Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt im Restaurant 'Sea Horse', wo die drei ??? einen nervösen Mann namens 'Blinky' kennenlernen, der unter einem permanenten Zwinkern leidet. Als er überstürzt aufbricht, um einen grünen Transporter zu verfolgen, lässt er eine Kiste bei den Jungen zurück. Darin befindet sich eine Taube mit einer anatomischen Auffälligkeit: Sie hat an einem Fuß nur zwei Zehen. Die Detektive nehmen das Tier mit zur Zentrale. Am nächsten Morgen erleben sie eine Überraschung: Die Taube im Käfig hat plötzlich wieder drei Zehen – sie wurde über Nacht ausgetauscht! Justus schlussfolgert sofort, dass dies kein Zufall sein kann.

Die Ermittlungen führen Bob zur exzentrischen Vogelliebhaberin Miss Melody, deren Garten voller Vögel ist. Sie berichtet von ihrer Elster 'Edgar Allan Poe', die ihr regelmäßig Perlen bringt, und ist verzweifelt, weil jemand ihre Vögel tötet. Kurz darauf finden die Jungen tatsächlich tote Habichte und die ursprüngliche 'Zwei-Zehen-Taube', die von einem Habicht geschlagen wurde. An ihrem Bein entdecken sie eine Nachricht: 'Heute keine Perlen'. Der Verdacht fällt auf den Juwelier Parker Frisbee, der von Miss Melody empfohlen wurde. Justus wird bei der Spurensuche im Wald niedergeschlagen – scheinbar von Frisbee selbst.

Die drei ??? beschatten daraufhin den grünen Transporter bis zu einer streng bewachten Austernzucht. Justus erkennt den genialen Schmuggel-Mechanismus: Die Arbeiter schmuggeln wertvolle Perlen an den Wachen vorbei, indem sie sie Brieftauben in ihren Lunchboxen mitbringen und diese dann freilassen. Um ihre Theorie zu beweisen, führt Peter ein gewagtes Ablenkungsmanöver mit Luftballons durch ('Helfen Sie unseren gefiederten Freunden'), während Justus die Taube im Transporter gegen ihre eigene Taube 'Cäsar' austauscht.

Im Finale auf dem Schrottplatz kehrt Cäsar tatsächlich mit einer Perle zurück. Doch dann taucht der bewaffnete Drahtzieher auf. Es ist nicht der Juwelier Frisbee, sondern Blinky! Er hat sich mit falschem Bart und Sonnenbrille als Frisbee verkleidet, um die japanischen Schmuggler zu täuschen und die Perlen für sich selbst abzuzweigen. Miss Melody und die drei ??? können ihn überwältigen, als er versucht, Justus die Perle abzunehmen.

Review

Tauben, Täuschung und ein falscher Bart – Warum Peter plötzlich Ballons verkauft
Was macht der Märchenonkel Hans Paetsch bei den drei ??? und warum singt Peter 'God bless America' im Gebüsch? Diese Folge ist ein skurriles Highlight der 80er!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Kirschkuchens!

Heute widmen wir uns einem Fall, der beweist, dass man in Rocky Beach nicht mal in Ruhe eine Cola trinken kann, ohne dass einem jemand eine kriminelle Taube in die Hand drückt. Schnappt euch eure Visitenkarten, wir tauchen ein in Folge 39: ...und die Perlenvögel!

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr das? Ihr hört die ersten Minuten und wisst sofort: Das ist klassisches 80er-Jahre-Gold. Wir sind im Restaurant „Sea Horse“ (Heimspiel!), es gibt mysteriöse Kisten und einen Mann, der nervöser ist als Peter bei einer Geistererscheinung. Die Atmosphäre ist dicht, sommerlich und herrlich skurril. Man riecht förmlich das Frittierfett und das Meerwasser. Mein erster Gedanke: Warum zwinkert der Typ so viel? Hat er was im Auge oder ist das ein Morsecode für „Hilfe, ich bin in einem Europa-Hörspiel gefangen“?

DIE STORY


Alles beginnt ganz harmlos. Justus, Peter und Bob sitzen im „Sea Horse“, als ihnen ein Mann namens Blinky eine Kiste anvertraut und panisch einem grünen Lieferwagen hinterherrennt. Inhalt der Kiste: Eine Taube. Aber nicht irgendeine, nein! Eine Taube mit nur zwei Zehen an einem Fuß.

Doch am nächsten Morgen – Plottwist! – hat der Vogel plötzlich wieder alle Zehen beisammen. Justus „Sherlock“ Jonas kombiniert messerscharf: Die Taube wurde ausgetauscht! Was folgt, ist eine wilde Schnitzeljagd rund um Perlenzucht, tote Raubvögel und einen Juwelier, der verdächtig nach Märchenonkel klingt. Es geht um Schmuggel im großen Stil, und unsere drei ??? stecken mittendrin zwischen japanischen Geschäftsleuten und einer exzentrischen Vogellady.

UNSERE HELDEN


Justus läuft hier zur Höchstform auf. Seine Deduktion, dass dem Vogel über Nacht keine Zehe nachgewachsen sein kann, ist einer dieser Momente, wo man ihn einfach umarmen möchte. Er ist der unangefochtene Chef im Ring, auch wenn er sich im Wald niederschlagen lässt (Berufsrisiko).

Peter liefert hier meiner Meinung nach die Performance seines Lebens ab. Vergesset James Bond – Peter Shaw als Ballonverkäufer ist das einzig Wahre! Um die Wachen abzulenken, spielt er den trotteligen Verkäufer („Helfen Sie unseren gefiederten Freunden!“) so überzeugend, dass man fast glaubt, er hätte seine Berufung gefunden.

Bob ist mal wieder das Rückgrat der Operation. Während die anderen im Dreck wühlen oder Ballons verkaufen, wälzt er Telefonbücher und findet Miss Melody. Ohne seine Recherche wäre der Fall nach zehn Minuten zu Ende gewesen.

DIE GEGENSPIELER


Hier wird es interessant. Wir haben Blinky, der eigentlich ein kleiner Gauner ist, aber so nervös rüberkommt, dass man fast Mitleid hat.

Dann haben wir die japanische Schmugglerbande. Okay, Leute, Hand aufs Herz: Die Darstellung ist aus heutiger Sicht... sagen wir mal „sehr 80er“. Die Akzente sind hart an der Grenze zur Karikatur, aber im Kontext der damaligen Hörspielproduktion leider Standard. Sie wirken bedrohlich, aber auch ein bisschen wie Cartoon-Bösewichte.

Der wahre Star der Antagonisten-Riege (oder auch nicht?) ist aber Parker Frisbee. Ein Juwelier mit Bart und Sonnenbrille. Klassiker.

BESTE MOMENTE


1. Die Ballon-Szene: Ich kann es nicht oft genug sagen. Peter mit den Ballons ist Comedy-Gold. Jens Wawrczeck hatte hier sichtlich Spaß.
2. Miss Melody: Wenn Gisela Trowe als Miss Melody „Glory Hallelujah!“ schmettert und ihre Vögel mit Namen wie „Edgar Allan Poe“ vorstellt, ist das ganz großes Kino. Eine der besten Gastrollen aller Zeiten!
3. Justus und Peter im Gebüsch: Um sich unauffällig zu verständigen, singen sie „God bless America“. Das ist so absurd und gleichzeitig so genial, dass ich Tränen gelacht habe.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Zufall, dass Blinky die wertvolle Taube ausgerechnet den drei ??? gibt, ist größer als Justus’ Appetit auf Kirschkuchen. Warum drei Jungs? Warum nicht der Kellnerin? Aber gut, ohne diesen Zufall gäbe es keine Story.
Zudem ist die Auflösung mit den Maskeraden (Blinky als Frisbee) zwar clever, aber dass niemand den Unterschied bemerkt – nicht mal an der Statur oder Stimme – erfordert schon viel „Suspension of Disbelief“.

SERIEN-KONTEXT


Die Folge 39 stammt aus der Feder von Marc Brandel. Brandel war bekannt dafür, die Serie etwas „erwachsener“ und actionreicher zu machen (weniger Geister, mehr Gangster). Das merkt man hier deutlich: Es geht um organisierte Kriminalität, Schusswaffen und echte Bedrohung.

Interessant ist auch die Einordnung in die Musik-Geschichte: Es ist eine der letzten Folgen, die noch den ganz klassischen „Old School“-Orchester/Synthie-Mix nutzt, bevor mit den „Crimebusters“ die Musik deutlich moderner (und manche sagen: trashiger) wurde.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, haltet euch fest, denn der Cast ist legendär:

Hans Paetsch als Parker Frisbee: JA, richtig gehört! Der Mann, der uns allen als „Märchenonkel“ die Kindheit versüßt hat („Hui Buh“, Erzähler in unzähligen Europa-Märchen), spielt hier einen zwielichtigen Verdächtigen! Es ist fast verstörend, diese vertraute, warme Stimme in einer solchen Rolle zu hören – und gerade deshalb genial.
Gisela Trowe als Miss Melody: Eine Ikone. Sie sprach auch Mrs. Darnley in „Der lachende Schatten“ (bzw. „Schrumpfende Stadt“ in der Neuauflage). Ihre rauchige, theatralische Stimme verleiht der Figur eine unvergessliche Exzentrik.
Günter König als Blinky: Auch kein Unbekannter! Er war der Erzähler bei „Larry Brent“, „Macabros“ und „TKKG“. Ihn hier als stotterndes Nervenbündel zu hören, zeigt, was für ein wandlungsfähiger Sprecher er war.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Das Buch erschien im Original unter dem Titel „The Mystery of the Two-Toed Pigeon“ (1984). Der deutsche Titel „...und die Perlenvögel“ klingt zwar poetischer, aber der Originaltitel trifft den Kern des Anfangsrätsels besser.

Im Buch wird Justus’ Diät übrigens thematisiert (wie so oft bei Brandel), was im Hörspiel meistens unter den Tisch fällt – wahrscheinlich, weil Oliver Rohrbeck auch ohne Diät-Dialoge fantastisch klingt.


FAN-SERVICE-CHECK


Schrottplatz-Vibes: Wir sind in der Zentrale, wir sind im Sea Horse. Das ist Rocky Beach pur.
Tante Mathilda: Darf natürlich nicht fehlen, auch wenn sie hier eher eine Randfigur ist.
Visitenkarte: Wird natürlich überreicht. Manieren müssen sein.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Die Perlenvögel“ ist vielleicht keine der ganz großen „Grusel-Folgen“, aber sie ist ein exzellentes Detektiv-Abenteuer. Die Kombination aus skurrilen Charakteren (Miss Melody!), einem cleveren Schmuggel-Trick und absoluten Sprecher-Legenden macht sie zu einem „Hidden Gem“ der 30er-Nummern.

Wer Hans Paetsch mal nicht als lieben Erzähler hören will und wer Peter Shaw gerne beim Singen und Ballonverkaufen zuhört, MUSS diese Folge hören. Ein Fest für Nostalgiker!

Also: Augen auf beim Taubenkauf und immer schön die Zehen zählen!

Wusstest du schon?

Der 'Märchenonkel' der Nation, Hans Paetsch, spricht hier den Juwelier Parker Frisbee – eine seiner wenigen Rollen innerhalb der regulären Handlung der drei ???.
Die Darstellung der japanischen Charaktere (gesprochen u.a. von Helmut Ahner) bedient mit dem starken Akzent und dem Verhalten typische Klischees der 80er Jahre Hörspielproduktionen.
Im Buch heißt der Originaltitel 'The Mystery of the Two-Toed Pigeon', was den Fokus stärker auf das anfängliche Rätsel der Taube legt als der deutsche Titel.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 nachgewachsenen Taubenzehen
Das Rätsel
Eine wunderbar klassische Konstruktion. Die Idee, Perlen mittels Brieftauben aus einer bewachten Zone zu schmuggeln, ist originell und für ein Jugendhörspiel glaubwürdig umgesetzt. Der 'Double-Cross', dass Blinky eigentlich den eigentlichen Hehler Frisbee bestiehlt, gibt der Story eine schöne zweite Ebene.
Plot & Logik
Dass Blinky die wertvolle Taube ausgerechnet drei wildfremden Jungs im Restaurant überlässt, ist ein glücklicher Zufall, aber durch seine Panik wegen des grünen Transporters noch erklärbar. Seine Verkleidung als Parker Frisbee funktioniert im Hörspiel gut, auch wenn man sich fragt, warum die Japaner den Unterschied nicht bemerken – aber das wird mit der Sonnenbrille bei Nacht 'wegerklärt'.
Kapitel
1 Der Mann mit dem Zwinker-Tick 0:00 min
2 Die Frau mit dem Vogel-Tick 7:19 min
3 Ein Mörder raubt Vögel 13:08 min
4 Wo ist das Bindeglied? 19:28 min
5 Vergiftet? 23:51 min
6 Bewaffnete Aufsicht 30:03 min
7 Wer mit wem? 35:48 min
8 Hände hoch! 42:17 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Ist in Hochform. Seine Deduktion bezüglich des Taubentauschs ('Ihm ist über Nacht eine Zehe nachgewachsen') und die Analyse der Fußspuren zeigen ihn als scharfsinnigen Beobachter. Er durchschaut am Ende auch Blinkys Maskerade.
P
Peter Shaw
Darf glänzen, besonders in der herrlichen Szene mit den Luftballons, wo er die japanischen Fahrer ablenkt. Auch seine Angst vor Schlägen ('Ei, ei, ei, das kann doch nicht wahr sein') ist präsent, aber er überwindet sie.
B
Bob Andrews
Übernimmt den klassischen Recherche-Part (Bibliothek, Telefonbuch) und stellt die Verbindung zu Miss Melody her, ohne die der Fall nicht lösbar wäre.

Sprecher

Verwandte Folgen

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