Zusammenfassung

Eigentlich wollten Justus, Peter und Bob nur ein entspanntes Wochenende in den Bergen verbringen, doch der Hunger treibt sie in das isolierte Dorf Yonderwood. Der Ort wirkt wie eine Geisterstadt; im Gasthaus 'Golden Bear' hängen überall Knoblauch und Kreuze. Im Drugstore erfahren sie von der jungen Josie McDonough den Grund für die Furcht: Seit Wochen werden Bewohner nachts von einem angeblichen Vampir heimgesucht und wachen mit Bisswunden auf, weshalb fast alle Einwohner geflohen sind. Justus wittert ein Verbrechen und quartiert die drei Detektive bei Josie ein.

Um den 'Vampir' aus der Reserve zu locken, beruft Justus eine Versammlung der verbliebenen zehn Einwohner ein. Die Nachtwache bleibt ruhig, doch am nächsten Morgen wird Mary Otis blutüberströmt und mit Bissmalen gefunden. Justus bemerkt jedoch Ungereimtheiten bei der Blutmenge und der Wunde. Bob findet heraus, dass der Ortsgründer Alexandru Celea aus Transsilvanien stammte und 'Yonderwood' die Übersetzung dafür ist. Bei der Untersuchung von Celeas Grab auf dem Friedhof finden sie statt eines Vampirs nur ein Skelett und eine Patronenhülse – und eine Spur aus Sägespänen, die in die Kirche führt.

Ein geheimer Mechanismus am Altar öffnet den Weg in eine Gruft. Dort entdecken die Detektive das Versteck des Täters: Ein Fledermauskostüm, Betäubungsmittel, eine Kanüle für die falschen Bisswunden und ein Tagebuch. Aus Bibelversen, die vier Vorfahren der heutigen Bewohner hinterlassen wurden, rekonstruieren sie eine Schatzkarte. Der Schatz – die Beute des legendären Einbrechers 'Ken die Katze' – ist in einer hohlen Eiche versteckt. Als sie das Gold bergen, werden sie von einem Maskierten überrascht, der Bob niederschlägt und mit der Beute entkommt.

Zurück im Dorf stellt Justus dem Täter eine Falle. Er versammelt alle Einwohner und entlarvt den Täter durch ein Detail: Der Maskierte war Linkshänder. Dies trifft nur auf Miles Black, den faulen Sohn des Bürgermeisters, zu. Miles zieht eine Waffe, wird aber vom Gastwirt Otis Stamper mit einem schweren Holzkreuz niedergestreckt.

Review

Folge 140: Stadt der Vampire – Wenn Tarzan die Zähne fletscht und Justus den Knoblauch packt
Blutsauger in den Bergen? Ein Dorf in Panik? Und warum klingt der Bösewicht verdächtig nach einem gewissen TKKG-Anführer? Schnappt euch euer Kreuz und eine Knoblauchzehe, wir reisen nach Yonderwood!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Grusels!

Heute widmen wir uns einer Folge, die polarisiert wie Tante Mathildas Experimente mit veganem Kirschkuchen. Es geht um Folge 140: "Stadt der Vampire". Schnappt euch euren Knoblauch, spitzt die Holzpflöcke an und vergesst bloß nicht den Regenschirm – denn in Yonderwood regnet es mehr als in einer kompletten Staffel "The Killing".

ERSTER EINDRUCK


Hand aufs Herz: Wer hat beim Titel "Stadt der Vampire" nicht sofort an glitzernde Teenager-Vampire gedacht? Wir schreiben das Jahr 2010, die Welt ist im Twilight-Fieber, und natürlich können sich unsere drei Detektive dem Zeitgeist nicht entziehen. Aber statt Edward Cullen bekommen wir hier eine Atmosphäre serviert, die so dicht ist, dass man sie mit dem Messer schneiden kann. Regen, ein verlassenes Dorf, verängstigte Hinterwäldler – das ist klassischer Grusel-Stoff! Mein erster Gedanke: "Hoffentlich vergisst Peter vor Angst das Atmen nicht."

DIE STORY


Justus, Peter und Bob sind auf Wandertour in den Santa Monica Mountains (weil das ja immer so entspannend endet). Ein Unwetter zwingt sie in das Kaff Yonderwood. Der Ort ist so tot wie die Karriere von David Hasselhoff, nur dass hier überall Knoblauch hängt. Die wenigen verbliebenen Bewohner zittern vor einem angeblichen Vampir, der nachts Leute anknabbert. Justus "Ich glaube nicht an Geister" Jonas wittert natürlich sofort Humbug, während Peter schon mal sein Testament macht. Es folgt eine Schnitzeljagd nach Bibelversen, ein Ausflug in eine Gruft und die Jagd nach dem Gold von "Ken der Katze". Spoiler: Es ist natürlich kein echter Vampir. (Sorry, Fantasy-Fans!)

UNSERE HELDEN


Justus ist hier in absoluter Bestform als Rationalist. Während alle anderen panisch Kreuze schwingen, analysiert er Blutlachen und Wundränder. Sein Moment, als er die Dorfbewohner zusammenstaucht und die Hysterie als Unfug entlarvt, ist pures Gold. Er ist der Fels in der Brandung, an dem der Aberglaube zerschellt.

Peter... ach, Peter. Unser Zweiter Detektiv leidet hier wirklich Höllenqualen. Er ist der perfekte Indikator für den Gruselfaktor: Je höher Peters Stimme, desto gruseliger die Szene. Aber: Er klettert mutig auf die Eiche! Er hat Angst, macht es aber trotzdem. Das ist wahrer Heldenmut (oder Gruppenzwang).

Bob ist mal wieder das wandelnde Lexikon. Ohne seine etymologische Herleitung von "Yonderwood" wären sie wohl heute noch am Rätseln. Leider muss er auch körperlich einstecken – der arme Kerl kriegt im Finale ordentlich eins auf die Mütze. Ein klassischer Bob-Moment: Erst schlau sein, dann K.O. gehen.

DIE GEGENSPIELER


Kommen wir zum Elefanten im Raum (oder dem Werwolf im Vampir-Dorf): Miles Black. Der Sohn des Bürgermeisters ist der Bösewicht. Sein Plan? Er verkleidet sich als Fledermaus, betäubt Leute und piekst sie mit einer Kanüle, um Vampirbisse vorzutäuschen. Alles nur, um in Ruhe nach einem Schatz suchen zu können. Leute, das ist so absurd kompliziert, das verdient fast schon Respekt! Warum nicht einfach einbrechen, wenn die Leute beim Bingo sind? Nein, wir inszenieren eine komplette Vampir-Apokalypse!

BESTE MOMENTE


1. Die Falle: Justus inszeniert am Ende ein Tribunal, das Agatha Christie stolz gemacht hätte. Die Entlarvung über die Linkshänder-Sache ist zwar ein alter Hut, aber herrlich theatralisch vorgetragen.
2. Das Setting: Das Gasthaus "Golden Bear". Man hört förmlich das Kaminfeuer knistern und den Regen gegen die Scheiben peitschen. Kammerspiel-Atmosphäre vom Feinsten.
3. Der Name: Als Bob erklärt, dass "Yonderwood" (Jenseits des Waldes) die wörtliche Übersetzung von "Transsilvanien" ist. Da ist mir vor Begeisterung fast der Hörer aus der Hand gefallen. Ein genialer Kniff von Autor Marco Sonnleitner!

SCHWACHSTELLEN


Sind wir ehrlich: Der Plan des Täters ist Banane. Ein ganzes Dorf zu terrorisieren, um Zettel zu suchen? Und dass er jahrelang (bzw. sein Vater/Großvater) nicht gemerkt hat, dass man in der Kirche einfach nur einen Knopf drücken muss? Naja. Auch die Auflösung wirkt sehr konstruiert. Man merkt, dass hier die Scooby-Doo-Formel (Monster ist eigentlich Typ in Maske) bis zum Anschlag ausgereizt wurde.

SERIEN-KONTEXT


Folge 140 erschien im August 2010. Das war der Höhepunkt der Vampir-Welle durch die Twilight-Filme und Vampire Diaries. Die drei ??? haben diesen Trend clever aufgegriffen, aber eben auf ihre bodenständige Art dekonstruiert. In der Fan-Community gilt die Folge als "Atmosphäre-Monster" mit "Logik-Löchern". Sie gehört zur Ära der "Neuzeit-Klassiker", in der Marco Sonnleitner oft actionreichere und temporeichere Geschichten schrieb. Interessant: Es ist eine der wenigen Folgen, wo die drei ??? zufällig in einen Fall stolpern (Wanderausflug), statt beauftragt zu werden.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Jetzt wird's meta, Freunde! Haltet euch fest:

Sascha Draeger (Miles Black): Ja, ihr hört richtig! Der Bösewicht wird von niemand Geringerem gesprochen als Tim (ehemals Tarzan) von TKKG! Für Hörspiel-Nerds ist das der ultimative Clash der Universen. Justus Jonas verhaftet Tarzan. Dass Sascha Draeger hier den fiesen, linkischen Betrüger spricht, ist eine herrliche Ironie der Casting-Regie. Ein absolutes Highlight!
Eckart Dux (Jonathan Black): Eine Legende am Mikrofon. Wir hören hier die Stimme von Arthur Spooner (King of Queens) und Gandalf (Der Herr der Ringe). Wenn Eckart Dux spricht, hört man einfach zu. Er verleiht dem grummeligen Großvater eine unglaubliche Würde und Präsenz.
Lili Draeger (Josy): Und weil es so schön ist: Die Rolle der Josy wird von Lili Draeger gesprochen – der Tochter von Sascha Draeger! Ein echtes Familienunternehmen in Yonderwood.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Marco Sonnleitner (2008). Wie so oft musste für das Hörspiel gekürzt werden. Im Buch ist die Wanderung am Anfang deutlich länger und beschwerlicher, was den Hunger und die Erschöpfung der drei ??? noch plausibler macht. Auch die Hintergrundgeschichte um den Meisterdieb "Ken die Katze" ist im Buch etwas detaillierter ausgearbeitet. Das Hörspiel schafft es aber durch die exzellente Geräuschkulisse (Regen, Donner, knarrende Dielen), die fehlenden Beschreibungen perfekt durch Sound zu ersetzen.


FAN-SERVICE-CHECK


Running Gag: Bob kriegt eins auf die Rübe. Check.
Justus-Modus: Der Erste Detektiv hält einen Monolog und alle schweigen ehrfürchtig. Check.
Meta-Ebene: Der TKKG-Sprecher als Bösewicht ist das größte Easter Egg, das man sich wünschen kann.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Stadt der Vampire" ist vielleicht nicht der logischste Fall aller Zeiten, aber er macht verdammt viel Spaß. Die Atmosphäre ist unschlagbar – perfekt für regnerische Herbstabende unter der Decke. Wer darüber hinwegsehen kann, dass der Täter-Plan so löchrig ist wie ein Schweizer Käse, bekommt hier 77 Minuten beste Unterhaltung. Allein wegen des TKKG-Crossovers ein Pflichtkauf!

Für wen? Grusel-Fans, Atmosphäre-Liebhaber und alle, die schon immer mal hören wollten, wie Tarzan verhaftet wird.

Wusstest du schon?

Der Sprecher des Bösewichts Miles Black ist Sascha Draeger, der seit Jahrzehnten die Rolle des Tim (früher Tarzan) in der Konkurrenz-Serie TKKG spricht.
Der Ortsname 'Yonderwood' ist eine direkte Anspielung: 'Yonder' (drüben/jenseits) und 'Wood' (Wald) ergeben 'Jenseits des Waldes', was die wörtliche Übersetzung von 'Transsilvanien' (lat. trans silva) ist.
Autor Marco Sonnleitner greift hier das Motiv des 'Scooby-Doo-Villains' auf: Ein Verbrecher nutzt eine lokale Legende und Kostümierung, um Leute zu vertreiben.
Cover
Bewertung
8
🧛‍♂️ 🧛‍♂️ 🧛‍♂️ 🧛‍♂️ 🧛‍♂️ 🧛‍♂️ 🧛‍♂️ 🧛‍♂️ 🧛‍♂️ 🧛‍♂️
8.5 von 10 Plastik-Vampirzähnen
Das Rätsel
Die Geschichte ist eine klassische Scooby-Doo-Konstruktion: Ein übernatürliches Phänomen wird inszeniert, um ein profanes Verbrechen zu verschleiern. Die Schnitzeljagd mit den Bibelversen ist solide Rätselkost. Dass die Auflösung stark am Linkshänder-Indiz hängt, ist ein klassischer Krimi-Kniff, auch wenn der Hörer Miles' Händigkeit im Hörspiel akustisch kaum selbst hätte bemerken können.
Plot & Logik
Der Plan von Miles ist herrlich überkompliziert – ein ganzes Dorf als Vampir zu terrorisieren, nur um in Ruhe Häuser nach Zetteln durchsuchen zu können, zeugt von viel krimineller Energie (und Freizeit). Die Logik hält aber stand. Einziges kleines Loch: Dass in über 100 Jahren niemandem die Mechanismen in der Kirche oder die verschobene Grabplatte aufgefallen sind, erfordert etwas 'Suspension of Disbelief'.
Gastfiguren
Das Dorfpersonal ist skurril, aber gut gezeichnet. Besonders Sascha Draeger (bekannt als Tarzan/Tim von TKKG) als Bösewicht Miles Black ist ein Highlight für Hörspiel-Fans. Josie wirkt sympathisch und bodenständig, während Figuren wie die esoterische Clara Kowalski für Farbe sorgen.
Dialogqualität
Die Dialoge sind lebendig und fangen die bedrohliche Atmosphäre gut ein. Besonders der Schlagabtausch zwischen Justus und den skeptischen Dorfbewohnern macht Spaß. Justus' trockene Kommentare zur Vampir-Hysterie sind treffsicher.
Pacing
Die Folge hat ein sehr gutes Tempo. Der Einstieg über die Wanderung geht schnell in den Grusel über, die Ermittlungen stocken kaum und das Finale mit der Schatzsuche und der Entlarvung ist spannend getaktet.
Kapitel
1 Yonderwood 0:00 min
2 Die Geisterstadt 3:48 min
3 Vampirjäger 20:45 min
4 Bibelvers 22:03 min
5 Versammlung 25:46 min
6 Hilfe! 32:02 min
7 Durchsucht 36:22 min
8 Jenseits der Wälder 41:03 min
9 Nacht des Grauens 47:42 min
10 Überfall! 65:17 min
11 Der Schatz der Katze 68:07 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist in Hochform. Er lässt sich null von der Gruselstimmung anstecken, analysiert medizinische Fakten (Blutmenge vs. Wunde) und stellt am Ende eine theatralische Falle. Sein Schlusswort ist Gold wert.
P
Peter Shaw
Peter darf hier voll in seiner Rolle als Angsthase aufgehen, was bei einem Vampir-Thema auch passt. Er fungiert als abergläubischer Gegenpol zu Justus, zeigt aber bei der Kletteraktion an der Eiche vollen körperlichen Einsatz.
B
Bob Andrews
Bob glänzt als Rechercheur, der die etymologische Verbindung zwischen Yonderwood und Transsilvanien herstellt – ein Schlüsselmoment. Leider muss er körperlich am meisten einstecken (Schlag ins Gesicht).

Fazit

Eine sehr atmosphärische Folge, die Gruselstimmung perfekt mit klassischer Detektivarbeit verbindet. Das Setting 'einsames Dorf im Regen' funktioniert immer. Für Fans von Schatzsuchen und entlarvten Mythen ein absolutes Muss. Klare Empfehlung!

Sprecher

Verwandte Folgen

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