Zusammenfassung

Peter und Bob treten ein Praktikum bei der Theatergruppe 'Reality 5' an, die in einem Canyon bei Rocky Beach probt. Gleich bei ihrer Ankunft überraschen sie an Ralphs Wohnwagen einen Einbrecher, der als Steinzeitmensch maskiert ist und flüchtet. Dabei verschwindet die Seite 219 des Manuskripts von Scott Carreras letztem Stück – ausgerechnet die Seite mit einem entscheidenden Rätsel. Justus, der sich bei einem Unfall das Bein gebrochen hat, koordiniert die Ermittlungen vom 'Schrottplatz-Büro' aus und übernimmt die Rolle 'Recherche und Archiv'.

Peter und Bob finden das Fellkostüm des Einbrechers im verfallenen Haus des Künstlers Fly Thompson, wo auch Ginas Sohn Charlie versteckt spielte. Die Ermittlungen ergeben, dass das Theaterstück auf der wahren Geschichte der 'Krone der Königin von Saba' basiert, die vor Jahren verschwand. Justus vermutet, dass das Stück Hinweise auf das reale Versteck des Juwels enthält. Die Lage spitzt sich zu, als ein Brandanschlag auf das Kassenhäuschen verübt wird und dabei alle Kopien des Skripts gestohlen werden – bis auf das Exemplar der Detektive. Als Hauptverdächtiger gilt der Investor Turnbull, der das Gelände für ein Fitnesscenter kaufen will.

Zur Premiere schleusen die drei ??? Kommissar Reynolds ein. Justus unterbricht die Aufführung für einen großen Auftritt: Er entschlüsselt das auf einem Torbogen eingemeißelte spanische Rätsel von Fly Thompson ('Dime ahora de esos dos ramilletes...'). Die Antwort führt zu 'verliebten Kreisen' – in Stein gemeißelte Herzen im Felsen. Justus öffnet das Versteck, doch es ist leer. Die Auflösung bringt eine Überraschung: Gina hatte das Rätsel längst gelöst, die Krone geborgen und der Botschaft übergeben. Der Einbrecher im Steinzeitkostüm war Ralph selbst, der den Diebstahl vortäuschte, um das Rätsel für sich allein zu haben, die Seite aber durch ein Missgeschick an Bobs Schuhsohle verlor.

Review

Hollywood in Rocky Beach: Als Daniel Brühl nervte und Justus das Bein brach
Ein Hollywood-Star als Zicke, ein Harry Rowohlt als Sheriff und ein Justus Jonas, der zur Untätigkeit verdammt ist. Warum Folge 118 trotz Logiklöchern so groß wie der Grand Canyon absolutes Kult-Potenzial hat!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder!

Setzt euch, nehmt euch einen Keks (aber nicht alle auf einmal, sonst schimpft Tante Mathilda) und lasst uns über eine Folge reden, die in der Ruhmeshalle der „Drei Fragezeichen“ einen ganz besonderen Platz einnimmt. Nicht unbedingt wegen der logischsten Handlung seit Erfindung der Deduktion, sondern weil hier ein Cast am Mikrofon steht, der Hollywood vor Neid erblassen ließe. Wir reisen zurück ins Jahr 2004, als Justus Jonas das Pech hatte, über seine eigenen Füße (oder ein Fahrrad?) zu stolpern, und Daniel Brühl noch Zeit hatte, arrogante Schauspieler in Rocky Beach zu mimen. Vorhang auf für Folge 118: Das düstere Vermächtnis!

ERSTER EINDRUCK


Man legt die CD (oder Kassette, für die Puristen unter uns) ein und denkt sofort: „Huch, bin ich im falschen Film?“ Da brummelt Harry Rowohlt, da schnöselt Daniel Brühl, und George Clooney (alias Detlef Bierstedt) mischt auch noch mit. Akustisch ist das hier Champions League. Die Atmosphäre im Canyon, die Theater-Vibes und die sommerliche Hitze kommen fantastisch rüber. Man riecht förmlich den staubigen Wüstensand und das Haarspray der Schauspieler. Es wirkt groß, cinematisch und – ja, auch ein bisschen chaotisch.

DIE STORY


Peter und Bob machen ein Praktikum bei der Theatergruppe „Reality 5“, die in einem Canyon bei Rocky Beach ein Stück über die Königin von Saba probt. Klingt nach Kultur, endet aber im Chaos: Ein Einbrecher im Steinzeit-Kostüm (dazu kommen wir noch...) wird überrascht, ein Manuskript verschwindet, und es brennt an allen Ecken und Enden. Währenddessen sitzt unser Erster Detektiv mit einem Gipsbein in der Zentrale fest und muss den Fall per Telefon und Funkgerät lösen. Es geht um einen verschollenen Edelstein, kryptische Verse und Immobilienhaie. Also quasi ein normaler Dienstag in Rocky Beach.

UNSERE HELDEN


Justus Jonas: Der arme Kerl. Zur Untätigkeit verdammt, muss er die Rolle des „Armchair Detectives“ übernehmen. Und wir wissen alle: Ein Justus ohne Bewegungsfreiheit ist wie ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Oliver Rohrbeck spielt diese genervte Ungeduld grandios. Sein Highlight? Der Moment, als er trotz Gips auf die Bühne humpelt, um den großen Schlussakkord zu liefern. Typisch Justus: Er kann nicht laufen, aber er muss im Rampenlicht stehen.

Peter & Bob: Endlich sturmfrei! Ohne den „Dicken“ im Nacken blühen die beiden richtig auf. Bob übernimmt die Führung vor Ort (und genießt es sichtlich), während Peter – unser Held mit der Dietrich-Allergie – sich als Action-Held beweisen darf. Die Dynamik verschiebt sich herrlich: Bob wird zum Ermittler und Justus zum „Recherche und Archiv“-Beauftragten. Allein für Bobs süffisante Kommentare Richtung Zentrale lohnt sich die Folge.

DIE GEGENSPIELER


Leute, wir müssen reden. Der Antagonist Ralph. Sein Plan ist... nun ja... „speziell“. Er verkleidet sich als Steinzeitmensch, um in seinen eigenen Wohnwagen einzubrechen, damit es so aussieht, als wäre das Manuskript gestohlen worden. Das ist so umständlich, das hätte sich nicht mal Skinny Norris nach drei Litern Cola ausgedacht.

Aber dafür haben wir Jack, gesprochen von Daniel Brühl. Er spielt den arroganten Jung-Schauspieler so herrlich unsympathisch, dass man ihm am liebsten Peters Dietrich an den Kopf werfen möchte. Ein fantastischer „Love-to-hate“-Charakter.

BESTE MOMENTE


1. Das Spanisch-Debakel: Peters Versuch, das spanische Rätsel zu übersetzen („Deine Gedankengänge dünken mir mitunter etwas Spanisch“). Ein Brüller.
2. Harry Rowohlt als Sheriff: Jeder Satz ein Genuss. Wenn er brummt, vibriert die Lautsprechermembran.
3. Bobs Schuhsohle: Okay, es ist völlig absurd (siehe Schwachstellen), aber wie Bob zufällig die entscheidende Seite 219 am Schuh kleben hat, ist so ein typischer „Ben Nevis Moment“, dass man einfach lachen muss.
4. Justus' großer Auftritt: Die Auflösung des Rätsels auf der Bühne („Dime ahora...“). Kitschig? Ja. Episch? Absolut.

SCHWACHSTELLEN


Wir müssen über den Elefanten im Raum sprechen: Der Zufall. Ben Nevis (der Autor) liebt Action, aber manchmal nimmt er es mit der Wahrscheinlichkeit nicht so genau. Dass die eine wichtige Seite des Manuskripts, die den Ort des Schatzes verrät, ausgerechnet an Bobs Schuhsohle kleben bleibt, dort den ganzen Weg vom Wohnwagen bis zum Versteck überlebt und dann von einem kleinen Jungen gefunden wird... uff. Da muss man schon beide Augen zudrücken und laut „La La La“ singen.
Und der Plan des Täters? Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht? Die ganze „Ich breche bei mir selbst ein“-Nummer ist logisch so löchrig wie ein Schweizer Käse nach einem Schrotflinten-Beschuss.

SERIEN-KONTEXT


Folge 118 ordnet sich in die „Moderne Ära“ der 2000er ein. Nach der DiE DR3i-Rechtsstreit-Pause (die erst später kam, aber die Ära definiert) ist dies eine solide Ben-Nevis-Produktion.
Verbindungen: Es gibt keine direkten Fortsetzungen, aber das Motiv „Theater/Filmset“ kennen wir aus Klassikern wie Das Gespensterschloss oder Der rote Pirat. Justus' Immobilität erinnert an Der Karpatenhund (wo er krank war) oder Die flüsternde Mumie.
Running Gags: Justus übernimmt hier offiziell den Bereich „Recherche und Archiv“ – ein schöner Rollentausch, der in späteren Folgen immer mal wieder als Frotzelei aufgegriffen wird.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier zieht Europa alle Register. Wir haben:
Daniel Brühl (Jack): Ja, DER Daniel Brühl. Good Bye, Lenin! war gerade ein Jahr raus (2003), er war auf dem Sprung zum Weltstar (Inglourious Basterds, Marvels Zemo). Dass er hier eine Gastrolle spricht, ist absoluter Kult.
Harry Rowohlt (Sheriff): Der legendäre Übersetzer (Pu der Bär) und „Penner Harry“ aus der Lindenstraße. Seine Stimme ist pures Gold. Leider weilt er nicht mehr unter uns († 2015), was diesen Auftritt umso wertvoller macht.
Detlef Bierstedt (Turnbull): Die deutsche Stimme von George Clooney (und Jonathan Frakes!). Wenn Turnbull spricht, erwartet man fast, dass er einem einen Nespresso anbietet.
Jan-David Rönnfeldt (Ralph): Ein vielbeschäftigter Synchronsprecher, oft auf etwas schmierige Typen abonniert, was hier perfekt passt.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ben Nevis, erschienen 2004. Nevis ist bekannt dafür, dass er gerne mal Action vor Logik stellt (wir erinnern uns an Todesflug). Interessant ist, dass im Buch die Szenen oft noch ausführlicher sind, aber das Hörspiel hält sich wacker. Produziert wurde das Ganze im klassischen Europa-Studio unter der Regie von Heikedine Körting. Es ist eine der Folgen, die kurz vor dem großen Rechtsstreit (2005-2008) erschienen, gehört also noch zur „alten“ Zählung, bevor es kurzzeitig zu „DiE DR3i“ wurde.


FAN-SERVICE-CHECK


Kirschkuchen: Leider Mangelware, Tante Mathilda hat nur einen kurzen Auftritt am Telefon.
Visitenkarte: Wird natürlich überreicht (wenn auch nicht von Justus persönlich).
Schrottplatz: Dient diesmal als echte Kommandozentrale. Wir lieben es, wenn Justus zwischen Reifenstapeln residiert.

FAZIT & EMPFEHLUNG


Das düstere Vermächtnis ist wie ein Blockbuster-Film mit ein paar Logiklöchern im Drehbuch: Man darf nicht zu viel nachdenken, aber man wird bestens* unterhalten. Der Cast ist einer der besten der gesamten Seriengeschichte. Wer Daniel Brühl und Harry Rowohlt in einem Hörspiel hören will, kommt hieran nicht vorbei. Die Story ist okay, das Rätsel um die Königin von Saba ganz nett, aber das wahre Highlight sind die Dialoge und die Sprecherleistung.

Für Fans von: Promi-Stimmen, Theater-Atmosphäre und einem leidenden Justus Jonas.

Ranking: Solides Mittelfeld mit Tendenz nach oben wegen des Star-Faktors.

Wusstest du schon?

Daniel Brühl, der hier die Rolle des Jack spricht, wurde später ein internationaler Filmstar (u.a. 'Inglourious Basterds', Marvel Cinematic Universe).
Harry Rowohlt hat einen Gastauftritt als Sheriff.
Justus übernimmt in dieser Folge offiziell den Bereich 'Recherche und Archiv', da er wegen seines Gipsbeins nicht mobil ist.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 an der Schuhsohle klebenden Manuskriptseiten
Das Rätsel
Die Schnitzeljagd nach dem 'Licht der Königin' ist klassischer Stoff, aber die Lösung über die 'verliebten Kreise' (Herzen) wirkt etwas abstrakt und zufällig. Dass Justus das Rätsel löst, aber die Truhe leer ist, ist ein schöner Twist, der die Allwissenheit des ersten Detektivs sympathisch bricht.
Plot & Logik
Hier knirscht es gewaltig: Dass Ralph sich als Steinzeitmensch verkleidet, um in seinen *eigenen* Wohnwagen einzubrechen, ist extrem umständlich konstruiert. Auch dass die entscheidende Manuskriptseite zufällig an Bobs Schuh kleben bleibt und dann von Charlie gefunden wird, strapaziert den Zufall enorm.
Kapitel
1 Erwischt 0:00 min
2 Der Chef 6:38 min
3 Islamisches Heiligtum 9:21 min
4 Ein Pflegefall 15:23 min
5 Im Geisterhaus 18:23 min
6 "Fly" – die Fliege 21:57 min
7 Die Maske des Steinzeitmenschen 25:35 min
8 Die einzig existierende Textvorlage 29:53 min
9 Feuer! 32:41 min
10 Ein wichtiges Detail 38:03 min
11 "Dime ahora …" 45:12 min
12 Pressemitteilung 48:01 min
13 Premiere 49:03 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brillant als 'Armchair Detective'. Sein Gipsbein zwingt ihn zur Delegation, was ihm sichtlich schwerfällt, aber die Dynamik belebt. Sein großer Auftritt auf der Bühne ist typisch Justus-Show.
P
Peter Shaw
Muss viel Laufarbeit leisten und beweist Mut beim Löschen des Feuers. Seine Spanisch-Übersetzung ('Deine Gedankengänge dünken mir mitunter etwas Spanisch') ist ein humorvolles Highlight.
B
Bob Andrews
Darf endlich mal 'Erster' sein und genießt es sichtlich, Justus mit 'Recherche und Archiv' aufzuziehen. Er zeigt gute Beobachtungsgabe vor Ort.

Sprecher

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