Zusammenfassung

Die drei ??? werden von Alfred Hitchcock beauftragt, bei einem Filmprojekt mitzuwirken, an dem Peters Vater beteiligt ist. Der Drehort ist die berüchtigte Geisterinsel nahe dem Ort Fishing Port. Schon die Ankunft verläuft dramatisch: Ihr Fahrer Sam Robinson setzt sie bei einem aufziehenden Unwetter auf der falschen Insel, der sogenannten 'Hand', aus. Der junge griechische Fischer Chris Marcos rettet sie in letzter Sekunde. Dabei beobachten die Jungen ein unheimliches Phänomen: Das alte Karussell auf der Geisterinsel dreht sich, und eine weiße Gestalt ist zu sehen.

Am nächsten Tag lernen sie das Filmteam und den Sicherheitsmann Tom Faraday kennen. Faraday behauptet, er selbst sei das Gespenst gewesen, um den Motor zu testen – eine wenig glaubwürdige Ausrede. Er erzählt den Detektiven auch von einem zehn Jahre zurückliegenden Überfall auf einen Geldtransporter durch die Bellinger-Brüder, bei dem er angeblich verletzt wurde und die Beute im Meer versank. Während Justus durch eine starke Erkältung ans Bett gefesselt ist und Zeit zum Nachdenken hat, gehen Peter und Bob tauchen. Sie finden tatsächlich eine spanische Golddublone. Chris Marcos zeigt ihnen zudem eine versteckte Höhle unter Wasser, in der noch mehr Gold liegt.

Die Situation spitzt sich zu, als Chris verdächtigt wird, Kameraobjektive gestohlen zu haben. Justus durchschaut jedoch das Spiel: Die Geschichte vom versunkenen Bankraub-Geld und die Sabotageakte hängen zusammen. Er kombiniert, dass die Bellinger-Brüder das Geld damals nicht versenkt, sondern in der trockenen Höhle versteckt haben. Um die Verbrecher aus der Reserve zu locken, initiieren die drei ??? einen Massenansturm auf die Insel unter dem Vorwand eines 'Schatzsucher-Films'. Bob und Peter schleichen sich nachts zur Höhle, werden aber von Faraday überrascht, der mit den Bellingers unter einer Decke steckt. Chris befreit sie mutig. Im Finale versucht die Bande mit einem Boot zu fliehen, doch Chris hat die Zündkerze entfernt, und Kommissar Nostig kann zugreifen.

Review

Schnupfen, Schatz und Schreckgespenster: Warum Folge 18 ein zeitloses Meisterwerk ist
Justus liegt flach, Peter wird zum Helden und Doc Brown taucht nach Gold? Willkommen auf der Geisterinsel! Unser Review zum Klassiker.

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder,

heute wird es nass, stürmisch und – haltet euch fest – Justus Jonas hat Schnupfen! Ja, ihr habt richtig gehört. In keiner anderen Folge wird so herrlich leidend ins Taschentuch getrötet wie in Folge 18: ... und die Geisterinsel. Schnappt euch eure Taucherbrillen und eine heiße Zitrone, denn wir reisen zurück ins Jahr 1980, als die Welt noch in Ordnung und die Spezialeffekte noch handgemacht waren.

ERSTER EINDRUCK


Schon das Cover von Aiga Rasch ist ein absoluter Banger: Dieses gruselige weiße Ding (soll das ein Gespenst sein? Ein Bettlaken auf Drogen?) vor dem schwarzen Hintergrund der Insel. Man hört die Kassette (oder den Stream, ihr Modernen) und ist sofort drin: Windheulen, Meeresrauschen und eine Atmosphäre, die dichter ist als der Nebel über Rocky Beach. Es riecht förmlich nach Salzwasser und modrigen Höhlen. Ein Start nach Maß!

DIE STORY


Alfred Hitchcock (bzw. Peter Pasetti, Gott hab ihn selig) schickt unsere drei Helden auf eine Reise quer über den Kontinent. Ziel: Die Geisterinsel. Dort dreht Peters Vater (!) einen Film, aber – Überraschung – es läuft nicht rund. Ein Gespenst auf einem uralten Karussell erschreckt die Crew, Dinge verschwinden, und die Stimmung ist im Keller. Während Justus mit einer Männergrippe der extraklasse das Bett hütet, müssen Peter und Bob (ja, Peter muss mal ran!) tauchen gehen. Es geht um einen verschollenen Piratenschatz, eine spanische Galeone und – wie sich herausstellt – um einen verdammt cleveren Bankraub-Plan. Klassischer Stoff, aber grandios verpackt!

UNSERE HELDEN


Justus: Der erste Detektiv ist außer Gefecht gesetzt. Und wie! Oliver Rohrbeck liefert hier eine Oscar-reife Leistung als verschnupfter Tyrann ab. Er liegt im Bett, dirigiert seine "Untergebenen" und löst den Fall quasi im Schlaf. Sein Spruch "Ein Totenschädel kann nicht sprechen" ist legendär trocken.

Peter: Endlich! Unser Zweiter Detektiv darf glänzen. Da es ums Tauchen geht, ist der Sportskanone Shaw in seinem Element. Er ist mutig, führt die Tauchgänge an und – man höre und staune – hat mal weniger Angst als sonst. Ein echter MVP-Moment für Peter.

Bob: Der arme Bob. Er ist solide wie immer, aber in dieser Folge fungiert er eher als Peters Sidekick und Justus' Laufbursche. Aber hey, jemand muss ja die Recherchen machen, während der Chef niesend im Kissen liegt.

DIE GEGENSPIELER


Tom Faraday: Gesprochen von Ernst von Klipstein. Ein wunderbar schmieriger Typ. Erst der besorgte Sicherheitschef, dann der aggressive Antagonist. Seine Ausrede, er habe sich als Gespenst verkleidet, um den "Motor zu testen", ist so dumm, dass sie schon wieder genial ist.

Die Bellinger-Brüder: Bleiben eher blass im Hintergrund, sind aber notwendig für den Plot. Das eigentliche Highlight ist Faraday und sein psychologisches Spielchen mit den Einheimischen.

Chris Marcos: Kein Gegenspieler, aber eine der wichtigsten Gastfiguren. Der junge Grieche wird tragisch und sympathisch dargestellt. Man fühlt richtig mit ihm mit, wie er gegen die Vorurteile der Inselbewohner kämpft.

BESTE MOMENTE


1. Das Karussell-Gespenst: Die Szene, als die Jungs nachts das leuchtende Karussell sehen und die Musik hören... Gänsehaut pur! Das ist Old-School-Grusel vom Feinsten.
2. Justus' Deduktion: Als er im Finale erklärt, warum das Papiergeld der Schlüssel ist und nicht das Gold. Ein klassischer "Aha!"-Moment, bei dem man sich fragt: "Warum bin ich da nicht drauf gekommen?"
3. Der Schädel: Peter und Bob finden den Schädel in der Höhle. Gruselig, atmosphärisch und der perfekte Cliffhanger für die Kassetten-Seite A.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Dass ausgerechnet Sams Boot auf der falschen Insel strandet und sie zufällig Chris treffen, ist schon ein Drehbuch-Zufall der Marke "Lotto-Gewinn". Und Faradays Plan, jahrelang (!) ein Gespenst zu spielen, nur um auf seine Kumpels aus dem Knast zu warten? Das nenne ich mal Hingabe (oder Wahnsinn). Aber hey, wir sind hier bei den drei ???, da drücken wir beide Augen zu!

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist ein absoluter Klassiker der 'Crime-Era'. Sie stammt aus dem Jahr 1980 (Buchvorlage 1966/1973) und markiert eine Phase, in der die Fälle etwas "erwachsener" und bedrohlicher wurden.
Interessant: Es ist eine der wenigen Folgen, in denen Peters Vater (Mr. Shaw) eine aktive Rolle spielt und sogar Text hat! Normalerweise wird er ja nur erwähnt, wenn er Peter das Auto leiht oder für Special Effects zuständig ist. Dass die Jungs hier "quer über den Kontinent" fliegen, ist auch selten – meistens spielt alles im Dunstkreis von Los Angeles.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es richtig prominent!
Lutz Mackensy (Chris Marcos): Leute, haltet euch fest. Das ist niemand geringeres als die spätere Stimme von Doc Brown (Zurück in die Zukunft) und Rowan Atkinson (Mr. Bean)! Und für uns Hörspiel-Nerds noch wichtiger: Er wurde später der Erzähler der "Fünf Freunde"! Ihn hier als jungen griechischen Taucher zu hören, ist pures Gold.
Gernot Endemann (Sam Robinson): Der Fahrer am Anfang. Wer kennt ihn nicht? Das ist Schorsch aus der Sesamstraße! Außerdem war er Major Hoffmann bei Commander Perkins. Eine absolute Legende, die uns leider 2020 verlassen hat.
Ernst von Klipstein (Tom Faraday): Eine markante Stimme der alten Garde. Er war Synchronsprecher für Stars wie Gary Cooper und Rex Harrison. Seine sonore Stimme verleiht Faraday genau die richtige Autorität und Bedrohlichkeit.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Ein spannender Fakt für die Besserwisser unter euch: Im Originalbuch von Robert Arthur spielt die Geschichte in den Florida Keys. Das macht auch viel mehr Sinn, denn spanische Goldgaleonen haben sich eher selten an die kalifornische Küste verirrt. Im Hörspiel wird das (wie so oft) etwas schwammig gehalten, aber der "Flug über den Kontinent" deutet darauf hin, dass wir uns an der Ostküste befinden (Atlantik).
Die Hörspielbearbeitung von H.G. Francis ist hier extrem effizient: Sie strafft die Handlung perfekt, ohne die Atmosphäre zu killen. Produziert wurde das Ganze in der goldenen Ära von Heikedine Körting – man hört förmlich die Liebe zum Detail bei den Geräuschen.


FAN-SERVICE-CHECK


Visitenkarte: Wird natürlich übergeben (auch wenn Justus krank ist).
Justus' Besserwisserei: Check. Er korrigiert sogar krank noch alle.
Peters Angst: Vorhanden, aber diesmal konstruktiv genutzt.
  • Kirschkuchen: Leider Fehlanzeige, Tante Mathilda ist weit weg. Dafür gibt es griechische Gastfreundschaft!

FAZIT & EMPFEHLUNG


"... und die Geisterinsel" ist ein Must-Hear für jeden Fan. Sie hat alles: Grusel, Action, Rätsel und eine Prise Humor. Besonders die ungewohnte Rollenverteilung (Justus passiv, Peter aktiv) macht sie frisch und hörenswert. Wer diese Folge nicht kennt, hat die drei ??? nie geliebt!

Ranking: Ganz weit oben in der Top 20 der Klassiker.

Wusstest du schon?

Dies ist eine der wenigen Folgen, in denen Justus Jonas krankheitsbedingt nicht an den physischen Ermittlungen teilnehmen kann.
Der Originaltitel 'The Secret of Skeleton Island' bezieht sich auf den englischen Namen der Insel, der im Deutschen zu 'Geisterinsel' wurde.
Im Buch spielt die Geschichte in Florida (wegen der Piratenvergangenheit plausibler), im Hörspiel wird der Ort weniger spezifisch an der Atlantikküste verortet.
Cover
Bewertung
8
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8 von 10 verbrauchte Taschentücher
Das Rätsel
Eine wunderbare Mischung aus klassischem Piratenschatz-Abenteuer und modernem Kriminalfall (Bankraub). Dass das 'verrottete' Papiergeld der Schlüssel zur Lösung ist und nicht das Gold, ist ein cleverer Twist. Die Hinweise werden fair gestreut.
Plot & Logik
Die Handlung ist schlüssig konstruiert. Faradays Plan, die Insel durch Spukgeschichten menschenleer zu halten, bis seine Komplizen aus dem Gefängnis kommen, macht Sinn. Einzig dass Justus quasi den gesamten Fall löst, ohne das Hotelzimmer zu verlassen, ist eine fast schon sherlock-holmes-artige Überhöhung seiner Fähigkeiten.
Kapitel
1 Unerwarteter Empfang 0:00 min
2 Das Gespenst tritt auf 6:07 min
3 Endlich auf der Geisterinsel 11:34 min
4 Ein Totenschädel spricht 14:41 min
5 Der erste Fund 21:44 min
6 Die Katastrophe 28:46 min
7 Eine aufregende Entdeckung 33:25 min
8 Rettung in letzter Minute 39:00 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert als 'Lehnstuhl-Detektiv'. Seine Erkältung zwingt ihn zur körperlichen Passivität, was seine geistige Arbeit noch stärker betont. Sein Plan mit dem 'Goldfieber-Film' ist genial manipulativ.
P
Peter Shaw
Der heimliche Held der Folge. Er übernimmt die Führung bei den Tauchgängen, zeigt großen Mut in der Konfrontation mit Faraday und fungiert als Bindeglied zwischen Justus und der Außenwelt.
B
Bob Andrews
Ist ein solider Partner an Peters Seite beim Tauchen und Recherchieren, steht aber in dieser Folge etwas im Schatten der Dynamik zwischen dem kranken Justus und dem aktiven Peter.

Sprecher

Verwandte Folgen

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