Zusammenfassung

Justus, Peter und Bob besuchen die 'Intercomicon', um eine Kiste alter Comics zu verkaufen. Dort treffen sie auf den exzentrischen Sammler Dan Demento, der ihnen die Ware abkaufen will. Doch während der Verhandlung taucht plötzlich eine Gestalt im Kostüm des 'Blutroten Phantoms' auf, zündet Rauchbomben und stiehlt Dementos wertvollstes Heft 'Fan Fun Nr. 1' sowie die Comics der drei ???. Justus bemerkt sofort, dass der Dieb keinen Eintrittsstempel auf der Hand trug.

Die Ermittlungen führen die Detektive zu verschiedenen Verdächtigen: dem arroganten Verleger Leon Rottweiler, dem verbitterten Comic-Zeichner Steve Trash und der Cosplayerin Rainy Fields. Bei der Durchsuchung von Trashs Hotelzimmer kommt es zu einem folgenschweren Zwischenfall: Peter wird von einem Unbekannten in Froschmaske vom Balkon in den Swimmingpool gestoßen. Trotz dieses Angriffs ermitteln die drei weiter und finden heraus, dass Trashs Zimmer durchwühlt wurde.

Am nächsten Morgen tauchen die gestohlenen Comics plötzlich in Rainys Badetasche auf – offensichtlich, um eine falsche Fährte zu legen. Justus kombiniert schließlich, dass Axel Griswold, der Organisator der Messe und Besitzer von 'Kamikaze Comics', hinter allem steckt. Zusammen mit Demento und Rainy fahren sie zum Lager von Kamikaze Comics, wo sie eine illegale Fälscherwerkstatt entdecken. Griswold druckt alte Comics nach und verkauft sie als Originale.

Um Griswold zu überführen, stellen sie ihm eine Falle: Sie lassen im Kino der Messe ausrufen, der Projektor brenne. Griswold stürmt panisch zur Kabine, um seine dort versteckte Beute zu retten – und läuft den Detektiven direkt in die Arme. Es stellt sich heraus, dass er das 'Fan Fun'-Heft zurückstehlen musste, weil er es mit einer gefälschten Unterschrift von Steve Trash versehen hatte. Da Trash auf der Messe anwesend war, drohte der Schwindel aufzufliegen.

Review

Nerds, Diebe und ein nasser Peter – Chaos auf der Comic-Con!
Wenn He-Man Comics klaut und Peter Shaw Flugstunden nimmt, sind die drei ??? auf der Intercomicon! Warum Folge 49 ein unterschätztes Action-Highlight der 90er ist.

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder!

Schnappt euch eine Tüte Chips und euren alten Walkman, denn heute reisen wir zurück ins Jahr 1990. Wir besuchen die „Intercomicon“ in Rocky Beach! Ja, ihr habt richtig gehört: Unsere drei Lieblingsdetektive mischen sich unter die Nerds, Cosplayer und Sammler. Folge 49, „Die Comic-Diebe“, ist ein absolutes Kind seiner Zeit – schrill, ein bisschen drüber und mit einem Peter Shaw, der mal wieder den Kürzeren zieht. Aber dazu gleich mehr.

ERSTER EINDRUCK


Schon das Cover schreit einem förmlich „90er Jahre Action!“ entgegen. Ein Typ im roten Ganzkörperkondom (sorry, „Kostüm“), der bedrohlich wirkt, während im Hintergrund... nun ja, Chaos herrscht. Der erste Hördurchgang bestätigt: Das hier ist keine gemütliche Tante-Mathilda-Folge. Hier regieren Synthesizer-Beats und das Tempo der „Crimebusters“-Ära. Man fühlt sich sofort wie mitten in einer bunten Messehalle, es ist laut, hektisch und herrlich skurril. Man riecht förmlich das alte Papier der Comic-Hefte und den Schweiß der Sammler.

DIE STORY


Justus, Peter und Bob wollen eigentlich nur Kasse machen. Auf der „Intercomicon“ verkaufen sie alte Hefte vom Schrottplatz (Justus' Geschäftssinn ist mal wieder on point). Doch der Deal mit dem wunderbar durchgeknallten Sammler Dan Demento platzt, als das „Blutrote Phantom“ auftaucht – ein Dieb im Kostüm, der Rauchbomben zündet und Dementos wertvollstes Heft, die „Fan Fun Nr. 1“, klaut. Und weil er schon mal dabei ist, nimmt er den Ramsch der drei ??? auch gleich mit. Warum? Das müssen unsere Helden herausfinden. Es geht um gefälschte Zeichnungen, verbitterte Künstler, gierige Verleger und einen Peter Shaw, der unfreiwillig Flugstunden nimmt.

UNSERE HELDEN


Justus Jonas: Unser erster Detektiv ist in dieser Folge in absoluter Hochform, was seine Arroganz angeht. Er kombiniert messerscharf (die Sache mit dem Handstempel – genial!), zeigt aber das emotionale Einfühlungsvermögen eines Toasters. Als Peter fast umgebracht wird, ist Justus' Hauptsorge gefühlt eher, dass die Ermittlungen nicht stocken. Klassischer Justus!

Peter Shaw: Leute, unser Zweiter Detektiv tut mir hier so leid. Er ist der absolute Pechvogel der Episode. Erst wird er von Justus rumkommandiert, dann muss er sich mit Verrückten rumschlagen, und schließlich wird er vom Balkon eines Hotelzimmers geworfen! Ja, GEWORFEN! In den Pool! Und Justus so: „Joa, ist ja gut gegangen.“ Peter ist hier der Action-Held wider Willen, und seine Panik ist absolut greifbar (und von Jens Wawrczeck wie immer grandios gespielt).

Bob Andrews: Bob ist hier der ruhende Pol im Chaos. Er beobachtet, recherchiert (natürlich!) und hat ein paar der trockensten Sprüche auf Lager. Er fungiert quasi als Puffer zwischen Justus' Größenwahn und Peters Panikattacken.

DIE GEGENSPIELER


Diese Folge lebt von ihren herrlich überzeichneten Nebenfiguren:

Dan Demento: Der Name ist Programm! Ein völlig überdrehter Sammler, der zwischen Genie und Wahnsinn pendelt. Seine Lache ist legendär nervtötend-genial.
Steve Trash: Der verbitterte Künstler, der seine Schöpfung (das Phantom) für einen Appel und ein Ei verkauft hat. Eine tragische Figur, die dem Fall etwas Tiefe gibt.
Leon Rottweiler: Der fiese Verleger. Auch hier ein sprechender Name – er beißt und bellt, ist aber eigentlich nur ein gieriger Geschäftsmann.
Axel Griswold: Der Organisator und – Spoiler! – Bösewicht. Glatt, unsympathisch und am Ende wunderbar panisch.

BESTE MOMENTE


1. Der Flug des Peter Shaw: Es ist brutal, aber auch ikonisch. Peter wird von einem Frosch-Monster (oder so ähnlich) vom Balkon geworfen. Der Platscher im Pool ist Sound-Design-Gold.
2. Das Kino-Finale: Die drei ??? lösen einen falschen Feueralarm aus („Der Projektor brennt!“), um den Täter aus der Reserve zu locken. Das ist so wunderbar old-school und chaotisch.
3. Dementos Auftritte: Jedes Mal, wenn „Madman Dan“ den Mund aufmacht, weiß man nicht, ob man lachen oder weglaufen soll.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan des Bösewichts ist... mutig. Er klaut seine eigenen Fälschungen zurück? Okay. Aber warum wirft der Handlanger Peter vom Balkon? Das ist versuchter Mord! Wegen ein paar Comic-Heften? Das wirkt ein bisschen unverhältnismäßig, selbst für Rocky Beach Verhältnisse. Und dass Justus Peters Nahtoderfahrung so lapidar abtut, ist schon hart an der Grenze zur Soziopathie. Zudem: Der Hinweis mit den „quietschenden Sohlen“ am Ende kommt ein bisschen sehr plötzlich aus dem Ärmel geschüttelt.

SERIEN-KONTEXT


Die Folge stammt aus der sogenannten „Crimebusters“-Ära (in Deutschland etwas zeitversetzt spürbar). Das merkt man am höheren Tempo, der moderneren Musik und der Tatsache, dass die Jungs mobiler und „erwachsener“ wirken. Es gibt keine direkten Überschneidungen mit anderen Folgen (Steve Trash taucht leider nicht wieder auf), aber die Folge reiht sich perfekt in die Phase ein, in der Europa versuchte, die Serie etwas actionlastiger zu gestalten – ähnlich wie bei „Gefahr im Verzug“ oder „Automarder“.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es für Nerds richtig interessant!
Axel Griswold wird gesprochen von Helgo Liebig. Und jetzt haltet euch fest: Helgo Liebig ist die deutsche Stimme von HE-MAN (in der originalen Hörspielserie von Europa)! Dass ausgerechnet He-Man hier den Comic-Bösewicht auf einer Convention spielt, ist ein Meta-Witz, der so gut ist, dass ich fast glaube, die Regie hat das mit Absicht gemacht. „Bei der Macht von Grayskull, ich habe die Comics geklaut!“
Dan Demento wird vom großartigen, leider 1998 verstorbenen Peter Heinrich gesprochen. Heinrich war ein Meister der skurrilen Nebenrollen und drückt dieser Figur seinen unverkennbaren Stempel auf.
Steve Trash ist Thomas Naumann, den viele Fernsehzuschauer als Arzt aus der „Schwarzwaldklinik“ oder vom „Traumschiff“ kennen. Ein bekanntes TV-Gesicht, das hier eine sehr solide Performance abliefert.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem US-Roman „The Mystery of the Comic Book Costumes“ von William McCay. McCay war einer der Autoren, die für die „Crimebusters“-Reihe angeheuert wurden, um die Serie zu modernisieren. Interessant: Im Buch ist die Action oft noch etwas ausufernder beschrieben. Die deutsche Hörspiel-Bearbeitung von H.G. Francis strafft das Ganze aber sehr effektiv auf die wesentlichen Szenen. Produziert wurde das Ganze 1990, was man wie gesagt am genialen Synthie-Soundtrack hört, der perfekt zur Messe-Atmosphäre passt.


FAN-SERVICE-CHECK


Die Visitenkarte: Natürlich wird sie übergeben.
Die Zentrale: Spielt kaum eine Rolle, wir sind „on the road“.
Insider: Der Name „Steve Trash“ ist ein Wortspiel. Sein „Müll“ (Trash) von früher ist heute Gold wert. Ein schöner Kommentar zum Sammler-Wahn.
  • Meta: Die Folge nimmt die ganze Nerd-Kultur, zu der wir Fans ja auch gehören, liebevoll auf die Schippe. Überteuerte Preise, hysterische Sammler, Cosplay-Pannen – wir fühlen uns zu Hause.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Die Comic-Diebe“ ist vielleicht kein atmosphärisches Meisterwerk wie „Gespensterschloss“, aber sie ist extrem unterhaltsam. Es ist Popcorn-Kino für die Ohren. Das Setting ist frisch, die Sprecher haben hörbar Spaß an den überdrehten Charakteren, und das Tempo ist hoch. Wer die „Crimebusters“-Ära mag und kein Problem damit hat, dass Peter fast draufgeht, wird hier bestens bedient.

Prädikat: Besonders wertvoll für He-Man-Fans und alle, die Justus mal wieder richtig arrogant erleben wollen!

Wusstest du schon?

Die Folge basiert auf dem amerikanischen Crimebusters-Band 'The Mystery of the Comic Book Costumes'.
Dan Demento wird von Peter Heinrich gesprochen, der in vielen Europa-Hörspielen markante Nebenrollen hatte.
Steve Trashs Name ist ein sprechender Name, der seine Einstellung zu seiner früheren Arbeit ('Trash' = Müll) widerspiegelt, obwohl diese nun wertvoll ist.
Cover
Bewertung
7.5
🗡️ 🗡️ 🗡️ 🗡️ 🗡️ 🗡️ 🗡️ 🗡️ 🗡️ 🗡️
7,5 von 10 He-Man-Schwertern
Das Rätsel
Das Kernrätsel um den fehlenden Handstempel ist klassisch und fair für den Hörer lösbar. Die Wendung, dass der Dieb seine eigene verkaufte Ware zurückstiehlt, um eine Fälschung zu vertuschen, ist clever konstruiert. Allerdings wirkt der Hinweis auf die 'quietschenden Sohlen' am Ende etwas wie aus dem Hut gezaubert, da er im Dialog vorher kaum etabliert wurde.
Plot & Logik
Der Plot ist temporeich, hat aber kleine Schwächen. Warum Griswold auch die wertlosen Hefte der drei ??? mitgehen lässt, ist taktisch unklug (zu viel Aufmerksamkeit). Der Plan, Peter vom Balkon zu werfen, ist zudem extrem brutal für einen Comic-Fälscher – das hätte böse enden können. Die Auflösung im Kino ist jedoch theatralisch und befriedigend.
Kapitel
1 Großer Qualm – kleines Feuer 0:00 min
2 Spannendes aus der Szene 6:03 min
3 Kunst und Kommerz 11:07 min
4 Das interstellare Interview 18:06 min
5 Getäuscht 22:13 min
6 Handzeichen 26:59 min
7 Schwarze Kunst im Keller 33:53 min
8 Hart erkämpfter Sieg 40:18 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist in Hochform, was die Deduktion angeht (Stempel, Fälschungsmotiv), zeigt aber erschreckend wenig Empathie für Peters Sturz ('...wollen wir nicht zu viel Aufsehens davon machen').
P
Peter Shaw
Der arme Peter muss hier richtig leiden. Er ist der Mann fürs Grobe, wird verprügelt und vom Balkon geworfen. Seine Angst vor dem Sprung ist nachvollziehbar und macht ihn menschlich.
B
Bob Andrews
Bob fungiert als guter Beobachter und hat einige der besten Sprüche ('Das hätte auch für vier Männer gereicht'). Er behält den Überblick, wenn Justus sich in Theorien verliert.

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 48 Alle Folgen Nächste Folge Folge 50