Zusammenfassung

Justus überrascht mitten in der Nacht einen Einbrecher im Haus des älteren Nachbarn Joseph Lehmann und wird dabei niedergeschlagen. Der Täter, der eine auffällige Schiffermütze trug, hat alte Briefe von Josephs Vater Walter Lehmann gestohlen sowie eine wertvolle Erstausgabe von Thomas Manns „Der Tod in Venedig“. Kurioserweise wurden andere Bücher des Autors säuberlich aufgestapelt, während der Rest der Bibliothek auf dem Boden landete.

Die drei Detektive nehmen die Ermittlungen auf und erfahren, dass auch bei Josephs Bruder Felix eingebrochen wurde – mit exakt demselben Muster. Die Brüder erzählen, dass ihr Vater Walter im Zweiten Weltkrieg kurzzeitig als Sekretär für Thomas Mann in dessen Exil-Haus „Seven Palms“ gearbeitet hat. Um weitere Briefe des Urgroßvaters zu sichten, besuchen Justus, Peter und Bob die Großnichte Imma. Dort finden sie einen Brief, der äußerst skurril beginnt: „Mein Engel, im Eichenwald war kein Kuckuck, aber der rote Mond liebte diese Wesen.“ Justus erkennt sofort, dass es sich um eine verschlüsselte Botschaft handeln muss. Kurz darauf wird jedoch auch Immas Kellerabteil aufgebrochen und die Briefe verschwinden.

Durch geschickte Nachforschungen findet Justus heraus, dass ein verschollenes Manuskript von Thomas Manns „Buddenbrooks“ extrem wertvoll wäre. Im Kulturzentrum „Seven Palms“ treffen die drei auf die ehrgeizigen Literaturforscher Dr. Paul Hayden, Wendell Larimer und Annabelle Fox. Larimer ist Experte für Manns „Dr. Faustus“ – was die teufelsähnliche Verkleidung des Einbrechers bei Joseph Lehmann erklärt. Da die Detektive spüren, dass die Forscher etwas verbergen, schleichen sie sich nachts in das Kulturzentrum ein. Sie decken auf, dass alle drei Wissenschaftler unabhängig voneinander bei den Lehmanns eingebrochen sind, um Hinweise auf das Manuskript zu finden, und sich sogar gegenseitig ausspioniert haben.

Der spannendste Moment der Ermittlung findet schließlich im ehemaligen Arbeitszimmer von Thomas Mann statt. Justus konfrontiert die Wissenschaftler und präsentiert triumphierend die Lösung des Rätsels aus Walter Lehmanns Abschiedsbrief: „Der Schlüssel liegt im falschen Datum. Der 3. April 1943. Drei, vier, vier, drei.“ Diese Zahlenfolge führt sie direkt zu einer bestimmten Holzpaneele im Raum. Tatsächlich finden sie dahinter das Originalmanuskript der „Buddenbrooks“, das Walter Lehmann dort vor Jahrzehnten versteckt hatte.

Doch im Moment des Triumphs zieht der vermeintliche Gärtner Axel Field plötzlich eine Waffe. Er nimmt das Manuskript an sich und erklärt kühl: „Ich habe lange auf diesen Augenblick gewartet. Glaub mir, Paul. Sehr lange.“ Field entkommt unerkannt. Wochen später liefert Inspektor Cotta die bittere, aber einleuchtende Erklärung: „Axel Field“ war ein Deckname. Der Dieb ist höchstwahrscheinlich der Nachfahre einer realen Person, die Thomas Mann in der Originalfassung böse karikiert hatte. Um die Ehre seiner Familie zu schützen, hat er das Manuskript gestohlen und für immer dem Zugriff der Öffentlichkeit entzogen.

Review

Hochkultur trifft Schrottplatz: Wenn Justus Jonas zum Literaturkritiker wird!
Ein verwüstetes Arbeitszimmer, säuberlich gestapelte Thomas-Mann-Bücher und ein Rätsel aus dem Zweiten Weltkrieg. In Folge 239 beweisen die drei ???, dass Literaturgeschichte spannender ist als jeder Hollywood-Blockbuster. Macht euch bereit für eine Schnitzeljagd der Extraklasse!

Hallo Kollegen auf dem Schrottplatz! Schnappt euch ein riesiges Stück von Tante Mathildas legendärem Kirschkuchen, gießt euch eine eiskalte Limo ein und macht es euch auf den alten Autositzen in der Zentrale bequem. Denn heute, meine lieben Spürnasen, tauchen wir tief, sehr tief in die literarische Hochkultur ein. Wer hätte gedacht, dass unsere drei Jungs aus Rocky Beach mal auf den Spuren eines echten deutschen Nobelpreisträgers wandeln? Normalerweise haben wir es ja eher mit fiktiven B-Movie-Regisseuren, exzentrischen (und meist verstorbenen) Kunstmalern oder den üblichen verdächtigen Erbschleichern zu tun. Aber in Folge 239, 'Das Geheimnis der sieben Palmen', wird es historisch! Marco Sonnleitner, der im echten Leben übrigens Gymnasiallehrer ist, schickt Justus, Peter und Bob auf eine Schnitzeljagd, die uns direkt in die reale Exil-Geschichte von Thomas Mann führt. Und Leute, schnallt euch an: Diese Folge hat mehr Wendungen als die Küstenstraße nach Santa Barbara an einem regnerischen Novemberabend!

ERSTER EINDRUCK


Wenn man die CD einlegt (oder heutzutage wohl eher den Stream startet), erwartet man bei dem Titel vielleicht erst einmal ein klassisches Insel-Abenteuer. Sieben Palmen? Klingt nach einem Piratenschatz auf einer einsamen Insel, oder? Falsch gedacht! Der Einstieg holt uns sofort in die wohlige, vertraute Realität von Rocky Beach zurück. Justus schleicht nachts herum – natürlich getrieben von seiner unstillbaren Neugier – und wird prompt von einem maskierten Einbrecher niedergeschlagen. Klassiker! Aber dann wird es herrlich skurril: Der Einbrecher hat im Arbeitszimmer des älteren Herrn Lehmann gewütet, aber anstatt einfach alles kurz und klein zu schlagen, hat er die Bücher von Thomas Mann zu säuberlichen, kleinen Türmchen aufgestapelt. Ich musste beim Hören sofort laut auflachen. Das ist so ein herrlich nerdiges Detail! Welcher Einbrecher hat denn bitte die Zeit und den inneren Zwang, bei einem Raubzug erst einmal nach Autorennamen zu sortieren? 'Oh, Moment, das ist ein Hesse, der kommt auf den Boden. Ah, Buddenbrooks! Das kommt auf den Stapel.' Das ist der perfekte Hook. Man ist sofort drin, man will wissen, welcher bibliophile Wahnsinnige hier am Werk ist. Die Atmosphäre ist dicht, rätselhaft und hat diesen wunderbaren Old-School-Vibe, bei dem man weiß: Hier geht es nicht um Laserkanonen oder Weltverschwörungen, sondern um ein verdammt gutes, handfestes Rätsel. Das fantastische Cover von Andreas Ruch tut sein Übriges, um uns direkt in die richtige Stimmung zu versetzen.

DIE STORY


Machen wir es kurz und knackig, ohne euch die besten Twists zu versauen: Justus, der sich nach dem Schlag auf den Kopf (wie oft hat der Junge eigentlich schon Gehirnerschütterungen überlebt?) schnell wieder aufrappelt, trommelt Peter und Bob zusammen. Der verwüstete Nachbar, Joseph Lehmann, vermisst nicht nur eine wertvolle Erstausgabe von 'Der Tod in Venedig', sondern auch alte Familienbriefe. Als kurz darauf beim Bruder Felix Lehmann genau dasselbe passiert – inklusive der säuberlich gestapelten Thomas-Mann-Bücher –, ist der Fall sonnenklar: Ein 'spezialgelagerter Sonderfall'!

Die Brüder packen aus: Ihr Vater Walter war im Zweiten Weltkrieg kurzzeitig Sekretär für Thomas Mann in dessen Exil-Haus, genannt 'Seven Palms'. Die Spur führt unsere Detektive zu Imma, der Großnichte, in deren Kellerabteil sich weitere Briefe des Urgroßvaters befinden. Und DANN kommt das, worauf wir alle immer warten: Ein kryptischer Text! 'Mein Engel, im Eichenwald war kein Kuckuck, aber der rote Mond liebte diese Wesen.' Justus' Gehirnzellen beginnen hörbar zu rotieren. Doch bevor sie das Rätsel in Ruhe lösen können, werden auch Immas Briefe geklaut.

Die Recherche führt das Trio ins Kulturzentrum 'Seven Palms', wo sie auf drei Literaturforscher treffen: Dr. Paul Hayden, Wendell Larimer und Annabelle Fox. Alle drei so ehrgeizig, dass sie über literarische Leichen gehen würden. Es stellt sich heraus, dass es um nichts Geringeres geht als um ein verschollenes Originalmanuskript der 'Buddenbrooks'. Was folgt, ist ein nächtlicher Einbruch der drei ??? ins Kulturzentrum, bei dem sie herausfinden, dass die drei Wissenschaftler völlig unabhängig voneinander bei den Lehmanns eingebrochen sind und sich gegenseitig bespitzeln. Das große Finale findet im ehemaligen Arbeitszimmer von Thomas Mann statt, wo Justus den Code knackt, das Manuskript gefunden wird – und dann alles ganz anders kommt, als man denkt. Der Gärtner Axel Field zieht eine Waffe, klaut das Manuskript für die Ehre seiner Familie und entkommt! Bam! Was für ein Ende!

UNSERE HELDEN


Wie schlagen sich unsere drei Jungs? Kurz gesagt: Hervorragend. Die Dynamik stimmt in dieser Folge einfach perfekt.

Justus Jonas: Oliver Rohrbeck liefert hier eine absolute Glanzleistung ab. Justus ist in seinem absoluten Element. Keine körperliche Anstrengung (abgesehen vom nächtlichen Herumschleichen), dafür 100 Prozent Gehirnjogging. Wenn er den Code aus dem Abschiedsbrief analysiert und triumphiert ('Der Schlüssel liegt im falschen Datum...'), spürt man förmlich, wie er sich mit vorgeschobenem Kinn und kneifenden Augen vor die verblüfften Wissenschaftler stellt. Es ist der beste Justus-Moment seit der Erfindung des Fragezeichens! Er demaskiert die intriganten Forscher mit einer Arroganz, die nur Justus Jonas so charmant rüberbringen kann. Und natürlich lässt er keine Gelegenheit aus, sich sprachlich so gestelzt auszudrücken, dass selbst ein Universitätsprofessor ein Wörterbuch bräuchte.

Peter Shaw: Unser Zweiter Detektiv und Sportass hat mal wieder Puls 180, als es nachts ins Kulturzentrum geht. Jens Wawrczeck spielt Peters wohlige Panik wie immer meisterhaft ('Müssen wir da wirklich rein, Justus?'). Aber Peter ist hier nicht nur der Angsthase! Er bekommt eine fantastische Action-Szene, als er den vermeintlichen Angreifer Lorenzo mutig zu Boden ringt. Bam! Da hat sich das Leichtathletik-Training wieder ausgezahlt. Außerdem ist er mal wieder der unangefochtene Meister der Dietriche. Man fragt sich ja manchmal, ob Peter heimlich Kurse bei der Unterwelt von Los Angeles belegt hat. Ohne Peters kriminelles handwerkliches Geschick würden Justus und Bob wahrscheinlich immer noch vor der ersten verschlossenen Tür stehen und über Semantik diskutieren.

Bob Andrews: Andreas Fröhlichs Bob ist für mich der heimliche MVP dieser Folge. Recherchen und Archivarbeit? Das ist Bobs Superkraft! Der Mann, der Google erfunden hätte, wenn es das nicht schon gäbe, darf hier tief in die Literaturgeschichte eintauchen. Er glänzt mit seinem Wissen über Thomas Mann und ist der Erste, dem die sprachlichen Unstimmigkeiten in den alten Briefen auffallen. Bob ist hier kein bloßer Stichwortgeber, sondern der intellektuelle Motor, der Justus erst das nötige Futter für seine Schlussfolgerungen liefert. Tolles Teamwork!

DIE GEGENSPIELER


Die Charakterriege in dieser Folge ist bunt und wunderbar besetzt. Die beiden älteren Lehmann-Brüder, Joseph und Felix, sind als freundliche, etwas überforderte Herren herrlich sympathisch gezeichnet. Man möchte ihnen sofort eine Tasse Tee kochen und sie vor der bösen Welt beschützen.

Imma, die Großnichte, bringt als aufgedrehte Schauspielerin aus Silver Lake einen tollen Kontrast in die ansonsten eher staubige Literatur-Thematik. Ihre Schauspielprobe, in die die Detektive hineinplatzen, ist ein wunderbarer komödiantischer Einschub, der die Spannung kurz auflockert.

Die drei Wissenschaftler (Hayden, Larimer, Fox) sind herrliche Karikaturen des ehrgeizigen akademischen Betriebs. Sie sind so besessen von ihrem Forschungsgegenstand, dass sie jeglichen moralischen Kompass über Bord werfen. Dass Larimer sich als Teufel (in Anlehnung an Manns 'Dr. Faustus') verkleidet, um einzubrechen, zeigt, wie tief diese Leute in ihrer eigenen Bubble stecken.

Und dann ist da natürlich Axel Field, der vermeintliche Gärtner. Ein Typ, der scheinbar jahrelang Unkraut gezupft hat, nur um auf den einen Moment zu warten, in dem das Manuskript auftaucht. Ein eiskalter, berechnender Antagonist, der am Ende sogar triumphiert.

BESTE MOMENTE


Das absolute Highlight der Folge ist für mich die Auflösungsszene im Arbeitszimmer von Thomas Mann. Die Atmosphäre ist zum Schneiden dicht. Justus präsentiert die Lösung des Rätsels: 'Der 3. April 1943. Drei, vier, vier, drei.' Das ist klassische Detektivarbeit par excellence! Man kann als Hörer wunderbar mitknobeln, und die Lösung ist logisch und fair. Sonnleitner hat hier ein Rätsel konstruiert, das eines Ersten Detektivs absolut würdig ist.

Ein weiterer genialer Moment ist die Enthüllung, dass nicht ein Meisterkrimineller am Werk war, sondern drei rivalisierende Buch-Nerds, die sich unabhängig voneinander dazu entschlossen haben, ins Einbrecher-Business einzusteigen. Die Vorstellung, wie sie sich nachts fast gegenseitig auf die Füße treten und alle denselben Tick haben, die Bücher ordentlich aufzustapeln, ist Comedy-Gold.

Und Leute, DANN kommt der Hammer: Der Täter entkommt! Keine Handschellen, kein triumphierendes Lachen der Detektive. Field nimmt das Manuskript und verschwindet. Das gibt der Folge einen wunderbar melancholischen, fast schon erwachsenen Touch.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich, auch wenn wir Fans sind: Ein paar Dinge lassen einen schon die Augenbraue hochziehen. Die Wahrscheinlichkeit, dass drei Professoren völlig unabhängig voneinander beschließen, bei denselben Leuten einzubrechen, und alle drei die skurrile Angewohnheit haben, Bücher zu Türmchen zu stapeln? Das ist schon ein ziemlicher Zufall, selbst für Rocky-Beach-Verhältnisse. Da hat Kommissar Zufall aber ordentlich Überstunden gemacht!

Und dann die Sache mit dem Gärtner: Axel Field hat ernsthaft jahrelang (!!!) als Gärtner in diesem Kulturzentrum gearbeitet, Hecken geschnitten und Rasen gemäht, auf die vage Hoffnung hin, dass irgendwann mal jemand das Versteck des Manuskripts findet? Was war sein Plan B? Bis zur Rente Geranien pflanzen? Hat er sich abends in seine Gärtner-Hütte gesetzt und böse gelacht, während er seine Heckenschere polierte? Das verlangt uns schon einiges an 'Suspension of Disbelief' ab. Aber hey, wir reden hier von einer Serie, in der ein sprechender Totenkopf und ein Karpatenhund existieren. Wir drücken also ein Auge (oder auch zwei) zu.

SERIEN-KONTEXT


Jetzt wird es richtig spannend für uns Hardcore-Fans! Schnappt euch eure Notizblöcke. Autor Marco Sonnleitner ist ja bekannt dafür, dass er gerne komplexe Rätsel und historische Bezüge in seine Geschichten einbaut – er ist ja schon seit seinem Erstlingswerk 'Panik im Park' (2003) ein Garant für knifflige Plots. Hier liefert er sein Meisterstück ab.

Das Ende der Folge ist bemerkenswert. Dass der Täter mit der Beute entkommt, passiert in der Serie extrem selten. Es erinnert stark an die großen Meisterdieb-Folgen. Apropos Meisterdieb: Victor Hugenay feierte ja erst kürzlich in Folge 236 ('Der rote Büffel') sein lang ersehntes Comeback! Auch wenn Hugenay in dieser Folge nicht auftaucht, schwebt dieser Vibe eines 'edlen' Verbrechens, bei dem es um Ehre und Kunst geht, über der ganzen Geschichte.

Außerdem fügt sich die Folge wunderbar in die Tradition der 'Schatzsuchen mit historischem Hintergrund' ein. Die späte Erklärung durch Inspektor Cotta am Ende ('Wochen später...') ist ein klassisches Stilmittel der Serie, um lose Fäden zusammenzubinden. Es ordnet die Folge definitiv in die Riege der anspruchsvolleren, rätsellastigen Fanfavoriten ein.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Leute, die Besetzungsliste dieser Folge ist ein absoluter Traum und ein Fest für Synchron-Nerds!

Fangen wir mit dem absoluten Highlight an: Claus Wilcke spricht Joseph Lehmann. Für die jüngeren unter uns: Claus Wilcke IST Percy Stuart! Eine absolute Schauspiel-Legende in Deutschland. Er ist mittlerweile 86 Jahre alt und liefert hier eine so wunderbar warme, nuancierte Performance ab. Sci-Fi-Fans kennen seine markante Stimme natürlich auch als den allmächtigen 'Q' aus Raumschiff Enterprise: Das nächste Jahrhundert. Und er war in unzähligen Europa-Hörspielen der 70er Jahre dabei (Stichwort Karl May!). Ein absoluter Ritterschlag für diese Folge, ihn an Bord zu haben.

Aber es kommt noch besser: Sein Bruder Felix wird von Olaf Kreutzenbeck gesprochen. Und hier platzt mir als Fan fast der Kopf vor Freude: Olaf Kreutzenbeck ist Mitglied des Theaterensembles 'Die Filmausleser' – und ratet mal, wer da noch Mitglied ist? Richtig, unser Peter Shaw, Jens Wawrczeck! Die beiden stehen also im echten Leben zusammen auf der Bühne. Solche Insider-Verbindungen im Studio liebe ich einfach.

Dr. Paul Hayden wird von Michael Bideller gesprochen, einem echten Veteranen, den wir aus unzähligen TV-Produktionen und als Sprecher kennen. Und Mathias Renneisen (Lorenzo) ist ein gefragter Sprecher, der unter anderem in der Serie 'Will Trent' zu hören ist.

Und natürlich: Holger Mahlich als Inspektor Cotta. Mahlich ist seit Folge 63 (!) die Stimme des Gesetzes in Rocky Beach. Dass er uns am Ende die Motivation des Täters erklärt, gibt der Folge das perfekte Gütesiegel.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Auch hinter den Kulissen gibt es einiges zu erzählen. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Buch von Marco Sonnleitner, das im Februar 2025 erschien. Und warum genau 2025? Weil das exakt der 150. Geburtstag von Thomas Mann war (geboren 1875)! Kosmos hat das Buch also als eine Art literarisches Jubiläums-Special geplant. Die Hörspielumsetzung folgte dann am 22. Mai 2026.

Das Faszinierendste an der Folge ist aber der reale Hintergrund. Das Haus 'Seven Palms' existiert wirklich! Es steht am San Remo Drive in Pacific Palisades, Kalifornien. Thomas Mann ließ es während seines Exils bauen und lebte dort bis 1952. Fun Fact für die Klugscheißer-Runde: Die Bundesrepublik Deutschland hat dieses Haus 2016 tatsächlich gekauft, um es vor dem Abriss zu retten, und es als Begegnungsstätte für Intellektuelle eingerichtet. Wenn Justus, Peter und Bob also durch dieses Haus schleichen, bewegen sie sich auf echtem, historischen Boden. Das verleiht der ganzen Geschichte eine unglaubliche Tiefe.


FAN-SERVICE-CHECK


Die Folge spart glücklicherweise nicht mit den kleinen Dingen, die wir Fans so lieben. Wir haben einen klassischen Schrottplatz-Einstieg (auch wenn es beim Nachbarn ist). Wir haben Peters obligatorische Angstzustände bei nächtlichen Aktionen. Wir haben Bobs unvermeidliche Recherche-Trips, bei denen er uns mit geballtem Hintergrundwissen versorgt.

Und wir haben Justus' legendäre Monologe, wenn er ein Rätsel gelöst hat. Die Art und Weise, wie Rohrbeck diese triumphale Arroganz in die Stimme legt, ist einfach unbezahlbar. Dass Inspektor Cotta am Ende den Erklärbär machen darf, ist ein schöner Callback an die klassischen Abschluss-Lacher der Serie, auch wenn es hier ein etwas ernsteres Ende ist. Es fehlt eigentlich nur noch ein Blech von Tante Mathildas Kuchen im Finale!

FAZIT & EMPFEHLUNG


'Das Geheimnis der sieben Palmen' ist eine erstklassige, clevere und herrlich atmosphärische Folge. Sie hebt sich durch das reale historische Setting und die literarische Thematik wunderbar vom Einheitsbrei ab. Wer auf klassische Detektivarbeit, faire Rätsel zum Mitraten und eine großartige Sprecher-Riege steht, wird diese Folge lieben.

Die kleinen Logiklücken (hallo, Herr Gärtner!) verzeiht man der Geschichte gerne, weil der Weg zur Lösung einfach so viel Spaß macht. Das ungewöhnliche Ende, bei dem der Dieb aus nachvollziehbaren, fast schon noblen Motiven entkommt, bleibt im Gedächtnis. Für mich definitiv ein moderner Klassiker und eine klare Empfehlung für alle, die Justus gerne beim Denken zuhören!

Wusstest du schon?

Das Haus 'Seven Palms' (das Thomas-Mann-Haus) existiert wirklich. Es befindet sich im San Remo Drive in Pacific Palisades, Kalifornien, und wurde von Thomas Mann während seines Exils bewohnt [1.2.3].
Thomas Mann erhielt 1929 tatsächlich den Literaturnobelpreis, vorrangig für seinen Debütroman 'Buddenbrooks', wie es in der Folge korrekt erwähnt wird.
Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Marco Sonnleitner.
Cover
Bewertung
7
📚 📚 📚 📚 📚 📚 📚 📚 📚 📚
7,5 von 10 gestapelten Buddenbrooks-Bänden
Das Rätsel
Die Idee, ein verschollenes Manuskript von Thomas Mann als Kern des Falles zu nehmen, ist großartig. Das Rätsel um den Abschiedsbrief, bei dem das falsche Datum als Zahlenschlüssel für die richtigen Wörter dient, ist logisch aufgebaut und absolut fair. Man kann die Gedankengänge der Detektive Schritt für Schritt nachvollziehen.
Plot & Logik
Die Handlung ist gut durchdacht, auch wenn es ein großer Zufall ist, dass gleich drei Forscher völlig unabhängig voneinander beschließen, bei den Lehmanns einzubrechen. Dass alle drei dabei die Bücher von Thomas Mann zu sauberen Türmen aufschichten, ist eine witzige, aber etwas unglaubwürdige Eigenart. Die Tarnung des Gärtners, der scheinbar jahrelang nur auf diesen einen Moment gewartet hat, ist erzählerisch ein starker Kniff, verlangt aber einiges an Zugeständnissen an die Wahrscheinlichkeit.
Kapitel
1 Das Schnabelmonster 0:00 min
2 Und immer wieder: Thomas Mann 8:21 min
3 Rätselhafte Briefe 22:19 min
4 Dynamik der Geschehnisse 32:03 min
5 Ein Werk des Teufels? 41:07 min
6 Nacht der Geheimnisse 52:41 min
7 Untergejubelt 62:30 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Er ist ganz in seinem Element. Seine Kombinationsgabe beim Entschlüsseln des Briefes und das clevere Aufdecken der gegenseitigen Spionage unter den Wissenschaftlern zeigen ihn von seiner besten Seite.
P
Peter Shaw
Er bekommt eine handfeste Szene, als er den vermeintlichen Angreifer Lorenzo mutig zu Boden ringt. Ansonsten glänzt er durch sein handwerkliches Geschick beim Öffnen diverser Türen.
B
Bob Andrews
Als Archivar und Leseratte ist er die perfekte Besetzung für diesen Fall. Er glänzt mit seinem Hintergrundwissen zu Thomas Mann und erkennt als Erster die sprachlichen Unstimmigkeiten in den alten Briefen.

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 238 Alle Folgen