Zusammenfassung

Justus, Peter und Bob begleiten Mr. Andrews zu einer Demonstration gegen eine neue Ölplattform am 'Riff der Haie' vor Santa Barbara. Dort lernen sie den Schriftsteller und Aktivisten John Crowe kennen, der ein Problem mit seinem Boot 'Windrose' hat: Trotz intaktem Tank und Motor reicht der Treibstoff nie für die geplante Zeit. Justus wittert sofort einen Fall.

Zunächst verdächtigen die Detektive Sabotage durch die Ölgesellschaft, vertreten durch den aggressiven Mr. MacGruder. Doch Justus kombiniert anhand des Logbuchs, dass das Boot nicht Treibstoff verliert, sondern mehr verbraucht, weil es eine unbekannte Last zieht. Ein Tauchgang von Peter im Hafen bleibt ergebnislos, doch auf offener See entdecken sie schließlich die Ursache: Ein bemanntes Mini-U-Boot, ein sogenannter 'Haifänger', klinkt sich heimlich an die 'Windrose' an, um sich zur Plattform schleppen zu lassen.

Ein aufziehender Hurrikan zwingt die 'Windrose' und die drei ???, auf der verhassten Ölplattform Schutz zu suchen. Dort sehen sie im Sturm ein altes, verrostetes U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg, das durch die Wellen freigelegt wurde. Es stellt sich heraus, dass der mysteriöse 'Trittbrettfahrer' nach diesem Wrack gesucht hat. Taucher bergen eine Kassette mit einem Logbuch und einem Ring.

Zurück an Land überschlagen sich die Ereignisse. Der japanische Gärtner von Mr. Crowe, Torao, entpuppt sich als der rechtmäßige Enkel des U-Boot-Kommandanten Yamura. Der reiche Geschäftsmann, der sich aktuell als Yamura ausgibt, ist in Wahrheit der Betrüger Hideo Gonda, der im Krieg die Identität gestohlen hat. Gonda und die skrupellosen Connors-Brüder jagen Justus und Peter in einen Canyon, um die Beweise zu vernichten. Justus legt ein Feuer und gibt Rauchzeichen, die Bobs Namen morsen, um ihre Position zu verraten. Crowe und die Polizei, die Bob bereits befreit haben, können die Verbrecher überwältigen. Justus präsentiert den entscheidenden Beweisring, den er dreist an seiner eigenen Hand versteckt hatte.

Review

Öl, Kirschkuchen und ein U-Boot-Anhalter: Warum Folge 30 nasser ist als Peters Tränen
Ein Boot, das Sprit frisst? Ein U-Boot, das per Anhalter fährt? In 'Riff der Haie' laufen Justus, Peter und Bob zur Hochform auf – inklusive dem coolsten Ring-Trick der Detektivgeschichte!

Moin liebe Detektiv-Kollegen und willkommen zurück in der Zentrale!

Heute widmen wir uns einem absoluten Klassiker, der so ziemlich alles bietet, was das 80er-Jahre-Herz begehrt: Böse Ölkonzerne, heldenhafte Umweltschützer, ein Unwetter biblischen Ausmaßes und... Kirschkuchen? Äh, ich meine natürlich: Ein japanisches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg. Ja, ihr habt richtig gehört. Wir besprechen Folge 30: „...und das Riff der Haie“.

Schnappt euch eine Schwimmweste und setzt den Südwester auf, es wird nass!

ERSTER EINDRUCK


Das Cover von Aiga Rasch ist ikonisch: Diese bedrohliche Haiflosse vor der Bohrinsel – das schreit förmlich nach „Der weiße Hai“ trifft „Deepwater Horizon“. Man erwartet einen düsteren Öko-Thriller, bekommt aber am Ende eine wilde Mischung aus Das Boot und Ein Fall für TKKG (nur in gut). Die Atmosphäre ist von Anfang an dicht: Möwengeschrei, Wellenrauschen und diese herrliche Synthie-Musik der frühen 80er. Man schmeckt förmlich das Salzwasser.

DIE STORY


Bobs Vater (ja, er existiert und spricht!) nimmt die drei ??? mit zu einer Demo gegen eine Ölbohrplattform vor Santa Barbara. Dort treffen sie den Krimi-Autor und Aktivisten John Crowe. Dessen Problem: Sein Boot, die „Windrose“, säuft Sprit wie ein Loch, obwohl der Tank dicht ist. Justus „Der menschliche Rechenschieber“ Jonas wittert sofort: Das ist kein Leck, das ist Physik!

Was als Sabotage-Fall beginnt, eskaliert völlig, als ein Hurrikan aufzieht (in Kalifornien? Egal, Dramaturgie!). Die Jungs stranden auf der verhassten Bohrinsel und beobachten, wie der Sturm ein uraltes U-Boot freispült. Plötzlich geht es nicht mehr um Öl, sondern um gestohlene Identitäten, einen Diamantring und ein Mini-U-Boot, das per Anhalter durch die Galaxis... äh, den Ozean fährt.

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster Detektiv ist hier in Hochform. Erst löst er das Rätsel um den Spritverbrauch mit reiner Logik (Last statt Leck!), dann beweist er im Finale Nerven aus Stahlseil. Der Moment, als er den Beweis-Ring einfach an seinem eigenen Finger trägt und die Gangster ihn deshalb nicht finden? Das ist der vielleicht coolste „Hidden in Plain Sight“-Moment der Seriengeschichte! Dazu noch die Nummer mit den Rauchzeichen, die Bobs Namen morsen – Pfadfinder-Ehrenwort, das war genial.

Peter: Der arme Kerl. Erst wird er von Bob als „Junior Captain“ gedisst (ein Highlight!), dann muss er natürlich wieder tauchen. Peters Schicksal in dieser Serie ist es einfach, immer nass zu werden oder irgendwo hochzuklettern. Aber er macht es ohne das übliche „Ich hab Schiss“-Gezeter, sondern packt richtig an. Ein echter Action-Peter.

Bob: Endlich mal im Rampenlicht! Er darf nicht nur das Archiv hüten, sondern ist das Bindeglied zu den Erwachsenen (seinem Vater und Mr. Crowe). Dass er zwischendurch gefangen genommen wird, gehört zum Berufsrisiko, aber wie er die Polizei alarmiert, rettet am Ende den Tag.

DIE GEGENSPIELER


Die Bösewichte sind hier fast schon Bond-Niveau. Da haben wir Mr. MacGruder, den Öl-Manager, der so herrlich unsympathisch ist, dass man ihm wünscht, er rutscht auf seinem eigenen Rohöl aus.

Und dann das Duo Infernale um den falschen Yamura (alias Hideo Gonda). Die Story um den Identitätsdiebstahl im Krieg ist für ein Jugendhörspiel erstaunlich deep. Dass der „Gärtner“ Torao der eigentliche Erbe ist, ist zwar ein klassischer Trope, aber gut umgesetzt.

BESTE MOMENTE


1. Der „Junior Captain“: Peter will das Kommando auf dem Boot übernehmen und Bob bügelt ihn trocken mit „Aye, aye, Junior Captain!“ ab. Ich habe laut gelacht. Der Sarkasmus sitzt.
2. Die Auflösung des Sprit-Rätsels: Die Idee, dass sich ein Mini-U-Boot („Der Haifänger“) magnetisch an den Rumpf heftet und mitschleppen lässt, ist so herrlich James Bond, dass man physikalische Bedenken einfach über Bord wirft.
3. Der Sturm: Die Soundkulisse auf der Bohrinsel, wenn die Wellen gegen den Stahl krachen – Europa-Studio-Magie pur!

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Zufall, dass genau in dem Moment, als die drei ??? auf der Bohrinsel sind, ein Sturm genau das U-Boot freilegt, nach dem der Bösewicht seit 40 Jahren sucht... das ist schon sehr konstruiert. Justus würde sagen: „Eine statistische Unmöglichkeit, Peter!“ Aber hey, ohne diesen Zufall gäbe es die zweite Hälfte der Folge nicht.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge markiert das Ende einer Ära: Es war ursprünglich die letzte Folge, die noch auf Vinyl (Schallplatte) erschien, bevor die Kassette die Weltherrschaft übernahm (zumindest vorübergehend).

Inhaltlich ist es eine typische William Arden-Folge: Actionreich, draußen in der Natur, technisch versiert. Arden (der auch Der Teufelsberg und Das Bergmonster schrieb) liebte es, die Jungs aus der Zentrale rauszuholen.

Interessant: Die Story basiert lose auf der echten Ölpest von Santa Barbara 1969, die damals die moderne Umweltbewegung in den USA massiv befeuerte. Dass die drei ??? hier so politisch werden, ist selten!


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier fährt Europa schwere Geschütze auf:
Henry Kielmann (John Crowe): Eine Legende! Viele kennen ihn als die Stimme von Jerry Cotton in den gleichnamigen Hörspielen. Er hat dieses rauchige, autoritäre Timbre, dem man sofort vertraut.
Joachim Richert (Mr. Andrews): Bobs Vater hat hier seinen großen Auftritt. Richert war nicht nur oft als Polizist im Tatort zu sehen, sondern ist auch die Synchronstimme von Rick in der ARD-Synchro von Magnum! Ein cooler Typ also.
Karl Walter Diess (Captain Jason): Seine markante, fast aristokratische Stimme kennt man als Bösewicht aus diversen TKKG-Folgen oder als Dr. Schübel aus der Schwarzwaldklinik. Hier darf er mal den rauen Seebären geben.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch erschien 1979 in den USA (The Secret of Shark Reef*), das Hörspiel 1982 in Deutschland. Im Buch ist einiges anders: Es gibt eine Szene, in der Justus eine „Stimme aus der Mülltonne“ hört (leider gestrichen!), und der Tauchgang von Peter zum U-Boot wird viel detaillierter beschrieben. Auch der Hurrikan wütet im Buch noch heftiger. Aber H.G. Francis hat hier beim Skripten gute Arbeit geleistet und das Tempo für das Hörspiel deutlich angezogen.


FAN-SERVICE-CHECK


✅ Bobs Vater taucht auf (seltenes Pokémon!)
✅ Justus glänzt mit unnützem Wissen über Physik
✅ Peter wird nass
✅ Die Visitenkarte wird überreicht
❌ Kein Tante Mathilda Kirschkuchen (Schade!)

FAZIT & EMPFEHLUNG


„...und das Riff der Haie“ ist ein unterschätztes Juwel. Sie wird oft vergessen, wenn man über die „ganz großen Klassiker“ spricht, dabei hat sie alles: Ein cleveres „Locked Room“-Rätsel (nur eben auf einem Boot), Action, Atmosphäre und einen Justus in Bestform. Wer maritime Abenteuer mag und kein Problem damit hat, dass die Logik manchmal etwas Seemannsgarn spinnt, ist hier goldrichtig.

Ein Muss für jeden Fan der klassischen Ära!

Wusstest du schon?

Der Autor William Arden (Dennis Lynds) war bekannt für seine komplexen Plots; hier verknüpft er geschickt ein 'Locked Room Puzzle' auf einem Boot mit einer historischen Schatzsuche.
Die Thematik der Ölproteste vor Santa Barbara basiert auf realen Ereignissen, insbesondere der verheerenden Ölpest von 1969 in genau dieser Region.
Der Sprecher von John Crowe, Henry Kielmann, ist in der Serie auch als Stimme von Mr. Fentglock (der Auktionator) bekannt.
Cover
Bewertung
8
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8.5 von 10 rostigen U-Boot-Luken
Das Rätsel
Das physikalische Rätsel um den Kraftstoffverbrauch (Last statt Leck) ist klassische Detektivarbeit und hervorragend hergeleitet. Die Verbindung zum Weltkriegs-U-Boot wirkt zwar etwas abenteuerlich konstruiert, liefert aber ein starkes Motiv für den 'blinden Passagier'.
Plot & Logik
Die Idee, dass sich ein Mini-U-Boot magnetisch an ein fahrendes Schiff hängt, ist clever, wenn auch physikalisch gewagt. Dass Justus den Ring am Ende einfach am Finger trägt und die Gangster ihn übersehen, ist ein herrlich frecher, wenn auch riskanter Bluff.
Kapitel
1 Rätselhafter Schwund 0:00 min
2 Ein Schnüffler 4:48 min
3 Justus weiß eine Erklärung 9:38 min
4 Peter hat es erfasst 16:03 min
5 Der Haifänger 20:51 min
6 Das Ungetüm aus dem Meer 25:48 min
7 Das Riff der Haie und sein Geheimnis 32:09 min
8 Qualm und List 38:14 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert mit purer Logik beim Treibstoff-Problem und zeigt am Ende Nervenstärke mit dem Ring-Trick. Seine Rauchzeichen-Aktion beweist Improvisationstalent.
P
Peter Shaw
Ist der Mann fürs Grobe: Er taucht im Hafen, klettert auf der Bohrinsel und ist der physische Part des Teams. Seine Skepsis gegenüber Justus' Theorien erdet die Handlung.
B
Bob Andrews
Übernimmt die Kommunikation mit seinem Vater und Crowe. Er wird zwar zwischenzeitlich gefangen genommen, ist aber entscheidend für die Rettung durch die Polizei.

Sprecher

Verwandte Folgen

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