Zusammenfassung

Bob Andrews wird in die Kanzlei von Mr. Bumblebee bestellt, wo ihn eine Nachricht wie ein Schlag trifft: Seine langjährige Widersacherin Clarissa Franklin ist an Krebs verstorben. Sie hinterlässt ihm drei Tonbänder, die er sich allein anhören soll. Auf dem ersten Band beichtet Clarissa ihr baldiges Ende und warnt Bob vor Jack Cliffwater, ihrem ehemaligen Komplizen, der angeblich ihre Medikamente gegen Placebos ausgetauscht habe, um ihren Tod zu beschleunigen. Bob, emotional sichtlich angegriffen, folgt ihrer Anweisung und fährt zur Beerdigung, wo er jedoch nur den Notar und Sargträger sieht – Cliffwater taucht nicht auf. Zurück in der Zentrale stellt Bob fest, dass die restlichen Tonbänder gestohlen wurden.

Justus und Peter kehren von einer Fahrt zurück und erfahren von den Ereignissen. Gemeinsam spüren sie den frisch entlassenen Jack Cliffwater in einem Motel auf. Cliffwater gibt sich ahnungslos und kooperativ, behauptet aber, die Bänder seien ihm ebenfalls aus dem Auto gestohlen worden. Durch einen glücklichen Zufall – oder Cliffwaters Unachtsamkeit – gelangen die drei ??? an das zweite Band. Darauf behauptet Clarissa, Beweise (ein Brief und ein manipuliertes Tablettenfläschchen) in Cliffwaters Sachen versteckt zu haben. Peter findet tatsächlich das Fläschchen in Cliffwaters Motelzimmer. Alles scheint auf Cliffwaters Schuld hinzudeuten, doch Justus wird stutzig: Auf dem Band ist im Hintergrund eine Feuerwehrsirene zu hören. Ein Abgleich mit Inspektor Cotta ergibt, dass zum Zeitpunkt der Aufnahme kein Einsatz stattfand – wohl aber zu einem Zeitpunkt, als Clarissa laut Obduktionsbericht schon tot war.

Justus schlussfolgert, dass Clarissa Franklin ihren Tod vorgetäuscht hat. Eine Exhumierung wird angeordnet, doch überraschenderweise liegt tatsächlich eine Leiche im Sarg, die Clarissa wie aus dem Gesicht geschnitten ist. Justus lässt nicht locker und bricht erneut in Clarissas Bungalow ein. Dort findet er ein Fotoalbum, das beweist: Clarissa hatte eine Zwillingsschwester namens Clara. Die Spur führt nach Arvin, wo die drei Detektive die noch lebende Schwester konfrontieren. Es stellt sich heraus: Clarissa hat die Identität ihrer sterbenskranken Zwillingsschwester angenommen, diese manipulierte und schließlich sterben ließ, um Jack Cliffwater den Mord in die Schuhe zu schieben und unterzutauchen. In die Enge getrieben, spielt Clarissa ihren letzten, grausamsten Trumpf aus: Sie behauptet, Bobs leibliche Mutter zu sein, die ihn zur Adoption freigab. Justus entlarvt dies jedoch als pietätlose Lüge, um Bob emotional zu zerstören. Die Polizei verhaftet Clarissa Franklin, während Bob mit dem Schock dieser letzten Manipulation zurückbleibt.

Review

Muttertag in der Hölle: Clarissa Franklins rachsüchtiges Vermächtnis
Clarissa Franklin ist tot – oder doch nicht? In Folge 226 wird Bob Andrews psychisch so in die Mangel genommen, dass man ihn am liebsten adoptieren möchte. Warum Judy Winter auch vom Tonband aus alle an die Wand spielt und wieso Justus Jonas der König der Audio-Analyse bleibt, lest ihr im Review!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Haschimitenfürsten!

Holt euch einen Beruhigungstee und setzt euch (aber bitte nicht auf den Sessel, auf dem Tante Mathilda gerade saß), denn heute müssen wir reden. Über Bob. Unseren armen, gequälten Bob. Es ist mal wieder soweit: André Minninger hat den "Bob-Torture-Porn"-Knopf gedrückt und Folge 226: Die Spur der Toten auf uns losgelassen. Und Leute, ich sage es gleich vorweg: Das ist harter Tobak. Aber der Reihe nach!

ERSTER EINDRUCK


Schon beim Blick auf das Cover und den Namen "André Minninger" wissen wir Fans: Es wird psychologisch, es wird düster und Bob wird leiden. Wenn dann auch noch der Name Clarissa Franklin fällt, ist klar: Das wird kein gemütlicher Fall mit entlaufenen Katzen. Mein erster Gedanke nach den ersten Minuten? Gänsehaut. Judy Winter könnte mir das Telefonbuch von Rocky Beach vorlesen und ich würde mich gruseln. Die Stimmung ist von Sekunde eins an so dicht, dass man sie mit einem Teppichmesser schneiden könnte.

DIE STORY


Bob wird zum Anwalt zitiert (immer ein schlechtes Zeichen). Die Bombe platzt: Clarissa Franklin, seine Nemesis, seine dunkle Faszination, ist tot. Krebs. Vorbei. Aber – und jetzt kommt der Minninger-Twist – sie hat ihm ein Erbe hinterlassen: Drei Tonbänder. Auf denen bittet sie ihn aus dem Jenseits heraus, ihren Mord aufzuklären. Der Verdächtige? Ihr Ex-Lover und Ex-Komplize Jack Cliffwater. Bob, emotional völlig durch den Wind (wer wäre das nicht?), beginnt zu ermitteln. Doch je tiefer die drei ??? graben, desto mehr stinkt die Sache. Stimmen die Zeitangaben auf den Bändern? Warum kooperiert der vermeintliche Mörder so bereitwillig? Und ist Clarissa wirklich tot oder spielt sie ihr grausamstes Spiel?

UNSERE HELDEN


Justus: Der Erste Detektiv ist hier in absoluter Bestform. Während Bob emotional Achterbahn fährt, bleibt Justus der Fels in der Brandung. Seine Analyse einer Feuerwehrsirene im Hintergrund einer Aufnahme ist der beste "Justus-Moment" seit langem. Das ist klassische Detektivarbeit pur! Er lässt sich von Clarissas Psychospielchen nicht blenden und rettet Bob am Ende davor, komplett den Verstand zu verlieren.

Peter: Unser Sportler überrascht! Statt schlotternd im Dietrich-Dietrich-Auto zu sitzen, bricht er ins Motel ein, sichert Beweise und hat am Ende einen genialen Moment mit einem Hund namens Bruno. Peter ist hier der tatkräftige Praktiker, den das Team braucht, wenn Justus denkt und Bob leidet.

Bob: Hach, Bob. Man möchte ihn einfach nur in den Arm nehmen. Er ist hier weniger der Archivar, sondern das Opfer. Seine Zerrissenheit zwischen Hass, Faszination und Trauma ist grandios gespielt von Andreas Fröhlich. Dass er am Ende fast an einer monströsen Lüge zerbricht, ist einer der emotionalsten Momente der jüngeren Seriengeschichte.

DIE GEGENSPIELER


Clarissa Franklin: Judy Winter ist eine Göttin. Punkt. Ihre Stimme wechselt in Millisekunden von "säuselnd-fürsorglich" zu "eiskalt-psychopathisch". Sie ist ohne Zweifel die gefährlichste Gegnerin, die die drei ??? je hatten, weil sie genau weiß, welche Knöpfe sie drücken muss. Selbst vom Band dominiert sie jede Szene.

Jack Cliffwater: Oliver Kalkofe spricht den Ex-Knacki herrlich tragisch und naiv. Er ist fast schon mitleiderregend in seiner Hörigkeit gegenüber Clarissa. Ein toller Kontrast zur diabolischen Franklin.

BESTE MOMENTE


1. Die Sirenen-Analyse: Justus zerlegt das Alibi der Tonbänder allein durch akustische Logik. Ein Fest für Fans der klassischen Deduktion!
2. Das Finale: Die Konfrontation mit der lebenden Clarissa. Ihre letzte Lüge ("Ich bin deine Mutter") ist so unfassbar böse, dass mir kurz der Atem stockte. Ein echter Schock-Moment.
3. Peters Hundeflüsterer-Skills: Wie er den Rottweiler bändigt – Chapeau, Zweiter Detektiv!

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Der "Böser Zwilling"-Twist (Clarissa tauscht Identität mit ihrer todkranken Schwester Clara) ist so alt wie das Fernsehen selbst. Das ist schon sehr Seifenoper-Niveau. Dass Cliffwater erst die Bänder klaut und dann super kooperativ ist, wirkt auch etwas konstruiert, nur damit der Plot funktioniert. Aber hey, bei der Atmosphäre verzeihe ich das gerne.

SERIEN-KONTEXT (Der Nerd-Teil)


Hier wird es spannend! Die Folge ist der (vorläufige?) Abschluss der großen Franklin-Saga, die sich über fast 30 Jahre erstreckt:
Folge 76 "Stimmen aus dem Nichts" (1997): Hier lernten wir Clarissa als manipulative Psychologin kennen, die Bob unter Hypnose setzte. Damals wurde Jack Cliffwater noch von Horst Naumann gesprochen.
Folge 99 "Rufmord": Clarissa kehrt zurück und versucht, Bob durch Gaslighting in den Wahnsinn zu treiben (Gedächtnisverlust!).
Folge 188 "Signale aus dem Jenseits": Ein etwas schwächerer Teil, in dem Clarissa esoterisch wurde.

"Die Spur der Toten" greift viele Fäden auf und bringt sie zu einem extrem düsteren Ende. Es ist definitiv die erwachsenste und grausamste Folge der Reihe.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Judy Winter (Clarissa Franklin): Eine Legende! Sie ist die deutsche Stimme von Shirley MacLaine, Jane Fonda und Vanessa Redgrave. Dass sie für ein "Kinderhörspiel" so eine Performance abliefert, ist ein Geschenk.
  • Oliver Kalkofe (Jack Cliffwater): Ja, DER Kalkofe ("Kalkofes Mattscheibe", "SchleFaZ"). Er ist selbst riesiger ???-Fan und übernimmt hier die Rolle von Horst Naumann (bekannt aus der "Schwarzwaldklinik"), der Cliffwater in Folge 76 sprach. Kalkofe macht das überraschend ernsthaft und gut!

PRODUKTIONS-HISTORIE


Autor André Minninger liebt Psychodramen und die Figur der Clarissa Franklin ist sein Baby. Er schrieb auch das Buch zur Folge. Interessant ist, dass Minninger hier bewusst Grenzen austestet – die emotionale Grausamkeit gegenüber Bob ist für eine Jugendserie schon grenzwertig. Die Folge erschien im März 2024 und wurde von Fans als eines der Highlights der neueren Ära gefeiert, auch wenn der "Zwillingstausch" polarisierte.

FAZIT & EMPFEHLUNG


Ist "Die Spur der Toten" perfekt? Nein, die Story hat Logiklöcher so groß wie der Schrottplatz. Ist sie unterhaltsam? VERDAMMT JA! Es ist ein atmosphärisches Meisterwerk, getragen von einer überragenden Judy Winter. Wer die psychologischen Fälle mag und sehen will, wie Bob leidet (wir sind doch alle kleine Sadisten, oder?), der MUSS diese Folge hören.

Für Neueinsteiger eher ungeeignet (hört erst 76 und 99!), aber für Fans ein absolutes Fest.

Wusstest du schon?

Jack Cliffwater wird in dieser Folge von Oliver Kalkofe gesprochen. In seinem ersten Auftritt in Folge 76 'Stimmen aus dem Nichts' wurde er noch von Horst Naumann gesprochen.
Dies ist der vierte Auftritt von Clarissa Franklin nach 'Stimmen aus dem Nichts' (76), 'Rufmord' (99) und 'Signale aus dem Jenseits' (188).
Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von André Minninger, der die Figur der Clarissa Franklin maßgeblich geprägt hat.
Cover
Bewertung
5.5
📼 📼 📼 📼 📼 📼 📼 📼 📼 📼
5,5 von 10 manipulierten Tonbändern
Das Rätsel
Die Grundidee mit dem Zwillingstausch ist in der Kriminalliteratur zwar ein alter Hut, wird hier aber durch die 'Stimmen aus dem Jenseits'-Komponente geschickt modernisiert. Das Rätsel um die Sirene ist ein klassischer Justus-Jonas-Moment: Ein akustisches Indiz, das das Alibi sprengt. Fair für den Hörer, da man die Sirene im Hörspiel tatsächlich hört.
Plot & Logik
Der Plan von Clarissa ist extrem komplex und riskant (Medikamententausch, Timing der Bänder, Cliffwaters Verhalten). Dass sie sich darauf verlässt, dass Bob alles genau so abspielt, zeugt von ihrer Arroganz, ist aber typisch für Franklin-Folgen. Ein kleines Logikloch ist vielleicht, warum Cliffwater die Bänder erst stiehlt und dann so bereitwillig mit den Detektiven kooperiert – das wirkt etwas konstruiert, um den Plot voranzutreiben.
Kapitel
1 Lebensbilanz 0:00 min
2 Entlassen 10:44 min
3 Innere Uhr 19:48 min
4 Äußerste Konzentration 30:37 min
5 Schock 43:03 min
6 Richtig geschlussfolgert 62:44 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Der erste Detektiv ist in Hochform. Seine Analyse der Sirene und die Schlussfolgerung mit dem Fotoalbum zeigen seine Kombinationsgabe brillant. Er lässt sich von Clarissas Psychospielchen nicht blenden.
P
Peter Shaw
Peter agiert hier sehr tatkräftig. Er bricht ins Motel ein, findet die Beweise und hat am Ende den entscheidenden Moment mit dem Hund Bruno, der Clarissas Flucht verhindert. Kein Angsthase, sondern ein vollwertiger Ermittler.
B
Bob Andrews
Bob ist das emotionale Zentrum. Er ist weniger der Archivar, sondern das Opfer. Seine Zerrissenheit und Verletzlichkeit machen die Folge intensiv, auch wenn er am Ende fast an der grausamen Lüge zerbricht.

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 225 Alle Folgen Nächste Folge Folge 227