Zusammenfassung

Ein Anruf reißt die drei Detektive aus der Routine: Eine Frau meldet sich panisch, bevor eine fremde Stimme mit den Worten „Hände hoch oder es knallt!“ das Gespräch abrupt beendet. Eine Woche später meldet sich Trish di Santo. Ihre Großmutter Caroline, die Anruferin, ist verstorben und hat den drei ??? überraschend ein Gemälde namens „Drachenberg“ vererbt. Justus, Peter und Bob besuchen die Villa der di Santos, lernen die Familie kennen und begutachten das düstere Bild in der örtlichen Galerie, das eine Sonnenfinsternis über einer Bergkette zeigt.

Die Ereignisse überschlagen sich, als die Detektive einen anonymen Brief erhalten, der sie zu einer alten Gitarrenfabrik lockt. Dort werden sie von einem Mann, der sich Charles Stapleton nennt, in einen Van gelockt und entführt. Er verhört sie über das Gemälde, wird aber durch die Stimme aus dem ersten Telefonat („Hände hoch...“) in die Flucht geschlagen. Stapleton gibt sich daraufhin als FBI-Agent aus, der Kunstdiebe jagt, doch Justus entlarvt ihn später als Betrüger, woraufhin Stapleton flieht.

Zurück im Fall durchsucht Bob das verwüstete Archiv der verstorbenen Caroline und findet Hinweise auf Schwarzlicht. Eine Untersuchung des Gemäldes unter UV-Licht und später mit Luminol offenbart Zahlen (1, 4, 7) und die Signatur „BOA 1:20“. Justus kombiniert genial: „Bank of America. Ja, von der gibt es eine Filiale in Rocky Beach.“ Die Berge auf dem Bild sind in Wahrheit das Profil eines Schlüssels im Maßstab 1:20.

Mit einer von Trish besorgten Kopie des Schlüssels wagen sie sich in die Bank. Im Tresorraum werden sie erneut von Stapleton überrascht. Doch die Polizei unter Inspektor Cotta ist vorbereitet. Es stellt sich heraus, dass Trishs Bruder Matteo hinter allem steckt. Er wollte den Schatz seines Großvaters – Beute aus einem Flugzeugabsturz – für sich allein und nutzte die Aufnahme seines Papageis („Hände hoch...“), um Angst zu verbreiten. Stapleton, eigentlich ein Krimineller namens Marcano, und Matteo werden verhaftet.

Review

Wenn der Papagei zweimal klingelt: Justus zerstört Kunst für die Wissenschaft!
Die drei ??? erben ein Gemälde und Justus kippt erst mal Chemie drauf. Warum Folge 205 „Das rätselhafte Erbe“ trotz Logiklöchern ein modernes Highlight ist und welcher TV-Kultstar sich als Polizist eingeschlichen hat, erfahrt ihr im Review!

Hallo liebe Kassettenkinder, Streaming-Junkies und Schrottplatz-Romantiker!

Wisst ihr, was mich nachts wachhält? Nicht etwa das Gespensterschloss oder der Karpatenhund, sondern die Frage: Wie viel Platz ist eigentlich noch in der Zentrale? Nach über 200 Fällen müsste der Wohnwagen doch aus allen Nähten platzen vor lauter Souvenirs, Visitenkarten und... Gemälden? Ja, richtig gehört! In Folge 205 „Das rätselhafte Erbe“ wird unser erster Detektiv plötzlich zum Kunstbesitzer. Ob das gut geht oder ob Tante Mathilda das Ding sofort auf dem Flohmarkt verscherbelt, klären wir jetzt. Schnappt euch ein Stück Kirschkuchen (aber vorsicht, heiß!), wir tauchen ab in die Welt der schönen Künste und der noch schöneren Verbrechen.

ERSTER EINDRUCK


Hand aufs Herz: Bei Folgen jenseits der 200er-Marke bin ich oft skeptisch. Ist die Luft raus? Wiederholen wir uns? Aber hier war ich sofort angefixt. Das Cover von Silvia Christoph ist düster-schön (diese Berge!), der Titel verspricht klassische „Drei ???“-Kost (Erbe = immer gut) und der Einstieg mit dem Telefonat ist ein echter Wachmacher. Es fühlt sich an wie eine dieser gemütlichen, aber spannenden Folgen, die man perfekt zum Einschlafen hören kann – und dann doch wach bleibt, weil man wissen will, was zur Hölle „BOA“ bedeutet.

DIE STORY


Justus, Peter und Bob bekommen einen Anruf, der dramatischer endet als Peters Versuche, eine Diät zu halten: „Hände hoch oder es knallt!“ – dann Stille. Wenig später erfahren sie, dass die Anruferin, Caroline di Santo, das Zeitliche gesegnet hat. Der Clou: Sie vererbt den drei ihr völlig unbekannten Detektiven ein Gemälde namens „Drachenberg“. Die Familie di Santo ist „not amused“ (gelinde gesagt), und kaum haben unsere Jungs das Bild, taucht auch schon ein angeblicher FBI-Agent auf, der sich benimmt wie die Axt im Walde. Es beginnt eine Schnitzeljagd nach einem verschollenen Schatz, bei der ein Ölgemälde mehr leiden muss als Bobs Nervenkostüm.

UNSERE HELDEN


Justus „Der Zerstörer“ Jonas: Leute, ich muss es ansprechen. Justus kippt LUMINOL auf ein wertvolles Ölgemälde! Einfach so! Der Mann hat Nerven aus Drahtseil. Sein genialer Moment, als er die Bergkette als Schlüsselprofil im Maßstab 1:20 erkennt, ist allerdings „Classic Justus“ in Reinkultur. Da verzeiht man ihm auch die Sachbeschädigung.

Peter „Der Rad-Profi“ Shaw: Endlich wird Peters Sportlichkeit mal wieder plot-relevant! Er trainiert für die „Rocky Beach City Classics“ (klingt wichtig, ist es wohl auch). Er ist in dieser Folge erstaunlich taff, liefert sich Verfolgungsjagden und erkennt das entscheidende Hintergrundgeräusch. Kein „Schisser-Peter“ diesmal, sondern Action-Peter. Gefällt mir!

Bob „Archiv“ Andrews: Ohne Bob wären die Jungs aufgeschmissen. Er wühlt sich durch den Nachlass und findet den entscheidenden Hinweis auf „Schwarzlicht“. Bob ist und bleibt das Rückgrat der Recherche. Wenn er irgendwann mal die Weltherrschaft übernimmt, dann nur, weil er als einziger weiß, wo die Akten liegen.

DIE GEGENSPIELER


Der angebliche FBI-Agent Charles Stapleton ist ein herrlicher Antagonist. Er ist arrogant, aggressiv und liefert sich wunderbare Wortgefechte mit Justus. Dass er eigentlich ein Gauner ist, riecht man zwar drei Meilen gegen den Wind (ein echter FBI-Agent würde wohl kaum Teenager in einen Van zerren und dann wieder laufen lassen), aber er bringt Pfeffer in die Handlung. Die Familie di Santo bleibt dagegen etwas blass – der gierige Bruder Matteo ist ein Standard-Bösewicht aus dem Baukasten „Gierige Erben, Seite 4“.

BESTE MOMENTE


1. Der Papagei-Plot-Twist: Die Auflösung, dass das bedrohliche „Hände hoch...“ von einem Papagei stammt, ist so herrlich „Drei ???“-Oldschool, dass ich fast eine Träne verdrückt hätte. Blacky wäre stolz!
2. Das optische Rätsel: Die Idee, dass die Berge auf dem Bild eigentlich der Bart eines Schlüssels sind, ist grandios. Das ist genau die Art von visuellem Rätsel, die im Hörspiel schwer rüberzubringen ist, aber hier super funktioniert hat.
3. Justus vs. Stapleton: „Sie sind also vom FBI?“ – Die Skepsis in Justus' Stimme ist Gold wert.

SCHWACHSTELLEN


Wir müssen über Logik reden. Stapleton entführt die Jungs, bedroht sie, fesselt sie... und lässt sie dann laufen, um sie zu beschatten? Das ist so umständlich, das kann nur einem Bösewicht in einem Jugendbuch einfallen. Und dann das Finale in der Bank: Die Jungs warnen die Security, aber Stapleton spaziert trotzdem rein? Hat die Bank of America am Wochenende Tag der offenen Tresortür? Das wirkte etwas konstruiert, um den Showdown zu erzwingen.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge stammt aus der Feder von Marco Sonnleitner, unserem „Action-Spezialisten“. Er ist bekannt für temporeiche Handlungen, die es mit der Logik manchmal nicht ganz so genau nehmen (wir erinnern uns an „Fußball-Teufel“...). Aber: „Das rätselhafte Erbe“ ist für Sonnleitner-Verhältnisse erstaunlich klassisch und rätsellastig. Es reiht sich thematisch wunderbar in die „Erbschafts-Folgen“ ein, wie etwa den Klassiker „Der lachende Schatten“ (Folge 69) oder auch „Das leere Grab“ (Folge 78), wo es ja auch um (vermeintliche) Erbschaften ging. Das Motiv „Rätsel im Bild“ hatten wir ähnlich (aber anders gelöst) im „Bildlosen Bild“ (Folge 215, kam später). Für mich fühlt sich Folge 205 an wie eine moderne Hommage an die Crime-Noir-Elemente der frühen Jahre.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier haben wir ein echtes Highlight versteckt!
Der Polizist: Habt ihr ihn erkannt? Das ist Carlo von Tiedemann! Ja, genau, DER Carlo vom NDR („Aktuelle Schaubude“). Eine absolute Legende des norddeutschen Fernsehens gibt sich hier die Ehre. Ein geniales Easter Egg für alle Nordlichter.
Giovanni di Santo: Gesprochen von Stephan Schad. Den Mann kennt man aus unzähligen Tatort-Folgen oder als Theater-Größe am Thalia Theater in Hamburg. Er verleiht der Rolle eine wunderbare Schwere.
Charles Stapleton: Gesprochen von Romanus Fuhrmann. Seine Stimme kennt ihr vielleicht aus der genialen Serie Chernobyl, wo er Valery Legasov (Jared Harris) synchronisiert hat. Kein Wunder, dass er so schön leidend-aggressiv klingen kann!
Der Papagei: Ein kleiner Insider-Gag am Rande – der Papagei (bzw. die Aufnahme) wird von Merete Brettschneider gesprochen. Und wer ist das? Genau, die „Marie Grevenbroich“ von der Konkurrenz „Die drei !!!“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, dass ausgerechnet sie hier nur „nachplappern“ darf! ;-)

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien im Mai 2020, also mitten in der ersten großen Corona-Welle. Vielleicht wirkt sie deshalb so tröstlich „normal“. Das Buch von Marco Sonnleitner erschien 2019. Interessant ist, dass im Hörspiel (wie so oft) eine Nebenhandlung gekürzt wurde, was der Story aber guttut – das Tempo ist für eine 70-Minuten-Folge recht knackig. André Minninger hat hier beim Skript gute Arbeit geleistet und den Fokus voll auf das Rätsel gelegt.


FAN-SERVICE-CHECK


Visitenkarte: Wird natürlich überreicht (wenn auch verbal).
Dietrich: Peter muss mal wieder sein Talent als Schlossknacker beweisen.
  • Inspektor Cotta: Holger Mahlich ist dabei und darf am Ende die Lorbeeren kassieren. Alles wie es sein muss.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Das rätselhafte Erbe“ ist eine überraschend starke Folge in der „Neuzeit“ der drei ???. Sie bietet ein klassisches Rätsel, das zum Mitdenken anregt, eine gute Prise Action und mit dem Papageien-Twist einen charmanten Moment. Die Logiklöcher im Mittelteil verzeiht man gerne, weil die Atmosphäre einfach stimmt. Es ist keine „Grusel-Folge“, sondern ein solider „Whodunit“-Krimi.

Für wen? Für alle, die gerne miträtseln und Justus beim Klugscheißen zuhören.
Ranking: Definitiv in den Top 20 der Folgen ab Nummer 150.

Wusstest du schon?

Das Flugzeug, dessen Absturz den Hintergrund der Geschichte bildet, ist eine 'Dragonstar XC 50', was den Namen des Gemäldes 'Drachenberg' erklärt.
Der Papagei 'Cosy' spielt eine Schlüsselrolle für die Lösung des Falls, taucht aber selbst nicht sprechend im Hörspiel auf, sondern nur als Aufnahme.
Justus nutzt Luminol, um Blutspuren auf dem Gemälde sichtbar zu machen – eine Methode, die das Bild eigentlich beschädigen würde, was Direktor Greenwald entsetzt.
Cover
Bewertung
7
🎨 🎨 🎨 🎨 🎨 🎨 🎨 🎨 🎨 🎨
7 von 10 zerstörten Ölgemälden
Das Rätsel
Das Rätsel um das Gemälde ist klassische Detektivarbeit. Die Kombination aus Schwarzlicht, Luminol und der optischen Täuschung (Berge als Schlüsselbart) ist clever konstruiert. Dass 'BOA' für Bank of America steht, ist einfach, aber effektiv.
Plot & Logik
Die Grundkonstruktion ist solide, leidet aber unter dem typischen Bösewicht-Problem: Warum entführt Stapleton die Detektive erst, um sie dann als 'FBI-Agent' wieder freizulassen, nur um sie weiter zu beschatten? Das wirkt etwas umständlich. Die Auflösung mit dem Papagei als Ursprung der Drohung ist ein charmanter Klassiker.
Kapitel
1 Hände hoch, oder es knallt! 0:00 min
2 Der letzte Wille 3:18 min
3 Mann ohne Gesicht 12:58 min
4 Eine stille Bewunderin 29:27 min
5 Blutige Zeichen 40:46 min
6 Das Geheimnis der Familie di Santo 51:16 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch seine Beobachtungsgabe. Sein Moment, als er den Maßstab 1:20 erkennt und die Berge als Schlüssel identifiziert, ist stark. Auch die Falle am Ende ist gut geplant.
P
Peter Shaw
Ist sehr aktiv, erkennt das entscheidende Geräusch (Uhr/Telefon) wieder und liefert sich eine Verfolgungsjagd. Er ist hier weit mehr als nur der Angsthase.
B
Bob Andrews
Übernimmt den wichtigen Recherche-Part im Archiv und findet die entscheidenden Zeitungsartikel über 'Schwarzlicht', ohne die der Fall nicht lösbar wäre.

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 204 Alle Folgen Nächste Folge Folge 206