Zusammenfassung

Der Fall beginnt dynamisch auf dem Schrottplatz: Die Detektivin Althena rennt um ihr Leben, drückt Justus im Vorbeilaufen eine Kamera in die Hand und wird kurz darauf von einem Mann mit Revolver geschnappt, der dem Schauspieler Ray Liotta verblüffend ähnlich sieht. In der Zentrale analysieren die drei ??? die Fotos auf der Kamera: Sie zeigen eine ältere Dame, einen Brief mit einem Rätseltext über 'Reeve Daniels' und 'Walt Friel', ein Piratenschiff namens 'Black Rose' und – in einem Spiegelreflex – eine Hand mit schwarzem Handschuh, die eine Waffe hält.

Die Spur führt ins Seniorenheim 'Sundown Village' zu Sarah Livingston. Sie erzählt von ihrem Bruder Franco, der einst goldene Tierfiguren stahl und das Versteck in einem Brief verschlüsselte. Auch der verschollene Regisseur Dennis Brown hatte sich einst für den Brief interessiert. Über das Internet finden die Jungen heraus, dass Browns Film 'Fluch des Piraten' gerade von der Produzentin Elvira Zuckerman neu verfilmt werden soll. In Hollywood treffen sie auf Elvira und ihre Assistentin Max Stevenson. Elvira schickt die Jungs zur Locationsuche auf 'Free Island', jene Insel, auf der das Original gedreht wurde und Brown verschwand.

Auf der Insel angekommen, überschlagen sich die Ereignisse. Peter stürzt am glitschigen Wrack und ruiniert sein Handy. In der Nacht sieht er Lichter, doch am nächsten Morgen brennt das Wrack lichterloh. Während die drei ??? löschen, werden ihre Handys aus dem Zelt gestohlen – sie sitzen in der Falle. Justus löst schließlich die Anagramme aus dem Brief: 'Reeve Daniels' wird zu 'Free Island' und 'Walt Friel' zu 'Waterfall'. Am Wasserfall entdecken sie einen See, in dem Peter beim Tauchen das Skelett von Dennis Brown findet. Bob kombiniert schließlich den entscheidenden Hinweis: Eine 'Goldregen'-Pflanze markiert das Versteck. Sie graben die goldenen Tiere aus, werden aber sofort von 'Ray Liotta' (Michael Kock) überrascht. Max Stevenson taucht auf, entpuppt sich aber als Komplizin Kocks. Justus kann das Blatt wenden: Er beweist durch das Datum der Fotos auf der Kamera, dass Max Althena entführt hat, und überwältigt die Verbrecher mit einem Bluff – die Goldfiguren waren längst sicher in seinem Rucksack, während er den Gaunern nur Steine vorwarf. Die Polizei verhaftet das Duo und befreit Althena aus dem Schiffswrack.

Review

Folge 135: Wenn Ray Liotta auf Goldregen trifft – Ein Insel-Abenteuer mit Logiklöchern
Eine einsame Insel, ein brennendes Wrack und ein Bösewicht namens 'Liolotta'? Justus, Peter und Bob auf Schatzsuche in Hollywood-Manier. Warum diese Folge trotz Logiklöchern Spaß macht, lest ihr hier!

Hallo, Kollegen! Schnappt euch ein Stück Kirschkuchen (aber bitte ohne Sahne, wir müssen auf die Figur achten, gell Justus?), lehnt euch zurück und lasst uns über eine Folge reden, die mehr Fragen aufwirft als ein ganzer Sack voller Fragezeichen. Wir reisen zurück ins Jahr 2009. Obama wurde gerade Präsident, Avatar lief im Kino und in Rocky Beach? Da traf man auf Hollywood-Stars. Oder zumindest auf ihre billigen Kopien.

Willkommen zu Folge 135: Fluch des Piraten!

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr das? Ihr hört ein Hörspiel und denkt: „Moment, habe ich das nicht schon mal gehört?“ Diese Folge ist wie ein Best-of-Album, bei dem die Band aber ein bisschen verstimmt spielt. Wir haben eine einsame Insel (Klassiker!), ein Schiffswrack (noch ein Klassiker!), einen Schatz (immer gut!) und... Ray Liotta? Ja, richtig gelesen. Der erste Eindruck ist eine wilde Mischung aus „Hui, Action!“ und „Hä, warum heißt der Bösewicht Liolotta?“. Es riecht nach Salz, Sonnencreme und einer gehörigen Portion unfreiwilliger Komik. Man ist sofort drin, weil es direkt mit einer Verfolgungsjagd losgeht, aber man bleibt auch skeptisch, ob die Story das Tempo halten kann.

DIE STORY


Alles beginnt, wie ein guter Actionfilm beginnen sollte: Mit rennenden Menschen. Althena (ja, DIE Althena, dazu später mehr) drückt Justus im Vorbeilaufen eine Digitalkamera in die Hand, bevor sie von einem finsteren Typen geschnappt wird. Auf der Speicherkarte finden unsere drei Meisterdetektive Fotos, die weniger Sinn ergeben als Peters Verhalten bei Spinnenalarm: Eine alte Dame, ein Brief mit Anagrammen und ein Piratenschiff namens 'Black Rose'.

Die Spur führt – natürlich – nach Hollywood. Ein verschollener Regisseur, ein alter Film und ein noch älterer Schatz locken die drei ??? auf „Free Island“. Dort sollen sie für eine Filmproduzentin Locations scouten. Klingt nach bezahltem Urlaub? Pustekuchen! Kaum angekommen, wird es ungemütlich. Das Wrack brennt ab, Handys verschwinden (oder werden zerstört, Peter!), und im Wasserfall wartet mehr als nur eine kalte Dusche. Am Ende müssen Anagramme gelöst und Gold ausgegraben werden, bevor der „Ray Liotta Typ“ zuschlägt.

UNSERE HELDEN


Justus Jonas: Unser erster Detektiv ist hier in absoluter Bestform. Während andere noch überlegen, warum der Bösewicht so bekannt aussieht, achtet Justus auf die wirklich wichtigen Dinge: Metadaten! Sein Schachzug am Ende, den Täter durch das Datum der Digitalfotos zu überführen, ist klassischer Sherlock-Holmes-Stoff. Das ist der Justus, den wir lieben: Arrogant, brillant und am Ende hat er auch noch geblufft. 10 von 10 Schrottplatz-Punkten für Jupiter.

Peter Shaw: Ach, Peter. Unser „Zweiter“ hat es hier nicht leicht. In der Buchvorlage (dazu gleich mehr) ging er allen mit einem ständigen „So what?“ auf die Nerven – zum Glück blieb uns das im Hörspiel weitgehend erspart. Aber seine Performance auf der Insel? Uff. Er friert, er jammert, und dann diese Sache mit dem Handy. Wer wirft denn bitte sein Mobiltelefon beim Sturz so unglücklich weg, dass es quasi atomisiert wird? Aber man muss ihm lassen: Er geht tauchen, wo andere nicht mal den großen Zeh reinhalten würden. Ein tragischer Held in Neopren.

Bob Andrews: Bob ist hier der MVP (Most Valuable Player) der Recherche. Er ist es, der die Botanik-Kenntnisse auspackt. Ohne Bob hätten Justus und Peter vermutlich nach einem Piraten mit Goldzahn gesucht, statt nach der Pflanze „Goldregen“. Bob beweist einmal mehr, dass man Probleme nicht immer mit Muskeln, sondern mit einem gut sortierten Archiv (oder Pflanzenführer) löst.

DIE GEGENSPIELER


Kommen wir zum Elefanten im Raum: Liolotta. Nein, das ist kein Tippfehler. Im Inlay und in der Sprecherliste heißt der Bösewicht, der aussieht wie Ray Liotta, tatsächlich „Liolotta“. Vermutlich saß die Rechtsabteilung von Europa schwitzend im Konferenzraum und dachte: „Wenn wir ihn nur fast so nennen, merkt es keiner!“ Michael Kock (so sein Rollenname, glaube ich, oder war es andersrum?) ist ein solider Ganove, aber diese Namens-Farce stiehlt ihm die Show. Seine Partnerin Max Stevenson ist da schon interessanter – eine Frau, die ordentlich austeilt, aber am Ende gegen Justus’ Intellekt untergeht.

BESTE MOMENTE


1. Justus' Datum-Trick: Der Moment, in dem Justus enthüllt, dass die Kamera ein falsches Datum eingestellt hatte und damit das Alibi der Bösewichte platzen lässt. Das ist so wunderbar technisch-nüchtern, dass man applaudieren möchte.
2. Tante Mathildas Kuchen: Bob verfüttert den legendären Kirschkuchen an Wildkatzen (oder waren es Waschbären?). Ein Sakrileg! Aber ein sehr lustiges.
3. Der Tauchgang: Als Peter im Bergsee das Skelett von Dennis Brown findet. Das ist für D3F-Verhältnisse schon fast gruselig und sorgt für echte Gänsehaut-Atmosphäre.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan der Bösewichte macht so viel Sinn wie ein Sieb als Regenschirm. Warum locken sie die drei ??? auf die Insel, wenn sie das Rätsel eigentlich schon fast gelöst haben? Sie brauchen die Jungs eigentlich gar nicht. Und dann zünden sie das Schiffswrack an, nachdem die Detektive schon dort waren? Das ist „Bösewicht-Logik für Anfänger“.
Außerdem: Die Anagramme. „Reeve Daniels“ wird zu „Free Island“. Wow. Da hat sich Ben Nevis aber richtig ins Zeug gelegt. Das hätte selbst Peter nach zwei Minuten Schlafentzug gelöst.

SERIEN-KONTEXT (Der Nerd-Teil!)


Jetzt wird’s spannend für die Lore-Experten unter euch!
Althena kehrt zurück! Das ist tatsächlich eine Besonderheit. Althena kennen wir aus Folge 123 „Geheimnis der Höhle“ (bzw. dem Buch „Höhle des Grauens“). Damals war sie Teil des Detektiv-Duos „Callidae“. Dass eine Nebenfigur, die nicht Skinny Norris oder Victor Hugenay heißt, zurückkehrt und eine tragende Rolle spielt (auch wenn sie meistens gefesselt ist), ist selten und ein toller Fan-Service.
Insel-Trauma: Nach „Geisterinsel“ (Folge 18) und „Toteninsel“ (Folge 100) sollten die drei ??? eigentlich wissen: Gehe nie auf eine Insel, die „Free Island“, „Toteninsel“ oder „Insel des schrecklichen Verderbens“ heißt. Es endet immer mit Feuer, Wasser und Verbrechern.
Hitchcocks Büro: Elvira Zuckerman residiert im ehemaligen Büro von Alfred Hitchcock. Ein netter kleiner Meta-Gag, der an die Ursprünge der Serie erinnert.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier fährt Europa schwere Geschütze auf:
Peter Striebeck (Liolotta): Ein absolutes Urgestein! Der Mann ist eine Theaterlegende (u.a. Thalia Theater Hamburg) und war in unzähligen Filmen und Serien zu sehen (z.B. in der legendären „Buddenbrooks“-Verfilmung von 1959). Dass er hier den „Ray Liotta“-Verschnitt gibt, ist fast schon Verschwendung seines Talents, aber er macht das mit einer wunderbaren knurrigen Bösartigkeit.
Traudel Sperber (Max): Eine sehr markante Stimme, die man oft in toughen Frauenrollen hört. Sie bringt die nötige Härte in die Rolle.
Steffi Kirchberger (Althena): Schön, dass sie für die Kontinuität wieder besetzt wurde. Sie gehört zum festen Stamm der Hamburger Synchron-Szene.
Thomas Fritsch: Unser Erzähler. Gott hab ihn selig. Seine Stimme verleiht selbst den absurdesten Szenen (wie dem Namen Liolotta) eine gewisse Würde.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ben Nevis, das 2007 erschien. Ben Nevis ist bekannt für seine actionreicheren Storys (er schrieb auch „Todesflug“ – ja, genau, die Folge im Weltall...).
Interessantes Trivia: Im Buch hat Peter eine neue Marotte. Er sagt ständig „So what?“. Das hat die Leser damals wahnsinnig gemacht. André Minninger (der Skript-Gott) hatte ein Einsehen und hat diesen nervigen Running Gag für das Hörspiel weitgehend gestrichen. Danke, André! Dafür wurde der Name des Bösewichts von „Ray Liotta Typ“ (Buch) zu „Liolotta“ (Hörspiel) geändert, was vermutlich wirklich rechtliche Gründe hatte, aber einfach herrlich bescheuert klingt.


FAN-SERVICE-CHECK


Visitenkarte: Die Übergabe der Karte darf nicht fehlen, auch wenn sie hier fast zur Nebensache wird.
Schrottplatz-Vibes: Der Einstieg auf dem Schrottplatz mit Tante Mathildas Müll-Problemen (die Säcke!) ist pure Nostalgie.
Recycling: Die Musikstücke sind teilweise schöne alte Klassiker, die für die richtige Stimmung sorgen.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Fluch des Piraten“ ist wie ein Burger von einer Fast-Food-Kette: Er macht satt, schmeckt ganz okay, aber man weiß, dass es bessere gibt. Die Folge leidet unter Logiklöchern und einem etwas konstruierten Plot, punktet aber mit toller Atmosphäre (Insel, Wrack, Schatz), guten Sprechern und einem Justus Jonas in Hochform.

Für wen ist die Folge? Für alle, die klassische Abenteuer-Settings mögen und darüber hinwegsehen können, dass der Bösewicht wie ein missglücktes Anagramm eines Hollywood-Stars heißt. Es ist keine Top-10-Folge, aber solides Mittelfeld. Perfekt zum Einschlafen oder für eine Autofahrt an den Strand (aber lasst die Handys im Auto!).

Bleibt neugierig,
Euer 4. Detektiv

Wusstest du schon?

Der Bösewicht wird im Inlay und in manchen Quellen 'Liolotta' genannt, offensichtlich um rechtliche Probleme wegen der Ähnlichkeit zum realen Schauspieler Ray Liotta zu vermeiden, obwohl er im Hörspiel selbst meist als 'Ray Liotta Typ' oder Michael Kock bezeichnet wird.
Die Figur Althena tauchte bereits in Folge 123 'Geheimnis der Höhle' (bzw. Buch: 'Höhle des Grauens') auf, was für die Serie eher ungewöhnliche Kontinuität beweist.
Der Originaltitel des Buches von Ben Nevis lautet ebenfalls 'Fluch des Piraten'.
Cover
Bewertung
6.5
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6,5 von 10 Kirschkuchen (aber bitte ohne Wildkatzen)
Das Rätsel
Die Anagramme 'Reeve Daniels' zu 'Free Island' sind für Justus-Verhältnisse fast zu simpel, aber klassisch. Viel schöner ist Bobs botanischer Geistesblitz mit dem Goldregen. Das Highlight ist jedoch Justus' Deduktion am Ende bezüglich des falschen Datums in der Kamera – ein cleveres Detail, das fair vorbereitet wurde.
Plot & Logik
Der Plan der Bösewichte ist unnötig kompliziert: Warum die Detektive erst auf die Insel locken, wenn Max und ihr Partner doch schon alles wissen? Dass Elvira die Jungs schickt, wirkt wie ein erzwungener Plot-Device, um alle auf die Insel zu bekommen. Auch dass Peter sein Handy genau so verliert, dass er später nicht Hilfe rufen kann, ist etwas konstruiert.
Kapitel
1 Auf der Flucht 0:00 min
2 Die rätselhaften Bilder 2:17 min
3 Der Schatz 9:18 min
4 Ort der Hinterlassenschaft 15:39 min
5 Ein verlockendes Angebot 17:16 min
6 Entwischt 20:23 min
7 Enträtselt 23:33 min
8 Auf festem Boden 27:01 min
9 Das Wrack 30:16 min
10 Flackerndes Licht 32:58 min
11 Die drei Feuerlöscher 35:09 min
12 Am Ziel 43:55 min
13 Rettung!? 45:59 min
14 Schock in der Tiefe 51:03 min
15 Die Nerven liegen blank 56:00 min
16 Hände hoch! 58:52 min
17 Gratulation 68:48 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Der erste Detektiv ist in Hochform. Er durchschaut das falsche Alibi von Max durch reine Beobachtungsgabe (Handschuh, Kameradatum) und behält in der Konfrontation die Nerven.
P
Peter Shaw
Leider wird Peter hier sehr auf die Rolle des jammernden Angsthasen reduziert. Er friert, beschwert sich permanent und will nach Hause. Sein einziger heldenhafter Moment ist der Tauchgang, der ihn aber nur noch mehr traumatisiert.
B
Bob Andrews
Bob hat starke Momente. Er recherchiert die Hintergründe zum Film und liefert mit seinem Wissen über Pflanzen ('Goldregen') den entscheidenden Hinweis zum Schatzversteck.

Sprecher

Verwandte Folgen

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