Zusammenfassung

Peter überredet seine Kollegen, den Fall von Mr. Donovan zu übernehmen, dessen Pferd 'Lady' während einer Show gestohlen wurde. Der Stallbursche Pit Jones behauptet, ein Indianer habe ihn niedergeschlagen und das Tier entführt. Auf der Rückfahrt werden die drei ??? von einem roten Buick bedrängt, aus dem eine schwarze Feder geworfen wird – laut Donovan und Bobs Recherchen eine Kriegserklärung des Stammes der Kitanemuk. Donovan erzählt von der Legende des Häuptlings Grauer Wolf, der einen Schatz versteckte, dessen Lage nur durch die Fellzeichnung seines Pferdes 'Steppendonner' zu finden sei. Bob projiziert ein Foto von Lady auf eine Landkarte und entdeckt eine Übereinstimmung mit der 'Schlucht der Dämonen'.

Donovan organisiert eine Expedition zu Pferd, an der die drei Detektive, Pit Jones und der Angestellte Max Seeler teilnehmen. In der Wüste häufen sich unheimliche Vorfälle: Peter sieht Augen im Gebüsch, eine dritte Feder taucht auf und der vermeintliche Einsiedler-Indianer 'Kleiner Fuchs' zerreißt ein Foto von Lady. In der Nacht wird Jones scheinbar entführt und das Pferd 'Snowflake' gestohlen. Die Gruppe verfolgt die Spuren, findet den verletzten Jones und sieht Rauchzeichen.

Justus täuscht vor, seine Satteltaschen vergessen zu haben, und reitet mit Peter zurück. Tatsächlich will er Kleiner Fuchs zur Rede stellen. Am Zielort, der Schlucht der Dämonen, kommt es zum Showdown: Ein Dieb versucht, Donovans wertvollstes Pferd 'Dancer' zu stehlen. Peter verfolgt ihn, bis der Reiter stürzt – es ist der Fotograf Brad Fleming. Justus enthüllt die Wahrheit: Die Schatz-Legende war eine Erfindung, um Donovan mit seinem 500.000 Dollar teuren Pferd 'Dancer' in die Einöde zu locken. Pit Jones und Fleming steckten unter einer Decke. Justus hatte den Plan durchschaut, da Kleiner Fuchs in Wahrheit der Ladenbesitzer John Kriegland im Kostüm ('Made in Korea') war. Zudem hatte Justus 'Snowflake' mit einer aufgemalten Blesse als 'Dancer' getarnt, weshalb die Diebe zweimal das falsche, wertlose Pferd stahlen.

Review

Howdy, Justus! Wenn der Indianer 'Made in Korea' ist 🤠🌵
Sattelt die Pferde! In Folge 112 wird's wild im Westen – mit einer Schatzkarte auf dem Pferderücken und einem Bösewicht, der am Kostümverleih scheitert. Warum Justus zum Pinsel greift und Peter plötzlich den Cowboy gibt, lest ihr hier!

Howdy, liebe Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Lagerfeuers!

Setzt eure Cowboy-Hüte auf und poliert die Sporen, denn heute reiten wir mit Justus, Peter und Bob in den Sonnenuntergang. Wir knöpfen uns Folge 112 vor: "Schlucht der Dämonen". Eine Folge, die beweist, dass man auch im 21. Jahrhundert noch Postkutschen-Romantik in ein Hörspiel quetschen kann – inklusive Indianer-Fluch und einer Schatzkarte, die haariger ist als Tante Mathildas Wadenwickel.

ERSTER EINDRUCK


Schon beim ersten Hören dachte ich: "Huch, hab ich aus Versehen eine alte Karl-May-Kassette eingelegt?" Die Atmosphäre ist dicht, staubig und schreit förmlich nach Bohneneintopf. Es ist eine dieser wunderbaren "Roadtrip"-Folgen, bei denen unsere drei Helden die heimelige Zentrale verlassen und sich in die Wildnis wagen. Man riecht förmlich das Lagerfeuer und den Pferdemist. Aber Vorsicht: Der Grat zwischen genialer Western-Atmosphäre und trashigem Scooby-Doo-Abklatsch ist hier schmaler als ein Indianerpfad.

DIE STORY


Alles beginnt harmlos: Mr. Donovan, ein Pferdebesitzer mit dem Temperament eines gereizten Büffels, vermisst seine Stute "Lady". Angeblich steckt ein Indianer dahinter. Doch dann wird’s wild: Eine schwarze Feder flattert als Drohung ins Auto, und wir erfahren von der Legende der Kitanemuk. Der Clou: Die Scheckung des Pferdes soll eine Schatzkarte sein. Ja, ihr habt richtig gelesen. Bob projiziert ein Foto des Pferdes (!) auf eine Landkarte (!!) und findet tatsächlich eine Übereinstimmung (!!!). Das ist so herrlich absurd, dass man es einfach lieben muss. In der titelgebenden Schlucht warten dann Geister, Rauchzeichen und ein Showdown, der sich gewaschen hat.

UNSERE HELDEN


Justus ist in Höchstform – und zwar als Stratege und Malermeister. Dass er den Bösewichten mit einem Eimer Farbe und einem Pinsel ein Schnippchen schlägt, ist einer der cleversten und zugleich simpelsten Tricks der Seriengeschichte. Chapeau, Erster!
Peter, unser "Zweiter Detektiv und Erster Angsthase", leidet mal wieder Höllenqualen. Geisterindianer? Übernatürliche Phänomene? Peter ist kurz davor, den Rückzug anzutreten. Aber: Er darf reiten! Und wie! Im Finale mutiert er zum Action-Helden zu Pferd. Ein schöner Kontrast zu seinem sonstigen Gejammer.
Bob hat seinen MVP-Moment (Most Valuable Player) ganz am Anfang mit der Diaprojektor-Nummer. "Der Mann, der Google erfunden hätte", beweist mal wieder, dass er jede noch so abwegige Recherche-Idee umsetzen kann.

DIE GEGENSPIELER


Die Schurken sind... nun ja, sagen wir mal: zweckmäßig. Pit Jones und Brad Fleming sind klassische Gierhälse ohne viel Tiefgang. Das Highlight ist aber zweifellos der "Indianer" Kleiner Fuchs. Wenn Justus ihm am Ende den Kopfschmuck vom Schädel reißt und trocken das Etikett vorliest, liegt man vor Lachen unterm Tisch. Ein Bösewicht, der am Kostümverleih scheitert – grandios!

BESTE MOMENTE


1. Der Projektor-Hack: Bob legt das Pferdefoto über die Karte. Es ist so banane, aber irgendwie auch genial.
2. Das "Made in Korea"-Finale: Justus entlarvt den Indianer-Spuk nicht durch Magie, sondern durch globale Handelswaren-Logistik. "Das ist kein echter Indianerschmuck, das ist Made in Korea!" – Legendär!
3. Peters Reitkünste: Endlich zahlt sich aus, dass Peter nicht nur Sportskanone, sondern scheinbar auch Pferdenarr ist. Die Verfolgungsjagd zu Pferd ist akustisch toll umgesetzt.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan der Verbrecher ist so unnötig kompliziert, dass es wehtut. Warum den ganzen Zirkus mit dem Indianer-Fluch, den Federn und der Schatz-Legende veranstalten, nur um ein Pferd zu klauen? Ein einfacher Bolzenschneider und ein dunkler Transporter hätten es auch getan. Aber gut, dann hätten wir ja keinen Fall. Zudem wirkt die Auflösung, dass die ganze Schatzgeschichte komplett erfunden war, fast ein bisschen enttäuschend für alle Schatzsucher unter uns.

SERIEN-KONTEXT


Folge 112 stammt aus der Feder von Marco Sonnleitner. Es ist eine seiner früheren Arbeiten für die Serie (er stieg um Folge 100 herum ein) und zeigt schon deutlich seine Handschrift: Mehr Action, raus aus Rocky Beach, und Gegner, die oft eher wie Bond-Bösewichte wirken als wie kalifornische Kleinkriminelle.
Interessant: Dies ist eine der wenigen Folgen, in denen die Jungs tatsächlich reiten und campen – ein Setting, das wir sonst eher von TKKG kennen. Es gibt keine direkten Verbindungen zu großen Handlungsbögen oder wiederkehrenden Erzfeinden wie Hugenay, weshalb die Folge wunderbar als "Stand-alone"-Abenteuer funktioniert.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es richtig kultig!
- Mr. Donovan wird gesprochen von Joachim Richert. Den kennen viele von uns als die deutsche Stimme von Grantelbart aus der Zeichentrickserie "Weihnachtsmann & Co. KG"! Wenn Donovan also losmeckert, wartet man fast darauf, dass er gleich "Gugor!" ruft. Leider ist Richert 2007 verstorben, aber hier liefert er noch mal eine herrlich knorrige Performance ab.
- Pit Jones wird gesprochen von Wolfgang Wagner. Ein vielbeschäftigter Mann! Star Wars Fans kennen seine Stimme aktuell als Paz Vizsla aus "The Mandalorian". Außerdem ist er die deutsche Feststimme von Nick Offerman (Ron Swanson in Parks and Rec!) und Paddy Considine.
- Erzähler: Thomas Fritsch ist wie immer der Fels in der Brandung, mit diesem wunderbaren Schmelz in der Stimme, der selbst den staubigsten Wüstenritt wie ein Märchen klingen lässt.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Ein echtes Schmankerl für Sammler: In der Erstauflage (und im Inlay vieler Versionen) hat sich der Fehlerteufel eingeschlichen. Dort wird oft Ben Nevis als Autor genannt – tatsächlich stammt die Geschichte aber von Marco Sonnleitner. Ups!
Außerdem wird im Inlay oft ein Charakter namens "Creeklong" gelistet. Im Hörspiel taucht der aber gar nicht namentlich so auf – gemeint ist der Ladenbesitzer John Kriegland (der falsche Indianer). Da hat wohl jemand beim Abtippen des Skripts "Kriegland" akustisch völlig falsch verstanden und "Creeklong" daraus gemacht. Ein herrlicher Produktions-Fail!


FAN-SERVICE-CHECK


- Justus' Besserwisserei: Check. Er erklärt uns ausführlich, warum Geister nicht existieren.
- Peters Angst: Check. Jedes Rascheln im Gebüsch ist für ihn der sichere Tod.
- Visitenkarte: Wird diesmal nicht übergeben, dafür gibt's Satteltaschen-Romantik.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Schlucht der Dämonen" ist Popcorn-Kino für die Ohren. Die Story ist hanebüchen, die Logik löchrig wie ein Kaktus, aber der Unterhaltungsfaktor ist riesig. Es ist eine dieser Folgen, die man zum Einschlafen liebt, weil die Atmosphäre so schön gemütlich ist, bis das Action-Finale einen wieder wachrüttelt. Wer Western mag und Justus mal als Pferdeflüsterer (oder eher Pferdemaler) erleben will, ist hier genau richtig.

Kein ewiger Klassiker wie der "Super-Papagei", aber solides Mittelfeld mit hohem Spaßfaktor.

Wusstest du schon?

Der 'Indianer' Kleiner Fuchs wird im Inlay mancher Auflagen fälschlicherweise als 'Creeklong' gelistet, was wohl eine phonetische Falschschreibung des Namens 'Kriegland' aus dem Skript ist.
Justus entlarvt den falschen Indianer durch ein Etikett mit der Aufschrift 'Made in Korea' an dessen Federschmuck.
Dies ist eine der wenigen Folgen, in denen die drei ??? reiten müssen und mehrere Tage in der Wildnis campieren.
Cover
Bewertung
5.5
🪶 🪶 🪶 🪶 🪶 🪶 🪶 🪶 🪶 🪶
5,5 von 10 gefälschten Indianerfedern
Das Rätsel
Die Grundidee einer 'Fell-Schatzkarte' ist herrlich abstrus und erinnert fast an Karl May. Dass Justus dies am Ende als Humbug entlarvt, rettet die Glaubwürdigkeit. Der Plan der Verbrecher ist allerdings extrem aufwendig für einen simplen Pferdediebstahl.
Plot & Logik
Warum die Gangster diesen riesigen Aufwand mit Indianer-Mythen betreiben, statt das Pferd einfach aus dem Stall zu klauen, bleibt fragwürdig. Dass sie zweimal das falsche Pferd erwischen, wirkt etwas konstruiert, wird aber durch Justus' List mit der bemalten Blesse charmant erklärt.
Kapitel
1 Unternehmensphilosophie 0:00 min
2 Ein Gaul namens "Lady" 2:44 min
3 Die erste Feder 7:48 min
4 Die zweite Feder 10:42 min
5 Ein Fachmann indianischer Kultur 12:07 min
6 Schlucht der Dämonen 21:03 min
7 Die dritte Feder 23:35 min
8 Von Kakteen umgeben 30:59 min
9 Überfall 32:34 min
10 Kriegstrommeln 36:56 min
11 Justus flucht 41:54 min
12 Eine alte Indianer-Sage 45:09 min
13 Sturz in die Schlucht 47:45 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brillant! Er durchschaut den 'Made in Korea'-Schwindel sofort und führt die Gegner mit dem vertauschten Pferd an der Nase herum. Ein starker Fall für den ersten Detektiv.
P
Peter Shaw
Er bringt den Fall nicht nur ins Rollen, sondern darf als Reiter auch im Finale glänzen. Seine Angst vor den 'Indianern' ist typisch, aber er überwindet sie.
B
Bob Andrews
Er hat seinen großen Moment bei der Projektion der Karte im Wohnwagen, ist ansonsten aber eher begleitend tätig.

Sprecher

Verwandte Folgen

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