Zusammenfassung

Titus Jonas besucht mit Justus die erblindete Witwe Mrs. Hazelwood, um ihre umfangreiche Bibliothek aufzukaufen, doch während des Besuchs wird deren Haushälterin Laura im Gartenschuppen von Hornissen attackiert. Mrs. Hazelwood ist panisch, da Insekten in ihrer Vergangenheit stets Vorboten von Schicksalsschlägen waren – so starb ihr spielsüchtiger Mann Gil angeblich nach einem Insekten-Omen. Die Situation eskaliert, als Laura aus dem Krankenhaus zurückkehrt und behauptet, Moskitos würden eine tödliche Schlafkrankheit übertragen. Kurz darauf wird Mrs. Hazelwood gestochen und entwickelt starke Krankheitssymptome.

Die drei ??? übernehmen den Fall und bemerken seltsame Phänomene: Mrs. Hazelwood spürt, dass Möbelstücke minimal verrückt wurden, obwohl sie blind ist. Während Peter bei einem Experten klärt, dass die 'Todes-Moskitos' ein Märchen sind, und Bob herausfindet, dass Gil Hazelwood in seiner Todesnacht gar nicht im Casino war, kombiniert Justus die Hinweise. Ein verschwundenes Buch über Heraldik und das mysteriöse Verschieben von Möbeln unter 'Schrägbalken' im Haus führen ihn auf die richtige Spur.

Justus stellt eine Falle im Lagerschuppen des Schrottplatzes. Er lockt Laura dorthin, indem er behauptet, das gesuchte Buch sei dort. Im Finale entlarvt er Laura als Gils ehemalige Geliebte. Sie hatte Mrs. Hazelwood mit Buttersäure für Mücken attraktiv gemacht und sie unter Drogen gesetzt, um ungestört nach Gils verstecktem Vermögen zu suchen. Dieses befand sich ausgehöhlt im Heraldik-Buch beim Wappen mit dem 'Schrägbalken'. Laura wird von Justus mit harmlosen Hornissenschwärmern in Schach gehalten, bis die Polizei eintrifft.

Review

Summ, summ, summ – Justus haut dich um! Warum Folge 97 mehr sticht als man denkt.
Eine blinde Millionärin, eine Haushälterin mit Whoopi-Goldberg-Stimme und ein Justus Jonas, der als 'Fettmops' beleidigt wird. Warum 'Insektenstachel' ein völlig unterschätztes Highlight der 100er-Ära ist!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder!

Heute ziehen wir uns die Imker-Schutzanzüge an, denn es wird gefährlich summend in Rocky Beach. Wir knöpfen uns Folge 97 vor: "Insektenstachel". Eine Folge aus der Feder von André Minninger, und wer den Mann kennt, der weiß: Es wird psychologisch, es wird fies und meistens gibt es eine ältere Dame, die ordentlich leiden muss. Also eigentlich ein ganz normaler Dienstag für unsere drei Detektive.

ERSTER EINDRUCK


Schon beim ersten Hören spürt man diese drückende Hitze. Es ist eine dieser Folgen, bei denen man automatisch Durst auf Eistee bekommt. Die Atmosphäre ist dicht, fast schon ein Kammerspiel. Wir sind größtenteils im Haus der blinden Mrs. Hazelwood oder auf dem Schrottplatz (ja, Titus Jonas ist dabei!). Der Titel "Insektenstachel" klingt erstmal nach B-Movie-Horror, aber – Spoiler-Alarm – wir haben es hier mit einem der solidesten Krimis der 100er-Ära-Vorphase zu tun. Und Leute, das Cover von Aiga Rasch (in ihrer späten Phase) mit der Riesenwespe auf dem Auge? Albtraum-Material!

DIE STORY


Kurzfassung für Eilige: Die reiche, blinde Witwe Mrs. Hazelwood wird terrorisiert. Angeblich kündigen Insekten in ihrer Familie immer den Tod an. Als ihre Haushälterin Laura von Hornissen attackiert wird und Mrs. Hazelwood selbst gestochen wird, dreht die alte Dame fast durch. Dazu kommt, dass Möbelstücke im Haus wandern, was für eine Blinde natürlich der absolute Horror ist (Stichwort: Schienbein anstoßen, autsch!). Justus wittert, dass hier jemand ein ganz mieses Spiel treibt, um an das versteckte Erbe des verstorbenen Gatten zu kommen. Es geht um Heraldik, Insekten-Phobien und die Frage, ob Moskitos wirklich die Schlafkrankheit nach Rocky Beach bringen können.

UNSERE HELDEN


Justus "The Brain" Jonas: Unser Erster Detektiv ist in Hochform. Er glänzt mit unnützem Wissen über Heraldik (natürlich weiß er, was ein "Schrägbalken" ist, wer denn nicht?) und behält einen kühlen Kopf, während alle anderen panisch um sich schlagen. Aber der absolute Höhepunkt ist seine Konfrontation mit der Antagonistin. Er lässt sich sogar als "Fettmops" beleidigen, nur um dann im Finale den coolsten Bluff seit langem abzuziehen. Justus nickt hier nicht nur bedächtig, er triumphiert bedächtig.

Peter "Angstschweiß" Shaw: Peter ist... nun ja, Peter. Er hat Angst vor den Insekten. Er hat Angst vor dem Fluch. Er hat eigentlich vor allem Angst. Aber er macht seinen Job! Er recherchiert bei einem Insekten-Experten und widerlegt die "Todes-Moskito"-Theorie. Solide Arbeit, Zweiter!

Bob "Recherche" Andrews: Bob rettet mal wieder den Tag im Archiv. Er findet heraus, dass der verstorbene Ehemann Gil Hazelwood ein falsches Alibi hatte. Ohne Bob hätten wir zwar gewusst wer es war, aber nicht warum. Ein Hoch auf Zeitungsarchive!

DIE GEGENSPIELER


Leute, festhalten. Wir haben hier eine der besten weiblichen Bösewichte der Serie. Laura Stryker, die Haushälterin. Gesprochen von der grandiosen Regina Lemnitz (dazu gleich mehr). Sie ist vulgär, sie ist frech, sie ist herrlich unsympathisch. Wie sie Justus anpflaumt, ist Comedy-Gold. Man liebt es, sie zu hassen. Und ihr Plan, eine blinde Frau mit Insektenspray einzunebeln und Möbel zu verrücken? Das ist schon Level "Psychopath" auf der Minninger-Skala.

BESTE MOMENTE


1. Der "Fettmops"-Moment: Laura Stryker nennt Justus einen "Fettmops". Ich habe fast meine Cola ausgespuckt. Niemand beleidigt Justus Jonas ungestraft! Die Rache folgt auf dem Fuße.
2. Das Finale im Schuppen: Justus nutzt "Hornissenschwärmer" (Sesia apiformis), um die Täterin in Schach zu halten. Er erklärt ihr eiskalt, dass das harmlose Schmetterlinge sind, die nur so aussehen wie Hornissen (Mimikry), nachdem sie sich vor Angst fast in die Hose gemacht hat. Eiskalt serviert!
3. Mrs. Hazelwoods Würde: Wie die blinde Dame beschreibt, dass sie spürt, wenn Möbel nur wenige Zentimeter verrückt wurden. Gruselig und faszinierend zugleich.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Die Geschichte mit den "Todes-Moskitos", die die Schlafkrankheit übertragen, ist schon sehr dick aufgetragen. Dass Laura damit durchkommt, liegt nur daran, dass in Rocky Beach anscheinend niemand Wikipedia benutzt (okay, es war 2001, da war das noch anders). Auch dass sie ein ganzes Jahr wartet, um das Erbe zu suchen, ist ein bisschen... naja, geduldig?
Ein kleiner Regie-Patzer am Rande: In einer Szene ruft Justus seinen Onkel mit "Titus, guck mal!" statt "Onkel Titus". Das klingt so respektlos, als hätte Justus gerade seine Pubertät entdeckt. Ein seltener Fehler, der drin geblieben ist.

SERIEN-KONTEXT


Die Folge 97 markiert den Übergang in die 100er-Ära, in der André Minninger immer mehr Einfluss gewann. Seine Handschrift ist klar erkennbar: Er liebt psychologischen Terror mehr als physische Gewalt. Das Motiv der "terrorisierten Frau im eigenen Haus" finden wir später oft wieder (z.B. in Stimmen aus dem Nichts oder Rufmord). "Insektenstachel" gilt unter Fans oft als "Hidden Gem" – sie wird selten in Top-10-Listen genannt, aber fast jeder mag sie, weil sie so schön klassisch konstruiert ist. Es gibt keine übernatürlichen Monster, sondern menschliche Abgründe.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier knien wir nieder vor zwei Giganten der Synchronbranche:

Marianne Kehlau (Mrs. Hazelwood): Eine absolute Legende! Sie war die Stimme von Grace Kelly und Ingrid Bergman. Bei den drei ??? kennen wir sie als die wunderbare Mrs. Darnley aus dem Zauberspiegel (Klassiker-Alarm!) oder aus dem Karpatenhund. Sie starb leider 2002, nur ein Jahr nach dieser Aufnahme. Es ist eine ihrer letzten großen Rollen und sie spricht die blinde Dame mit so viel Zerbrechlichkeit und gleichzeitiger Strenge – Gänsehaut!
Regina Lemnitz (Laura Stryker): Ihr kennt diese Stimme! Sie ist die deutsche Feststimme von Whoopi Goldberg, Kathy Bates und Roseanne Barr. Sie bringt diese "Working Class"-Schnauze perfekt rüber. Wenn sie spricht, sieht man förmlich Whoopi Goldberg im Nonnenkostüm vor sich, nur in böse. Ein absolutes Highlight!

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch stammt von André Minninger selbst. Interessant ist hier die Kontinuität: Minninger schrieb in dieser Zeit viele der "härteren" Fälle. Die Folge erschien im Juni 2001. Damals experimentierte man musikalisch schon mit neueren Klängen, aber die Atmosphäre bleibt hier erstaunlich klassisch. Fun Fact: Die erwähnten "Hornissenschwärmer" gibt es wirklich. Minninger hat hier also sauber recherchiert und keinen Quatsch erzählt (im Gegensatz zu den Todes-Moskitos).


FAN-SERVICE-CHECK


Schrottplatz-Liebe: Wir sind im "Lagerschuppen B"! Szenen auf dem Schrottplatz sind immer ein Pluspunkt.
Tante Mathilda & Onkel Titus: Titus darf mitmischen und Bücher kaufen. Immer schön, wenn die Familie eingebunden ist.
  • Justus' Gewicht: Wird thematisiert. Check.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Insektenstachel" ist wie ein gut gemachter Kirschkuchen von Tante Mathilda: Klassisches Rezept, aber mit einer überraschenden Note (Buttersäure!). Wer Kammerspiele mag, grandiose Sprecherinnen hören will und Justus in Bestform erleben möchte, MUSS diese Folge hören. Sie ist spannend, logisch (meistens) und hat mit Laura Stryker eine Antagonistin, die man nicht so schnell vergisst.

Ranking-Potenzial: Solides oberes Mittelfeld. Keine "Gespensterschloss"-Liga, aber meilenweit über "Todesflug".

Wusstest du schon?

Regina Lemnitz, die Sprecherin der Laura, ist die deutsche Feststimme von Whoopi Goldberg und Kathy Bates.
Marianne Kehlau (Mrs. Hazelwood) ist eine Hörspiel-Legende und war bereits in klassischen Folgen wie 'Der Zauberspiegel' (als Mrs. Darnley) dabei.
Die 'Hornissenschwärmer' (Sesia apiformis), die Justus am Ende erwähnt, gibt es wirklich; es sind harmlose Schmetterlinge, die Hornissen imitieren (Mimikry).
Cover
Bewertung
6
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6 von 10 harmlosen Hornissenschwärmern
Das Rätsel
Die Grundidee mit dem doppeldeutigen 'Schrägbalken' (Architektur vs. Heraldik) ist klassisch und clever konstruiert. Dass Insekten als Waffe und psychologisches Druckmittel eingesetzt werden, ist originell, wenn auch die 'Todes-Moskito'-Story etwas dick aufgetragen wirkt.
Plot & Logik
Der Plan der Täterin ist perfide: Die Blindheit des Opfers auszunutzen, um Möbel zu verrücken und nach einem Versteck zu suchen, ist logisch und gruselig zugleich. Einziges kleines Manko: Dass Laura ein ganzes Jahr wartet, ehe sie nach dem Geld sucht, wird zwar mit einer 'anderen Beziehung' erklärt, wirkt aber etwas konstruiert.
Kapitel
1 Panik 0:00 min
2 Albträume 8:41 min
3 Parasiten 18:49 min
4 Blutsauger 27:41 min
5 Beklemmung 33:48 min
6 Zusammenführung 41:07 min
7 Abgründe 51:15 min
8 Erlösung 62:56 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch reines Wissen (Heraldik) und Beobachtungsgabe. Sein Bluff mit den harmlosen 'Hornissenschwärmern' am Ende ist ein genialer Schachzug, der zeigt, dass er dem Täter immer einen Schritt voraus ist.
P
Peter Shaw
Ist hier nicht nur der Angsthase, sondern leistet wichtige Basisarbeit bei der Recherche über die Insekten. Seine Angst vor dem 'Fluch' dient als guter Kontrast zu Justus' Rationalität.
B
Bob Andrews
Übernimmt den entscheidenden Part der Archiv-Recherche, der Gils Alibi platzen lässt. Ohne seine Entdeckung, dass der Unfallort nicht zum Casino passt, wäre das Motiv unklar geblieben.

Sprecher

Verwandte Folgen

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