Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt mit einem Brief von Arnold Brewster, der Justus, Peter und Bob bittet, ihn im Altersheim 'Golden House' zu besuchen. Er behauptet, sein Neffe Clifford und der Anwalt Zindler hätten ihn zu Unrecht entmündigt, um an sein Vermögen zu kommen. Im heruntergekommenen Heim bestätigt Brewster den Verdacht und beauftragt die Jungen, eine wertvolle Fossilienplatte – den 'tanzenden Dinosaurier' – vor der anstehenden Zwangsversteigerung zu retten.

Die drei ??? besuchen nacheinander Clifford und Zindler, stoßen aber auf Ablehnung. Während der Auktion im Haus des Professors beobachten sie, wie Brewster scheinbar selbst das Fossil stiehlt und flieht. Kurz darauf finden sie Clifford niedergeschlagen vor. Brewster ruft in der Zentrale an und beteuert seine Unschuld; er sei auf dem Weg nach Comina zum 'Volk der Winde'.

Die Detektive durchsuchen das Haus erneut und finden dank Bobs Erinnerung an ein Geheimfach den echten 'tanzenden Saurier' – Brewster hatte wohl eine Attrappe oder etwas anderes in der Hand gehabt. Doch kaum gefunden, wird das Fossil wieder gestohlen. Die Spur führt zu Brewsters indianischem Assistenten Martin Ishniak. Zusammen mit dem scheinbar hilfsbereiten Anwalt Zindler reisen die drei ??? nach Comina.

In Comina warnt sie ein alter Indianer namens Pamir davor, weiterzusuchen. Die Jungen ignorieren die Warnung, finden einen verborgenen Pfad durch ein Dornendickicht und entdecken ein verstecktes Tal mit Höhlen. Dort treffen sie auf den Stamm des 'Volk der Winde', der dort im Verborgenen lebt. Sie werden gefangen genommen und finden auch Brewster, Martin und Mary als Gefangene vor.

Justus kombiniert die Fakten: Zindler ist der wahre Täter. Er hat Clifford niedergeschlagen (Justus fand Glassplitter seiner Brille am Tatort) und ist hinter dem Gold im Fossil her, um seine Spielschulden zu begleichen. Ein Erdbeben kündigt sich durch Schwefelgeruch an. In letzter Sekunde können alle aus der einstürzenden Höhle fliehen. Zindler flieht in die Berge und sein Schicksal bleibt ungewiss, während Pamir sich mit Martin versöhnt und die drei ??? zu Ehrenmitgliedern des Stammes ernennt.

Review

Indiana Jonas und der vergessliche Bob: Warum diese Folge völliger Quatsch, aber genial ist!
Ein tanzender Dinosaurier, ein Indianerstamm in L.A. und ein Bob Andrews, der plötzlich an Amnesie leidet. Wir sezieren Folge 41 'Das Volk der Winde' – den wohl trashigsten Abenteuer-Trip der drei ???.

Hallo liebe Kassettenkinder und Streaming-Freunde!

Schnappt euch einen Kirschkuchen (aber bitte ohne Steine!), denn heute reisen wir zurück in das Jahr 1987. Eine Zeit, in der Schulterpolster riesig waren und die Logik in Hörspielen manchmal... nun ja, sagen wir 'flexibel'. Wir besprechen Folge 41: "...und das Volk der Winde". Oder wie ich sie gerne nenne: "Indiana Jonas und der vergessliche Bob".

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr diese Folgen, die sich anfühlen wie ein Fiebertraum? Man fängt in einem deprimierenden Altersheim an und endet plötzlich in einer versteckten Höhlenstadt bei einem Indianerstamm, während ein Erdbeben alles plattmacht. Nein? Dann habt ihr diese Perle verpasst! Diese Folge ist pures 80er-Jahre-Abenteuer-Kino für die Ohren. Es ist trashig, es ist schnell, und es ergibt absolut keinen Sinn, wenn man länger als drei Sekunden darüber nachdenkt. Aber genau deshalb lieben wir es!

DIE STORY


Professor Arnold Brewster sitzt zwangsweise im "Golden House" (klingt wie ein China-Restaurant, ist aber ein gruseliges Altersheim) und bittet unsere drei Detektive um Hilfe. Sein schmieriger Neffe Clifford und der noch schmierigere Anwalt Zindler wollen an sein Vermögen. Der Schlüssel dazu: Ein Fossil namens "Der tanzende Dinosaurier". Es folgt eine wilde Hatz: Einbruch, Diebstahl, eine Reise in die Berge von Comina und schließlich die Entdeckung des "Volk der Winde" – ein Indianerstamm, der sich seit Jahrhunderten versteckt hält (und das in Kalifornien, wo man sonst keinen Parkplatz findet, ohne entdeckt zu werden).

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster Detektiv ist mal wieder in Hochform. Er analysiert Glassplitter wie CSI Miami und riecht Schwefelwasserstoff drei Meilen gegen den Wind. Sein Chemie-Wissen rettet am Ende allen den Hintern. Klassischer Justus-Moment: Er erklärt Peter, dass es nach faulen Eiern riecht. Danke, Just.

Peter: Der arme Kerl. Er muss nicht nur den Chauffeur spielen, sondern auch in dunkle Höhlen klettern. Seine Panikattacken halten sich diesmal in Grenzen, aber er ist sichtlich genervt von der Gesamtsituation.

Bob: Oh, Bob. Mein lieber Bob. Wir müssen reden. Es gibt diesen einen Moment in der Folge, der in die Geschichte eingegangen ist. Die Jungs suchen den echten Dinosaurier. Und Bob sagt sinngemäß: "Ach ja, da ist ja noch ein Geheimfach im Wandschrank. Das hatte ich vergessen." BITTE WAS?! Bob, du bist das Archiv! Du vergisst nichts! Das ist, als würde Justus vergessen, wie man isst. Ein herrlicher Drehbuch-Fail, der Bob kurzzeitig komplett inkompetent wirken lässt, nur um den Plot voranzutreiben.

DIE GEGENSPIELER


Rechtsanwalt Zindler: Gesprochen vom großartigen Karl Walter Diess. Er ist der Inbegriff des schleimigen Anwalts: Sonnenbrille (drinnen!), Goldkettchen, Spielschulden. Sein Plan, drei Teenager mit auf eine gefährliche Expedition zu nehmen, um sie dann... ja was eigentlich? Zu beseitigen? Als Zeugen zu nutzen? Es ist völlig unklar, aber er macht es mit so viel schmieriger Arroganz, dass es eine Freude ist.

Clifford Brewster: Der Neffe. Ein klassischer Handlanger. Er kriegt eins über die Rübe und jammert rum. Solide, aber kein Moriarty.

BESTE MOMENTE


1. Der Schwefel-Fakt: "Schwefelwasserstoff riecht nach faulen Eiern." Ein Satz für die Ewigkeit, den jedes Kind der 80er dank dieser Folge im Chemieunterricht wusste.
2. Das Finale: Ein Erdbeben! Eine einstürzende Höhle! Flucht in letzter Sekunde! Das ist Action pur und soundtechnisch für die damalige Zeit (und das Budget) echt gut gelöst.
3. Der Indianer Pamir: Wenn Manfred Steffen spricht, hört man zu. Punkt. Er verleiht dem ganzen Quatsch eine Würde, die die Story eigentlich nicht verdient hat.

SCHWACHSTELLEN


Leute, die Logiklöcher sind größer als die Höhlen von Comina. Warum nimmt Zindler die Jungs mit? Warum erinnert sich Bob plötzlich an das Fach? Warum lebt da ein Indianerstamm unbemerkt in der Nähe von Los Angeles? Und warum, zum Teufel, löst sich alles durch ein zufälliges Erdbeben genau in der Sekunde, als es brenzlig wird? Das ist "Deus ex Machina" in Reinform. Man merkt an allen Ecken und Enden, dass hier die Story zurechtgebogen wurde (dazu gleich mehr).

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge ist ein absoluter Sonderling. Sie gehört nicht zu den klassischen Crime-Fällen, sondern ist eher ein Abenteuer-Hörspiel. Aber warum ist die Story so seltsam sprunghaft?
Achtung, jetzt kommt Fachwissen: Die Vorlage ist ein "Find Your Fate"-Buch (in Deutschland: "Dein Fall!"). Das waren Spielbücher, bei denen der Leser entscheiden konnte: "Gehst du in die Höhle? Blättere auf Seite 40."
Das Hörspiel musste diese verschiedenen Pfade zu EINER Geschichte zusammenzwingen. Das erklärt ALLES! Bobs plötzliche Eingebung mit dem Geheimfach? Wahrscheinlich eine Option im Buch, die man hier einfach reingeklatscht hat, weil man die Info brauchte. Das erklärt auch die abrupten Ortswechsel. Es ist quasi ein "Best of" aller möglichen Buch-Enden.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Der Cast ist absolut legendär – ein Who-is-Who der deutschen Synchron-Elite:

Horst Naumann (Arnold Brewster): Kennt ihr alle! Er war jahrelang der Schiffsarzt Dr. Schröder auf dem "Traumschiff". Aber noch wichtiger für uns Nerds: Er ist der Erzähler bei "Masters of the Universe"! Wenn er spricht, erwartet man fast, dass He-Man um die Ecke kommt.
Manfred Steffen (Pamir): Eine Gott-Stimme. Er war die Stimme von Gandalf im legendären WDR-Hörspiel "Der Herr der Ringe". Außerdem kennen wir ihn als Albert Hitfield in anderen ???-Folgen. Er könnte das Telefonbuch vorlesen und es klänge mystisch.
Douglas Welbat (Clifford): Die Stimme kennt ihr auch! Er spricht heute das Krümelmonster in der Sesamstraße und ist die Stimme des Schauspielers Rolf Lassgård. Früher war er der Erzähler bei den Grusel-Klassikern "Macabros" und "Larry Brent". Dass er hier den weinerlichen Neffen spricht, ist fast schon Verschwendung.
Karl Walter Diess (Zindler): War Dr. Schübel in der "Schwarzwaldklinik". Er hatte diese perfekte arrogante Stimme, die man einfach hassen liebt.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch stammt von Rose Estes, nicht von den klassischen Autoren. Die "Find Your Fate"-Reihe lief in den USA parallel, wurde aber in Deutschland in die normale Nummerierung (Band 40, Hörspiel 41) integriert. Das führt dazu, dass diese Folge (zusammen mit "Der weinende Sarg") stilistisch komplett aus der Reihe tanzt. Es gibt keine echte Detektivarbeit, sondern eher eine Schnitzeljagd.


FAN-SERVICE-CHECK


Justus' Besserwisserei: Der Schwefel-Fakt ist einer der bekanntesten Justus-Klugscheißer-Momente überhaupt.
Visitenkarte: Natürlich wird die Karte überreicht. Aber Zindler ist das völlig egal.
  • Running Gag: Peter hat Angst vor übernatürlichen Dingen (Indianer-Flüche), behält aber (fast) die Nerven.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"...und das Volk der Winde" ist objektiv gesehen ziemlicher Quatsch mit Soße. Die Handlung stolpert vor sich hin, die Logik macht Urlaub und Bob leidet an Amnesie. ABER: Es macht unfassbar viel Spaß! Die Atmosphäre in den Bergen, die grandiosen Sprecher und das trashige 80er-Jahre-Feeling machen die Folge zu einem "Guilty Pleasure".

Wer klassische Ermittlungen sucht: Finger weg. Wer hören will, wie der Schiffsarzt vom Traumschiff und Gandalf sich mit He-Man-Vibes in einer Höhle streiten, während Justus Chemie-Unterricht gibt: PFLICHTKAUF!

Wusstest du schon?

Die Buchvorlage von Rose Estes gehört zur 'Find Your Fate'-Reihe (in Deutschland 'Dein Fall!'), bei der der Leser den Handlungsverlauf mitbestimmen konnte. Das erklärt die teilweise sprunghafte Handlung und plötzliche Wendungen wie das Dornenbusch-Rätsel.
Der Originaltitel des Buches lautet 'The Mystery of the Dancing Dinosaur'. Der deutsche Titel legt den Fokus mehr auf den Indianerstamm.
Justus erwähnt, dass Schwefelwasserstoff nach faulen Eiern riecht – ein Fakt, der in der Serie fast schon zum Running Gag für Chemie-Wissen wurde.
Cover
Bewertung
6.5
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6,5 von 10 vergessenen Geheimfächern
Das Rätsel
Der Fall beginnt stark als klassische Erbschleicher-Geschichte, wandelt sich aber schnell zu einem Abenteuer-Plot. Das Rätsel um den 'tanzenden Dinosaurier' ist nett, aber die Auflösung, wer der Bösewicht ist, wird dem Hörer fast auf dem Silbertablett serviert (die Wettscheine im Handschuhfach sind ein sehr dicker Wink mit dem Zaunpfahl).
Plot & Logik
Hier knirscht es gewaltig. Dass ein Anwalt drei Minderjährige mit auf eine gefährliche Reise nimmt, ist schon fragwürdig. Dass Bob sich plötzlich an ein 'Geheimfach' erinnert, von dem vorher nie die Rede war, wirkt wie ein klassischer 'Deus ex Machina'. Auch das Erdbeben am Ende kommt dramaturgisch fast zu pünktlich, um den Konflikt ohne lange Verhandlungen zu lösen.
Kapitel
1 Ein Hilferuf 0:00 min
2 Der Neffe und sein Anwalt 6:36 min
3 Gesucht: Ein verschollener Indianerstamm 14:27 min
4 Peter findet den "Tanzenden Saurier" 21:36 min
5 Auf nach Comina! 26:57 min
6 Entdeckungen in der Höhle 32:39 min
7 Pamir, der Stammeshäuptling 40:02 min
8 Kommt das Erdbeben? 47:26 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Zeigt seine Klasse. Er durchschaut Zindlers Spielsucht, identifiziert die Brillensplitter und erkennt die geologische Gefahr durch den Schwefelgeruch. Ein starker Auftritt.
P
Peter Shaw
Darf den Skeptiker spielen und findet das Geheimfach durch Abklopfen. Seine Angst in der Höhle ist greifbar, aber er bleibt handlungsfähig.
B
Bob Andrews
Hat lichte und schattige Momente. Dass er das Geheimfach 'vergessen' hatte, ist schwach geschrieben, aber seine Recherchearbeit zu Beginn ist solide.

Sprecher

Verwandte Folgen

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