Zusammenfassung

Die Geschichte beginnt nachts vor dem abrissreifen Haus des verstorbenen Matthias Green in Rocky Beach. Peter und Bob hören einen markerschütternden Schrei und treffen auf eine Gruppe Männer, darunter Harold Carlson, einen Verwandten der Eigentümerin. Gemeinsam betreten sie das Haus und werden Zeugen einer grünen Geistererscheinung, die durch eine Wand verschwindet. Justus, der sich der Gruppe anschließt, entdeckt durch logische Schlussfolgerung (fehlende Fußspuren im Staub) eine Geheimtür. Dahinter finden sie den Sarg von Greens chinesischer Frau und eine Kette unscheinbarer grauer Perlen – die legendären 'Geisterperlen'.

Lydia Green, die Besitzerin eines Weinguts in Verdant Valley und Erbin des Hauses, lädt Peter und Bob zu sich ein, da der Geist nun angeblich auch dort spukt. Justus bleibt zunächst zurück. Auf dem Weingut lernen die beiden Chang kennen, einen Waisenjungen aus China und Urenkel von Matthias Green, der für diverse Unglücksfälle auf dem Gut verantwortlich gemacht wird. Harold Carlson präsentiert die Perlen, doch während eines inszenierten Überfalls werden sie scheinbar gestohlen. Was niemand ahnt: Peter hatte zufällig die Taschenlampe an sich genommen, in der die Diebe die Perlen versteckt hatten.

Als Peter, Bob und Chang erkennen, dass der Vorarbeiter Jensen in den Diebstahl verwickelt ist, fliehen sie in die Berge und verstecken sich in einem alten Bergwerk. Peter gelingt es in letzter Sekunde, die Perlen im Schädel eines Eselsskeletts zu verbergen, bevor sie von Jensen geschnappt werden. Sie werden zu Wong gebracht, einem mysteriösen, 107 Jahre alten Chinesen, der die Perlen benötigt, um sein Leben zu verlängern. Wong versucht, die Jungen zu hypnotisieren, um das Versteck zu erfahren.

Justus, der inzwischen eingetroffen ist, durchschaut das Spiel. Er entlarvt Carlson als den Mann, der den Geist mittels Projektor und verstellter Stimme (auf Bobs Tonbandaufnahme enttarnt) spielte, um das Weingut in den Ruin zu treiben und günstig zu erwerben. Dank einer Nachricht, die Bob aus dem Gefangenentransporter werfen konnte ('Zettel Nr. 39'), findet die Polizei die Jungen im Bergwerk. Jensen und Carlson werden verhaftet, und Justus klärt auf, dass er die Hypnose nur vorgetäuscht hat.

Review

Von Geisterperlen, Eselsschädeln und dem berühmtesten Schrei der Hörspielgeschichte
Ein 107 Jahre alter Schurke, Perlen, die sich in Wein auflösen und Bob Andrews als Zettel-Genie. Warum 'Der grüne Geist' trotz Logik-Löchern absoluter Kult ist.

Hallo liebe Kassettenkinder und Streaming-Junkies,

heute werfen wir den Nostalgie-Motor an und reisen zurück ins Jahr 1979. Es wird grün, es wird geistreich (im wahrsten Sinne des Wortes) und – sind wir mal ehrlich – es wird auch ein bisschen trashig. Wir knöpfen uns Folge 8: Die drei ??? und der grüne Geist vor. Zieht eure grauen Perlen an, es geht los!

ERSTER EINDRUCK

AAAAAAHHHHHH! Wer diesen Schrei nicht kennt, hat die drei ??? nie geliebt. Der Anfang dieser Folge ist pures Gold. Wir stehen vor einem Abrisshaus, es ist dunkel, und drinnen schreit jemand, als hätte er gerade die Rechnung für die Schrottplatz-Miete bekommen. Als Kind habe ich mir bei der Szene mit dem grün schimmernden Geist fast in die Hose gemacht. Heute denke ich: „Okay, nette Lightshow, Harold.“ Aber der Vibe? Unschlagbar. Es riecht förmlich nach altem Vinyl und kalifornischem Staub.

DIE STORY

Kurzfassung: Mathias Green ist tot, sein Haus soll weg, aber sein Geist hat anscheinend noch Bock auf Party. Justus, Peter und Bob stolpern über „Geisterperlen“, die angeblich magische Kräfte haben. Das Ganze verlagert sich dann vom Grusel-Haus auf ein Weingut (Verdant Valley), wo wir lernen, dass Perlen sich in Wein auflösen können (Chemie-Note: 6, Fantasie-Note: 1). Es gibt eine Entführung, einen 107 Jahre alten Chinesen, der eigentlich ins Guinness-Buch gehört, und ein Eselsskelett als Safe. Klingt wirr? Ist es auch. Aber genau das macht den Charme aus.

UNSERE HELDEN

Justus: Unser Erster Detektiv ist hier in Hochform. Während alle anderen bei Geistern an das Jenseits denken, denkt Justus an Projektoren und fehlende Fußspuren. Sein „Geistesmotor“ läuft so hochtourig, dass man ihn fast summen hört. Herrlich: Wie er die Hypnose am Ende einfach faked. Ein Oscar für Jonas, bitte!

Peter: Der arme Kerl. Er ist mal wieder das Opfer vom Dienst. Erst wird er fast zu Tode erschreckt, dann entführt, gefesselt und fast hypnotisiert. Aber: Peter hat hier seinen absoluten MVP-Moment! Wie er die Perlen im Schädel des toten Esels versteckt, ist geistesgegenwärtig und rettet den ganzen Fall. Chapeau, Zweiter!

Bob: Hier wird Geschichte geschrieben, Freunde. Bob liefert den legendären „Zettel-Trick“. Die Nachricht aus dem fahrenden Auto (Zettel Nr. 39) ist einer der cleversten Momente der gesamten Serie. Bob beweist hier eindrucksvoll, warum er für Recherchen und Archiv (und offenbar auch für Guerilla-Kommunikation) zuständig ist.

DIE GEGENSPIELER

Hier wird’s interessant – und leider auch etwas klischeehaft.

Harold Carlson: Der klassische „Gieriger-Verwandter“-Schurke. Er will das Weingut, er will das Geld, er hat den Charme eines Gebrauchtwagenhändlers, der einem einen Unfallwagen als Neuwagen verkauft. Solide, aber kein Moriarty.

Wong: Puh. Ein 107 Jahre alter Chinese, der Perlen trinken will, um noch älter zu werden? Das ist schon sehr „James Bond Bösewicht der 60er“. Seine Motivation ist komplett drüber, aber seine Präsenz ist unheimlich.

Jensen: Der Mann fürs Grobe. Ein Vorarbeiter, der so vertrauenswürdig wirkt wie eine Klapperschlange im Schlafsack.

BESTE MOMENTE

1. Der Schrei: Dieser Soundeffekt ist so ikonisch, dass Europa ihn gefühlt in 500 anderen Hörspielen recycelt hat (achtet mal bei Hanni & Nanni drauf!).
2. Zettel 39: „Wir sind in einem Wagen... Zettel Nr. 39... Hilfe...“ Gänsehaut! Das ist Spannung pur.
3. Der Eselsschädel: Peters Versteck ist so gut, dass ich selbst beim zehnten Hören noch Angst habe, Jensen findet die Perlen doch noch.
4. Justus' Schauspiel: „Ja... ich höre deine Stimme...“ – Justus verarscht einen 107-jährigen Meister-Hypnotiseur. Eiskalt.

SCHWACHSTELLEN

Wir müssen reden. Die Darstellung der chinesischen Charaktere (Chang und Wong) ist aus heutiger Sicht... schwierig. Sehr viele Klischees, sehr viel „Ehrwürdiger Großvater“-Gerede. Das war 1979 vielleicht Standard, wirkt heute aber arg aus der Zeit gefallen.

Und die Logik? Dass Perlen (Kalziumkarbonat) sich in Wein auflösen, ist chemisch zwar prinzipiell möglich, aber dass man dadurch das Leben verlängert? Das ist dann doch eher „Bibi Blocksberg“ als „Die drei ???“. Man merkt, dass die Serie hier noch ihre Bodenhaftung suchte.

SERIEN-KONTEXT

Diese Folge ist ein absoluter Klassiker der Crimebusters-Ära (bzw. der frühen Phase davor). Sie etabliert das Schema „Reise an einen anderen Ort“ (hier Verdant Valley). Interessant: Im Buch ist die Auflösung viel wissenschaftlicher. Dort wird erklärt, dass die „Magie“ der Perlen nur Aberglaube ist, den sich die Verbrecher zunutze machen. Im Hörspiel bleibt dieser mystische Rest, der die Folge so unique macht.

Kontinuitäts-Check: Es ist eine der wenigen Folgen, in denen Justus nicht sofort dabei ist (er kommt nach), was Peter und Bob mal glänzen lässt. Und: Kommissar Reynolds ist hier noch voll im Einsatz!


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, die Besetzungsliste ist ein Who-is-Who der deutschen Synchron-Elite! Hier hat Google mir ein paar echte Schätze offenbart, die ihr kennen müsst (und die teils anders sind, als man denkt!):

Harold Carlson wird gesprochen von Peter Kirchberger. Den Mann kennt ihr alle! Er ist die deutsche Stimme von Elvis Presley in vielen Dokus und – haltet euch fest – er spricht Timon in „Der König der Löwen“! Hakuna Matata, Mr. Carlson!
Lydia Green ist die wunderbare Marianne Kehlau. Eine Legende. Sie war die deutsche Stammstimme von Grace Kelly. Wenn Lydia spricht, hört man also quasi Hollywood-Adel.
Chang wird gesprochen von Torsten Sense. Und jetzt kommt der Hammer: Das ist die deutsche Stimme von Val Kilmer (z.B. als Iceman in „Top Gun“ oder als Batman!). Ein junger Batman als chinesischer Waisenjunge? Nur bei den drei ???.
Wong: Hier gibt es oft Verwirrung. In den Credits steht oft „Victor Bernard“, aber dahinter verbirgt sich Ernst von Klipstein. Er war ein Urgestein der Europa-Hörspiele und oft als weiser (oder böser) alter Mann zu hören.

(Kleine Anmerkung: In manchen Datenbanken kursieren falsche Zuordnungen, aber Kirchberger als Carlson und Sense als Chang sind safe!)

PRODUKTIONS-HISTORIE

Die Folge erschien 1979, basierend auf dem Buch „The Mystery of the Green Ghost“ (1965) von Robert Arthur. H.G. Francis hat für das Skript den Rotstift angesetzt und die Handlung extrem gestrafft. Im Buch sind noch mehr Jungs beteiligt und die Reise ist länger. Das Hörspiel profitiert aber von diesem Tempo – es gibt kaum Längen. Der „Grüne Geist“ war eine der ersten Folgen, die den Kultstatus in Deutschland zementierten.


FAN-SERVICE-CHECK


Running Gag: Peter hat Angst. Check.
Running Gag: Justus weiß alles besser. Check.
Visitenkarte: Wird überreicht (natürlich).
Easter Egg: Der Schrei vom Anfang taucht in der Europa-Gruselserie (z.B. „Dracula“) ebenfalls auf. Recycling at its best!

FAZIT & EMPFEHLUNG

„Der grüne Geist“ ist wie ein alter, etwas trashiger B-Movie, den man einfach lieben muss. Die Logik hat Löcher so groß wie der Eselsschädel, und die Klischees sind nicht gut gealtert. ABER: Die Atmosphäre, die Sprecherleistung und die kultigen Momente (Zettel 39!) machen das alles wett.

Für wen? Für Nostalgiker und alle, die wissen wollen, warum Bob Andrews der heimliche Held der Serie ist.

Ranking: Ein solider Klassiker, der in keiner Sammlung fehlen darf, auch wenn er objektiv betrachtet totaler Quatsch ist.

Wusstest du schon?

Die Darstellung der chinesischen Charaktere (Wong, Chang) und die 'magische' Wirkung der Perlen gelten heute als stark klischeebehaftet und nicht mehr zeitgemäß.
In der Buchvorlage ist die Handlung noch komplexer, aber das Hörspiel strafft den Plot sehr effektiv auf die wesentlichen Action-Elemente.
Der Trick mit den nummerierten Zetteln (Zettel 39) ist einer der bekanntesten 'Bob-Momente' der frühen Folgen.
Cover
Bewertung
8
👻 👻 👻 👻 👻 👻 👻 👻 👻 👻
8.5 von 10 aufgelösten Perlen
Das Rätsel
Die Mischung aus klassischer 'Scooby-Doo'-Geisterjagd (Projektionen, verkleidete Erbschleicher) und einem exotischen Abenteuer ist charmant, wenn auch etwas wild konstruiert. Das Versteck der Perlen in der Taschenlampe ist ein genialer Zufall, der den Plot wunderbar vorantreibt.
Plot & Logik
Der Plan von Carlson ist riskant: Warum lädt er Detektive ein, wenn er das Weingut ruinieren will? Auch Wongs Motivation (Lebensverlängerung durch Perlen-Auflösen) wirkt im Vergleich zu den sonst eher bodenständigen Motiven der Serie sehr fantastisch und fast märchenhaft.
Kapitel
1 Ein Schrei in der Nacht 0:00 min
2 Die Geheimniskammer 5:34 min
3 Der Geist kehrt wieder 13:27 min
4 Ein Pferd geht durch 20:53 min
5 Wohin mit den Geisterperlen? 26:40 min
6 Das Geheimnis der Geisterperlen 31:00 min
7 Justus findet eine Spur 41:00 min
8 Die rätselhafte 39 46:50 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert in seiner Paraderolle als Analytiker. Dass er Carlsons Stimme auf dem Tonband erkennt und die fehlenden Fußspuren bemerkt, sind klassische Justus-Momente. Sein 'Geistesmotor' läuft auf Hochtouren.
P
Peter Shaw
Muss hier viel einstecken (wird gefesselt, bedroht, hypnotisiert), zeigt aber im Bergwerk Mut und Geistesgegenwart, als er die Perlen im Eselsschädel versteckt.
B
Bob Andrews
Rettet den Tag mit seiner cleveren Idee, nummerierte Zettel aus dem Wagen zu werfen. Ohne ihn wären sie verloren gewesen.

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 7 Alle Folgen Nächste Folge Folge 9