Zusammenfassung

Die drei ??? helfen als Kellner auf der Verlobungsparty von Marilyn Pilcher aus. Ihr Vater, der extrem geizige und cholerische Millionär Jeremy Pilcher, erleidet einen scheinbaren Herzanfall, als in der Küche Geschirr zu Bruch geht. Peter bleibt zur Wache bei ihm, wird jedoch vom 'Kranken' im Badezimmer eingesperrt. Als Peter entkommt, ist Pilcher verschwunden – zurück bleiben nur verbrannte Papierreste im Kamin. Kurz darauf erhält Marilyn eine Erpressernachricht: Ihr Vater komme nur frei gegen das 'Buch des Bischofs'.

Justus übernimmt die Ermittlungen und knackt das Passwort ('Joker') von Pilchers Computer. Dort finden sie Hinweise auf 'Mujer Vieja' (Alte Frau), 'Sogamoso' und 'Tränen der Götter'. Der Verdacht fällt zunächst auf den Sekretär Ray Sanchez, der eigentlich Luis Estava heißt und dessen Vater von Pilcher ruiniert wurde. Doch Ray kooperiert und hilft den Detektiven. Auf Pilchers Jacht 'Bonny Betsy' findet Bob schließlich das gesuchte Buch: Es ist das Tagebuch eines spanischen Bischofs, der den Weg zu einer Smaragd-Mine in Kolumbien beschrieb.

Justus kombiniert, dass Pilcher gar keinen echten Anfall hatte, sondern jemanden erkannte, vor dem er Angst hatte und deshalb hastig die entscheidenden Seiten aus dem Buch verbrannte. Durch die Rekonstruktion der Situation vor der Küchentür entlarvt Justus den Geschirrspüler Ramon als den gesuchten Kriminellen Navarro. Die Detektive verfolgen Ramon zu einem leerstehenden Haus, wo er Pilcher gefangen hält. In letzter Sekunde kann die Polizei, alarmiert durch Ray Sanchez, eingreifen. Pilcher wird befreit, zeigt sich aber selbst in Ketten noch als der alte Griesgram: 'Was sabbelt ihr da draußen rum? Holt mich endlich hier raus!'

Review

Griesgram-Alarm in Rocky Beach! Warum Pilcher der witzigste 'Bösewicht' aller Zeiten ist
Ein Millionär mit dem Charme einer Abrissbirne, ein Passwort, das jeder erraten hätte, und Peter eingesperrt im Klo. Folge 46 ist Comedy-Gold!

Hallo liebe Kassettenkinder und Streaming-Junkies,

heute widmen wir uns einem echten Schmuckstück aus der "Ära der bunten Hemden und Synthie-Klänge". Wir reisen zurück ins Jahr 1989, zu Folge 46: "Die drei ??? und der schrullige Millionär". Eine Folge, die beweist, dass man auch mit schlechter Laune zur Legende werden kann.

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr diese Folgen, die man als Kind vielleicht übersprungen hat, weil kein Monster auf dem Cover war? Großer Fehler! Denn was uns hier erwartet, ist kein Grusel-Schocker, sondern eine der wohl witzigsten und dialogstärksten Episoden der gesamten Serie. Das Cover von Avenell verspricht Action (ein Mann, der aus dem Fenster klettert?), aber der wahre Action-Held hier ist das Mundwerk von Jeremy Pilcher. Man drückt auf Play und riecht förmlich das Haarspray der 80er und die Canapés der Verlobungsfeier.

DIE STORY


Unsere drei Lieblings-Detektive haben mal wieder Ebbe in der Kasse und verdingen sich als Aushilfskellner. Der Auftrag: Eine Verlobungsfeier bei Jeremy Pilcher, einem Mann, der so sympathisch ist wie ein Wurzelbehandlung ohne Betäubung. Kaum scheppert ein Teller, erleidet der Hausherr einen Herzanfall, wird in ein Zimmer gebracht – und puff – löst sich in Luft auf. Zurück bleiben nur Asche im Kamin und ein Peter Shaw, der (natürlich) im Badezimmer eingesperrt wurde. Was folgt, ist eine wilde Jagd nach dem mysteriösen "Buch des Bischofs", kolumbianischen Smaragden und einem Entführer, der vielleicht gar keiner ist. Oder doch?

UNSERE HELDEN


Justus "Der Hacker" Jonas: Freunde, haltet euch fest. Justus knackt in dieser Folge einen Computer. Und wie macht er das? Mit purer Logik? Mit einem Brute-Force-Algorithmus? Nein, er tippt einfach "JOKER" ein. Weil das Passwort natürlich Joker ist. Das ist der Moment, in dem jeder IT-Sicherheitsexperte weinend zusammenbricht, aber wir feiern Justus dafür! Ansonsten glänzt er wieder mit seiner herrlichen Besserwisserei ("Ich habe die Situation an der Küchentür rekonstruiert...").

Peter "Murphys Gesetz" Shaw: Peter hat in dieser Folge mal wieder die A-Karte gezogen. Erst muss er den Babysitter für den griesgrämigen Pilcher spielen, dann wird er im Bad eingesperrt (Klaus-Jürgen Wussow wäre stolz auf diese dramatische Wendung) und später darf er noch waghalsige Klettereinlagen absolvieren. Unser Zweiter gibt alles!

Bob "Die Bibliothek" Andrews: Bob macht das, was Bob am besten kann: Er rettet den Tag durch Recherche. Während die anderen noch rumrätseln, findet er auf der Jacht das entscheidende Buch. Solide Arbeit, Kollege!

DIE GEGENSPIELER


Der eigentliche "Gegenspieler" ist hier das Opfer selbst: Jeremy Pilcher. Dieser Mann ist pures Gold. Er beleidigt jeden, der ihm über den Weg läuft, hasst seine Verwandtschaft und ist selbst nach seiner Rettung noch so dankbar wie ein Kaktus.

Der echte Schurke, Ramon Navarro, tarnt sich als Tellerwäscher. Ein klassischer Scooby-Doo-Moment: Der Gärtner... äh, der Tellerwäscher war's! Er bleibt als Charakter etwas blass, wird aber durch seine Stimme (dazu gleich mehr!) unsterblich.

BESTE MOMENTE


1. Pilchers Pöbeleien: Jedes Mal, wenn Pilcher den Mund aufmacht. "Sie blöde Gans!" oder wie er Justus und Co. als "Schmarotzer" abkanzelt. Man liebt es, ihn zu hassen.
2. Der Hack: Die Szene, in der Justus das Passwort "Joker" errät. Das ist so herrlich naiv geschrieben, dass es schon wieder Kult ist. "Er war ein Spieler... probieren wir Joker!" – ZACK, Zugriff. Wenn es doch immer so einfach wäre.
3. Das Finale: Als die Polizei Pilcher befreit und er statt "Danke" nur rummeckert: "Was sabbelt ihr da draußen rum? Holt mich endlich hier raus!" Legendär.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Zufall, dass ausgerechnet der gesuchte Verbrecher Navarro zufällig als Tellerwäscher auf genau der Party arbeitet, wo Pilcher seinen Anfall vortäuscht, ist größer als Justus' Appetit auf Kirschkuchen. Das ist schon sehr konstruiert. Auch die Geschichte mit den Smaragden und dem Bischof wirkt ein bisschen wie "Indiana Jones für Arme", aber hey, wir sind hier in Rocky Beach, da drücken wir ein Auge zu.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge stammt aus der Feder von M.V. Carey und markiert einen interessanten Punkt in der Historie. Es ist eine der letzten Folgen der "klassischen" Ära, bevor in den USA die "Crimebusters" (die "neuen", cooleren ??? mit Autos und Freundinnen) starteten.
Interessant ist: Hier merkt man schon den Übergang. Es gibt Computer, es gibt "echte" Verbrechen (Entführung) statt Geister, und die Jungs wirken etwas reifer (auch wenn sie noch kellnern müssen). In der Fan-Community gilt die Folge oft als "solides Mittelfeld", wird aber m.E. völlig unterschätzt, was den Unterhaltungswert angeht. Sie ist quasi das "Comfort Food" unter den Hörspielen.

SPRECHER-SPOTLIGHT (Hier wird's nerdig!)


Leute, die Besetzungsliste ist ein Träumchen!

Jeremy Pilcher wird gesprochen von Michael von Rospatt. Der Mann war der geborene Griesgram! Leider ist er 2020 verstorben, aber hier hat er sich ein Denkmal gesetzt. Man kennt ihn auch aus TKKG oder diversen TV-Rollen (Tatort, Großstadtrevier).
Ramon Navarro (der Bösewicht) hat eine Stimme, bei der jedem 80er-Jahre-Fan der Schnurrbart zuckt: Norbert Langer! Ja genau, die deutsche Stimme von Tom Selleck (Magnum) und später Inspector Barnaby. Wenn der Bösewicht klingt wie Magnum, drückt man ihm fast die Daumen!
Und jetzt der Insider-Hammer: Der Sekretär Ray Sanchez wird laut Inlay von einem gewissen "Walter Eltz" gesprochen. Aber wer echte Ohren hat, hört sofort: Das ist Rainer Schmitt! Ja, unser aller Larry Brent oder auch die Stimme aus Gespenster-Krimi. Warum das Pseudonym? Ein Mysterium, fast so groß wie das Buch des Bischofs.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch "The Mystery of the Cranky Collector" erschien in den USA 1987 und war tatsächlich der letzte Band der Originalserie, den M.V. Carey schrieb (Band 43 in der US-Zählung). Damit endet quasi eine Ära, bevor die Serie modernisiert wurde. Im Hörspiel (1989) merkt man davon wenig, da EUROPA die Reihenfolge ja gerne mal durchgewürfelt hat. Aber es erklärt, warum die Story so "klassisch" und doch modern (Computer!) wirkt – es war der Schwanengesang der alten Garde.


FAN-SERVICE-CHECK


Justus isst: Wird hier subtil durch das Buffet angedeutet.
Peter hat Angst: Check (Badezimmer-Trauma).
Visitenkarte: Wird natürlich übergeben.
Zentrale: Kommt vor, inklusive Telefonlawine (zumindest wird telefoniert).

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Die drei ??? und der schrullige Millionär" ist wie ein guter alter 80er-Jahre-Film: Nicht immer logisch, aber verdammt unterhaltsam. Die Folge lebt nicht vom Rätsel (das ist okay), sondern von den Charakteren – allen voran dem großartigen Ekelpaket Pilcher. Wer mal wieder herzlich lachen will und Justus beim "Hacken" zuhören möchte, ist hier goldrichtig.

Für wen? Fans von Dialogwitz, Magnum-Stimmen und alle, die wissen wollen, wie man Passwörter nicht* wählt.
Ranking: Ein starker Kandidat für die Top 30 der "Wohlfühl-Folgen".

Wusstest du schon?

Die Folge basiert auf dem Buch 'The Mystery of the Cranky Collector' von M.V. Carey aus dem Jahr 1987.
Justus knackt das Computerpasswort mit dem Begriff 'Joker', was zeigt, wie 'modern' die Serie Ende der 80er werden wollte.
Der Sprecher von Ray Sanchez wird im Inlay oft als 'Walter Eltz' gelistet, dahinter verbirgt sich jedoch Rainer Schmitt (bekannt als Stimme von Larry Brent).
Cover
Bewertung
7
🤬 🤬 🤬 🤬 🤬 🤬 🤬 🤬 🤬 🤬
7 von 10 cholerischen Anfällen
Das Rätsel
Ein klassisches 'Locked Room'-Mystery, das sich schnell in eine Schnitzeljagd verwandelt. Die Auflösung, wer der Entführer ist, basiert auf einer soliden Beobachtungsgabe von Justus, auch wenn der Zufall (der gesuchte Verbrecher arbeitet zufällig als Tellerwäscher dort) etwas groß ist. Das Motiv um die Smaragde ist abenteuerlich, aber unterhaltsam.
Plot & Logik
Pilchers Verhalten ist herrlich irrational: Mitten im Herzanfall (oder der Angst vor Navarro) noch schnell Peter einzusperren und Papier zu verbrennen, zeugt von seiner Paranoia. Dass er das Buch nicht einfach früher vernichtet hat, wird damit erklärt, dass er erst durch Navarros Auftauchen akute Gefahr sah – eine akzeptable Erklärung.
Gastfiguren
Jeremy Pilcher ist das Highlight: Ein wunderbar unsympathischer 'Rohrspatz', der selbst seine Retter anpflaumt. Ray Sanchez dient als guter roter Hering. Ramon bleibt als Bösewicht eher blass.
Dialogqualität
Die Dialoge leben von Pilchers Beleidigungen ('Du blöde Gans', 'Schmarotzer'). Auch Justus' trockene Kommentare ('Ich kann's nicht glauben. Das ist ja, als ob sich die eigene Oma plötzlich als Dracula entpuppen würde') sorgen für Humor.
Pacing
Die Folge hat ein hohes Tempo. Vom Party-Chaos über die Computer-Recherche bis zur Verfolgung gibt es kaum Leerlauf.
Kapitel
1 Ein Millionär verschwindet 0:00 min
2 Ende der Party 6:47 min
3 Gespeicherte Geheimdaten 11:34 min
4 Die rätselhafte Botschaft 18:30 min
5 Das Buch des Bischofs 24:03 min
6 Justus hat eine Erleuchtung 28:56 min
7 Nicht umzubringen 34:27 min
8 Ein Geheimnis aus alter Zeit 44:22 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch logische Analyse der 'Küchentür-Situation'. Sein Computer-Hacking (Passwort 'Joker') ist ein nettes Zeitgeist-Element.
P
Peter Shaw
Muss körperlich ran (Ausbruch aus dem Badezimmer, Klettern am Baum) und dient als 'Augenzeuge' wider Willen.
B
Bob Andrews
Übernimmt den klassischen Recherche-Part in der Bibliothek und findet das entscheidende Buch auf der Jacht.

Fazit

Eine solide, kurzweilige Folge, die vor allem durch den herrlich ekelhaften Charakter des Jeremy Pilcher im Gedächtnis bleibt. Weniger Grusel, mehr klassische Detektivarbeit mit einem Hauch Schatzsuche.

Sprecher

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