Zusammenfassung

Die drei ??? besuchen die Premiere des Stücks 'Der tödliche Stich' im Stadttheater von Rocky Beach. Justus bemerkt, dass die Hauptdarstellerin Gladys Pixie beim Schlussapplaus schockiert ins Publikum starrt und ohnmächtig wird. Bei einem Besuch in ihrer Garderobe erfahren die Detektive den Grund: Gladys glaubt, ihre Tochter Aurora gesehen zu haben, die vor 32 Jahren spurlos verschwand. Auroras Vater, der Physiker Quentin Kurtz, forschte damals an Zeitreisen und behauptete, mit der Tochter in die Zukunft zu fliehen. Justus entdeckt auf einem Foto, dass das Mädchen im Publikum exakt so aussah wie Aurora damals.

Am nächsten Abend legen sich die Detektive im Theater auf die Lauer. Tatsächlich taucht das Mädchen erneut auf. Als sie es verfolgen, flüchtet es in die Damentoilette, aus der es keinen zweiten Ausgang gibt. Doch als die Putzfrau Conchita Dominguez die Tür öffnet, ist der Raum leer. Kurz darauf entgeht Gladys Pixie in ihrer Wohnung nur knapp einem heimtückischen Säureanschlag: Eine mit Zitronensaft gefüllte Wasserpistole war in ihrem Schrank installiert – lebensgefährlich für die gegen Zitrusfrüchte allergische Schauspielerin.

Justus stellt eine Falle und entlarvt Gladys' Kollegin Maggie Shatner als die Attentäterin mit der Wasserpistole. Sie handelte aus Neid auf die Diva, hat aber nichts mit der 'Zeitreisenden' zu tun. Durch einen Rückrufverfolgungstrick findet Justus jedoch heraus, dass Aurora tatsächlich lebt. Sie logiert als 'Mrs. McCary' im Cotton Bay Hotel. Das Mädchen im Theater war Auroras Tochter Angela – Gladys' Enkelin.

Im Hotel kommt es zur Konfrontation: Die erwachsene Aurora gibt zu, alles inszeniert zu haben, um sich an ihrer egozentrischen Mutter zu rächen. Sie war nie in der Zukunft, sondern mit ihrem Vater in Schottland untergetaucht. Doch das Ende bleibt mysteriös: Während Aurora vorgibt, nach ihrer Tochter im Bad zu sehen, verschwinden beide bei laufendem Föhn spurlos aus dem Hotelzimmer, obwohl Peter den Raum kurz zuvor geprüft hatte.

Review

Mord mit der Wasserpistole? Justus Jonas jagt die Zeitreise-Diva!
Eine verschwundene Tochter, die nicht altert, eine Diva mit Zitrus-Allergie und ein Mordanschlag aus der Plastikpistole. Folge 194 ist der herrlichste Trash seit langem – aber kann das Ende überzeugen?

Hallo liebe Detektiv-Kollegen, Kassettenkinder und Bewohner von Rocky Beach!

Holt den Kirschkuchen raus und stellt den Verstärker auf 11 – heute reisen wir durch die Zeit! Oder auch nicht. Oder doch? Willkommen zu Folge 194, „Die Zeitreisende“. Ein Titel, der nach Science-Fiction klingt, aber eigentlich tief im Sumpf des Rocky Beach Stadttheaters watet. André Minninger hat mal wieder zur Feder gegriffen, und wir wissen alle, was das bedeutet: Es wird dramatisch, es wird skurril, und am Ende sitzen wir alle da und fragen uns: „Hä?“. Schnallt euch an, wir starten den DeLorean... äh, den verrosteten Rolls-Royce!

ERSTER EINDRUCK


Schon das Cover von Silvia Christoph schreit förmlich „Mystery-Thriller“. Eine geisterhafte Frau, Nebel, düstere Stimmung. Man erwartet eine Mischung aus „Geisterschloss“ und „Akte X“. Nach den ersten zehn Minuten Hören merkt man aber: Wir sind eher in einer Mischung aus „Der Teufel trägt Prada“ und einer Telenovela auf Speed. Die Atmosphäre im Theater ist dicht, die Diva ist herrlich anstrengend, und man spürt sofort: Das wird ein Ritt auf der Rasierklinge zwischen Genialität und Wahnsinn.

DIE STORY


Alles beginnt harmlos mit einem Theaterbesuch (Kulturauftrag erfüllt!). Doch beim Schlussapplaus kippt die Hauptdarstellerin Gladys Pixie aus den Latschen. Der Grund: Sie hat im Publikum ihre Tochter Aurora gesehen. Der Twist? Aurora ist vor 32 Jahren verschwunden und das Mädchen im Publikum ist keinen Tag gealtert! Auroras Vater war ein verrückter Physiker, der an Zeitreisen forschte. Ist er mit der Tochter in die Zukunft geflohen und jetzt zurückgekehrt? Während Peter schon Schnappatmung bekommt, wittert Justus einen Fall. Und als wäre das nicht genug, gibt es noch einen Mordanschlag auf die Diva – mit einer Waffe, die so absurd ist, dass sie fast schon wieder genial ist.

UNSERE HELDEN


Justus „Die Walze“ Jonas: Unser Erster Detektiv ist in Hochform. Er lässt sich von dem Zeitreise-Gequatsche null beeindrucken und konzentriert sich auf das Wesentliche: Fußabdrücke und Zitronensaft. Sein Moment, in dem er kombiniert, dass die Täterin ihre Pumps ausgezogen haben muss, ist klassischer Sherlock-Holmes-Stoff. Herrlich auch, wie er die Diva psychologisch bearbeitet.

Peter „Der Schisser“ Shaw: Peter darf das tun, was er am besten kann: Angst haben und skeptisch sein. Seine Panik vor dem Übernatürlichen wirkt hier aber nicht nervig, sondern ist der perfekte Gegenpol zu Justus' Rationalität. Sein Titelvorschlag „Zurück in die Zukunft: Reloaded“ hat mir einen echten Lacher entlockt.

Bob „Recherchen & Archiv“ Andrews: Bob hängt sich mal wieder ans Telefon und wühlt in Archiven. Er ist derjenige, der die Zeitreise-Theorie mit harten Fakten (Todesanzeige aus Schottland) ins Wanken bringt. Solide Arbeit, Kollege!

DIE GEGENSPIELER & CHARAKTERE


Gladys Pixie: Was für eine Granate! Eine Theater-Diva, wie sie im Buche steht. Jeder Satz ist eine Inszenierung, jedes Wort trieft vor Pathos. Sie nennt sich selbst nicht „alte Schachtel“ und behandelt alle wie Statisten in ihrem Leben. Großartig!
Conchita Dominguez: Die Putzfrau mit der Reibeisenstimme. Ein wandelndes Klischee, aber dank der Sprecherin (dazu später mehr) ein echtes Highlight.
Frank Fearless: Der Intendant mit dem Namen, der klingt wie ein Superheld aus den 40ern. Ein schmieriger Theater-Typ, der perfekt in dieses Kuriositätenkabinett passt.

BESTE MOMENTE


1. Der Zitronen-Mord: Leute, ernsthaft. Ein Mordanschlag mit einer Wasserpistole voller Zitronensaft, weil das Opfer allergisch gegen Zitrusfrüchte ist? Das ist so bescheuert, das ist schon wieder Kunst. „Death by Vitamin C“ – darauf muss man erst mal kommen!
2. Der Toiletten-Trick: Die Szene, in der das „Geistermädchen“ auf der Toilette verschwindet, ist klassischer Magier-Kram, aber super spannend inszeniert. Justus' Auflösung (doppelter Boden bzw. eingeweihte Putzfrau) ist befriedigend logisch.
3. Das Verhör: Justus nimmt Maggie Shatner in die Zange. Psychologischer Druckaufbau vom Feinsten.

SCHWACHSTELLEN


Kommen wir zum Elefanten im Raum: Das Ende. Achtung, Spoiler! Die Auflösung im Hotelzimmer lässt mich ratlos zurück. Aurora und ihre Tochter verschwinden bei laufendem Föhn aus dem Badezimmer, obwohl Peter den Raum gecheckt hat. Es wird suggeriert, sie seien durch ein Fenster entkommen, aber so ganz schlüssig wird das akustisch nicht gelöst. Es wirkt, als wollte Minninger unbedingt noch einen mystischen „War es doch eine Zeitreise?“-Hauch hinterlassen, aber es fühlt sich eher an wie ein Logikloch. Und mal ehrlich: 32 Jahre warten für einen Racheplan? Das nenne ich mal Geduld!

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge reiht sich ein in die Tradition der „Theater-Folgen“ (wie „Erbe des Meisterdiebs“ oder „Die Rache des Tigers“). Sie trägt die deutliche Handschrift von André Minninger: Starke, oft überzeichnete Frauenfiguren, ein Hang zum Bizarren und eine Prise Trash-Charme. In der Fan-Community wird die Folge kontrovers diskutiert – manche lieben den Unterhaltungswert, andere hassen das offene Ende. Ein interessanter Fehler im Booklet: Die Figur „Maggie Shatner“ wird dort als „Maggie Smith“ gelistet – da hat wohl jemand zu viel Harry Potter oder Downton Abbey geschaut!


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird scharf geschossen – mit Stimmen-Gold!
Lutz Mackensy (Frank Fearless): Ein Gott am Mikrofon! Wir kennen ihn natürlich als Erzähler der „Fünf Freunde“ (die späteren Folgen), aber er ist auch ein Urgestein bei den drei ??? (z.B. Patrick O'Ryan in Folge 33 „Die bedrohte Ranch“!). Seine Stimme ist pures Samt und verleiht der Figur eine wunderbare Süffisanz.
Rosemarie Wohlbauer (Gladys Pixie): Die österreichische Schauspielerin ist die perfekte Besetzung für die Diva. Sie spielt das so überdreht, dass es eine Freude ist.
Katja Brügger (Conchita): Diese Stimme erkennt man unter Tausenden! Sie ist die deutsche Stimme von Edie Falco (Carmela Soprano in „Die Sopranos“, Nurse Jackie). Dieses rauchige, fast maskuline Timbre passt perfekt zur resoluten Putzfrau.
Andreja Schneider (Aurora): Bekannt aus dem Comedy-Trio „Geschwister Pfister“. Sie bringt genau die richtige Mischung aus Tragik und Wahnsinn mit.

PRODUKTIONS-HISTORIE


André Minninger hat hier (wie so oft) sowohl die Buchvorlage geliefert als auch das Hörspielskript geschrieben. Das erklärt, warum die Adaption sehr nah an seiner Vision ist. Die Folge erschien 2018. Interessant ist, dass Minninger oft vorgeworfen wird, seine eigenen Bücher zu sehr auf „Hörspiel-Effekte“ zu schreiben – und genau das merkt man hier: Der Toiletten-Trick und der Föhn-Soundeffekt am Ende sind auditiv konzipiert.


FAN-SERVICE-CHECK


Der heilige Gral der Insider-Gags wird berührt: Baby Fatso! Justus erwähnt seine Vergangenheit als dicker Kinderstar und Peter zieht ihn damit auf. Das ist Balsam für die Fan-Seele. Außerdem gibt es schöne Anspielungen auf Justus' Diät-Versuche (er verzichtet auf Häppchen – wer's glaubt!).

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Die Zeitreisende“ ist wie ein B-Movie, das man nachts um 2 Uhr auf Kabel1 guckt: Objektiv voller Logiklöcher, total überzogen, aber verdammt unterhaltsam. Wer die klassische, bodenständige Krimi-Kost à la „Karpatenhund“ sucht, wird hier verzweifeln. Wer aber Spaß an exzentrischen Charakteren, Minninger-Trash und einer „Mord-durch-Zitrone“-Story hat, wird bestens bedient. Man darf nur nicht zu viel über das Ende nachdenken.

Ranking-Kategorie: „Popcorn-Kino für die Ohren – Hirn aus, Spaß an!“

Wusstest du schon?

Der Titel des Theaterstücks lautet 'Der tödliche Stich'.
Justus erwähnt seine Vergangenheit als 'Baby Fatso' und wird von Peter damit aufgezogen.
Gladys Pixie hat eine seltene Allergie gegen Zitrusfrüchte, was für den Nebenplot entscheidend ist.
Cover
Bewertung
4.5
🍋 🍋 🍋 🍋 🍋 🍋 🍋 🍋 🍋 🍋
4,5 von 10 tödlichen Zitronenspritzern
Das Rätsel
Die Grundidee mit der Zeitreise ist für die Serie herrlich abgedreht, aber typisch für Minninger. Der 'Unmöglichkeits-Trick' auf der Toilette ist simpel, aber effektiv inszeniert. Die Auflösung des Säure-Anschlags wirkt dagegen fast wie ein separater Mini-Fall, der nur lose mit dem Hauptplot verknüpft ist.
Plot & Logik
Der Racheplan der Tochter ist extrem aufwendig – 32 Jahre warten für einen kurzen Schockmoment? Dass Justus den Trick mit der Toilette so schnell durchschaut (Putzfrau als Komplizin), ist logisch. Das Ende im Hotelzimmer ist allerdings ein klassischer 'Minninger-Twist': Es soll übernatürlich wirken, lässt den Hörer aber eher fragend zurück, wie sie aus dem Badezimmer entkommen sind.
Kapitel
1 Premierenfieber 0:00 min
2 Verschwunden 7:17 min
3 In Luft aufgelöst 15:14 min
4 Unsichtbare Materie 30:07 min
5 Notruf 39:27 min
6 Erpressung 51:40 min
7 Verstorben 57:22 min
8 Die Masken fallen 64:27 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brillant beim Kombinieren des Zitronensaft-Anschlags ('Pumps ausgezogen'). Seine psychologische Kriegsführung mit Maggie Shatner ist ein Highlight.
P
Peter Shaw
Darf den Skeptiker spielen und liefert mit 'Zurück in die Zukunft: Reloaded' den besten Titel-Vorschlag. Seine Angst vor der Zeitreise-Theorie ist gut gespielt.
B
Bob Andrews
Übernimmt die Recherchearbeit zu Quentin Kurtz und findet die entscheidende Todesanzeige aus Schottland, was die Zeitreise-Theorie zum Wanken bringt.

Sprecher

Verwandte Folgen

Vorherige Folge Folge 193 Alle Folgen Nächste Folge Folge 195