Zwei Fremde im Warteraum einer Justizvollzugsanstalt. Er will vergeben, sie will anklagen. Doch der Mann hinter den Mauern weigert sich zu erscheinen.
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Über diese Episode
Ein Warteraum. Zwei Menschen. Ein gemeinsames Ziel, das nie erreicht wird.
In der kargen Besucherabteilung einer niedersächsischen Justizvollzugsanstalt begegnen sich Thomas und Sabine. Er, ein Schreinermeister, will vergeben. Sie, eine Verwaltungsangestellte, will anklagen. Beide haben denselben Besuchstermin, für denselben Insassen. Während die Wanduhr tickt und der Getränkeautomat brummt, kommen sie ins Gespräch. Aus höflichem Smalltalk wird ein heftiger Wortwechsel über Schuld, Vergebung und die Würde der Opfer.
Doch dann kommt die Nachricht: Der Mann hinter den Mauern verweigert beide Besuche. Er erscheint nicht. Weder Thomas' mühsam erarbeitete Versöhnung noch Sabines lange vorbereitete Konfrontation können stattfinden. Seine Abwesenheit ist die eigentliche Macht. In diesem Moment begreifen beide: Vergebung und Anklage verlangen dasselbe. Sie brauchen einen Adressaten. Und genau das hat er ihnen verweigert.
"Besuchszeit" ist ein intensives Kammerspiel über die Ohnmacht des Wartens und die Frage, wem wir unsere Worte schulden. Ein deutsches Kurzhörspiel über zwei Menschen, die einander fremd sind und sich doch näher kommen als dem Mann, dessentwegen sie gekommen sind.
Ein Audio-Drama von Nachklang.
Laufzeit: ca. 20 Minuten
Mit:
Erzähler
Stefan (Thomas, der Schreinermeister)
Sabine (die Verwaltungsangestellte)
Beamter (Stimme am Schalter)