Zusammenfassung

Die drei ??? besuchen Mason Huntington, einen älteren Herrn, der glaubt, von einem mythischen Wesen verfolgt zu werden: dem Mottenmann. Vor 90 Jahren war sein Vater Jacob in Kanada dieser Kreatur begegnet, nachdem er und sein Freund Benjamin ein indianisches Heiligtum entweiht hatten. Nun scheint der Fluch Mason eingeholt zu haben: Auf einem Landschaftsgemälde in seinem Wohnzimmer, das jahrelang leer war, tauchte plötzlich die Figur des Mottenmanns auf, nur um kurz darauf 'herauszusteigen', wobei eine Lampe umfiel und das Fenster geöffnet wurde. Während die Detektive vor Ort sind, hören sie Lärm aus dem Garten. Peter entdeckt tatsächlich eine dunkle Gestalt mit roten Augen und Flügeln, die jedoch über den Zaun zum Nachbargrundstück flieht.

Die Ermittlungen führen die Jungs zur Nachbarin Mrs. Brankel, deren Tochter Xeni gesehen hat, wie der Mottenmann ihren Puppenwagen verbrannte. Bob analysiert einen am Tatort gefundenen Flügel-Fetzen und stellt fest, dass es sich um echtes organisches Material handelt – allerdings in einer unmöglichen Größe. Durch das Studium der Tagebücher von Jacob Huntington erfährt Bob von gestohlenen Obsidianscheiben. Justus und Peter besuchen derweil Franklin Seymour, den Sohn von Jacobs damaligem Freund, der jedoch an Alzheimer leidet und von der Krankenschwester Leanne Shaw betreut wird. Ein Anruf bei Franklins Schwester Annabelle weckt Justus' Misstrauen, da sie über ihren Aufenthaltsort lügt.

Xeni überbringt schließlich eine Erpresserbotschaft des Mottenmanns: Um Mitternacht soll das 'Eigentum' zurückgegeben werden. Da niemand weiß, wo die Beute versteckt ist, beschließt Justus: 'Mission Fälschung.' Sie basteln Attrappen der Obsidianscheiben und versehen den Karton mit einem Peilsender. Bei der Übergabe erscheint der Mottenmann, flieht jedoch in einem Auto, dessen Motorengeräusch Justus bekannt vorkommt.

Die Spur führt direkt zu Leanne Shaw. Sie hatte Franklins wirren Erzählungen von dem Schatz gelauscht und beschlossen, Mason Huntington durch den inszenierten Spuk – inklusive manipuliertem Gemälde und Kostümierung – so sehr zu ängstigen, dass er das Versteck preisgibt. Bob löst schließlich das letzte Rätsel: Die echten Obsidianscheiben waren die ganze Zeit in den Buchdeckeln der Tagebücher versteckt ('Literaturstunde mit Onkel Bob'). Mason Huntington plant, die Artefakte dem Museum zu übergeben, damit sie den Ureinwohnern zurückgegeben werden können.

Review

Wenn Motten das Licht (und Gemälde) suchen: Ein klassischer Grusel-Trip!
Ein Monster steigt aus einem Gemälde und Peter kriegt Schnappatmung? Folge 206 '...und der Mottenmann' bringt klassische Grusel-Vibes zurück nach Rocky Beach. Warum Bob hier der wahre Held ist und was das Ohnsorg-Theater damit zu tun hat, lest ihr im Review!

Moin, liebe Kollegen und willkommen zurück auf dem Schrottplatz!

Hier ist wieder euer Erster Fan-Detektiv, und heute müssen wir mal ganz dringend über Mottenlöcher reden. Aber nicht die in Justus' Sporthemd (obwohl Tante Mathilda da sicher auch ein Wörtchen mitzureden hätte), sondern über ein geflügeltes Ungetüm, das Rocky Beach unsicher macht. Schnappt euch einen Kirschkuchen, lehnt euch zurück und lasst uns über Folge 206 sprechen: ...und der Mottenmann.

ERSTER EINDRUCK


Leute, ganz ehrlich? Als ich das Cover gesehen habe, dachte ich erst: "Huch, hat der Phantom aus dem Park eine Typveränderung gemacht?" Aber nein, wir bewegen uns hier auf herrlich klassischem Terrain. Ein altes Gemälde, ein gruseliges Monster, ein alter Mann in einer Villa – das schreit förmlich nach den guten alten Zeiten à la Karpatenhund oder Lachender Schatten. Mein Fan-Herz hat beim ersten Hören direkt etwas schneller geschlagen (fast so schnell wie Peters, wenn er 'Gespenst!' ruft), denn die Atmosphäre stimmt von der ersten Minute an. Es riecht nach Staub, alten Geheimnissen und einer ordentlichen Portion Grusel.

DIE STORY


Mason Huntington hat ein Problem, das man nicht mit Mottenkugeln lösen kann. In seinem Wohnzimmer hängt ein Landschaftsgemälde, das sich verändert. Plötzlich steht da eine Gestalt drin. Und dann – haltet euch fest – steigt das Ding aus dem Bild! Klingt wie Harry Potter auf einem schlechten Trip, ist aber in Rocky Beach bitterer Ernst. Der sogenannte Mottenmann, eine Legende, die Masons Vater vor Jahrzehnten in Kanada "kennengelernt" hat, ist zurück. Er fordert sein Eigentum. Während Justus noch skeptisch die Augenbraue hochzieht, flattert das Biest auch schon durch den Garten und sorgt dafür, dass Peter seine Sprint-Bestzeiten bricht. Es geht um gestohlene Artefakte, indianische Flüche und ein Erbe, das schwerer wiegt als Justus nach einem All-you-can-eat-Buffet.

UNSERE HELDEN


Justus "Die Walze" Jonas: Unser Oberdetektiv ist hier in Bestform. Er lässt sich von dem ganzen Spuk null beeindrucken und startet sofort die "Mission Fälschung". Besonders gefeiert habe ich den Moment, als er das Fluchtauto des Täters am Motorengeräusch erkennt. Das ist so ein typischer Justus-Moment – der Junge hat wahrscheinlich als Gute-Nacht-Lektüre das "Große Lexikon der Verbrennungsmotoren 1970-2020" gelesen.

Peter "Der Schisser" Shaw: Endlich! Endlich darf Peter mal wieder Recht haben! Er sieht das Monster, er panikt, aber er bleibt dran. In dieser Folge ist er nicht nur der Angsthase vom Dienst, sondern zeigt bei der Verfolgung echten Einsatz. Sein "Das, das, das ist der Mottenmann!"-Gestammel ist jetzt schon Kult.

Bob "Recherche" Andrews: Bob ist der heimliche MVP dieser Folge. Während die anderen draußen rumturnen, wühlt er sich durch Tagebücher und löst den Fall quasi im Alleingang in der Bibliothek. Seine "Literaturstunde mit Onkel Bob" war der Schlüssel zum Erfolg. Ein Hoch auf das Archiv!

DIE GEGENSPIELER


Die Auflösung, dass die Krankenschwester Leanne Shaw (gesprochen von Sandra Keck) hinter dem Spuk steckt, war solide, wenn auch nicht der Schock des Jahrhunderts. Ihr Motiv? Gier. Klassiker. Aber der Plan war herrlich over the top: Ein Gemälde manipulieren, ein Kostüm basteln, Puppenwagen anzünden – für eine Pflegekraft hat sie erstaunlich viel kriminelle Energie und Freizeit. Ein bisschen leid tat mir der verwirrte Franklin Seymour, wunderbar tragisch inszeniert.

BESTE MOMENTE


1. Der Gemälde-Grusel: Die Beschreibung, wie die Figur im Bild immer größer wird, hat echte Gänsehaut-Qualität. Das erinnert an Das Bildnis des Dorian Gray, nur mit mehr Insektenflügeln.
2. Mission Fälschung: Wie die Jungs mal eben Obsidian-Scheiben basteln. Bastelstunde in der Zentrale – da fehlt nur noch, dass Tante Mathilda mit Schere und Kleber hilft.
3. Das Finale: Justus' Triumph, als er erklärt, dass die echten Scheiben die ganze Zeit in den Buchdeckeln waren. Ein klassischer "Purloined Letter"-Moment, den ich sehr gefeiert habe.

SCHWACHSTELLEN


Hier muss ich mal kurz den Kritiker raushängen lassen: Warum, liebe Regie, wird die Szene mit dem brennenden Puppenwagen nur vom Erzähler berichtet? Das hätte eine mega spannende Action-Szene sein können! Stattdessen bekommen wir es serviert wie einen Wetterbericht. "Heute heiter bis wolkig mit vereinzelten brennenden Spielsachen." Da wurde Potenzial verschenkt! Außerdem: Dass Justus das Auto am Klang erkennt, war schon sehr bequem für das Drehbuch. Aber gut, wir lieben ihn ja für seine Superkräfte.

SERIEN-KONTEXT


Der Mottenmann reiht sich perfekt in die Tradition der "Monster of the Week"-Folgen ein. Er steht in einer Linie mit dem Bergmonster (Folge 14) oder dem Tanzenden Teufel. Interessant ist, dass die Geschichte lose auf der realen Legende des "Mothman" basiert, der angeblich 1966 in Point Pleasant (USA, nicht Kanada!) gesehen wurde. Autor Christoph Dittert hat das Ganze nach Kanada verlegt und mit First-Nation-Mythen verknüpft – ein cleverer Schachzug, der der Story Tiefe gibt.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, wir müssen über die Gaststars reden, denn da hat Europa echt geliefert!
Achim Schülke (Franklin Seymour): Ein absolutes Urgestein! Fans kennen ihn als die Stimme von Alpha aus der legendären Folge 86 Nacht in Angst. Er war auch der Erzähler in der Geisterjäger John Sinclair Edition 2000. Dass er hier den verwirrten Franklin spricht, ist Luxus-Casting pur.
Wolfgang Häntsch (Mason Huntington): Seine knarzige, sonore Stimme passt perfekt zu dem alten, verängstigten Millionär. Er ist kein Unbekannter im Hörspiel-Universum und bringt genau die richtige Schwere mit.
Sandra Keck (Leanne Shaw): Hier wird's norddeutsch! Sandra Keck ist ein Star des berühmten Ohnsorg-Theaters in Hamburg. Dass Heikedine Körting sie für die Rolle der bösen Krankenschwester geholt hat, ist ein schönes Easter Egg für alle Hamburger. Sie kann auch ganz anders (nämlich plattdeutsch und lustig), aber hier spielt sie die kühle Berechnerin 1a.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Christoph Dittert (erschienen 2019). Im Buch gibt es natürlich noch mehr Details, aber die Hörspiel-Adaption von André Minninger fängt den Kern gut ein. Witziges Detail am Rande: In Fan-Kreisen wurde sich darüber amüsiert, dass das Wort "Auftraggeber" im Skript gefühlt 28 Mal vorkommt. Achtet mal drauf, man kann fast ein Trinkspiel draus machen (aber bitte nur mit Kirschsaft!).

FAZIT & EMPFEHLUNG


...und der Mottenmann* ist vielleicht kein revolutionäres Meisterwerk, das die Serie neu definiert, aber es ist eine verdammt gemütliche Gruselfolge. Sie hat alles, was wir lieben: Ein bizarres Rätsel, Recherchearbeit, einen Justus in Hochform und eine klassische Entlarvung. Wer die alten Folgen mag, wird sich hier sofort zuhause fühlen. Ein perfekter Fall für einen verregneten Sonntagnachmittag.

Für mich eine der stärkeren Folgen der 200er-Ära, weil sie sich auf die Stärken der drei ??? besinnt: Atmosphäre und Kombinationsgabe.

Wusstest du schon?

Der Mottenmann (Mothman) ist eine reale moderne Sage aus den USA (Point Pleasant), die hier nach Kanada verlegt wurde.
Der 'Pappelschwärmer' (Laothoe populi), den Bob erwähnt, existiert tatsächlich und gehört zur Familie der Schwärmer.
Die Sprecherin Sandra Keck (Leanne Shaw) ist auch bekannt aus dem Ohnsorg-Theater.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 gefälschten Obsidianscheiben
Das Rätsel
Die Grundidee mit dem Gemälde, aus dem das Monster steigt, ist wunderbar klassisch und erinnert an die alten Gruselfilme. Die Auflösung ist fair, auch wenn der Trick mit dem 'Auto am Klang erkennen' etwas sehr bequem für Justus ist. Das Versteck in den Buchdeckeln ist eine schöne Hommage an klassische Abenteuergeschichten.
Plot & Logik
Der Plan der Täterin ist herrlich überkompliziert – typisch für Rocky Beach! Ein Puppenwagen anzuzünden, um Angst zu verbreiten, wirkt zwar drastisch, passt aber zur Skrupellosigkeit der Figur. Dass Annabelles Lüge am Ende nur eine Affäre war, ist ein netter 'Red Herring', der die Detektive kurz auf die falsche Fährte lockt.
Kapitel
1 "Hüte dich vor dem Mottenmann!" 0:00 min
2 Kwakwaka'wakw oder Nuu-cha-nulth? 9:22 min
3 Brennender Puppenwagen 19:32 min
4 Laothoe populi und andere Spuren 26:37 min
5 Das große Vergessen 38:31 min
6 Heilig 53:40 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist hier der Pragmatiker ('Mission Fälschung'), der sich nicht von Geistern ins Bockshorn jagen lässt. Seine Kombinationsgabe beim Autogeräusch ist der entscheidende Wendepunkt.
P
Peter Shaw
Peter darf endlich mal wieder eine echte Monster-Sichtung haben ('Das, das, das ist der Mottenmann!') und zeigt bei der Verfolgung vollen Körpereinsatz, statt nur wegzulaufen.
B
Bob Andrews
Bob ist der heimliche Star dieser Folge. Er übernimmt die komplette Recherche, liest die Tagebücher und findet im Alleingang den Schatz. Seine 'Literaturstunde' ist ein Highlight.

Sprecher

Verwandte Folgen

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