Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt mit einem ernsten Problem für Paul Harris, einen Bekannten der drei Detektive. Die Scheibe des Lieferwagens seines Vaters wurde bereits zum vierten Mal eingeschlagen, und sein Vater verdächtigt ihn der Sabotage. Paul bittet Justus, Peter und Bob um Hilfe. Schnell stellt sich heraus, dass dies kein Einzelfall ist: Eine 'Telefonlawine' enthüllt, dass in ganz Rocky Beach systematisch Autoscheiben auf der Fahrerseite zertrümmert werden, immer montags und mittwochs.

Die drei ??? legen sich auf die Lauer, werden dabei aber prompt selbst von der Polizei für die Täter gehalten, als Justus eine Bierdose aufhebt, die gegen einen Rolls-Royce geworfen wurde. Die Situation klärt sich dank Kommissar Reynolds auf. Dabei lernen sie Jarvis Temple und seine Nichte und Neffen kennen. Aus Temples Auto wurde während eines solchen Angriffs ein 'Doppeladler' gestohlen – eine extrem wertvolle Goldmünze. Dies ist der einzige Fall, bei dem etwas gestohlen wurde.

Die Ermittlungen führen zu einem mysteriösen Rennradfahrer, der immer in der Nähe der Tatorte gesehen wurde. Bob recherchiert mit einem Presseausweis bei der Polizei und findet heraus, dass der Täter Polizeistreifen gezielt ausweicht. Eine Spur führt schließlich zur 'Martin Glass Company', dem einzigen Autoglaser in Rocky Beach. In deren Lagerhalle entdecken Peter und Bob die Ausrüstung des Radfahrers. Als der Sohn des Besitzers, William Martin, auftaucht und die Beweise vernichten will, überwältigt Peter ihn mutig, obwohl William eine Waffe zieht.

Es stellt sich heraus, dass William die Scheiben mit einer Luftpistole zerschoss, um den Umsatz der Firma seines Vaters zu steigern. Doch William schwört glaubhaft, die Goldmünze nicht gestohlen zu haben. Justus kombiniert messerscharf: Es gibt einen Trittbrettfahrer. Er stellt eine Falle, indem er vorgibt, den Dieb zu kennen, wohlwissend, dass ihr Telefon abgehört wird. Tatsächlich taucht Sarah Temple in der Zentrale auf. Sie hatte die Serie des 'Automarders' genutzt, um den Diebstahl der Münze ihres Onkels zu vertuschen, beging dabei aber einen entscheidenden Fehler: Sie schlug die Scheibe auf der Beifahrerseite ein, während der echte Automarder immer die Fahrerseite wählte.

Review

Wenn Tarzan Hilfe braucht und K.I.T.T. den Schrottplatz hütet: Folge 40 im Check!
Warum klingt TKKG-Tarzan plötzlich so ängstlich und wieso hat Onkel Titus eine neue Stimme? In 'Der Automarder' jagt Justus nicht nur Glas-Vandalen, sondern liefert auch eines der kuriosesten Sprecher-Crossover der Geschichte.

Moin, liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder!

Hier ist wieder euer Spezialgelagerter Sonder-Blogger, und heute widmen wir uns einer Folge, die so 80er ist wie Schulterpolster und Neon-Stirnbänder. Wir reisen zurück ins Jahr 1986, zur Jubiläumsfolge 40: „… und der Automarder“.

Kennt ihr das? Ihr hört eine Folge und denkt: „Moment mal, warum klingt Tarzan von TKKG plötzlich so, als hätte er Angst vor seinem Vater?“ Und warum zur Hölle hat Onkel Titus plötzlich die Stimme von K.I.T.T. aus Knight Rider? Schnallt euch an, wir fahren eine Runde durch das glasübersäte Rocky Beach!

ERSTER EINDRUCK


Klirr! Schepper! Die Folge startet nicht mit gemütlichem Kirschkuchen-Mampfen, sondern mit purer Zerstörungswut. Man ist sofort drin im urbanen Chaos. Der „Automarder“ (ein herrlich altmodisches Wort, oder?) geht um. Die Atmosphäre ist dichter als der Nebel in London, und man spürt förmlich die Verzweiflung der Autobesitzer. Es wirkt alles etwas erwachsener, etwas „kriminalistischer“ als die Geisterschloss-Zeiten. Ein solider, bodenständiger Krimi-Einstieg, der Lust auf mehr macht.

DIE STORY


In Rocky Beach herrscht Glasbruch-Alarm. Ein Unbekannter zertrümmert systematisch Autoscheiben – aber immer nur auf der Fahrerseite. Vandalismus? Eine irre Wette? Oder steckt mehr dahinter? Paul Jacobs (ein Kumpel von Peter) ist verzweifelt, weil sein Vater ihm die Schuld an den Schäden am Firmenwagen gibt. Unsere drei ??? übernehmen und stolpern in einen zweiten Fall: Dem exzentrischen Mr. Temple wurde aus seinem (natürlich ebenfalls demolierten) Wagen eine extrem wertvolle Goldmünze gestohlen, der „Doppeladler“. Justus muss nun kombinieren: Haben wir es mit einem Täter zu tun oder nutzen hier zwei Verbrecher dieselbe Masche?

UNSERE HELDEN


Justus ist hier in absoluter Bestform als „Computer auf zwei Beinen“. Sein Moment, als er messerscharf analysiert, warum bei einem speziellen Auto die Beifahrerscheibe eingeschlagen wurde, ist Sherlock Holmes pur. Außerdem liefert er sich ein herrliches Wortgefecht mit der Polizei, als er fälschlicherweise verhaftet wird (dazu gleich mehr).

Peter darf mal wieder seine Sportlichkeit beweisen, muss aber auch als Sozialarbeiter für seinen Kumpel Paul herhalten. Schön ist, dass er hier nicht nur der Angsthase ist, sondern aktiv bei der Überführung hilft.

Bob? Der Mann für Archiv und Recherche glänzt wie immer im Hintergrund, auch wenn er diesmal keine Bibliothek auseinandernehmen muss, sondern eher im Feld ermittelt.

DIE GEGENSPIELER


Wir haben hier eine interessante Mischung. Da ist zum einen der „echte“ Automarder (Spoiler: Es geht um banale Wirtschaftskriminalität – Glaser will mehr Umsatz, klassischer Scooby-Doo-Move). Und dann ist da die wunderbar biestige Sarah Temple, die die Situation eiskalt ausnutzt. Aber der heimliche Antagonist ist für mich der cholerische Mr. Temple. Wenn der loslegt, wackeln die Wände der Zentrale!

BESTE MOMENTE


1. Justus in Handschellen: Justus hebt eine Bierdose auf, die gerade gegen einen Rolls-Royce geflogen ist, und wird prompt von der Polizei einkassiert. Seine Empörung darüber („Ich protestiere!“) ist Gold wert.
2. Die Telefonlawine: Endlich mal wieder! In Zeiten von WhatsApp wirkt das nostalgisch schön: „Jeder ruft fünf Leute an…“ – das soziale Netzwerk der 80er in Aktion.
3. Das Finale: Justus stellt eine Falle, indem er lautstark falsche Informationen in ein abgehörtes Telefon posaunt. Ein klassischer „Justus-Jonas-Masterplan“.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan des Glasers ist schon sehr riskant. Hunderte Scheiben einschlagen, um den Umsatz anzukurbeln? In einer Kleinstadt? Das ist ökonomischer Harakiri. Und dass ausgerechnet Tante Mathilda und Onkel Titus in dieser Folge so… anders klingen (siehe unten), reißt einen kurz raus, wenn man die Serie in einem Rutsch durchhört.

SERIEN-KONTEXT


Folge 40 markiert einen interessanten Wendepunkt. Wir befinden uns am Ende der „Klassiker-Ära“ (1-39) und am Beginn der „Übergangszeit“ (40-49). Die Musik ändert sich (hallo Phil Moss!), und die Geschichten werden technischer und urbaner.
Ein wichtiges Detail für Kontinuitäts-Nerds: Der „Doppeladler“ ist eine reale Münze (Double Eagle, 1907), was zeigt, dass William Arden (der Autor) gut recherchiert hat.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es wild, Freunde!
Das TKKG-Crossover: Die Rolle von Peters Kumpel Paul Jacobs spricht niemand Geringeres als Sascha Draeger! Ja, genau: Tim/Tarzan aus TKKG bittet hier die drei ??? um Hilfe. Es ist fast surreal, die Stimme des TKKG-Anführers so kleinlaut und hilfsbedürftig zu hören. Ein Fest für Ohrenzeugen!
Die falschen Verwandten: Achtung, Trivia-Alarm! In dieser Folge werden Tante Mathilda und Onkel Titus nicht von Karin Lieneweg und Andreas Beurmann gesprochen. Stattdessen hören wir Ingeborg Kallweit und Gottfried Kramer. Kramer kennen wir alle als die Stimme von K.I.T.T. aus Knight Rider oder als Bösewicht in unzähligen Europa-Hörspielen. Es ist extrem ungewohnt, ihn als unterwürfigen Schrotthändler zu hören.
Der junge Wilde: Wenn ihr genau hinhört, erkennt ihr in der Rolle des Willard Temple (einer der Neffen) den blutjungen Ben Becker! Ja, DER Ben Becker. Damals noch ganz am Anfang seiner Karriere.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien 1986 unter der Regie von Heikedine Körting. Interessant ist, dass das Buch (Originaltitel: The Mystery of the Smash-and-Grab*) von William Arden stammt, der für seine komplexen Plots bekannt ist. Im Buch ist die „Telefonlawine“ noch viel detaillierter beschrieben – ein Element, das im Hörspiel aus Zeitgründen oft gerafft wird, hier aber eine zentrale Rolle zur Aufklärung spielt.


FAN-SERVICE-CHECK


Visitenkarte: Wird überreicht (natürlich).
Telefonlawine: Check! Ein Highlight.
Justus referiert: Über Münzkunde. Typisch.
Schrottplatz-Romantik: Trotz der falschen Stimmen ist die Zentrale der Dreh- und Angelpunkt.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„… und der Automarder“ ist ein starker, oft unterschätzter Fall. Er bietet keine Geister oder Monster, sondern solide Detektivarbeit mit einem cleveren Twist (Fahrer- vs. Beifahrerseite). Wer auf „Whodunit“-Krimis steht und hören will, wie Tarzan (Sascha Draeger) mal die Seiten wechselt, MUSS hier reinhören.

Ein Muss für Nostalgiker, ein Spaß für Logiker – und allein wegen der Sprecher-Besetzung ein Kuriosum, das in keiner Sammlung fehlen darf.

Wusstest du schon?

Die 'Waffe' des Automarders ist eine Luftpistole, was erklärt, warum die Scheiben fast lautlos zersplittern.
Sascha Draeger (bekannt als Tarzan/Tim von TKKG) spricht hier den Täter William Martin, während sein Vater Wolfgang Draeger den Polizisten Lieutenant Samuels spricht.
Die gestohlene Münze ist ein 'Double Eagle' von 1907.
Cover
Bewertung
6.5
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6,5 von 10 zerdepperten Windschutzscheiben
Das Rätsel
Eine sehr solide Konstruktion, die zwei Verbrechen geschickt miteinander verwebt. Der Clou mit der eingeschlagenen Scheibe (Fahrer- vs. Beifahrerseite) ist ein klassisches Detektiv-Detail, auf das man als Hörer tatsächlich achten kann. Die Lösung ist fair und logisch hergeleitet.
Plot & Logik
Der Plan von William Martin, den Umsatz durch Vandalismus zu steigern, ist zwar moralisch verwerflich, aber ökonomisch nachvollziehbar. Dass Sarah Temple die Detektive abhört, erklärt schlüssig, warum der Radfahrer der Polizei immer entkam (sie warnte ihn indirekt, um ihre eigene Tarnung als 'Serientat' aufrechtzuerhalten). Ein gut durchdachter Plot ohne große Logiklöcher.
Kapitel
1 Zerbrochene Scheiben 0:00 min
2 Justus entdeckt ein Schema 5:35 min
3 Anklage gegen die drei ??? 10:44 min
4 Ein gestohlener Adler 15:15 min
5 Der Täter, der nicht auffällt 23:31 min
6 Die nächste Telefonlawine rollt 28:51 min
7 Wer ist der Täter? 34:54 min
8 Ein Gewalttäter wird geschnappt 40:02 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus ist in Hochform. Sein Plan mit der Falle am Ende und die Schlussfolgerung über die 'falsche Seite' zeigen ihn als das 'ganz normale Genie', das er vorgibt zu sein.
P
Peter Shaw
Peter zeigt vollen Körpereinsatz und mutigen Zugriff in der Lagerhalle ('Ich habe ihn, Bob!'). Er ist hier weit mehr als nur der Angsthase, sondern treibt die Action voran.
B
Bob Andrews
Bob übernimmt wichtige Recherchearbeit mit dem Presseausweis und entdeckt zusammen mit Peter das Versteck in der Glashandlung. Solide Arbeit im Archiv und im Feld.

Sprecher

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