Zusammenfassung

Die drei ??? fahren in den Dead Man's Canyon, um der Illustratorin Miranda Cramer zu helfen, die nachts von einer Gestalt heimgesucht wird, die wie der legendäre Goldgräber John Dewey aussieht. Schon bei der Ankunft hat Peter eine unheimliche Begegnung mit dem vermeintlichen Geist und fährt vor Schreck gegen einen Kaktus. Sie lernen den kauzigen Nachbarn Dusty Kirkpatrick kennen, der mit seinem unsichtbaren Hund 'Sniffer' spricht. Miranda wohnt in einem kleinen Haus oberhalb des luxuriösen Anwesens 'Desert View', das ihrem Freund Miles Kendall gehört. Miles soll angeblich auf den Bermudas (oder Bahamas?) Urlaub machen, während seine Freunde Barclay Ward und die aggressive Holly dort wohnen. In der ersten Nacht der Ermittlung wird ein Alarm auf Desert View ausgelöst, und Justus wird niedergeschlagen. Am nächsten Morgen bricht das Hauskrokodil Mr. Sobek aus und bedroht die Detektive auf der Terrasse, bis Dustys Enkelin Raven es mit Fleisch ablenkt. Justus wird misstrauisch, als er ein Telefonat belauscht, bei dem Barclay mit verstellter Stimme Miles imitiert. Die Ermittlungen spitzen sich zu, als Justus auf einem angeblichen Geisterfoto Turnschuhe entdeckt ('John Deweys Geist trägt Turnschuhe!') und Raven als Drahtzieherin des Spuks entlarvt – sie wollte Miranda vertreiben, um ein Geheimnis zu wahren. Dieses Geheimnis lüften die Detektive schließlich im Keller von Desert View: Miles Kendall ist nicht verreist, sondern tot und liegt in der Tiefkühltruhe. Barclay und Holly haben seinen Tod vertuscht, um weiter dort wohnen zu können. Doch der wahre Kriminelle ist Miles' Neffe Brian Kendall. Er hat das Testament gefälscht, das Krokodil freigelassen und versucht, sich das Erbe zu erschleichen. Justus stellt ihm eine Falle, indem er behauptet, Überwachungskameras hätten alles aufgezeichnet.

Review

Eiskalt erwischt: Wenn Onkel Krischan Geister jagt und Krokodile weinen
Eine Leiche in der Tiefkühltruhe?! André Marx bricht ein ehernes Gesetz der drei ??? und liefert mit Folge 177 einen modernen Klassiker ab. Warum Commander Perkins und Onkel Krischan diesen Fall zum Pflichtprogramm machen, lest ihr hier!

Moin, liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder!

Heute widmen wir uns einem Fall, der in mehrfacher Hinsicht eiskalt ist – und das, obwohl er in der brütenden Hitze der kalifornischen Wüste spielt. Schnappt euch eure Kirschkuchen (aber bitte nicht einfrieren!), denn wir besprechen Folge 177: "Der Geist des Goldgräbers". Geschrieben von niemand Geringerem als dem Meister selbst, André Marx. Wenn dieser Name auf dem Cover steht, wissen wir Fans eigentlich schon: Das wird kein 08/15-Fall mit tanzenden Teufeln, sondern solide Krimi-Kost. Aber hat der "Großmeister" hier wirklich abgeliefert oder ist das Ganze nur Fata Morgana?

ERSTER EINDRUCK


Schon das Cover verspricht Western-Atmosphäre pur. Ein bedrohlicher Canyon, ein düsterer Goldgräber – das schreit förmlich nach "Classic Era"-Vibes à la Bergmonster oder Bedrohte Ranch. Man drückt auf Play und spürt förmlich den Sand zwischen den Zähnen. Aber Moment mal... ein Krokodil? In der Wüste? Okay, Marx, du hast meine Aufmerksamkeit. Der erste Eindruck: Hier trifft Scooby Doo auf Weekend at Bernie's. Und ich bin absolut bereit dafür!

DIE STORY


Die drei ??? verschlägt es in den "Dead Man's Canyon" (allein der Name verdient einen Preis für Subtilität). Sie sollen der Illustratorin Miranda Cramer helfen, die vom Geist des vor 100 Jahren gehängten Goldgräbers John Dewey terrorisiert wird. Klingt nach Standard-Spuk? Weit gefehlt! Denn was als Geistergeschichte beginnt, entpuppt sich als völlig abgedrehtes Kammerspiel in der Nachbarschaft. Da gibt es den kauzigen Dusty mit seinem unsichtbaren Hund (dazu später mehr!), die arroganten Nachbarn auf dem Luxus-Anwesen "Desert View" und... nun ja, ein Krokodil namens Mr. Sobek. Und während Peter noch Schnappatmung bekommt, stolpern die Detektive über ein Geheimnis, das so tiefgekühlt ist, dass selbst Elsa die Eiskönigin neidisch wäre.

UNSERE HELDEN


Justus ist in dieser Folge in absoluter Höchstform. Er kombiniert nicht nur messerscharf, er legt am Ende einen Bluff hin, der sich gewaschen hat. Sein Umgang mit den Verdächtigen ist herrlich arrogant – genau so lieben wir unseren Ersten Detektiv.

Peter... ach, Peter. Der arme Kerl muss mal wieder für alles herhalten. Erst fährt er vor Schreck fast einen Kaktus um (Klassiker!), dann muss er sich mit einem ausgewachsenen Krokodil anlegen. Unser Zweiter Detektiv ist hier definitiv der "Action-Man" wider Willen. Seine Panik ist greifbar, aber – und das muss man loben – er zieht durch, wenn's drauf ankommt.

Bob hat in dieser Folge ein bisschen die "Damsel in Distress"-Karte gezogen. Er wird niedergeschlagen (Bob-Bingo: Check!) und fällt später spektakulär in eine Grube. Aber: Ohne seinen Sturz wäre der entscheidende Beweis vielleicht nie gefunden worden. Bob leidet für den Erfolg – ein echter Profi eben.

DIE GEGENSPIELER


Hier glänzt die Folge richtig. Das Trio auf "Desert View" ist herrlich dysfunktional. Barclay Ward und Holly sind so wunderbar unsympathisch, dass man ihnen das Handwerk legen will. Besonders Holly, gesprochen von der grandiosen Martina Treger, trieft vor Arroganz. Aber der eigentliche Star ist der unscheinbare Brian Kendall. Ein Bösewicht, der das Chaos nutzt und fast damit durchkommt.

BESTE MOMENTE


1. Der unsichtbare Hund: Dusty Kirkpatrick und sein Hund "Sniffer". Die Dialoge, in denen Dusty mit dem nicht vorhandenen Tier schimpft, sind Gold wert. "Komm da weg, Sniffer!" – skurril, witzig und irgendwie rührend.
2. Der Tabubruch: Leute, wir müssen reden. Es gibt eine LEICHE. Eine echte, tote Leiche. In einer Tiefkühltruhe. Bei den drei ???! Normalerweise werden Leute hier nur betäubt, gefesselt oder in Schränke gesperrt. Aber Miles Kendall ist mausetot und tiefgefroren. Das ist für Serien-Verhältnisse fast schon Hardcore-Krimi und ein Moment, bei dem einem kurz die Spucke wegbleibt.
3. Das Finale: Justus' Bluff mit den angeblichen Überwachungskameras. So simpel, so genial. Wie er Brian damit in die Enge treibt, ist psychologische Kriegsführung vom Feinsten.

SCHWACHSTELLEN


Wenn wir ehrlich sind: Der Plot mit dem Krokodil ist schon sehr konstruiert. Ein Nilkrokodil in der kalifornischen Wüste, das zufällig ausbricht, um für Ablenkung zu sorgen? Das kratzt hart an der Grenze zum Trash. Und dass Peter es dann mit einem Betäubungsgewehr (das natürlich griffbereit ist) ausschaltet... nun ja. Ein bisschen weniger Jurassic Park hätte es auch getan. Zudem wirkt die Auflösung des Geister-Spuks (Turnschuhe auf dem Foto) fast schon zu banal, auch wenn es ein schöner Oldschool-Hinweis ist.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist ein Paradebeispiel für die "Moderne Marx-Ära". André Marx schafft es wie kein Zweiter, klassische Elemente (Geister, einsame Orte) mit modernen, härteren Themen (Erbschleicherei, Leichenschändung) zu verknüpfen. Der Bruch des ungeschriebenen Gesetzes "Es gibt keine Toten bei den drei ???" (zumindest keine frischen) macht diese Folge historisch relevant. Sie zeigt, dass die Serie mit ihrem Publikum erwachsen geworden ist, ohne ihren Charme zu verlieren. Der unsichtbare Hund ist zudem eine wunderbare kleine Verbeugung vor dem Karpatenhund (im Original: The Mystery of the Invisible Dog), auch wenn Sniffer hier wirklich nur Einbildung ist.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Haltet euch fest, denn der Cast ist ein Fest für Ohrenzeugen!

Hans Kahlert (Dusty): Ein absoluter Gänsehaut-Moment für TV-Nostalgiker. Kahlert ist niemand anderes als der legendäre "Onkel Krischan" aus Neues aus Büttenwarder! Seine knarzige, kauzige Art passt perfekt zu Dusty. Leider ist Hans Kahlert 2021 verstorben, was diesen Auftritt umso wertvoller macht.
Horst Stark (Barclay): Commander Perkins, bitte kommen! Ja, Horst Stark ist eine lebende Europa-Legende. Er sprach nicht nur den Commander, sondern war auch Captain Furillo in Polizeirevier Hill Street und die deutsche Stimme von Adam Cartwright in Bonanza. Dass er hier noch einmal eine so große Rolle übernimmt, ist ein Geschenk für jeden Hörspiel-Fan der 80er.
Martina Treger (Holly): Wer bei ihrer Stimme an Basic Instinct denkt, liegt richtig. Sie ist die Feststimme von Sharon Stone (und Viola Davis!). Diese rauchige, dominante Stimme verleiht der Figur Holly eine unglaubliche Präsenz.
Susanne Sternberg (Miranda): Eine vielbeschäftigte Stimme (u.a. Molly Ringwald in 80er-Filmen oder Karen Wheeler in Stranger Things), die hier die nervöse Klientin glaubhaft rüberbringt.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien im Oktober 2015 und basiert auf dem gleichnamigen Buch von André Marx (2014). Interessant ist hier der Vergleich: Im Buch kommen die Charaktere und ihre Motive noch etwas schärfer heraus, aber das Hörspiel fängt die Atmosphäre des Canyons durch das Sounddesign (Wind, knirschender Kies) hervorragend ein.

Fun Fact: Die Fans wussten die Qualität zu schätzen! Im Jahr 2015 wurde "Der Geist des Goldgräbers" beim Publikumsvoting der Rocky-Beach.com und anderen Fan-Seiten mit dem "Goldenen Fragezeichen" als bestes Hörspiel des Jahres ausgezeichnet (mit über 34% der Stimmen!). Das zeigt: Marx + Grusel + gute Sprecher = Fan-Liebe.


FAN-SERVICE-CHECK


Running Gag: Peter und seine Angst vor übernatürlichen Dingen werden zelebriert.
Insider: Der "unsichtbare Hund" triggert sofort Erinnerungen an Folge 3 (Karpatenhund).
Oldschool-Feeling: Ein Fall, der fast ausschließlich an einem abgelegenen Ort spielt, erinnert stark an die Crimebuster-Ära (z.B. Automarder oder Giftiges Wasser*), aber mit besserem Skript.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Der Geist des Goldgräbers" ist ein absolutes Highlight der neueren Folgen. Sie bietet alles: eine dichte Atmosphäre, skurrile Charaktere, Top-Sprecher-Leistungen (Kahlert & Stark!) und einen Plot-Twist, der sich gewaschen hat. Wer über das etwas trashige Krokodil hinwegsehen kann, bekommt einen der besten Fälle der 170er-Reihe serviert. Perfekt für alle, die es mögen, wenn es in Rocky Beach mal etwas makaberer zugeht.

Prädikat: Eiskalt serviertes Meisterstück!

Wusstest du schon?

Der Sprecher von Dusty, Hans Kahlert, ist vielen Fernsehzuschauern als 'Onkel Krischan' aus der Serie 'Neues aus Büttenwarder' bekannt.
Barclay-Sprecher Horst Stark ist eine Hörspiel-Legende bei Europa und sprach unter anderem die Titelrolle in der Serie 'Commander Perkins'.
Die Folge wurde von den Fans im Jahr 2015 zum besten Hörspiel des Jahres gewählt (Goldenes Fragezeichen).
Cover
Bewertung
7
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7 von 10 tiefgekühlten Erbonkeln
Das Rätsel
Ein klassischer 'Doppelter Boden'-Fall. Der Geister-Plot dient nur als Ablenkung für das eigentliche, makabere Verbrechen. Die Auflösung mit den Turnschuhen ist ein schönes Oldschool-Detail, und die 'Leiche im Keller' (wortwörtlich!) ist für drei ???-Verhältnisse angenehm düster.
Plot & Logik
Der Plan von Barclay und Holly, den toten Freund einfach einzufrieren, wirkt herrlich verzweifelt und passt zu den exzentrischen Charakteren. Dass Brian Kendall ausgerechnet dann auftaucht und Chaos stiftet, sorgt für das nötige Tempo, auch wenn das freigelassene Krokodil als Ablenkungsmanöver etwas wild konstruiert wirkt.
Kapitel
1 Willkommen im Dead Man's Canyon 0:00 min
2 Sniffer 6:16 min
3 Alarm 16:40 min
4 Mr. Sobek 23:52 min
5 Verräterisches Schuhwerk 33:59 min
6 Auf der Lauer 42:11 min
7 Im Keller 50:30 min
8 Geständnisse 56:22 min
9 Sniffer freut sich 64:18 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist in Hochform. Er durchschaut die Stimmen-Imitation am Telefon ('Barclay, Sie sind rangegangen und dann haben Sie jemanden ans Telefon geholt') und blufft am Ende den Täter eiskalt mit nicht existenten Kameras nieder.
P
Peter Shaw
Peter muss leiden: Er sieht Gespenster, fährt gegen Kakteen und muss am Ende sogar mit einem Betäubungsgewehr auf ein Krokodil schießen. Er ist der Mann für die Action.
B
Bob Andrews
Bob hat Pech: Er wird niedergeschlagen und fällt später spektakulär ins Krokodilgehege, liefert dadurch aber den entscheidenden Fund des Koffers.

Sprecher

Verwandte Folgen

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