Zusammenfassung

Der Fall beginnt harmlos: Peter entdeckt einen Werbezettel, auf dem ein 'Verein zur Rehabilitierung der Seeräuber' 25 Dollar für Informationen über lokale Piraten bietet. Begeistert von dem leicht verdienten Geld radeln die drei ??? zur Delavine Street. Dort empfängt sie ein gewisser Major Cairns (im Hörspiel oft Karnes), der jedoch seltsam agiert: Er interviewt dutzende Leute, löscht die Bänder aber sofort wieder. Nur für Captain Joy, den Betreiber einer Piraten-Show in der Bucht, zeigt er echtes Interesse.

Justus schlussfolgert, dass die Interviews nur ein Vorwand sind. Als sie Captain Joy in der Piratenbucht besuchen, werden sie von dessen Gehilfen 'Salzwasser Sam' erschreckt, der als Roter Pirat verkleidet ist. Kurz darauf wird es ernst: Bob wird bei einer Erkundungstour vom Nachbarn Joshua Evans, dem Enkel des echten Roten Piraten, beschossen – zum Glück nur mit Platzpatronen. Evans verhält sich paranoid und verteidigt seinen Turm gegen jeden Eindringling.

Die Detektive legen sich nachts auf die Lauer. Sie beobachten, wie Major Cairns' Leute im Schutz der Dunkelheit Erdreich aus einem Tunnel schaffen, der vom Bootshaus zum Turm führt. Evans scheint davon nichts zu wissen und verbündet sich überraschend mit den drei ???. Gemeinsam stellen sie den Eindringlingen im Turm eine Falle. Doch als Cairns und seine Männer gefangen sind, wendet sich das Blatt: Joshua Evans entpuppt sich als Komplize, der seine Partner betrügen will. Er schnappt sich die Beute – Raubgut aus einem früheren Überfall – und flieht zu einem Wasserflugzeug.

In einem dramatischen Finale verfolgen die drei ??? und Captain Joy den Flüchtenden mit dem Segelschiff 'Schwarzer Geier'. Salzwasser Sam gelingt es, Evans mit einem Enterhaken aus dem Wasser zu fischen, nachdem dieser aus dem startenden Flugzeug springen musste. Der Fall ist gelöst: Es ging nie um einen historischen Schatz, sondern um moderne Beute.

Review

Lila Laune war gestern – Hier kommt der Rote Pirat!
Ein lila Bart, der rot wurde, ein Keks-Monster als Bösewicht und Bobs legendärer 'Dreck'-Moment. Warum Folge 34 viel mehr ist als nur Seemannsgarn!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder,

Schnappt euch eine Tüte Kirschkuchen (aber bitte ohne Steine!), denn heute reisen wir zurück ins Jahr 1984. Eine Zeit, in der Telefone noch Wählscheiben hatten, Justus Jonas noch nicht „Erster Detektiv“ in jedes Mikrofon brüllte wie ein Marktschreier und Piraten… nun ja, rot waren. Oder lila? Dazu später mehr.

Wir besprechen heute einen absoluten Klassiker der „Crime-Ära“, der meiner Meinung nach völlig zu Unrecht oft im Schatten der ganz großen Grusel-Folgen steht: Folge 34: … und der rote Pirat.

ERSTER EINDRUCK


Schon das Cover von Aiga Rasch ist ein Versprechen: Ein finsterer Pirat mit Augenklappe vor einem brennenden Himmel (oder ist es ein Sonnenuntergang in Rocky Beach?). Es schreit förmlich nach Abenteuer, Schatzsuche und salziger Meeresluft. Man legt die Kassette ein (oder drückt auf Play bei Spotify, ihr Banausen) und ist sofort drin. Die Atmosphäre ist dicht, mysteriös und – typisch für William Arden – herrlich verschwurbelt.

DIE STORY


Peter „Ich-habe-ein-ungutes-Gefühl“ Shaw entdeckt eine Zeitungsanzeige: Ein gewisser Major Karnes bietet 25 Dollar für Piratengeschichten. 25 Dollar! Dafür musste Justus früher drei Wochen lang Tante Mathildas Zaun streichen. Die drei ??? wittern das schnelle Geld, doch Justus’ Spürnase juckt gewaltig. Warum nimmt der Major alles auf Band auf, nur um es Sekunden später wieder zu löschen? Die Spur führt in eine abgelegene Piratenbucht, wo ein exzentrischer Kauz namens Joshua Evans in einem Turm haust und Besucher gerne mal mit der Schrotflinte begrüßt. Es geht um einen alten Schatz, einen angeblichen „Roten Piraten“ und am Ende um viel mehr als nur Seemannsgarn.

UNSERE HELDEN


Justus ist in Hochform. Sein Misstrauen gegenüber dem Major ist der Motor der Geschichte. Er ist herrlich arrogant („Ich habe da so eine Vermutung...“), aber genau dafür lieben wir ihn ja.

Peter ist hier nicht nur der Angsthase vom Dienst, sondern auch der Fahrer der Nation. Er muss den MG ordentlich treten. Aber sein absolutes Highlight ist ein philosophischer Diskurs über Zombie-Filme (dazu mehr bei den „Schwächen“ – heul).

Bob ist der heimliche MVP (Most Valuable Player) dieser Folge. Während Justus denkt und Peter zittert, klettert Bob auf Lastwagen, lässt sich beschießen und liefert den trockensten One-Liner der Seriengeschichte ab. Unser Archivar zeigt hier, dass er mehr kann, als nur Zeitungsartikel auszuschneiden.

DIE GEGENSPIELER


Leute, wir müssen über Joshua Evans reden. Was für ein Charakter! Erst der irre Einsiedler, der auf Kinder ballert, dann der scheinbare Verbündete und schließlich der eiskalte Verräter. Dieser Triple-Turn ist Wrestling-Niveau! Er ist kein eindimensionaler Bösewicht, sondern ein opportunistischer Gauner, der alle gegeneinander ausspielt. Major Karnes wirkt dagegen fast blass, eher wie der typische „Handlanger im Anzug“.

BESTE MOMENTE


1. Der Dreck-Moment: Bob klettert unter Lebensgefahr auf den Laster, schlitzt die Säcke auf, alle warten gespannt auf Gold oder Juwelen und Bob sagt einfach nur: „Dreck! Dreck ist drin.“ Die Enttäuschung in seiner Stimme ist Oscar-verdächtig.
2. Das Finale: Eine Verfolgungsjagd mit einem Segelschiff („Schwarzer Geier“) und einem Wasserflugzeug? Das ist James Bond in Rocky Beach! Dass Salzwasser Sam den Bösewicht dann mit einem Enterhaken aus dem Wasser fischt, ist so herrlich übertrieben, dass man applaudieren möchte.
3. Die Schießerei: Der Moment, als Evans auf Bob schießt. Auch wenn es nur Platzpatronen waren – für ein Jugendhörspiel war das damals schon harter Tobak. Puls 180 bei Peter, Puls 200 bei mir.

SCHWACHSTELLEN


Es bricht mir das Herz, aber wir müssen über Zensur reden. In den modernen Auflagen (CD, Stream) fehlt einer der witzigsten Dialoge der Serie. Peter verteidigt Zombie-Filme gegenüber seinem Vater mit dem Satz: „Es gibt doch Gute dieser Sorte!“ Dass dieser Satz der Schere zum Opfer fiel, ist ein Verbrechen am Kulturgut.
Außerdem: Der „Geist“ des Roten Piraten (Salzwasser Sam in Verkleidung) ist ein bisschen sehr „Scooby-Doo“. „Huuuh, ich bin ein Geist, verschwindet!“ – das hat Justus eigentlich schon in Folge 1 nicht mehr geglaubt.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge stammt aus der Feder von William Arden, und das merkt man. Arden war bekannt dafür, die Serie etwas „hardboiled“ zu machen. Weg vom reinen Grusel, hin zum Krimi-Thriller. „Der rote Pirat“ passt perfekt in diese Phase (ähnlich wie „Der Automarder“ oder „Die Riffhaie“). Es ist eine klassische Heist-Story mit Double-Crossings.
Interessant: Joshua Evans taucht zwar nicht wieder auf, aber das Motiv des „Einsiedlers, der sein Grundstück mit Waffengewalt verteidigt“, recyceln die Autoren später gerne noch öfter (erinnert an diverse Ranch-Besitzer in späteren Folgen).


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es legendär!
Joshua Evans wird gesprochen von Douglas Welbat. Und jetzt haltet euch fest: Das ist die deutsche Stimme vom Krümelmonster aus der Sesamstraße! Ja, der irre Schütze Evans will eigentlich nur Kekse! Welbat ist außerdem die Stimme von Macabros (Kult-Gruselserie) und spricht auch in anderen ???-Folgen mit (z.B. als Brandon in „Der Höhlenmensch“ oder Clifford in „Volk der Winde“). Seine raue, aggressive Art passt hier perfekt.
Captain Joy ist Helmut Ahner. Seine zittrige, etwas weinerliche Stimme kennt ihr vielleicht als Numerobis aus dem Asterix-Hörspiel („Asterix und Kleopatra“). Er spielt den naiven Gutmenschen so überzeugend, dass man ihn einfach knuddeln möchte.
Major Karnes wird von Manfred Schermutzki gesprochen, einem Spezialisten für zwielichtige Typen, der leider schon 1989 verstorben ist. Er hatte oft Rollen als „harter Hund“ in Krimis.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Jetzt kommt der Nerd-Fakt für den nächsten Stammtisch: Im amerikanischen Original von Robert Arthur heißt das Buch „The Mystery of the Purple Pirate“. Ja, richtig gelesen: LILA Pirat.
Im Buch hatte der Pirat einen lila gefärbten Bart (warum auch immer man das tun sollte). Die deutschen Übersetzer dachten sich wohl (völlig zurecht), dass ein „Lila Pirat“ eher nach Milka-Werbung oder Kindersendung klingt und machten ihn kurzerhand zum „Roten Piraten“. Eine weise Entscheidung! Rot ist Gefahr, Blut, Liebe – Lila ist… der letzte Versuch.
Erschienen ist das Hörspiel 1984, also in der absoluten Hochphase der Neon-Grusel-Serie von Europa.


FAN-SERVICE-CHECK


Running Gag: Peter hat Angst. Check.
Visitenkarte: Wird überreicht. Check.
Schrottplatz: Kommt leider kaum vor, wir sind meistens in der Bucht.
  • Soundeffekte: Das Plätschern des Wassers und das Knattern des Flugzeugs sind Europa-Goldstandard.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Und der rote Pirat“ ist wie eine gute Pizza: Klassisch belegt, knusprig und macht satt. Die Story ist clever konstruiert, die Wendungen sind überraschend (Evans!) und die Action stimmt. Wer Krimi-Thriller mit Schatzsuche-Flair mag, ist hier goldrichtig. Es fehlt vielleicht der Grusel-Faktor von „Gespensterschloss“ oder „Teufelsberg“, aber dafür bekommen wir einen der besten Bösewichte der 80er Jahre.

Also: Hört sie euch an – aber bitte in der alten MC-Version, damit ihr Peters Zombie-Weisheiten nicht verpasst!

Wusstest du schon?

Im englischen Original heißt das Buch 'The Mystery of the Purple Pirate'. Da 'lila' für einen Piraten im Deutschen wohl zu wenig bedrohlich klang, wurde er zum 'Roten Piraten' umgefärbt.
Der berühmte Dialog über die Qualität von Zombie-Filmen ('Es gibt doch Gute dieser Sorte') wurde in neueren Auflagen (CD/Streaming) leider herausgeschnitten und ist nur auf den alten MC-Auflagen und im Skript zu finden.
Helmut Ahner (Captain Joy) und Douglas Welbat (Joshua Evans) liefern sich hier ein tolles stimmliches Duell, wobei Welbat später auch als die Stimme von 'Macabros' bekannt wurde.
Cover
Bewertung
7
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7 von 10 gefärbten Bärten
Das Rätsel
Die Grundidee ist clever konstruiert: Die Interviews als Ablenkungsmanöver, um Captain Joy aus der Bucht zu locken, sind ein plausibler Plan. Der Twist, dass das 'Opfer' Evans eigentlich der Drahtzieher ist, kommt überraschend und wertet die Story enorm auf.
Plot & Logik
Evans' Plan ist riskant: Er schießt auf Kinder (wenn auch mit Platzpatronen), was eigentlich sofort die Polizei auf den Plan rufen müsste. Dass er sich dann kurzzeitig mit den Detektiven verbündet, um seine Ex-Komplizen auszuschalten, ist jedoch ein brillanter Schachzug eines skrupellosen Verbrechers.
Kapitel
1 Banditen, Briganten und Seeräuber! 0:00 min
2 Betrug! 6:49 min
3 Piratenüberfall! 11:21 min
4 Nächtliche Pirsch 17:18 min
5 Prallvolle Säcke 21:43 min
6 Der Rote Pirat schlägt wieder zu 27:03 min
7 Gefangen 33:49 min
8 Nun wendet sich das Blatt 39:30 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Beweist seine Kombinationsgabe, indem er sofort das Löschen der Bänder bemerkt. Er durchschaut zwar Evans' falsches Spiel nicht sofort, reagiert aber im Finale geistesgegenwärtig.
P
Peter Shaw
Fungiert hier oft als der vorsichtige Beobachter ('Schmiere stehen'), hat aber starke Momente im Dialog mit seinem Vater und als Skeptiker.
B
Bob Andrews
Ist der Action-Held der Folge: Er wird beschossen, klettert mutig auf den Lastwagen der Verbrecher und entdeckt, dass die Säcke nur 'Dreck' enthalten.

Sprecher

Verwandte Folgen

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