Zusammenfassung

Die Folge beginnt ohne einen klassischen Fall. Stattdessen hören wir eine Collage, in der sich die drei Detektive mehrfach vorstellen – unter anderem gegenüber Allie Jamison, deren Stimme aus einem früheren Abenteuer eingespielt wird ('Ihr seid also die drei Detektive?'). Justus, Peter und Bob präsentieren ihre Visitenkarte und erklären die Bedeutung der drei Fragezeichen als Symbol für das Unbekannte.

Im weiteren Verlauf entwickelt sich eine lose Szenenfolge, die als Überleitung zwischen Musikstücken dient. In einem surrealen Moment erhält Justus einen Anruf von Alfred Hitchcock, der von 'Gnomen' berichtet. Justus reagiert verwirrt, scheint aber parallel in Gedanken bei einem Banküberfall und 30 Millionen Dollar Beute zu sein, über die man 'am besten Gras drüber wachsen' lassen sollte. Bob recherchiert daraufhin pflichtbewusst im Archiv und liefert eine Definition: 'Gnome sind zwergenhafte Geschöpfe, die der Sage nach im Erdinnern leben.'

Der Höhepunkt der 'Handlung' ist eine musikalische Darbietung der Detektive selbst. Justus Jonas ergreift das Mikrofon und performt einen rhythmischen Sprechgesang über die Arbeit des Trios: 'Fragen, Fragen, nichts als Fragen liegen leider schwer im Magen.' Er stellt dabei sich und seine Kollegen vor ('Justus Jonas, Chef des Ganzen, er klebt in alle Ecken seine Wanzen'), während Peter und Bob im Hintergrund den Refrain bestreiten. Die Episode endet nicht mit einer Aufklärung, da es kein Verbrechen gab, sondern bleibt eine musikalische Selbstdarstellung.

Review

Justus Jonas am Mic & Hitchcock auf Speed: Der Kult um Folge 29
Was passiert, wenn Justus Jonas rappt, Hitchcock wegen Gnomen anruft und die Story völlig egal ist? Richtig, wir hören Folge 29! Ein psychedelischer Trip in die Musik-Geschichte der drei ???.

Freunde der gepflegten Kassettenunterhaltung, schnallt euch an! Heute besprechen wir keine normale Folge. Wir besprechen DEN Mythos. Das Einhorn unter den Hörspielen. Die Folge, die eigentlich gar keine ist, sondern ein psychedelischer Fiebertraum aus Synthesizer-Klängen und absurden Sketchen. Legt die Beine hoch, schiebt euch ein Stück Kirschkuchen rein und dreht den Lautstärkeregler auf 11. Wir tauchen ein in Folge 29: "Die Originalmusik".

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr das Gefühl, wenn man mitten in der Nacht aufwacht, das Radio läuft noch, und man weiß nicht, ob man träumt oder wach ist? Genau so fühlt sich diese Folge an. Man drückt auf Play und erwartet den nächsten Fall, vielleicht einen schreienden Wecker oder einen tanzenden Teufel. Stattdessen bekommt man... nun ja, eine Party in der Zentrale? Eine Werbeveranstaltung für Carsten Bohn? Einen dadaistischen Kunstfilm für die Ohren? Mein erster Gedanke beim Wiederhören der alten MC (ja, ich habe das Original, neidet mir meinen Besitz!): "Haben die beim Schreiben am Klebstoff geschnüffelt?" Aber im absolut besten Sinne! Es ist groovy, es ist weird, und es versprüht so viel 80er-Jahre-Charme, dass mir fast Schulterpolster wachsen.

DIE STORY


Story? Welche Story?! Hahaha! Justus-Lache
Okay, versuchen wir es ernsthaft: Es gibt keine Handlung im klassischen Sinne. H.G. Francis, der Mann, der uns sonst Grusel und Spannung liefert, hat hier offensichtlich Urlaub gemacht und einfach ein paar Szenenschnipsel auf Papier geworfen. Justus, Peter und Bob sitzen in der Zentrale (oder im Studio? Oder in einer anderen Dimension?) und moderieren Musikstücke an. Zwischendurch ruft Alfred Hitchcock an und faselt etwas von Gnomen im Erdinneren. Dann fantasiert Justus über einen Banküberfall mit 30 Millionen Dollar Beute, nur um danach festzustellen, dass man da "Gras drüber wachsen lassen" sollte. Es ist herrlich sinnfrei. Es ist die Seinfeld-Folge der drei ??? – es geht um NICHTS, und das ist großartig. Die "Handlung" ist nur der Klebstoff, der die eigentlichen Stars der Folge zusammenhält: Die Musik-Tracks.

UNSERE HELDEN


Justus Jonas: Unser erster Detektiv hat hier seinen großen Auftritt als Showmaster. Vergessen wir seine analytischen Fähigkeiten, hier zählt nur sein Entertainment-Faktor. Er moderiert, er philosophiert, und – heiliger Schrottplatz – er RAPPT! (Dazu später mehr). Justus wirkt hier weniger wie der besserwisserische Kopf des Trios, sondern mehr wie ein Radio-DJ, der seine eigene Stimme etwas zu sehr liebt.

Peter Shaw: Der arme Peter. In den normalen Folgen darf er wenigstens Dietrich-Sets bedienen oder vor Gespenstern weglaufen. Hier ist er... anwesend. Er darf Justus zustimmen und im Hintergrund den Chor mimen. Kein "Zweiter Detektiv", sondern eher der "Zweite Background-Sänger". Aber er trägt es mit Fassung.

Bob Andrews: Bob rettet wie immer den Tag mit seiner Recherche. Selbst in diesem Quatsch-Szenario bleibt er professionell. Hitchcock fragt nach Gnomen? Bob schlägt nach! "Gnome sind zwergenhafte Geschöpfe..." Danke, Bob! Was würden wir ohne dich und dein Archiv tun? Vermutlich immer noch glauben, Karpatenhunde wären eine Hunderasse.

DIE GEGENSPIELER


Da es kein Verbrechen gibt, gibt es auch keinen Täter. Skinny Norris hat wohl frei. Victor Hugenay poliert seine Gemälde. Aber wenn man genau hinschaut (oder hinhört), gibt es doch einen Gegenspieler: Die Realität. Denn die bricht in Form von Alfred Hitchcock immer wieder in die heile Musik-Welt ein.
Ein weiterer "Gegenspieler" auf Meta-Ebene ist natürlich der Urheberrechtsstreit, der diese Folge später verstümmelt hat. Aber dazu kommen wir noch. In der Handlung selbst ist der einzige Feind die Stille, die mit fetten Beats bekämpft wird.

BESTE MOMENTE


1. Der Justus-Rap: Leute, wir müssen reden. Der Moment, wenn Justus Jonas anfängt, rhythmisch zu sprechen (singen wäre zu viel gesagt), ist Kulturgut. "Justus Jonas, Chef des Ganzen, er klebt in alle Ecken seine Wanzen." Das ist Lyrik! Das ist Flow! Eminem hat Poster von Justus Jonas im Zimmer hängen. Es ist so unfassbar cringe, dass es schon wieder genial ist. Man hört Oliver Rohrbeck den Spaß an, auch wenn er sich heute vielleicht dafür schämt.
2. Der Hitchcock-Anruf: Peter Pasetti als Hitchcock ist in dieser Folge völlig losgelöst. Er klingt nicht wie der strenge Mentor, sondern wie ein verwirrter Opa, der die falsche Nummer gewählt hat. "Gnome!" – Einfach herrlich.
3. Die Musik selbst: Jedes Mal, wenn ein Track wie "Justus Jonas Jump" oder "Perry Rhodan" (ja, die Titel heißen oft anders als die Fans sie nennen) anläuft, bekommt man Gänsehaut. Das ist der Soundtrack unserer Kindheit.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Wer einen spannenden Fall sucht, ist hier falsch. Es ist eine "Clip-Show". Die Dialoge sind teilweise so hölzern, dass man daraus einen neuen Zaun für den Schrottplatz bauen könnte. Und man merkt, dass die Sketche nur Lückenfüller sind. Manchmal wirkt der Übergang von "Gnome im Erdinneren" zu einem funkigen Jazz-Fusion-Track etwas... holprig. Aber hey, das ist Meckern auf hohem Niveau.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist ein absoluter Solitär. Sie passt in keine Chronologie, sie treibt keine Handlung voran. Sie erschien 1982, mitten in der "Golden Era" der Serie (zwischen "Doppelgänger" und "Riff der Haie").

Wichtiges Fan-Wissen:
Allie Jamison: Wir hören ihre Stimme, aber es ist ein Sample aus Folge 25 "Die singende Schlange". Ein früher Beweis für das Recycling-Talent von Europa. Allie taucht später noch oft auf (z.B. in Folge 30 "Riff der Haie" direkt danach), aber hier ist sie nur ein Echo.
Verbindung zur Gruselserie: Viele der Musikstücke, die hier gefeiert werden, kennen wir auch aus der legendären "H.G. Francis Gruselserie" (z.B. bei "Dracula" oder "Frankenstein"). Das Europa-Universum teilte sich damals denselben genialen Soundtrack.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Peter Pasetti (Alfred Hitchcock): Der Großmeister. Pasetti war nicht nur Hitchcock, er war die deutsche Stimme von Orson Welles und Charles Boyer. Seine süffisante Art ist unerreicht. Dass er sich für diesen Quatsch hergegeben hat, zeigt seine Größe.
Die drei ???: Oliver Rohrbeck, Jens Wawrczeck und Andreas Fröhlich waren damals noch blutjung. Man hört diesen jugendlichen Eifer, dieses "Wir machen hier was Cooles"-Gefühl.
Katrin Fröhlich: Die Stimme von Allie Jamison ist die Schwester von Andreas Fröhlich (Bob). Sie wurde später eine der bekanntesten Synchronsprecherinnen Deutschlands (Stimme von Cameron Diaz, Gwyneth Paltrow). Hier hören wir sie quasi in ihren Anfängen – wenn auch nur als Konserve.

PRODUKTIONS-HISTORIE (DER ELEFANT IM RAUM)


Jetzt wird es ernst, Freunde. Diese Folge ist das Zentrum des "Carsten-Bohn-Rechtsstreits".

Die Erstauflage (1982): Enthielt die genialen Kompositionen von Carsten Bohn (auf dem Cover oft als "Bert Brac" getarnt). Diese Musik prägte die Atmosphäre der Folgen 1-39 maßgeblich.
Der Streit: Carsten Bohn klagte später gegen das Label Europa wegen Tantiemen. Er gewann. Die Konsequenz: Europa durfte die Musik nicht mehr verwenden.
Die Neuauflage (1996): Die Folge wurde neu veröffentlicht, aber mit komplett neuer Musik. Das ist so, als würde man die Mona Lisa neu malen, aber mit Wachsmalkreide. Der Titel "Die Originalmusik" wurde dadurch zur absoluten Farce, denn es war eben NICHT mehr die Originalmusik. Auch die Sketche wurden teils neu unterlegt oder geändert. Der "Justus Rap" in der Neuauflage ist ein Techno-Remix, der zwar auch irgendwie witzig, aber nicht das Original ist.

  • Status: Die alte MC oder LP von 1982 ist heute ein gesuchtes Sammlerstück und wird teuer gehandelt. Wer sie hat: Hütet sie wie den Superpapagei!

FAN-SERVICE-CHECK


Die ganze Folge ist purer Fan-Service. Sie bricht die vierte Wand, die Detektive stellen sich den Hörern vor, erklären das Fragezeichen-Symbol. Es ist ein Liebesbrief an die Fans der ersten Stunde. Besonders schön: Die Erwähnung von Allie Jamison als "die, die uns immer nervt". Das spricht uns allen aus der Seele.

FAZIT & EMPFEHLUNG


Folge 29 "Die Originalmusik" (in der 1982er Version!) ist ein Kult-Objekt. Man kann sie nicht als normales Hörspiel bewerten. Sie ist ein Zeitdokument, ein Soundtrack-Album mit Moderation.

Für Neueinsteiger ist sie absolut verwirrend und vermutlich langweilig. Für Hardcore-Fans und Nostalgiker ist sie der Heilige Gral. Wer den Sound der 80er liebt, wer wissen will, warum wir alten Fans immer von der "Bohn-Musik" schwärmen, der MUSS diese Folge hören. Aber bitte, tut euch den Gefallen und sucht nach der alten Version. Die Neuauflage ist nur ein Schatten ihrer selbst.

Ranking: Außer Konkurrenz. Aber im Herzen eine glatte 10 für den Vibe.

Wusstest du schon?

Diese Folge (die sogenannte 'Erstauflage') enthält die Originalmusik von Carsten Bohn. Aufgrund eines Rechtsstreits wurde die Folge später mit neuer Musik und neuem Cover als 'Folge 29: Die Originalmusik (Neuauflage)' wiederveröffentlicht, was den Charakter der Folge komplett veränderte.
Der 'Rap' von Justus Jonas basiert auf dem Musiktitel 'Justus Jonas Jump'.
Die Stimme von Allie Jamison ist ein Sample aus Folge 25 'Die singende Schlange'.
Cover
Bewertung
7
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7 von 10 tanzenden Gnomen
Das Rätsel
Es gibt kein Rätsel im eigentlichen Sinne. Das 'Mysterium' ist hier eher meta-ebener Natur: Warum ruft Hitchcock wegen Gnomen an? Die Folge ist ein reines Vehikel für die (großartige) Hintergrundmusik.
Plot & Logik
Die Handlung folgt keiner Logik, sondern Traum-Gesetzen. Justus' Monolog über den Bankraub und das 'Gras drüber wachsen lassen' ist herrlich absurd und dient nur als Rampe für den nächsten Musiktitel. Man darf hier keine Kausalität erwarten.
Kapitel
1 Titelsong 0:00 min
2 Der heimliche Hehler 3:09 min
3 Tatort Zirkus 6:14 min
4 Geisterinsel 9:00 min
5 Musikpiraten 10:56 min
6 Schüsse aus dem Dunkel 14:19 min
7 Drei ??? Rap 17:40 min
8 Der riskante Ritt 23:15 min
9 Der lachende Schatten 27:21 min
10 Stimmen aus dem Nichts 29:36 min
11 Die verschwundene Seglerin 35:15 min
12 Die bedrohte Ranch 38:38 min
13 Diamantenschmuggel 41:28 min
14 Titelsong 44:55 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Zeigt sich von seiner musikalischen Seite. Sein 'Rap' (eigentlich eher rhythmisches Sprechen) ist absoluter Kult und zeigt ein für ihn untypisches Show-Talent.
P
Peter Shaw
Wird im Song als 'der ewige Zweifler' vorgestellt, hat aber in den Sketchen wenig Raum zur Entfaltung, außer Justus zuzustimmen.
B
Bob Andrews
Darf selbst in dieser Quatsch-Handlung seinen Job machen: Er recherchiert die Definition von Gnomen. Ein Profi durch und durch.

Sprecher

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