Zusammenfassung

Der Fall beginnt harmlos am Strand von Rocky Beach, wo Bob eine verlorene Plastiktasche im Sand entdeckt. Der Inhalt ist kurios: Kosmetika, Pfandleihscheine und ein Teddybär mit echtem Fell. Über ein Bibliotheksbuch identifizieren die drei Detektive die Besitzerin als Lucille Anderson, eine Ausreißerin aus Fresno, die in Hollywood ihr Glück als Schauspielerin suchen will. Ihre Eltern, die verzweifelt nach ihr suchen, beauftragen die drei ??? offiziell. Die Spur führt zunächst zu Pfandleihern, wo Lucille unter falschen Namen Dinge versetzt hat. Bei einem dieser Besuche werden die Jungen Zeuge eines bizarren Vorfalls: Ein Mann mit einer täuschend echten Werwolfmaske versucht, den Laden zu überfallen, flieht aber beim Anblick der Detektive.

Schließlich spüren sie Lucille, die sich nun Ariane Ardis nennt, in der Wohnanlage Cheshire Square auf, wo sie das Haus einer verreisten Dame hütet. Lucille ist stur und glaubt an ihren Durchbruch durch den angeblichen Filmproduzenten Craig McLane, der ihr die Hauptrolle in 'Dracula Mon Amour' versprochen hat. Justus entlarvt McLane jedoch schnell als Hochstapler, als er das echte Büro des Produzenten aufsucht. Als die Detektive Lucille warnen wollen, ist diese verschwunden – Blutspuren im Badezimmer deuten auf ein Verbrechen hin. Kurz darauf taucht der Werwolf sogar an der Zentrale auf und versucht, den gefundenen Teddybären zu stehlen.

Justus kombiniert messerscharf: Es geht nicht um das Mädchen, sondern um den Bären. Bei einem Einbruch in eine Spielwarenfirma entdeckt Justus, dass die Teddybären in Wahrheit getarnte Mini-Tresore sind. Der zwielichtige Mr. Sears, Besitzer der Firma und des 'Pizza Shack', wusch Drogengelder und lagerte sie in den Bären. Die falschen Filmproduzenten McLane (eigentlich Pellucci) und Morel hatten das Geld gestohlen und im Teddy versteckt, wussten aber nicht, welcher Bär der richtige war. Durch einen Hinweis auf blökende Schafe lokalisiert Justus das Versteck der Entführer in einer verlassenen Western-Filmkulisse in den Bergen. Dort befreien sie Lucille, werden aber von den Gangstern beschossen. In letzter Sekunde retten sie sich auf einen Kirchturm und läuten die Glocken, um die von Morton alarmierte Polizei zu leiten. Die Verbrecher werden verhaftet und Lucille kehrt vernünftig zu ihren Eltern zurück.

Review

Trash-Gold, Teddy-Terror und ein ungezogener Justus
Ein Werwolf am Strand, Drogen im Plüschtier und Justus Jonas, der verbal entgleist? Folge 43 ist ein herrlich absurder Trip in die 80er Jahre!

Hallo liebe Kassettenkinder und Streaming-Junkies,

heute widmen wir uns einer Folge, die so tief in den 80ern steckt, dass sie eigentlich Schulterpolster tragen müsste. Wir reden über Folge 43, „...und der höllische Werwolf“. Ein Titel, der uns Horror verspricht, aber am Ende eher „Scooby-Doo auf Valium“ liefert. Aber hey, genau deswegen lieben wir diesen Trash-Klassiker doch, oder?

ERSTER EINDRUCK


Das Cover von Aiga Rasch ist ikonisch: Dieser zähnefletschende Wolfskopf vor rotem Hintergrund hat mir als Kind Albträume beschert. Man erwartet ein gruseliges Monster-Abenteuer à la „Der unheimliche Drache“. Was man bekommt? Eine Story über Teddybären, eine zickige Ausreißerin und einen Bösewicht, der sich verkleidet, als wollte er zum Karneval in Venedig – Abteilung „Budget-Horror“. Es ist herrlich absurd.

DIE STORY


Alles beginnt am Strand von Rocky Beach (wo sonst?). Bob „Der Finder“ Andrews gräbt eine Plastiktasche aus, die neben Kosmetika auch einen Teddybären mit echtem Fell enthält. Die Spur führt zu Lucille, einem Teenager mit großen Hollywood-Träumen und null Realitätssinn. Während die drei ??? versuchen, das Mädchen zu ihren besorgten Eltern zurückzubringen, taucht immer wieder ein „Werwolf“ auf. Dieser maskierte Störenfried hat es aber gar nicht auf das Mädchen abgesehen, sondern auf den Teddy. Warum? Weil im Bauch des Bären mehr steckt als nur Watte. Es folgt eine wilde Jagd durch Pfandleihhäuser, Filmstudios und endet in einer verlassenen Western-Kulisse in den Bergen. Yee-haw!

UNSERE HELDEN


Justus Jonas: Unser erster Detektiv ist hier in absoluter Bestform – und zwar in seiner Paraderolle als arroganter Besserwisser. Sein Highlight: Die „Schaf-Deduktion“. Aus dem bloßen Nebensatz eines Gangsters, dass er „blökende Schafe“ gehört habe, schließt Justus messerscharf auf eine spezifische Filmkulisse in den Bergen. Das ist Sherlock Holmes Niveau! Allerdings leistet er sich auch den verbalen Ausrutscher des Jahrhunderts (dazu später mehr beim „Serien-Kontext“).

Peter Shaw: Peter darf wieder den Angsthasen mimen, aber man muss ihm lassen: Er stellt sich dem Werwolf. Zwar mit zitternden Knien, aber er tut es. Seine Panik auf dem Kirchturm im Finale ist fast schon greifbar.

Bob Andrews: Der Mann für Archiv und Recherche hat hier seinen großen Auftritt als Strandgutsammler. „Ach, was bin ich doch für ein glückhafter Finder!“ – diesen Satz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Bob ist in dieser Folge der Motor, der die Ermittlungen am Anfang überhaupt ins Rollen bringt.

DIE GEGENSPIELER


Kommen wir zum Elefanten (oder Wolf) im Raum: Der Bösewicht. Dass ein Bankräuber/Schmuggler sich eine Werwolf-Maske aufsetzt, um einen Teddybären zu klauen, ist der wohl umständlichste Plan der Kriminalgeschichte. Warum nicht einfach eine Skimaske? Oder ein Nylonstrumpf? Nein, es muss der „höllische Werwolf“ sein.
Die falschen Filmproduzenten McLane und Morel sind herrlich schmierige Hollywood-Abziehbilder. Sie verkörpern genau das, was man sich unter gescheiterten Existenzen im Showbiz vorstellt.

BESTE MOMENTE


1. Das Finale in der Geisterstadt: Die Atmosphäre in der verlassenen Western-Kulisse ist grandios. Wind, der durch leere Fenster pfeift, und dazu die drei ???, die auf einen Kirchturm flüchten und die Glocken läuten (eine schöne Parallele zur „Silbernen Spinne“).
2. Der Pfandleiher: Die Szene im Pfandhaus ist Gold wert. Der Besitzer, der den Werwolf-Überfall völlig pragmatisch sieht („Der Kerl ist weggerannt, er hat nichts gestohlen, wozu die Polizei rufen?“), bringt eine wunderbare Trockenheit in die Geschichte.

SCHWACHSTELLEN


Die Logik macht in dieser Folge leider Urlaub. Warum versteckt Mr. Sears sein Drogengeld (oder waren es Diamanten? Egal, illegales Zeug halt) in Teddybären, die er dann in einer Lagerhalle stapelt? Und warum weiß die Gangster-Konkurrenz zwar, dass es im Bären ist, aber nicht in welchem? Und vor allem: Wer zur Hölle glaubt ernsthaft, dass ein Werwolf am hellichten Tag in Los Angeles rumläuft?
Zudem nervt die Figur der Lucille (alias Ariane Ardis) gewaltig. Ihre Naivität („Ich werde der Star in 'Dracula mon amour'!!!“) tut fast schon körperlich weh.

SERIEN-KONTEXT & KONTROVERSEN


Hier müssen wir Tacheles reden. Diese Folge beinhaltet das wohl berüchtigtste Zitat der Seriengeschichte. Justus (in manchen Auflagen Bob, aber meistens Justus zugeschrieben) kommentiert Lucilles unordentliches Zimmer mit: „Das ist vielleicht eine Schlampe!“

Bevor ihr jetzt Schnappatmung bekommt: In den 80ern bedeutete „Schlampe“ umgangssprachlich oft einfach nur „unordentliche Frau“ (das weibliche Pendant zum „Schlamper“). Es war nicht die sexistische Beleidigung, als die wir sie heute kennen. Trotzdem zuckt man als moderner Hörer jedes Mal zusammen. Ein Stück Zeitgeschichte, das zeigt, wie sich Sprache wandelt.

Ansonsten markiert die Folge den Übergang in die modernere Ära. Wir bewegen uns weg vom klassischen Grusel hin zu Action-Krimis (Crimebusters lassen grüßen), auch wenn wir hier noch vor der offiziellen Umstellung sind.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Jetzt wird's nerdig, Freunde!

Henry Kielmann (Charles Anderson): Ein absoluter Gigant! Hier spielt er den besorgten Vater. Aber wir kennen ihn natürlich alle als die spätere Stimme des ERZÄHLERS (nach Peter Pasetti und Matthias Fuchs). Außerdem lieh er seine Stimme Figuren in He-Man (Magnus) und führte Regie bei der Synchronisation der Golden Girls. Legende!
Rolf Jülich (McLane): Seine Stimme trieft vor Unseriosität – perfekt besetzt! Fun Fact: Er war die deutsche Stimme von Deputy Fuzz in BraveStarr. Ja, der kleine Präriehund! Außerdem sprach er diverse Schurken in Knight Rider und Masters of the Universe (Zoar). Wenn ihr eine zwielichtige Figur in einem Europa-Hörspiel hört, ist die Chance groß, dass es Rolf Jülich ist.

  • Petra Kaminski (Lucille): Über sie gibt es wilde Fan-Theorien. Manche behaupten, das sei ein Pseudonym für Julia Müller-Wesemann (die „Ela“ vom Schloss-Trio). Egal wer es ist: Sie schafft es perfekt, diesen nervig-naiven Teenager zu verkörpern, den man am liebsten schütteln möchte.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem Buch „The Mystery of the Wailing Wolf“ von William Arden. Im Originaltitel („Wailing“ = heulend/klagend) liegt der Fokus mehr auf dem Geräusch, während der deutsche Titel gleich den „höllischen“ Aspekt draufpackt – typisch Francis-Marketing!
Interessant: Morton, unser Lieblings-Chauffeur, wird zwar erwähnt und spielt eine Rolle bei der Rettung (er ruft die Polizei), aber er hat keinen Sprechpart. Wahrscheinlich hatte Andreas von der Meden an dem Tag frei oder stand im Stau.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„...und der höllische Werwolf“ ist wie eine Pizza mit zu viel Belag: Ein bisschen chaotisch, nicht besonders gesund, aber sie macht verdammt viel Spaß. Die Story ist hanebüchen, aber die Atmosphäre (Strand, Hollywood, Westernstadt) und die grandiosen Sprecher reißen alles raus. Es ist keine „Meisterdetektiv“-Folge, sondern eher ein „Popcorn-Kino“-Hörspiel.

Für Fans der 80er-Jahre-Vibes und für alle, die mal hören wollen, wie Justus Jonas flucht wie ein Rohrspatz, ist diese Folge ein absolutes Muss!

Wusstest du schon?

Die Folge basiert auf dem Buch 'The Mystery of the Wailing Wolf' von William Arden.
H.G. Francis schrieb das Skript, änderte aber einige Details der Vorlage für das Hörspiel.
Der Begriff 'Schlampe', den Justus verwendet, hatte in den 80er Jahren noch primär die Bedeutung einer unordentlichen Person ('Schlamperei') und war weniger stark als Beleidigung konnotiert als heute.
Cover
Bewertung
5.5
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5,5 von 10 blökenden Schafen
Das Rätsel
Die Grundidee mit den Teddybären als Mini-Tresore ist originell, wenn auch etwas weit hergeholt. Das Highlight ist Justus' Deduktion des Verstecks: Aus der beiläufigen Bemerkung des Bösewichts über 'blökende Schafe' auf eine ganz bestimmte Filmkulisse in den Bergen zu schließen, ist klassische Sherlock-Holmes-Arbeit und für den Hörer logisch nachvollziehbar.
Plot & Logik
Hier knirscht es gewaltig. Dass Bankräuber sich als Werwolf verkleiden, um einen Teddybären zu stehlen, ist absurd auffällig und dient nur dem Gruselfaktor der Serie. Warum McLane nicht einfach nachts leise einbricht, statt eine Horrorshow abzuziehen, lässt sich nur mit seiner gescheiterten Schauspielkarriere erklären. Auch dass Mr. Sears seine Drogengelder in Teddybären in einer Lagerhalle aufbewahrt, ist ein riskantes Geschäftsmodell.
Kapitel
1 Rätselhafter Fund 0:00 min
2 Ein Werwolf in Hollywood 4:31 min
3 Eine neue Spur 10:41 min
4 Draculas Rückkehr 17:48 min
5 Eine Dame verschwindet 25:22 min
6 Überfall! 30:28 min
7 Gefährlicher Absturz 36:16 min
8 Flucht ins Ungewisse 42:35 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Er ist in Hochform. Sein Misstrauen gegenüber dem falschen Produzenten und die geniale 'Schaf-Deduktion' zeigen ihn als souveränen Kopf. Er lässt sich auch von der Polizei nicht einschüchtern: 'Detektive können nur erfolgreich arbeiten, wenn sie sich angewöhnen, genau zuzuhören.'
P
Peter Shaw
Er darf den skeptischen Angsthasten geben, der den Werwolf für 'echt' hält, zeigt aber im Finale auf dem Kirchturm Mut. Seine Panik ('Hier oben sitzen wir in der Falle!') sorgt für die nötige Dramatik.
B
Bob Andrews
Er hat den starken Einstieg als Finder der Tasche ('Ah, was bin ich doch für ein glückhafter Finder!') und erledigt die Recherchearbeit in der Bibliothek, tritt aber im Action-Finale etwas in den Hintergrund.

Sprecher

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