Zusammenfassung

Die drei ??? erreichen das verschneite Clearwater Springs für einen Skiurlaub. Doch schon bei der Ankunft bemerkt Bob ein seltsames Licht auf dem Friedhof an Walt Duffys Grab und später ein Leuchten am Berg. Im Hotel 'Snow Paradise' lernen sie den Besitzer Joe Petwin und seine Tochter Kelly kennen, sowie zwei weitere Gäste: den angeblichen Naturforscher Trevor Thompson und den Skitourengeher Bruce Osborn.

Am nächsten Tag beobachten die Detektive auf der Piste Spuren, die in das verbotene Lawinengebiet 'Weißes Grab' führen. Sie folgen ihnen und finden den verletzten Thompson, der angeblich gestürzt ist. Sie bringen ihn zu einer alten Hütte in der Senke, wo sie auf Lorraine Duffy treffen, die dort versucht, Kontakt zum Geist ihres verstorbenen Bruders Walt aufzunehmen. Plötzlich löst sich eine gewaltige Lawine. Justus, Peter, Bob, Thompson und Lorraine können sich gerade noch in die Hütte retten, kurz darauf stößt auch Bruce Osborn hinzu. Die Schneemassen begraben das Haus vollständig unter sich – sie sind gefangen.

Die Situation in der Hütte spitzt sich zu. Lorraine hält eine Séance ab und behauptet, Walts Stimme zu hören. Justus bleibt skeptisch und untersucht den Raum genauer. Er entdeckt Ungereimtheiten an den Dielenbrettern: „Ich liebe Astlöcher. Wenn man den Finger hineinstöckt, lässt sich vielleicht...“ Tatsächlich öffnet sich eine Falltür zu einem unterirdischen Gang, einer alten Schwarzbrennerei. Dort unten finden sie einen Einsiedler namens Kenny Miller.

Zurück im Wohnraum eskaliert die Lage, als der Hund Snoopy von draußen hereingelassen wird und sich freudig auf 'Kenny' stürzt – der Einsiedler ist in Wahrheit der totgeglaubte Walt Duffy. Nun fallen die Masken: Bruce Osborn entpuppt sich als ehemaliger Mithäftling des Sektenführers Ted Zampano. Er ist auf der Suche nach einem Goldschatz, den die Sekte einst hier hortete. Walt Duffy hatte Zampano versehentlich getötet, als dieser seinen Schatz zurückholen wollte, und seinen Tod vertuscht, um das Gold für das Dorf zu behalten.

Osborn versucht, die Gruppe zu bedrohen, doch Snoopy greift ihn an. Justus reagiert geistesgegenwärtig: „Peter, hilf mir, die Bodenluke zu öffnen. Und jetzt hinein mit ihm.“ Sie sperren Osborn im Keller ein. Kurz darauf hören sie das Geräusch einer Pistenraupe – Joe Petwin hat sich durch den Schnee gegraben, um sie zu retten.

Review

Lawinen, Schnaps & Astlöcher: Die drei ??? bibbern im 'Weißen Grab'
Eingeschneit in einer Hütte, ein Geist im Keller und Justus Jonas entdeckt seine Liebe zu Astlöchern. Warum Folge 202 das perfekte Winter-Hörspiel ist (und was TKKGs Frau Glockner damit zu tun hat)!

Hallo liebe Kassettenkinder, Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Kirschkuchens!

Schnappt euch einen heißen Kakao, zieht euch die Wollmütze tief ins Gesicht und stellt die Heizung auf 5 – heute wird es frostig! Wir wagen uns in Folge 202 „Das weiße Grab“ und ich sage euch: Es wird enger als in Justus’ alter Weste.

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr das? Ihr seht ein Cover mit Schnee, einer einsamen Hütte und einem bedrohlichen Schatten und denkt sofort: „Geil, endlich wieder Pistenteufel-Vibes!“ Genau so ging es mir. Winterfolgen haben bei den drei ??? ja eine lange Tradition (wir erinnern uns alle wohlig an den Yeti oder die blutenden Bilder), und „Das weiße Grab“ verspricht genau dieses „Cozy Crime“-Feeling. Man möchte sich sofort mit einer Decke auf das Sofa mummeln, während unsere drei Helden draußen frieren müssen. Schadenfreude ist doch die schönste Freude, oder?

DIE STORY


Eigentlich – und wir wissen alle, dass Sätze, die mit „Eigentlich“ beginnen, in Rocky Beach der Anfang vom Ende sind – wollten Justus, Peter und Bob nur ein bisschen Ski fahren. Ort des Geschehens: Clearwater Springs. Doch kaum angekommen, sieht Bob Lichter auf dem Friedhof (natürlich!) und Justus wittert Geheimnisse. Als sie dann einem verletzten Skifahrer helfen und in einer abgelegenen Hütte Schutz suchen, passiert der Albtraum eines jeden Urlaubers: Eine Lawine geht ab. Wumm. Hütte verschüttet. Tür blockiert. Luft wird knapp. Und als wäre das nicht genug, sitzen sie mit einer illustren Runde Fremder fest, von denen einer garantiert Dreck am Stecken hat. Ach ja, und es spukt angeblich auch noch. Klassisches Kammerspiel-Setting – Agatha Christie auf Eis!

UNSERE HELDEN


Justus „Der Astloch-Flüsterer“ Jonas:
Unser Erster Detektiv ist in Hochform. Während alle anderen Panik schieben, untersucht Justus den Fußboden. Sein legendärer Satz in dieser Folge: „Ich liebe Astlöcher. Wenn man den Finger hineinstöckt...“ – Leute, ich habe Tränen gelacht! Das ist der Justus-Moment des Jahres. Er bleibt (fast) die ganze Zeit die Ruhe selbst, auch wenn sein „vorgetäuschter Herzanfall“ (oder was das sein sollte) diesmal eher verbaler Natur ist, indem er die Geister-Lady eiskalt auflaufen lässt.

Peter „Kelly?!“ Shaw:
Der arme Kerl. Nicht nur, dass er in eine Lawine gerät (seine Urangst!), nein, eine der Figuren heißt auch noch Kelly. Da zuckt der Zweite Detektiv natürlich jedes Mal zusammen. Peter ist in dieser Folge der Fels in der Brandung, wenn es um das Körperliche geht. Er darf am Ende den Helden spielen und die Bodenluke aufreißen. Ein solider Auftritt für unseren Sportler, auch wenn er mal wieder den Bedenkenträger vom Dienst spielen muss.

Bob „Das wandelnde Lexikon“ Andrews:
Bob hat mal wieder seine Hausaufgaben gemacht. Er kauft sich im Ort ein Buch über die Geschichte der Gegend. Ein Buch! Im Skiurlaub! Das ist so herrlich Bob. Ohne sein Wissen über die Prohibitionszeit und die Schwarzbrennerei hätten Justus’ graue Zellen diesmal im Dunkeln getappt. Bob ist hier der MVP (Most Valuable Player) der Recherche.

DIE GEGENSPIELER & MITGEFANGENEN


Das Highlight ist definitiv Lorraine Duffy. Eine Esoterik-Tante, wie sie im Buche steht. Sie nervt, sie beschwört Geister, sie bringt Unruhe rein – herrlich! Sie ist der perfekte Gegenpol zu Justus’ Ratio.

Dann haben wir Bruce Osborn und Trevor Thompson. Die beiden zanken sich wie ein altes Ehepaar, was der Dynamik in der engen Hütte sehr guttut. Bruce als Ex-Knacki ist ein klassischer Bösewicht der alten Schule: Gierig, aggressiv, aber nicht besonders helle.

Und der „Geist“ Walt Duffy? Nun ja, als Einsiedler im Keller zu leben, nur um Gold zu bewachen... das ist schon echte Hingabe (oder Wahnsinn).

BESTE MOMENTE


1. Das Astloch: Ich kann es nicht oft genug sagen. Justus und das Astloch. Iconic.
2. Die Séance: Wenn Lorraine versucht, Kontakt zum Jenseits aufzunehmen und Justus das Ganze mit logischen Argumenten zerlegt, ist das Comedy-Gold.
3. Der Snoopy-Twist: Dass ausgerechnet der Hund die Tarnung auffliegen lässt, weil er sein Herrchen erkennt. Simpel, aber effektiv.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Warum versteckt sich Walt Duffy im Keller, wenn er weiß, dass oben Leute sind? Er hätte einfach still sein können. Stattdessen poltert er rum und spielt Geist. Das ist dieser typische „Scooby Doo“-Bösewicht-Plan, der bei genauerer Betrachtung wenig Sinn ergibt.
Außerdem: Dass die drei ??? schon wieder im Urlaub in einen Fall stolpern, ist mittlerweile ein Running Gag, der die Glaubwürdigkeitsgrenze strapaziert. Können die nicht einmal einfach nur Pommes essen?
Und der Hund... ja, Snoopy ist süß, aber dass er quasi den Fall löst, nimmt Justus ein bisschen die Arbeit ab. Deus ex Machina auf vier Pfoten.

SERIEN-KONTEXT


Jetzt wird’s nerdig, Kollegen!
Folge 202 reiht sich ein in die Tradition der „Isolated Snow Settings“. Wir denken sofort an Folge 96 „Der Pistenteufel“ (absoluter Klassiker!) oder auch an Folge 124 „Geister-Canyon“. Ben Nevis, der Autor, ist bekannt für seine Vorliebe für Berge und Isolation (siehe auch Folge 100 „Toteninsel“ – da war es zwar warm, aber auch isoliert).
Interessant ist der Release-Kontext: Die Folge erschien Ende 2019, kurz nach der Jubiläumsfolge 200 „Feuriges Auge“. Oft sind die Folgen direkt nach einem Meilenstein etwas schwächer, aber „Das weiße Grab“ hält das Niveau erstaunlich gut und wird in Fankreisen oft als eine der besseren neueren Folgen gehandelt, eben weil sie dieses klassische „Whodunit“-Feeling hat.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier hat Europa mal wieder tief in die Schatzkiste gegriffen!

Heidi Schaffrath (Lorraine): Leute! Das ist Gaby Glockners Mutter aus TKKG! Wenn Frau Glockner plötzlich Geister beschwört, ist das ein Crossover, von dem ich nicht wusste, dass ich es brauche. Heidi ist eine absolute Hörspiel-Legende.
Marek Erhardt (Trevor Thompson): Der Enkel des legendären Heinz Erhardt! Er ist selbst eine feste Größe im Hörspiel-Business (oft in „John Sinclair“ oder „Dorian Hunter“ zu hören). Seine raue Stimme passt perfekt zum undurchsichtigen Trevor.
Stephan Benson (Walt Duffy): Ein Mann für die feinen, oft zwielichtigen Rollen (kennt man auch als Synchronstimme von Kenneth Branagh in manchen Filmen). Er verleiht dem „Geist“ die nötige Schwere.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Geschichte stammt von Ben Nevis, einem der Veteranen im Autoren-Team. Das Buch erschien bereits 2018. Ein spannendes Detail beim Buch-Hörspiel-Vergleich: Im Buch wird die Geschichte der „Indianer“ (im Buch-Wording) und die Historie des Goldrauschs noch viel detaillierter ausgebreitet. Im Hörspiel musste das (wie immer) gestrafft werden, aber André Minninger (Drehbuch) hat den Kern gut getroffen.
Ben Nevis ist übrigens dafür bekannt, dass er Action und Atmosphäre liebt – und genau das liefert er hier ab. Es ist keine „Laber-Folge“, hier passiert physisch richtig was.


FAN-SERVICE-CHECK


Justus öffnet Schlösser: Check. Diesmal zwar eine Bodenluke, aber zählt.
Peter hat Angst: Check. Lawinen-Panik.
Visitenkarte: Wird hier mal nicht inflationär verteilt, was bei einer verschütteten Hütte auch wenig Sinn machen würde.
  • Die Zentrale: Fehlt leider, da wir „on the road“ sind. Kein Tante Mathilda Kirschkuchen diesmal. Dafür Dosenfutter in der Hütte.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Das weiße Grab“ ist wie ein guter Eintopf: Wärmt von innen, hat solide Zutaten und macht satt. Es ist kein revolutionäres Meisterwerk, das das Rad neu erfindet, aber es ist eine unglaublich stimmungsvolle Folge. Wer Kammerspiele mag und wem bei heulendem Wind im Hörspiel das Herz aufgeht, der ist hier goldrichtig.

Für wen? Für alle, die „Pistenteufel“ lieben, aber mal eine modernere Soundkulisse wollen. Perfekt für kalte Winterabende.

Ranking-Potenzial: Solides oberes Mittelfeld. Kein „Gespensterschloss“, aber meilenweit entfernt von „Todesflug“.

Bleibt neugierig,
Euer Fan-Blogger

Wusstest du schon?

Die Sprecherin von Lorraine, Heidi Schaffrath, ist Hörspiel-Fans bestens bekannt – unter anderem als Mutter von TKKG-Mitglied Gaby Glockner.
Marek Erhardt (Trevor Thompson) ist der Enkel des berühmten Komikers Heinz Erhardt und selbst ein bekannter Schauspieler und Hörspielsprecher (z.B. als neuer Sinclair-Erzähler oder bei 'Die drei ???' in anderen Rollen).
Die Folge nutzt das klassische 'Whodunit'-Element des 'Closed Circle', ähnlich wie bei Agatha Christies 'Mord im Orientexpress' oder 'Und dann gabs keines mehr', wo eine isolierte Gruppe von Verdächtigen auf engem Raum agiert.
Cover
Bewertung
8
❄️ ❄️ ❄️ ❄️ ❄️ ❄️ ❄️ ❄️ ❄️ ❄️
8 von 10 fingerdickem Staub in Astlöchern
Das Rätsel
Ein klassisches 'Locked Room Mystery' im Schnee. Die Grundidee mit dem vorgetäuschten Tod und dem Sekten-Gold ist solide, wenn auch nicht revolutionär. Dass der Hund Snoopy am Ende den entscheidenden Hinweis zur Identität liefert, ist zwar logisch, nimmt den Detektiven aber etwas Arbeit ab. Die Auflösung ist fair hergeleitet.
Plot & Logik
Das Szenario ist stimmig konstruiert: Die Lawine zwingt die Figuren glaubhaft auf engsten Raum zusammen. Ein kleines Logikloch bleibt, warum Walt Duffy (als Kenny) sich im Keller versteckt, obwohl er weiß, dass oben Leute sind, die ihn entdecken könnten – aber als 'Geist' war das wohl sein einziger Rückzugsort.
Kapitel
1 Ausgerutscht! 0:00 min
2 Geisterlift 8:53 min
3 Die verbotene Zone 17:57 min
4 Das weiße Grab 30:31 min
5 Alte Geschichten 44:51 min
6 Das Astloch 52:23 min
7 Demaskiert 61:11 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert durch Beobachtungsgabe. Sein Moment mit dem Astloch und der Falltür ist klassisches Justus-Gold. Er durchschaut auch Lorraines 'Geisterstimmen' schnell als Trick.
P
Peter Shaw
Ist hier vor allem der besorgte Pragmatiker. Er hat Angst vor der Lawine (zu Recht!) und sorgt sich um die Sicherheit, zeigt aber beim Überwältigen von Osborn vollen Körpereinsatz.
B
Bob Andrews
Übernimmt den Recherche-Part durch das Lesen des Buches über die Geschichte der Hütte. Ohne sein Hintergrundwissen über die Sekte und die Prohibition hätte Justus die Zusammenhänge kaum so schnell erkannt.

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 201 Alle Folgen Nächste Folge Folge 203