Zusammenfassung

Die drei Fragezeichen befinden sich im Auftrag von Bobs Vater in Los Angeles, um Fotos vom Filmfestival 'Goldener Rabe' zu machen. Vor dem Biltmore Hotel entdecken sie eine Gestalt, die scheinbar durch die Luft auf das Hoteldach schwebt. Peter gelingt ein Schnappschuss, doch bei der anschließenden Verfolgung in eine nahegelegene Kirche entkommt der 'Rabe'. Bob wird dabei umgestoßen und verliert seine Kamera sowie seine Brieftasche.

Im Polizeipräsidium erfahren sie von Detective Gregson, dass der Rabe ein gesuchter Juwelendieb ist, der es auf den Schmuck reicher Schauspielerinnen abgesehen hat. Zurück in ihrem Hotel erhalten die Detektive ein mysteriöses Päckchen ohne Absender. Es enthält Bobs gestohlene Brieftasche (ohne Geld), eine Rabenfeder und eine Kassette. Auf dem Band befindet sich ein Gedicht und ein Musikstück. Justus erkennt, dass der Rabe ein Spiel mit ihnen treibt. Peter identifiziert die Musik als 'Ode an die Freude' aus Beethovens 9. Sinfonie, 4. Satz. Justus schlussfolgert daraus die Adresse 'Beethoven Street 94', wo sich das Hotel Venice Sunset befindet.

Bei der dortigen Observierung entdecken sie den Raben tatsächlich, doch die Verfolgung auf dem Dach scheitert, als Peter und Justus zusammenstoßen. Der Rabe entkommt per Auto, verliert aber einen Zettel mit der Notiz 'R L. Sheraton Grand'. Justus durchschaut dies jedoch als Falle: Der Rabe wollte sie und die Polizei zum falschen Ort locken. Durch seine Freundin Liz weiß Justus, dass 'R.L.' (Rita Lollis) eigentlich im 'All Star Hotel' wohnt, das von der exzentrischen Amanda Black geführt wird. Dort legen sie sich auf die Lauer, werden aber beinahe vom flüchtenden Raben auf einem Motorrad überfahren.

Um dem Täter endlich zuvorzukommen, recherchiert Bob eine Gemeinsamkeit der Opfer: Alle werden von der Agentur 'Fame' vertreten. Die drei Detektive suchen die Agentur auf. Während Justus und Bob die Sekretärin ablenken, schleicht sich Peter in das Büro des Agenten Elliot Krieger. Er kopiert Daten von dessen Computer, die beweisen, dass Krieger der Rabe ist und der nächste Bruch bei der Schauspielerin Gina Bunkis geplant ist. In deren Hotelsuite stellen sie dem Dieb eine Falle. Als der Rabe einsteigt, überwältigen sie ihn – und erleben eine Überraschung: Unter der Maske steckt nicht Krieger, sondern Lisa Menninger, die Empfangsdame ihres eigenen Hotels und ehemalige Stuntfrau. Krieger war lediglich der Komplize und die Stimme auf dem Band.

Review

Batman in L.A. – Warum die Spur des Raben der heimliche Start einer neuen Ära ist!
Ein fliegender Dieb, Peter als Action-Held und die Stimme von Disney-Hexe Ursula? Diese Folge ist André Marx' geniales Debüt und ein absolutes Muss für jeden Fan!

Hallo liebe Kassettenkinder, Streaming-Junkies und Zentrale-Bewohner!

Schnappt euch einen Kirschkuchen (aber bitte den von Tante Mathilda, nicht den aus dem Supermarkt), lehnt euch zurück und dreht die Lautstärke auf. Heute widmen wir uns einem Fall, der in vielerlei Hinsicht historisch ist. Wir verlassen das beschauliche Rocky Beach, lassen den Rolls Royce in der Garage (oder bei Morton, der ihn vermutlich gerade poliert) und stürzen uns in den Glamour von Los Angeles. Vorhang auf für Folge 075: Die Spur des Raben!

ERSTER EINDRUCK: HOLLYWOOD CALLING!

Leute, erinnert ihr euch an das Gefühl, wenn man eine Kassette einlegt und sofort merkt: Hier weht ein anderer Wind? "Die Spur des Raben" ist genau so ein Ding. Schon das Cover schreit nach Action: Ein Typ im Vogelkostüm, der an einem Seil hängt? Das ist ja fast schon Batman-Niveau!

Und akustisch? Wir sind nicht auf dem Schrottplatz. Wir sind mitten in L.A.! Straßenlärm, Hupen, Menschenmengen. Man riecht förmlich das teure Parfum der Filmstars und die Abgase der Limousinen. Nach der doch teilweise etwas... sagen wir mal experimentellen Phase der 50er und 60er Folgen (wir schweigen jetzt mal höflich über diverse Fußball-Gangster), fühlt sich das hier an wie ein Blockbuster-Movie für die Ohren. Es ist urban, es ist schnell, und es hat diesen gewissen "Big City Vibe", den unsere drei Detektive viel öfter erleben sollten.

DIE STORY: BATMAN FÜR ARME ODER GENIESTREICH?

Kurz zusammengefasst, ohne dass ich euch den Spaß verderbe: Die drei ??? sind in L.A., um für Bobs Vater Fotos vom Filmfestival "Goldener Rabe" zu schießen. Paparazzi-Action statt Schrott sortieren – Peter ist im Himmel! Doch dann sehen sie etwas Unfassbares: Eine Gestalt in einem schwarzen Rabenkostüm "fliegt" quasi vom Dach des Biltmore Hotels. Peter, unser Reflex-Gott, macht das Foto seines Lebens.

Aber der Rabe ist kein gewöhnlicher Dieb. Nein, er ist eine Drama-Queen vor dem Herrn. Statt einfach mit dem Schmuck abzuhauen, schickt er unseren Detektiven Rätsel. Ein Tonband, eine Feder, klassische Musik. Er will spielen. Er will Ruhm. Und er unterschätzt gewaltig, dass er sich hier nicht mit der LAPD-Streifenpolizei anlegt, sondern mit Justus Jonas. Es folgt eine Schnitzeljagd durch Hotels, Agenturen und Hinterhöfe, die so dicht erzählt ist, dass man kaum Luft holen kann.

UNSERE HELDEN: PETER SHAW, DER ACTION-HELD

Kommen wir zu den Jungs. Und hier muss ich mal eine Lanze brechen für unseren Zweiten Detektiv.

Peter Shaw ist in dieser Folge der absolute MVP (Most Valuable Player). Ernsthaft! Normalerweise kennen wir ihn als denjenigen, der schon beim Knarren einer Tür "Lass uns abhauen, Just!" schreit. Aber hier? Der Mann ist on fire! Er schießt das Beweisfoto, er erkennt die klassische Musik (Beethoven! Wer hätte gedacht, dass Peter Kulturbanause das weiß?), er bricht in Büros ein und er wirft sich in Verfolgungsjagden. Das ist der Peter, den wir lieben: Ängstlich, ja, aber wenn's drauf ankommt, liefert er ab.

Justus Jonas ist natürlich wieder das Gehirn. Aber was mir hier besonders gefällt: Er ist nicht nur der allwissende Computer. Er muss wirklich kombinieren. Die Szene, in der er das falsche Spiel mit dem "R.L."-Zettel durchschaut, ist Justus in Bestform. Das ist kein Zufallstreffer, das ist reine Deduktion. "Justus kniff die Lippen zusammen" – ich habe es förmlich vor Augen gesehen!

Bob Andrews... ach, unser armer Bob. Er kriegt hier ordentlich was ab (wird umgeschubst, Brieftasche weg), aber er nutzt seine Zeit glänzend für Recherchen. Ohne seine Connections zur Presse und sein Wühlen in den Archiven der Agentur "Fame" wären die Jungs aufgeschmissen gewesen. Bob ist und bleibt das Rückgrat der Recherche.

DIE GEGENSPIELER: MEHR ALS NUR MASKENMÄNNER

Der Rabe selbst ist ein faszinierender Gegner. Die Idee, dass ein Dieb den Nervenkitzel mehr liebt als die Beute, ist zwar ein klassisches Superschurken-Motiv, aber es funktioniert hier prächtig. Die Auflösung, wer unter der Maske steckt, hat mich beim ersten Hören damals echt kalt erwischt. Lisa Menninger als Drahtzieherin (im wahrsten Sinne des Wortes, wegen dem Seiltrick – versteht ihr? Haha!) war ein genialer Twist. Dass der schmierige Agent Elliot Krieger nur der Handlanger war? Chapeau, André Marx!

Aber der heimliche Star der Folge ist natürlich Amanda Black. Exzentrisch, laut, theatralisch – eine abgetakelte Hollywood-Diva, wie sie im Buche steht. Wenn sie ihre Gäste im "All Star Hotel" zusammenfaltet oder die Jungs "Schätzchen" nennt, ist das Comedy-Gold.

BESTE MOMENTE: GÄNSEHAUT UND LACHER

1. Das Beethoven-Rätsel: Als Peter die "Ode an die Freude" erkennt und Justus daraus messerscharf die Hausnummer "94" (Neunte Sinfonie, Vierter Satz) ableitet. Das ist so herrlich konstruiert, dass man es einfach lieben muss. Das ist "Die drei ???" in Reinkultur!
2. Der Büro-Einbruch: Spannung pur! Peter kopiert Daten, während Justus und Bob draußen die Sekretärin ablenken. Das hat fast schon "Mission: Impossible"-Flair.
3. Die Falle im Hotel: Als die Jungs merken, dass sie verarscht wurden und der Rabe sie absichtlich weggelockt hat. Dieser Moment, wenn der Groschen fällt – unbezahlbar.

SCHWACHSTELLEN: LOGIK? WOZU?

Okay, Hand aufs Herz: Der Plan des Raben ist... naja. Warum schickt er den Detektiven seine eigene Adresse (bzw. Hinweise darauf)? Nur um zu zeigen, dass er toll ist? Das ist dieses typische "James Bond Bösewicht"-Syndrom. "Ich könnte dich töten, Mr. Bond, aber stattdessen erkläre ich dir meinen Plan bei einem Glas Wein." Wenn der Rabe einfach die Klappe gehalten hätte, wäre er reich und in Acapulco. Aber gut, ohne die Eitelkeit der Verbrecher wären unsere drei Detektive arbeitslos.

Ein kleiner Kritikpunkt auch an Detective Gregson: Er wirkt hier ein bisschen wie der typische unfähige Cop, der nur dazu da ist, damit die drei ??? besser aussehen. Reynolds hatte da früher mehr Autorität.

SERIEN-KONTEXT: DER RETTER ERSCHEINT!

Jetzt wird's nerdig, Leute! Holt die Notizblöcke raus.

Diese Folge ist ein Meilenstein. Warum? Weil sie aus der Feder von André Marx stammt. Es war zwar nicht sein erstes veröffentlichtes Buch (das war "Poltergeist"), aber es war das erste Manuskript, das er je geschrieben hat! Marx hat die Serie in den späten 90ern quasi im Alleingang revolutioniert. Er brachte mehr Logik, komplexere Plots und erwachsenere Themen rein. "Die Spur des Raben" ist der Startschuss für die "Goldene Ära der Neuzeit". Ohne Marx hätten wir heute vielleicht gar keine neuen Folgen mehr.

Interessant ist auch der Schauplatz: Dass die Jungs mal mehrere Tage in L.A. im Hotel wohnen, ist selten. Es bricht die Routine "Schule - Schrottplatz - Fall" auf angenehme Weise auf.

Kontinuitäts-Check: Amanda Black ist keine Eintagsfliege! Sie kehrt in der legendären Jubiläumsfolge 100: Toteninsel zurück. Wer also wissen will, was aus der schrulligen Hotelbesitzerin wird, muss unbedingt dranbleiben.

SPRECHER-SPOTLIGHT: EINE STIMME AUS DEM MEER

Jetzt haltet euch fest. Die Stimme von Amanda Black kommt euch bekannt vor? Kein Wunder! Das ist die großartige, leider verstorbene Beate Hasenau. Und wen hat sie noch gesprochen? Niemand Geringeres als die Meerhexe URSULA in der Disney-Originalsynchro von "Arielle, die Meerjungfrau"! Wenn Amanda Black spricht, höre ich immer ein bisschen "Die armen Seelen in Not" im Hintergrund. Sie hat diese rauchige, verruchte Stimme, die einfach perfekt für exzentrische Diven passt. (Fun Fact: Sie war auch Madame Medusa in "Bernard und Bianca").

Und Detective Gregson? Das ist Wolf-Dietrich Berg. Ein Urgestein der deutschen Fernsehlandschaft (u.a. "Großstadtrevier", "Der Landarzt"). Seine markante, etwas brummige Stimme verleiht dem Detective genau die nötige Schwere, auch wenn er hier script-technisch etwas blass bleibt.

Ein liebevolles Detail am Rande: Peters Mutter, Mrs. Shaw, wird von der "Königin der Hörspiele" selbst gesprochen: Heikedine Körting! Immer wenn sie auftaucht, fühlt es sich an, als würde die "Mutter der Kompanie" persönlich nach dem Rechten sehen.

PRODUKTIONS-HISTORIE: BUCH VS. HÖRSPIEL

Das Buch erschien erst später als Band 72, das Hörspiel kam 1997 als Folge 75. André Marx hat sich hier einen Spaß erlaubt, den man im Hörspiel nur bedingt mitbekommt: Die Namen der Opfer im Buch sind Anagramme berühmter Hollywood-Stars!

"Rita Lolyz" = Liz Taylor
"Nora Sethons" = Sharon Stone

  • "Ophelia Nors" = Sophia Loren


Im Hörspiel geht das etwas unter, aber es zeigt, mit wie viel Liebe zum Detail Marx schon bei seinem Debüt gearbeitet hat. Er wollte das "echte" Hollywood-Feeling, ohne rechtliche Probleme zu bekommen. Cleverer Bursche!

FAZIT & EMPFEHLUNG

"Die Spur des Raben" ist ein absoluter Pflicht-Hörer. Sie markiert den Übergang von den etwas trashigen 90er-Jahre-Folgen hin zu den modernen, komplexen Krimis der Marx-Ära. Die Atmosphäre ist dicht, die Sprecher sind grandios (Beate Hasenau ftw!), und Peter Shaw darf endlich mal zeigen, dass er mehr kann als nur Dietrich-Sets halten.

Ist die Folge perfekt? Nein. Der Plan des Bösewichts ist gaga. Aber ist sie unterhaltsam? Und wie! Sie hat Tempo, Witz und diesen unverwechselbaren Hollywood-Glanz.

Für wen ist das was? Für alle, die Action mögen, die Rätsel lieben und die Peter mal in einer Heldenrolle feiern wollen. Ein Klassiker, der in keiner Sammlung fehlen darf!

Wusstest du schon?

Dies ist der erste Fall, der von André Marx geschrieben wurde (auch wenn er in der Nummerierung später erschien).
Die Namen der bestohlenen Schauspielerinnen im Buch sind Anagramme realer Stars (z.B. Nora Sethons = Sharon Stone), was im Hörspiel teilweise übernommen wurde.
Heikedine Körting, die Regisseurin der Serie, spricht in dieser Folge Peters Mutter, Mrs. Shaw.
Cover
Bewertung
8.5
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8,5 von 10 Kirschkuchen-Stücken (Tante Mathilda wäre stolz!)
Das Rätsel
Das Beethoven-Rätsel ('Neunte, vierter Satz' -> Hausnummer 94) ist klassisch und fair für den Hörer lösbar, auch wenn es etwas konstruiert wirkt. Besonders clever ist jedoch Justus' Durchschauen der falschen Fährte mit dem 'R.L.'-Zettel, was den Fall von einer reinen Schnitzeljagd zu einem psychologischen Duell macht.
Plot & Logik
Der Plan des Raben ist extrem riskant: Warum Detektive mit Rätseln auf die eigene Spur locken? Das Motiv 'Ruhm und Spiel' erklärt dies zwar, wirkt aber typisch für Superschurken etwas überzogen. Die Auflösung mit der Stuntfrau ist schlüssig und erklärt die akrobatischen Fähigkeiten (Drahtseilakt), die Krieger wohl kaum beherrscht hätte.
Kapitel
1 Atemlos 0:00 min
2 Ein Vogel auf dem Drahtseil 6:22 min
3 Bodyguard 13:27 min
4 Beethoven 22:36 min
5 Auf der Flucht 28:11 min
6 Menschen im Hotel 35:13 min
7 Fame 42:32 min
8 Die glorreichen Drei 50:20 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Zeigt sich in Bestform. Er durchschaut die Ablenkungsmanöver und behält auch im Chaos den Überblick ('Der Rabe versucht, uns auszutricksen').
P
Peter Shaw
Ist hier der MVP (Most Valuable Player). Er macht das Beweisfoto, erkennt die Melodie ('Freude, schöner Götterfunken'), bricht in das Büro ein und ist bei den Verfolgungen an vorderster Front.
B
Bob Andrews
Nutzt effektiv seine journalistischen Verbindungen ('Die bisherigen Opfer sind tatsächlich alle bei ein und derselben Agentur') und trägt so entscheidend zur Identifizierung des Täterkreises bei.

Sprecher

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