob im Haus recherchiert. Bob entdeckt auf Faulkners Laptop, dass dieser einen Roman über genau diese Ereignisse schreibt und mehr über Ashford weiß, als er zugibt. Gemeinsam mit Sarah findet Bob unter dem Haus einen geheimen Zugang zur alten Mine.

Justus und Peter finden auf dem Berg eine Hütte mit Sprengstoff, werden aber niedergeschlagen. Sie erwachen gefesselt in einer Höhle neben Faulkner. Dieser gesteht, dass das Phantom eine Inszenierung von ihm und seinem Freund Mark war, um die Mastersons zu vertreiben und nach Gold zu suchen. Doch derjenige, der sie niedergeschlagen hat, war nicht Mark. Bob und Sarah retten die Gefangenen, indem sie dem Piepen von Peters Wecker folgen, der in Justus' Rucksack war.

Beim Verlassen der Mine treffen sie auf den gefesselten Mark und schließlich auf das wahre Phantom: Harvey Radcliffe, ein entflohener Sträfling und Ashfords unehelicher Sohn. Er bedroht sie mit einer Waffe, um das Gold für sich zu behalten. In diesem Moment klingelt erneut Peters Wecker. Die Ablenkung nutzen die Detektive, um Radcliffe zu überwältigen. Am Ende stellt sich heraus, dass Radcliffe die Phantom-Maskerade von Mark und Faulkner einfach übernommen hatte, um seine eigene Suche nach dem Gold zu tarnen.

Review

Der Nebelberg: Wenn Peters Wecker zum Helden wird und Justus das Bein (aber nicht den Verstand) verliert
Dichter Nebel, eine einsame Hütte und ein Phantom, das heult wie ein Schlosshund. In dieser Folge beweisen die drei ???, dass Wandern lebensgefährlich sein kann – und warum man seinen Wecker niemals wegwerfen sollte!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und willkommen zurück in der Zentrale! Schnappt euch einen Kakao, zieht euch die dicken Wollsocken an und stellt sicher, dass eure Wecker ausgeschaltet sind (dazu später mehr!). Heute besprechen wir einen absoluten modernen Klassiker, der beweist, dass unsere drei Jungs aus Rocky Beach auch jenseits der 100er-Marke noch echte Gänsehaut liefern können.

ERSTER EINDRUCK


Brr, ist das kalt hier! Schon in den ersten Minuten friert man förmlich mit. „Der Nebelberg“ ist keine dieser sonnigen Kalifornien-Folgen, wo Justus im Rolls Royce schwitzt. Nein, hier regnet es, es ist matschig, und die Stimmung ist düsterer als Tante Mathildas Gesichtsausdruck, wenn Justus wieder Diät halten soll. Der Einstieg über Bobs Reisetagebuch ist genial – es verleiht dem Ganzen sofort diesen „Blair Witch Project“-Touch. Man ahnt: Das hier wird kein gemütlicher Spaziergang, sondern ein Survival-Trip. Und sind wir ehrlich: Wenn Justus Jonas freiwillig wandern geht, muss die Hölle sowieso schon zugefroren sein.

DIE STORY


Die Ausgangslage ist simpel, aber effektiv: Justus, Peter und Bob sind auf Wandertour in den Rocky Mountains (warum auch immer Justus dem zugestimmt hat). Dichter Nebel zieht auf, eine heulende weiße Gestalt erscheint – und zack, liegt der Erste Detektiv mit verstauchtem Knöchel im Dreck. Die drei retten sich in das einsame Haus der Familie Masterson, das „Lake View“. Dort treffen sie auf eine illustre Runde: die etwas unterkühlten Mastersons, ihre taffe Tochter Sarah und den mysteriösen Schriftsteller Mr. Faulkner. Als die Telefonleitungen gekappt werden, ein Gast im Nebel verschwindet und eine geisterhafte Hand am Fenster klopft, ist klar: Der Urlaub ist vorbei. Es geht um eine alte Goldmine, eine Legende und die Frage: Spuk oder Verbrechen?

UNSERE HELDEN


Justus: Der arme Kerl. Erst muss er wandern, dann knickt er um. Aber wie er vom Sessel aus die Ermittlungen leitet („Bob, gib mir den Laptop!“), zeigt mal wieder: Ein Justus Jonas braucht keine Beine, er braucht nur sein Gehirn und ausreichend Kalorien. Sein analytischer Moment in der Höhle, wo er anhand der Flamme den Luftzug prüft, ist Classic Justus.

Peter: Leute, wir müssen reden. Peter Shaw ist der MVP (Most Valuable Player) dieser Folge! Ja, er hat Angst. Ja, er will weg. Aber sein verdammter Reisewecker – am Anfang der nervigste Running Gag aller Zeiten – wird zur ultimativen Waffe! Das ist Storytelling vom Feinsten. Peter ist hier herrlich menschlich: Er hat die Hosen voll, geht aber trotzdem mit Justus auf den Berg. Ein wahrer Held.

Bob: Unser Archivar glänzt in seiner Paraderolle. Er führt das Tagebuch (tolle Erzählstimme!), er knackt Passwörter und er flirtet (ein bisschen) mit Sarah. Bob ist hier der Klebstoff, der die Gruppe zusammenhält, während Justus invalid und Peter panisch ist.

DIE GEGENSPIELER


Wir haben hier ein interessantes „Scooby-Doo“-Szenario mit doppeltem Boden. Zuerst haben wir das Duo Faulkner und Mark. Faulkner als Schriftsteller, der sein eigenes Verbrechen live als Roman mitschreibt? Meta-Ebene pur! Dass er am Ende selbst gefesselt neben den Detektiven liegt, ist eine schöne Ironie.

Aber der wahre Bad Guy ist Harvey Radcliffe. Ein entflohener Sträfling, der einfach mal die „Phantom-Show“ der anderen beiden kapert. Das ist herrlich chaotisch und irgendwie realistisch. Einziger Kritikpunkt: Radcliffe ist ein ziemlicher Standard-Schurke. „Ich will das Gold, har har!“ – okay, kennen wir. Aber die Bedrohung durch seine Waffe wirkt in der Isolation der Berge deutlich echter als sonst.

BESTE MOMENTE


1. Der Wecker: Als das Ding in der Höhle losgeht. Ich habe laut gejubelt! Nie wurde ein nerviges Geräusch besser eingesetzt.
2. Das Tagebuch: „Wir sind jetzt im Haus...“ – Bobs Einträge erzeugen eine Intimität, die man selten in Hörspielen hat.
3. Die weiße Hand: Der Moment, als alle im Wohnzimmer sitzen und diese Hand am Fenster erscheint. Klassischer Grusel, perfekt inszeniert.

SCHWACHSTELLEN


Okay, Butter bei die Fische: Die Logik wackelt manchmal mehr als Justus auf einem Skateboard.
1. Der Minenzugang: Es gibt einen geheimen Zugang zur Goldmine direkt unter dem Haus der Mastersons? Und die wohnen da seit Jahren und haben das nie gemerkt? Ja nee, is klar.
2. Zufall hoch zehn: Dass Radcliffe (der echte Verbrecher) und Faulkner (der Fake-Spuker) exakt zur gleichen Zeit am gleichen Ort ihr Ding durchziehen, ist schon ein Lottogewinn an Wahrscheinlichkeit. Aber hey, wir sind bei den drei ???, da gehört der Zufall zum Inventar.

SERIEN-KONTEXT


„Der Nebelberg“ (Folge 105) gehört zur „goldenen Ära“ der 100er-Folgen und wird von Fans oft in einem Atemzug mit „Toteninsel“ oder „Nacht in Angst“ genannt, wenn es um Atmosphäre geht. Es ist eine klassische „Travel-Episode“ (wie „Das Riff der Haie“ oder „Geisterschloss“), wo die Jungs aus ihrer Komfortzone Rocky Beach gerissen werden.

Interessant: André Marx, der Autor, gilt als einer der besten Schreiber der Serie. Er hat hier das „Chekhov’s Gun“-Prinzip (der Wecker) perfektioniert. Die Folge markiert auch einen Trend zu etwas erwachseneren, bedrohlicheren Szenarien in der Serie.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Jetzt haltet euch fest, denn hier kommt der absolute Nerd-Fact: Wolfgang Draeger spricht hier Jack Masterson. Warum ist das wild? Weil Wolfgang Draeger zu diesem Zeitpunkt bereits die feste Stimme von Kommissar Reynolds war! (Er übernahm die Rolle nach Horst Franks Tod). Es ist extrem selten, dass ein Hauptcast-Sprecher plötzlich eine Gastrolle übernimmt. Man hört die ganze Zeit den Kommissar, aber er ist ein mürrischer Hausbesitzer. Das verwirrt das Fan-Gehirn maximal!

Außerdem dabei: Hartmut Kollakowsky (Mark) – eine markante Stimme, die man oft als Bösewicht hört. Und natürlich Andreas Fröhlich, der als Bob hier quasi den Erzähler-Job mitübernimmt.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch erschien 2002 und André Marx hat hier eigene Urlaubserlebnisse verarbeitet (hoffentlich ohne Phantom!). Im Buch ist das Tagebuch-Element noch prominenter, da es typografisch abgesetzt ist. Das Hörspielteam rund um Heikedine Körting hat das aber grandios gelöst, indem sie Bob diese Passagen mit leichtem Hall oder Filter einsprechen ließen. Die Soundkulisse (Wind, Regen, Schritte auf Kies) ist hier übrigens Oscar-verdächtig – selten klang ein Hörspiel so „nass“.


FAN-SERVICE-CHECK


- Der Wecker: Ich kann es nicht oft genug sagen. Legendär.
- Justus' Besserwisserei: Auch mit kaputtem Fuß belehrt er alle. So lieben wir ihn.
- Visitenkarte: Natürlich wird die Karte übergeben. Auch im Angesicht des Todes wird Marketing betrieben!

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Der Nebelberg“ ist ein absolutes Brett. Die Atmosphäre ist dicht, die Bedrohung spürbar und die Auflösung clever konstruiert. Wer Folgen mag, die sich wie ein kleiner Thriller anfühlen (ähnlich wie „Stimmen aus dem Nichts“), ist hier goldrichtig. Es ist die perfekte Folge für regnerische Herbsttage unter der Decke.

Ist sie perfekt? Nein, der Zufall spielt eine große Rolle. Ist sie unterhaltsam? Und wie! Für mich eine der Top 10 Folgen aller Zeiten, einfach wegen des „Vibes“.

Wusstest du schon?

Dies ist eine der wenigen Folgen, in denen die drei ??? tatsächlich im Urlaub sind und zufällig in einen Fall stolpern, ohne in Rocky Beach zu sein.
Der Wecker ist ein zentrales Handlungselement ('Chekhov's Gun'), das früh als nervig eingeführt wird und später die Rettung ermöglicht.
Bob führt in dieser Folge ein Reisetagebuch, was als erzählerisches Mittel genutzt wird, um die Stimmung zu setzen.
Autor André Marx verarbeitete in dieser Geschichte eigene Urlaubserlebnisse in den Rocky Mountains (natürlich ohne das Phantom).
Cover
Bewertung
10
10 von 10 nervtötenden Weckern
Das Rätsel
Die Konstruktion ist ziemlich clever: Ein 'Fake-Phantom' (Faulkner/Mark) wird von einem echten Verbrecher (Radcliffe) überlagert. Dass der Autor Faulkner die Ereignisse quasi 'live' mitschreibt, ist eine schöne Meta-Ebene, auch wenn der Zufall, dass Radcliffe genau zur gleichen Zeit dort ist, etwas groß ist.
Plot & Logik
Warum Radcliffe die Detektive und Faulkner in der Höhle am Leben lässt, statt sie gleich aus dem Weg zu räumen, ist typische Bösewicht-Logik, aber verzeihlich. Dass der Zugang zur Mine direkt unter dem Haus ist und die Mastersons das nie bemerkt haben, muss man einfach schlucken.
Kapitel
1 Ruhestörung 0:00 min
2 Das Phantom vom Nebelberg 9:30 min
3 Gruselgeschichten 24:24 min
4 Das Grauen schlägt zu 31:50 min
5 Gold 36:23 min
6 Das Herz des Berges 48:33 min
7 Die Stunde der Wahrheit 54:45 min
8 Weckruf 64:24 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brillant, wie er trotz Verletzung das Zepter übernimmt und die Luftzirkulation in der Höhle analysiert. Sein 'Zweiter Detektiv'-Geplänkel mit Peter ist herrlich bissig.
P
Peter Shaw
Der heimliche Held der Folge! Sein nerviger Wecker wird zum Lebensretter – ein wunderbares 'Chekhov's Gun'-Element. Er zeigt viel Mut, obwohl er Angst hat.
B
Bob Andrews
Sehr starker Auftritt! Er führt Tagebuch (tolles Stilmittel), knackt den Laptop und leitet die Rettungsmission. Endlich mal kein passiver Archivar.

Sprecher

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