Zusammenfassung

Die drei ??? erhalten einen Brief von Alfred Hitchcock, der sie auf den Fall des Ägyptologen Professor Yarborough aufmerksam macht. In dessen Haus in Hollywood scheint die Mumie Ra-Orkon zu flüstern, sobald der Professor allein im Raum ist. Zudem häufen sich mysteriöse Unfälle, wie eine umstürzende Anubis-Statue und eine herabrollende Steinkugel, die die Detektive beinahe erschlägt. Justus vermutet zunächst einen Trick mit Funkgeräten, doch ein Test schlägt fehl. Um die Mumie zu überlisten, verkleidet sich Justus sogar als Professor Yarborough, um das Flüstern auf Band aufzunehmen – und hat Erfolg: Die Mumie spricht in einem wirren Sprachgemisch.

Während Justus und Bob die Aufnahme analysieren lassen, bewacht Peter das Haus und schnappt den jungen Libyer Hamid. Hamid glaubt, Ra-Orkon sei sein Urahn, was ihm ein Magier namens Sardon eingeredet hat. Plötzlich tauchen zwei Diebe, Harry und Joe, auf und stehlen erst die Mumie und später den leeren Sarkophag. In einer brenzligen Situation verstecken sich Peter und Hamid im Sarkophag und werden auf den Laster der Diebe verladen.

Justus und Bob nehmen die Verfolgung auf, verlieren den Laster aber an einem Bahnübergang. Durch Justus' Kombinationsgabe finden sie das Ziel dennoch: Eine Garage, die Yarboroughs Nachbar, Professor Freeman, gehört. Dort kommt es zum Showdown. Die Jungen überwältigen Freeman, der im Sarkophag nach einem Geheimfach sucht. Justus entlarvt ihn: Freeman nutzte ein Richtmegafon, um die Mumie flüstern zu lassen und Yarborough in den Wahnsinn zu treiben. Sein Ziel waren wertvolle Diamanten, die im Sarkophag versteckt waren. Freeman hatte sich zudem als Magier Sardon verkleidet, um Hamid und dessen Diener für den Diebstahl zu instrumentalisieren.

Review

Mein Kuckuck schielt! Warum die flüsternde Mumie auch nach 40 Jahren noch rockt
Eine flüsternde Mumie, Justus mit angeklebtem Bart und Peter als blinder Passagier im Sarkophag. Folge 10 ist ein wilder Ritt durch die 'Golden Era' – inklusive Logiklöchern, die so groß sind wie die Pyramiden!

ERSTER EINDRUCK


Leute, holt die Taschenlampen raus und versteckt euch unter der Bettdecke – wir reisen zurück ins Jahr 1980! "...und die flüsternde Mumie" ist für mich der Inbegriff des "Classic Three Investigators"-Feelings. Schon das Cover von Aiga Rasch mit diesem herrlich grimmigen Mumienkopf (der aussieht, als hätte er gerade seine Steuererklärung bekommen) schreit förmlich: "Klassiker!" Wenn man die Kassette einlegt (oder den Stream startet, ihr Jungspunde), riecht es förmlich nach staubigen Bibliotheken, kalifornischer Wüstensonne und Oliver Rohrbecks Stimmbruch. Es ist diese Art von Folge, bei der man genau weiß: Gleich wird’s gruselig, aber am Ende gibt’s Kirschkuchen.

DIE STORY


Professor Yarborough, ein Ägyptologe wie er im Buche steht (zerstreut, alt, lebt in einem Haus voller Artefakte), hat ein Problem: Seine Mumie Ra-Orkon flüstert. Aber nur, wenn der Professor allein ist. Justus, Peter und Bob wittern natürlich sofort einen faulen Zauber. Was als Spukgeschichte beginnt, entwickelt sich zu einer wilden Hatz. Es gibt Anschläge mit umstürzenden Anubis-Statuen, rollenden Steinkugeln (Indiana Jones lässt grüßen!) und schließlich wird die Mumie samt Sarkophag gestohlen. Der Clou: Peter hockt im Sarkophag. Was folgt, ist eine der legendärsten Verfolgungsjagden der frühen Ära, die in einer Garage endet, in der ein "Zauberer" entlarvt wird.

UNSERE HELDEN


Justus Jonas: Unser erster Detektiv ist hier in absoluter Bestform und liefert einen meiner All-Time-Favorite-Momente: Er verkleidet sich als Professor Yarborough! Inklusive angeklebtem Bart! Dass ein dicker Teenager einem alten Mann täuschend ähnlich sehen soll, nur weil er einen Bart trägt, ist diese herrliche Drei-Fragezeichen-Logik, die wir so lieben. Außerdem hält er seinen legendären Visitenkarten-Vortrag ("Wir übernehmen jeden Fall...") mit einer Inbrunst, dass man salutieren möchte.

Peter Shaw: Der arme Kerl. Ernsthaft. Peter ist in dieser Folge der absolute MVP (Most Valuable Peter). Erst fängt er den jungen Hamid mit einem astreinen Sportler-Tackle, dann muss er sich in einen Jahrtausende alten Sarg quetschen und wird entführt. Sein Spruch, als er völlig durchgeschüttelt aus dem Sarkophag klettert – "Mein Kuckuck schielt!" – gehört in die Hall of Fame der besten Peter-Zitate aller Zeiten.

Bob Andrews: Unser Archivar wirkt hier fast etwas blass neben Justus' Verkleidungskünsten und Peters Stunt-Einlagen. Aber ohne Bob und seine kühle Logik bei der Verfolgung des Lasters wären die anderen beiden wohl immer noch in der Wüste. Solide Arbeit, Kollege!

DIE GEGENSPIELER


Professor Freeman (alias der Magier Sardon) ist ein Bösewicht der alten Schule. Sein Plan ist so herrlich kompliziert, dass man ihn einfach lieben muss. Anstatt einfach einzubrechen, reist er nach Libyen, sucht einen Jungen (Hamid), redet dem ein, er sei der Nachfahre der Mumie, und bringt ihn dazu, den Diebstahl zu begehen. Warum einfach, wenn es auch umständlich geht? Freeman ist der Typ Bösewicht, der vermutlich auch eine Rube-Goldberg-Maschine baut, um sich morgens den Toast zu schmieren.

BESTE MOMENTE


1. Die Verkleidung: Justus als Professor Yarborough. Kopfkino pur!
2. Der Katzen-Trick: Justus entlarvt den Spuk, indem er die Pfoten der Katze mit Ruß (oder Farbe?) beschmiert, um zu sehen, wo sie langläuft. Simpel, aber genial.
3. Die Steinkugel: Der Moment, als die riesige Kugel die Kellertreppe hinunterdonnert, ist im Hörspiel soundtechnisch grandios gelöst. Man duckt sich beim Zuhören fast weg.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Die Logik des Plans ist... löchrig wie ein Schweizer Käse. Freeman wohnt NEBENAN. Er hätte tausend Möglichkeiten gehabt, an den Sarkophag zu kommen, ohne eine internationale Verschwörung mit einem libyschen Jungen anzuzetteln. Und dass Hamid und sein Begleiter Achmed hier ziemliche Stereotypen bedienen, muss man wohl der Entstehungszeit in den 60ern (Buch) bzw. 80ern (Hörspiel) zuschreiben. Das würde man heute sicher anders schreiben.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist ein absoluter Grundpfeiler der "Golden Era". Sie etabliert das Muster "Übernatürliches Phänomen -> Logische (technische) Auflösung". Interessant für Kontinuitäts-Nerds: Hier taucht Patrick auf! Gesprochen von Wolfgang Kubach. In den Büchern gibt es ja Kenneth und Patrick, die irischen Brüder. Im Hörspiel wurden die beiden oft munter durcheinandergewürfelt oder zu einer Person verschmolzen. Hier wird er explizit als Patrick geführt, obwohl er in späteren Folgen auch mal Kenneths Aufgaben übernimmt. Ein schönes Beispiel für die frühe "Wir machen das einfach mal so"-Mentalität von Europa.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es richtig prominent!
- Professor Yarborough wird von Karl Walter Diess gesprochen. Den kennen viele von euch als den fiesen Dr. Schäfer aus der Schwarzwaldklinik oder als Synchronstimme von Christopher Lee (manchmal). Seine Stimme hat dieses wunderbar Arrogant-Intellektuelle.
- Wilkins, der Butler, ist niemand Geringeres als Ulrich Matschoss. Ein Schwergewicht des deutschen Fernsehens (Tatort), der hier den besorgten Diener perfekt gibt.
- Und jetzt der Insider-Hammer: Hamid wird von Alexander Körting gesprochen. Klingelt's? Genau! Das ist der Sohn von Regie-Legende Heikedine Körting und Andreas Beurmann. Damals ein kleiner Junge, heute eine nette Anekdote für den Fan-Stammtisch.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch stammt von Robert Arthur selbst, dem Schöpfer der Serie, und erschien in den USA schon 1965. Im Hörspiel (1980) fehlen ein paar Dinge: Im Buch gibt es eine Nebenhandlung, in der Peter eine entlaufene Katze namens Sphinx sucht (für eine Mrs. Banfry). Das erklärt auch, warum im Hörspiel plötzlich so viel Wert auf die Katze gelegt wird, die durchs Fenster kommt – im Buch ist das viel stärker verknüpft.
Noch ein schmerzlicher Verlust: Im Buch taucht Skinny Norris auf und macht den Jungs das Leben schwer! Im Hörspiel wurde er leider rausgestrichen. Dafür haben wir im Hörspiel das "Richtmegafon" als Erklärung für das Flüstern, während es im Buch eher eine Art Bauchredner-Trick bzw. ein versteckter Lautsprecher ist.
Musikalisch ist die Folge (in der Erstauflage) natürlich ein Fest der Carsten-Bohn-Klänge, die der Atmosphäre diesen unnachahmlichen 80er-Jahre-Drive geben.


FAN-SERVICE-CHECK


- Visitenkarte: Wird natürlich vorgelesen und Justus hält seinen Monolog.
- Schrottplatz: Wir bekommen ein wenig Zentrale-Feeling, auch wenn die Action woanders spielt.
- Telefonlawine: Im Buch wird sie genutzt, um den Laster zu finden. Im Hörspiel kommen sie durch reine Deduktion (und Glück) ans Ziel, aber der Spirit der Detektivarbeit ist da.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"...und die flüsternde Mumie" ist Pflichtprogramm. Ein Evergreen. Sie hat alles: Grusel, Action, Witz und diesen unverwechselbaren Charme der Anfangsjahre. Wer wissen will, warum wir diese Serie auch mit über 40 noch hören, drückt ihm diese Folge in die Hand. Sie ist vielleicht nicht der komplexeste Fall aller Zeiten, aber sie ist wie eine warme Decke an einem verregneten Sonntag.

Prädikat: Absolut kultverdächtig, trotz (oder wegen) des absurden Bösewicht-Plans.

Wusstest du schon?

Der Sprecher des Hamid, Alexander Körting, ist der Sohn der Regisseurin Heikedine Körting.
Justus hält hier seinen berühmten Vortrag über die Bedeutung der drei Fragezeichen ('Symbol für das Unbekannte...').
In der Buchvorlage wird das Flüstern durch einen 'Ziel-Lautsprecher' erklärt, im Hörspiel wird daraus ein 'Richtmegafon'.
Cover
Bewertung
8.5
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8,5 von 10 schielenden Kuckucks
Das Rätsel
Die Idee mit dem 'Richtmegafon' ist technisch zwar etwas abenteuerlich (James-Bond-Gadget lässt grüßen), aber für die damalige Zeit eine originelle und logische Erklärung für das 'übernatürliche' Flüstern. Die Diamanten im Geheimfach sind ein klassisches Motiv, das solide funktioniert.
Plot & Logik
Freemans Plan ist herrlich kompliziert: Statt den Sarkophag einfach zu stehlen, reist er verkleidet als Magier nach Libyen, um Hamid eine Legende einzureden, damit dieser den Diebstahl begeht? Das ist typische Bösewicht-Overkill-Logik, macht die Story aber schön dramatisch.
Kapitel
1 Eine Mumie flüstert 0:00 min
2 Der Fluch des Ra-Orkon 5:49 min
3 Überall lauert Gefahr 10:56 min
4 Eine gelungene Überraschung 17:22 min
5 Gefangen 25:15 min
6 Auf der Flucht 30:53 min
7 Viel zu viele Fragezeichen 36:03 min
8 Erstaunliches kommt an den Tag 42:23 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Der erste Detektiv ist in Hochform. Er verkleidet sich als Professor (inklusive Bart!), hält den berühmten Visitenkarten-Vortrag und durchschaut den Trick mit den gefärbten Katzenpfoten sofort.
P
Peter Shaw
Peter ist hier der Action-Held wider Willen. Er fängt Hamid mit einem Polizeigriff und muss die klaustrophobische Fahrt im Sarkophag überstehen. Sein Spruch 'Mein Kuckuck schielt' ist legendär.
B
Bob Andrews
Bob unterstützt solide bei der Recherche und der Verfolgung, steht aber etwas im Schatten von Justus' Maskerade und Peters Stunt.

Sprecher

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