Ein pensionierter Kinderarzt folgt einem anonymen Brief zu einer fremden Adresse in Leipzig. Dort wartet eine Frau mit seiner eigenen dreißig Jahre alten Fehldiagnose – und einer Dankbarkeit, die vernichtender ist als jede Anklage.
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Über diese Episode
Ein pensionierter Kinderarzt folgt einem anonymen Brief zu einer fremden Adresse. Die Frau, die ihm öffnet, hat seine dreißig Jahre alte Fehldiagnose mitgebracht. Und eine Dankbarkeit, die vernichtender ist als jede Anklage.
In einer hellen Leipziger Altbauwohnung mit halbvollen Umzugskartons inszeniert dieses deutsche Kammerspiel-Hörspiel eine verstörende Begegnung: Nora liest dem pensionierten Kinderarzt Friedrich aus seiner eigenen Patientenakte vor. Die Diagnose einer Entwicklungsstörung, die er 1994 über die damals Sechsjährige stellte, prägte ihr gesamtes Aufwachsen. Sonderschule, Therapien, das Gefühl, defekt zu sein. Friedrich weiß, was kommt: Er hatte die Diagnose als falsch erkannt und sie nie korrigiert.
Doch dann liest Nora ihm ein zweites Dokument vor. Eine Chronologie ihres Lebenswegs, der sich durch seinen Fehler ergeben hat. Die Sonderschule, in der sie ihre beste Freundin traf. Die Ergotherapie, die zu ihrem Beruf wurde. Die Resilienz, die sie durch das Kämpfen gewann. Es ist ein gutes Leben geworden. Sie ist nicht gekommen, um anzuklagen. Sie ist gekommen, um zu danken.
Ein leises Audio-Drama über die Unmöglichkeit der Vergebung, wenn das Opfer nicht anklagt. Über Schuld, die durch Güte nicht aufgelöst, sondern unerträglich wird. Über einen Fehler, dessen massive Folgen paradoxerweise zu einem guten Leben führten.
Laufzeit: ca. 23 Minuten
Mit:
Erzähler
Friedrich (pensionierter Kinderarzt)
Nora (Ergotherapeutin, ehemalige Patientin)
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