Zusammenfassung

Alfred Hitchcock beauftragt die drei ??? mit einem Fall in Seaside: Sein Freund Mr. Allen vermisst seinen Hund und behauptet, einen Drachen gesehen zu haben, der in einer Höhle unter seinem Haus verschwand. Vor Ort befragen die Detektive die Nachbarn: Den hundehassenden Mr. Carter, der sie mit einer Schrotflinte bedroht, und den exzentrischen Erfinder Arthur Shelby, der sie mit einem mechanischen Vogel erschreckt. Bei der ersten Erkundung der Höhle bricht unter Justus eine angesägte Treppe zusammen. Am Strand entdecken sie seltsame Reifenspuren, die im Sand verschwinden, und werden kurz darauf von zwei Tauchern mit Harpunen gejagt. Sie können sich gerade noch durch eine lose Bretterwand in einen verborgenen Tunnel retten.

Nach einer telefonischen Morddrohung („Tote reden nicht“) recherchiert Bob in der Bibliothek und findet heraus, dass die Höhlen Teil eines nie fertiggestellten U-Bahn-Projekts sind. Trotz Peters Bedenken kehren sie in die Höhle zurück, entdecken eine Felswand, die sich mechanisch öffnen lässt, und stehen plötzlich dem hustenden Drachen gegenüber, der auf sie zurollt. Nach der Flucht und einem Besuch bei Hitchcock, wo sie einen Filmdrachen studieren, kombiniert Justus, dass das Ungeheuer von Seaside eine Maschine auf Rädern sein muss.

Beim finalen Eindringen in die Höhle finden sie den „Drachen“ parkend vor: Es ist ein getarntes Mini-U-Boot auf einem Fahrgestell. Im Inneren entdecken sie die betäubten Hunde der Nachbarschaft. Sie belauschen Shelby und die Taucher, die den U-Bahn-Tunnel nutzen, um von unten in den Tresorraum einer Bank zu bohren. Justus kapert das Drachen-Fahrzeug, während die Gangster Goldbarren verladen wollen. Trotz absterbendem Motor gelingt es ihm, das Gefährt durch eine Holzwand an den Strand zu steuern. Dort konfrontieren sie Shelby, der aus Angst vor dem Gebell der Hunde diese entführt hatte. Justus bietet ihm einen Deal an: Rückgabe des Goldes gegen Straffreiheit, da Shelby im Grunde kein Verbrecher, sondern ein technischer Spielereien-Narr ist.

Review

Wenn Drachen husten und Justus schwarzfährt: Ein Date mit Folge 7
Ein U-Boot auf Rädern, ein gescheitertes U-Bahn-Projekt in Seaside und Justus Jonas als Action-Held am Steuer. Warum 'Der unheimliche Drache' trotz Logiklöchern absoluter Kult ist.

Hallo liebe Kassettenkinder, Detektiv-Kollegen und Kirschkuchen-Vernichter!

Schnappt euch einen Kakao, lehnt euch im Sport-Sessel zurück und reist mit mir in das Jahr 1979. Eine Zeit, in der Telefone noch Wählscheiben hatten, Alfred Hitchcock noch persönlich (naja, fast) unsere Fälle anmoderierte und Drachen nicht in Westeros, sondern im beschaulichen Seaside wohnten. Wir knöpfen uns heute einen absoluten Evergreen vor: Folge 7 – Die drei ??? und der unheimliche Drache.

Ist es Trash? Ist es Kult? Oder ist es einfach nur der Beweis, dass Justus Jonas auch ohne Führerschein alles fahren kann? Finden wir es heraus!

ERSTER EINDRUCK


Schon das Cover von Aiga Rasch ist ein Versprechen: Ein neongrüner Drache mit roten Augen vor schwarzem Grund. Das schrie im Plattenladen damals förmlich „Kauf mich, ich bin gruselig!“. Wer diese Folge einlegt, wird sofort von dieser wunderbar dichten, leicht muffigen Atmosphäre der frühen Ära umhüllt. Es riecht förmlich nach feuchter Höhle, Meersalz und alten Autoreifen. Man denkt: „Oh, ein Monster-Fall!“ und endet in einer Geschichte, die so herrlich hanebüchen ist, dass man sie einfach lieben muss.

DIE STORY


Alles beginnt harmlos: Mr. Allen vermisst seinen Hund. Langweilig? Von wegen! Denn Mr. Allen hat auch einen Drachen gesehen, der in einer Höhle unter seinem Haus verschwand. Unsere drei Detektive fahren nach Seaside (einem Ort, der gefühlt nur aus drei Häusern und einem Strand besteht) und stolpern in ein Abenteuer mit verschiebbaren Felswänden, schießwütigen Tauchern und einem hustenden Ungeheuer. Des Rätsels Lösung beinhaltet ein gescheitertes U-Bahn-Projekt (!), einen Bankraub und das wohl absurdester Fluchtfahrzeug der Kriminalgeschichte.

UNSERE HELDEN


Justus „Der Schrottplatz-Napoleon“ Jonas: Unser Erster Detektiv ist hier in Hochform. Er kombiniert nicht nur messerscharf (die Sache mit den Reifenspuren), sondern zeigt auch ungewöhnlichen körperlichen Einsatz. Der Moment, in dem Justus das Drachen-Fahrzeug kapert und steuert, ist Gold wert. Wer braucht Morton, wenn man Justus hat?

Peter „Der Angsthase vom Dienst“ Shaw: Peter darf hier wieder das tun, was er am besten kann: Panik schieben. Aber – und das muss man ihm lassen – sein Instinkt ist goldrichtig. Wenn Peter sagt „Lass uns abhauen“, dann meistens zu Recht. Seine Angst vor den Tauchern ist greifbar und erdet die skurrile Story.

Bob „Recherche & Archiv“ Andrews: Bob liefert den MVP-Move der Folge. Ohne seinen Bibliotheks-Ausflug und das Wissen über die unvollendete U-Bahn von Seaside würden die drei wahrscheinlich heute noch in der Höhle stehen und Wände anstarren.

DIE GEGENSPIELER


Hier glänzt die Folge richtig. Wir haben nicht nur die grobschlächtigen Morgan-Brüder (Standard-Schläger), sondern mit Arthur Shelby einen der interessantesten „Schurken“ der frühen Phase. Shelby ist kein böses Genie, sondern eher ein verspielter Technik-Nerd, der ein bisschen die Bodenhaftung verloren hat. Er wirkt fast sympathisch in seiner Verrücktheit. Und dann ist da noch Mr. Carter, der unfreundliche Nachbar mit der Flinte – ein klassischer „Red Herring“, der uns herrlich in die Irre führt.

BESTE MOMENTE


🏆 Der Grusel-Anruf: „Tote reden nicht…“ – Kurz, knackig, effektiv. Da lief es mir als Kind eiskalt den Rücken runter.

🏆 Die Enthüllung: Als Justus kombiniert, dass der Drache hustet, weil er einen Verbrennungsmotor hat. Das ist dieser typische Scooby-Doo-Moment, in dem der Aberglaube von der Technik besiegt wird.

🏆 Das Finale: Justus fährt den Drachen durch die Holzwand. Stellt euch das bildlich vor: Ein pummeliger Teenager steuert ein als Drache verkleidetes Mini-U-Boot auf Rädern an den Strand. Hollywood, ruf an!

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der Plan der Verbrecher ist kompletter Wahnsinn. Sie bauen ein U-Boot, verkleiden es als Drachen, montieren Räder dran, um damit durch einen vergessenen U-Bahn-Tunnel unter eine Bank zu fahren? Das ist so umständlich, das kann sich nur ein Autor ausgedacht haben, der Deadline-Stress hatte. Und warum genau entführt Shelby die Hunde? Damit sie nicht bellen, wenn er bohrt? Ein paar Würstchen hätten es vielleicht auch getan, Arthur!

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge stammt aus der Feder von Nick West (ein Pseudonym für Kin Platt). Er war der erste Autor, der nach dem Schöpfer Robert Arthur neue Geschichten schrieb. Man merkt, dass er versucht, den Arthur-Stil zu kopieren, dabei aber etwas mehr ins Skurrile abdriftet.

Innerhalb der Serie ist Folge 7 ein absoluter Grundstein. Sie etabliert das Muster „Gruseliger Aufhänger -> Technische Auflösung“, das die Serie groß gemacht hat. Interessant: Es ist eine der wenigen Folgen, in denen die drei ??? am Ende quasi Selbstjustiz üben bzw. einen Deal machen. Shelby wird nicht verhaftet, sondern darf gehen, wenn er das Gold zurückgibt. Moralisch fragwürdig, Justus!


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier fährt Europa schwere Geschütze auf:

🎙️ Richard Lauffen (Mr. Shelby): Ein Gigant! Man kennt ihn als den unheimlichen „Timm Thaler“-Bösewicht oder aus Edgar-Wallace-Filmen. Er gibt Shelby diese wunderbar entrückte, leicht irre Note. Seine Stimme kippt immer so schön zwischen Genie und Wahnsinn.

🎙️ Franz-Josef Steffens (Mr. Carter): Diese Stimme! Tief wie ein Ozeangraben. Er war später in unzähligen Europa-Produktionen zu hören (u.a. bei „Commander Perkins“ oder als Bär in „TKKG“). Wenn er „Verschwindet!“ brüllt, dann verschwindet man.

🎙️ Werner Cartano (Mr. Allen): Auch so ein Europa-Urgestein, das man sofort wiedererkennt. Solide und glaubwürdig als besorgter Hundebesitzer.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Erschienen ist das Hörspiel 1979. Wer das Buch kennt, wird einige Unterschiede bemerken. Im Roman von Nick West gibt es eine Szene, in der Bob in Treibsand fällt (wurde wohl aus Zeitgründen gestrichen) und – haltet euch fest – Peter benutzt einen Projektor, um Riesenameisen an die Wand zu werfen, um die Gangster zu erschrecken. Ja, Riesenameisen! Schade, dass uns dieses trashige Highlight im Hörspiel vorenthalten wurde.

Spannend ist auch der Titel: Im Original „The Mystery of the Coughing Dragon“ wird das „Husten“ (also das Motorstottern) viel stärker betont als das „Unheimliche“ im Deutschen.


FAN-SERVICE-CHECK


Die Visitenkarte: Wird natürlich überreicht.
Hitchcock: Peter Pasetti ist als Erzähler und Auftraggeber dabei und versprüht seinen zynischen Charme.
Spezialeffekte: Die Folge zelebriert die Liebe zu Filmtricks und Mechanik, ein Thema, das Justus ja bekanntermaßen liebt.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Die drei ??? und der unheimliche Drache“ ist wie eine Fahrt in der Geisterbahn auf dem Jahrmarkt: Man sieht die Fäden, an denen die Monster hängen, die Mechanik knarzt laut, aber man hat einen Riesenspaß dabei. Die Logiklöcher sind groß genug, um einen Drachen hindurchzufahren, aber die Atmosphäre, die Sprecherleistung (Lauffen!) und der Nostalgie-Faktor machen das alles wett.

Für Einsteiger ein perfektes Beispiel für die „Monster-Ära“ der Serie. Für Altfans ein Pflicht-Hörspiel zum Immer-wieder-Hören.

Also, Kollegen: Passt auf hustende Autos auf und meidet verlassene U-Bahn-Schächte!

Wusstest du schon?

Die Buchvorlage enthält Szenen, die im Hörspiel fehlen: Bob fällt in Treibsand und Peter projiziert Riesenameisen, um Gegner zu erschrecken.
Der 'hustende' Drache im Originaltitel ('The Mystery of the Coughing Dragon') bezieht sich deutlicher auf den stotternden Motor des Fahrzeugs.
Dies ist eine der Folgen, in denen der 'Bösewicht' am Ende nicht der Polizei übergeben wird, sondern einen Deal mit den drei ??? eingeht.
Cover
Bewertung
8
🐉 🐉 🐉 🐉 🐉 🐉 🐉 🐉 🐉 🐉
8.5 von 10 hustenden Drachen
Das Rätsel
Die Grundidee ist klassisch 'Scooby-Doo': Ein Monster wird inszeniert, um ein Verbrechen zu vertuschen. Die Hinweise (Reifenspuren, Husten als Motorstottern) sind fair platziert und ermöglichen dem Hörer, die mechanische Natur des Drachen vor der Auflösung zu erraten.
Plot & Logik
Der Plan ist herrlich überkonstruiert – ein U-Boot als Drache zu verkleiden, um durch einen U-Bahn-Tunnel eine Bank auszurauben, ist absurd, aber innerhalb der Serie unterhaltsam. Dass Shelby die Hunde nur entführt, damit sie beim Bohren nicht bellen, ist eine fast schon rührende Begründung für einen Bösewicht.
Kapitel
1 Das Ungeheuer aus dem Meer 0:00 min
2 Ein merkwürdiges Haus 6:37 min
3 Erste Spuren 12:58 min
4 Gespenstische Botschaft am Telefon 18:06 min
5 Alte Chronik – neue Spur 22:33 min
6 Ein Witzbold und sein Werk 27:30 min
7 Die Drachenjagd beginnt 34:56 min
8 Das Geheimnis des alten Tunnels 41:06 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch seine Beobachtungsgabe (Reifenspuren, künstliche Felswand) und zeigt ungewöhnlichen körperlichen Einsatz, als er das Drachen-Fahrzeug kapert und steuert.
P
Peter Shaw
Fungiert als klassischer Bedenkenträger und Angsthase, hat aber den wichtigen Instinkt, die Gefahr durch die Taucher früh zu erkennen. Seine Skepsis erdet die fantastischen Elemente.
B
Bob Andrews
Liefert durch seine Recherche zum U-Bahn-Projekt das entscheidende Puzzleteil zur Infrastruktur des Verbrechens und beweist ein gutes Auge für Details (die kalte Felswand).

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 6 Alle Folgen Nächste Folge Folge 8