Zusammenfassung

Die drei ??? besuchen Bobs Großtante Rosie auf ihrer Farm im Wüstenort 'Nothing'. Schon bei der Ankunft im Eiscafé 'Nirgendwo' macht ihnen die exzentrische Kellnerin Priscilla eine düstere Prophezeiung: 'Ein Knall, der die Stille teilt. Blutstropfen auf weißem Stein.' Zusammen mit Rosies Enkeln Brian und Ashlyn erkunden die Detektive das verlassene 'Limestone Motel'. Dort scheinen sich die Vorhersagen zu erfüllen: Ashlyn verletzt sich an einem herabstürzenden Schrank und die Gruppe findet einen alten Brief eines Minenarbeiters von 1957, der auf einen Goldschatz aus dem Jahr 1865 hinweist.

Die Detektive lösen das Rätsel um 'Hamlets Geliebte' (ein ausgetrockneter Bach) und 'Zephyr' (Westwind), doch Justus wird misstrauisch. Er entlarvt die Schatzsuche als Inszenierung von Brian und Ashlyn, da der Hinweis auf 'Au' (Gold) im Periodensystem 1865 noch nicht existierte. Die Cousins geben zu, dass alles nur ein Spiel zur Unterhaltung der Gäste war, basierend auf einer alten Schnitzeljagd von Priscilla.

Doch plötzlich wird das Spiel ernst: Ein Unbekannter bricht in den Schuppen ein, stiehlt die Rätselkopien und entführt den Hofhund 'Old Buck'. Ashlyn will den (falschen) Schatz in der Höhle 'Black Smoke Cavern' vor dem Dieb retten und gerät in Lebensgefahr, als sie einem mysteriösen Cowboy begegnet. Bei dem Versuch, sie zu retten, stürzt der Hund zu ihr auf ein brüchiges Felsplateau, das in den Höhlensee bricht. Ihr Cousin Jonathan, ein Polizist, rettet Ashlyn und den Hund aus dem Wasser.

Justus überführt schließlich Sheriff Stone als den Täter. Der Sheriff hatte das Rätsel für echt gehalten und wollte den Schatz finden, um mit seiner kranken Frau im Ort bleiben zu können, da seine Wache geschlossen werden soll. Aus Mitleid verzichtet Rosie auf eine Anzeige, Stone verliert jedoch seinen Job.

Review

Viel Lärm um Nichts? Von wegen! Goldrausch und Geisterstadt-Feeling.
Die drei ??? in der Wüste, ein Sheriff am Abgrund und Justus Jonas, der das Periodensystem als Waffe nutzt. Warum Folge 191 'Verbrechen im Nichts' mehr ist als nur heiße Luft!

Hallo liebe Detektiv-Kollegen und Kassettenkinder!

Willkommen zurück in der Zentrale! Schnappt euch ein Stück von Tante Mathildas Kirschkuchen (aber Vorsicht, Justus lauert schon!), denn heute werfen wir einen Blick auf einen Fall, der uns tief in die Wüste führt. Packt die Sonnencreme ein und vergesst den Geigerzähler nicht – wir reisen nach "Nothing". Ja, genau. Nichts. Nada. Niente.

Folge 191: "Verbrechen im Nichts". Klingt philosophisch, ist aber staubtrockener Western-Krimi.

ERSTER EINDRUCK


Kennt ihr diese Folgen, bei denen man sofort den Staub auf der Zunge schmeckt? "Verbrechen im Nichts" ist genau so ein Kaliber. Man hört den Wind pfeifen, die Dielen knarren und hat sofort dieses herrliche "Die drei ??? auf Reisen"-Feeling. Es riecht nach Geisterstadt (Folge 64), aber mit einem modernen Twist. Mein erster Gedanke: Endlich mal wieder raus aus Rocky Beach! Und: Hat Bob eigentlich in JEDEM Kaff der USA eine Tante?

DIE STORY


Die Ausgangslage ist klassischer als Justus' Vorliebe für Fremdwörter: Ferien bei Verwandten. Diesmal trifft es Bob (natürlich), der seine Großtante Rosie in dem bezeichnenden Nest "Nothing" in Arizona besucht. Zusammen mit Justus und Peter landet er in einem Ort, der seinen Namen verdient hat. 4 Einwohner, viel Wüste, ein stillgelegtes Motel.

Doch die Ruhe trügt (wann tut sie das nicht?). Die exzentrische Eisverkäuferin Priscilla murmelt düstere Prophezeiungen, und Rosies Enkel – die Cousins Brian und Ashlyn – wedeln mit einer alten Schatzlegende. Ein Goldrausch bricht aus, als Hinweise auf einen verborgenen Schatz aus dem Jahr 1865 auftauchen. Aber Moment mal... ist das alles echt? Oder erlauben sich die Cousins einen Scherz mit den Stadtpflanzen aus Kalifornien? Als plötzlich ein echter Verbrecher auftaucht, der den Hofhund entführt (Trigger-Warnung für alle Tierfreunde: Dem Hund passiert nichts Schlimmes!), wird aus dem Spiel bitterer Ernst.

UNSERE HELDEN


Justus: Unser erster Detektiv ist in Hochform. Und mit Hochform meine ich: Er ist so herrlich unerträglich besserwisserisch, dass man ihn einfach lieben muss. Der Moment, in dem er die Echtheit der Schatzkarte anzweifelt, ist Peak-Justus. Er nutzt sein chemisches und historisches Wissen, um alle anderen wie Schuljungen aussehen zu lassen. Ein Genuss!

Peter: Der arme Kerl. Erst muss er in die Wüste, dann wird's gruselig. Aber: Peter ist hier der emotionale Anker. Seine Sorge um den Hund "Old Buck" ist rührend und zeigt mal wieder, dass er das Herz am rechten Fleck hat. Außerdem darf er im Finale den Actionhelden mimen. Kein "Zweiter", der nur den Dietrich hält!

Bob: Der Mann, dessen Verwandtschaftsgrad-Netzwerk besser ist als LinkedIn. Bob ist hier der "Connector". Er hält die Verbindung zu Tante Rosie und navigiert die sozialen Untiefen der Familie. Solide Recherchearbeit, auch wenn er diesmal Justus die große Bühne beim Rätsellösen überlassen muss.

DIE GEGENSPIELER


Kommen wir zum Elefanten im Raum (oder dem Sheriff in der Wüste). Der Bösewicht ist hier tragisch angelegt. Sheriff Stone ist kein klassischer Schurke, der die Weltherrschaft will, sondern ein verzweifelter Mann, der seinen Job und seine kranke Frau retten will. Das macht die Auflösung fast schon melancholisch. Kein diabolisches Lachen, sondern bittere Realität. Ein interessanter Ansatz, der die Folge erwachsener wirken lässt.

Die "nervigen Cousins" Brian und Ashlyn fungieren erst als Antagonisten (im Sinne von Prankstern), entpuppen sich aber als harmlose Teenager, die einfach nur Langeweile haben. Klassisches Scooby-Doo-Setup.

BESTE MOMENTE


Leute, wir müssen über das "Au"-Rätsel reden. Justus zerlegt die Schatzkarte mit dem Periodensystem! Er beweist, dass das Symbol "Au" für Gold im Jahr 1865 in diesem Kontext (für einen einfachen Minenarbeiter) historisch unplausibel bzw. anachronistisch verwendet wurde. Das ist der Moment, in dem ich laut "BÄM!" gerufen habe. Das ist genau das Nerd-Wissen, für das wir die Serie hören.

Ein weiteres Highlight: Die Atmosphäre im "Eiscafé Nirgendwo". Priscillas Orakel-Sprüche sorgen für Gänsehaut, auch wenn man ahnt, dass es Humbug ist. Die Soundkulisse der Wüste ist von Europa mal wieder 1A umgesetzt.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Dass der Sheriff, ein erwachsener Mann und Gesetzeshüter, auf eine von Kindern gebastelte Schnitzeljagd hereinfällt, ist... nun ja... nennen wir es "drehbuchfreundlich". Das verlangt schon viel "Suspension of Disbelief". Auch der Mittelteil zieht sich ein wenig, weil wir als hörspielerfahrene Detektive schon lange vor Justus ahnen, dass die Schatzsuche ein Fake ist. Die Cousins sind dabei leider auch eher anstrengend als sympathisch.

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge reiht sich perfekt in die Tradition der "Reise-Abenteuer" ein (siehe Riff der Haie, Roter Pirat, Geisterstadt). Sie bedient das klassische Trope: "Die drei ??? wollen Urlaub machen, aber Bob hat Verwandte, die Probleme haben".

Interessant ist der Ort selbst: "Nothing, Arizona" gibt es wirklich! Es ist eine echte Geisterstadt, die 1977 gegründet und später verlassen wurde. Dass Kari Erlhoff diesen realen, skurrilen Ort als Setting gewählt hat, ist ein genialer Schachzug und verankert die Folge schön in der Realität.

Im Kanon ist die Folge eher ein "Stand-alone". Sie treibt keinen großen Handlungsbogen voran (kein Hugenay, keine Grey), aber sie ist eine dieser Wohlfühl-Folgen, die man immer wieder hören kann.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Jetzt haltet euch fest, denn hier wird Hörspiel-Geschichte geschrieben!

Horst Stark (Sheriff Stone): Gänsehaut-Alarm! Horst Stark ist eine absolute Legende. Er ist die Stimme von Commander Perkins! Ja, genau der! Und für die Gruselfans unter uns: Er war der Erzähler in der "Gruselkabinett"-Reihe und sprach in diversen Europa-Klassikern (z.B. als Wächter im Grünen Geist – ganz, ganz früher!). Ihn hier als müden, gebrochenen Sheriff zu hören, ist ein Fest für die Ohren. Seine markante Stimme trägt die ganze Melancholie der Rolle.

Marianne Bernhardt (Priscilla): Leider 2022 verstorben, war sie eine großartige Sprecherin (u.a. die deutsche Stimme von Kathy Bates). Sie verleiht der Eisverkäuferin genau die richtige Mischung aus Verrücktheit und Mystik.

Gerlinde Dillge (Tante Rosie): Eine bekannte Theaterschauspielerin (u.a. Rote Rosen), die Tante Rosie so herzlich spricht, dass man sofort selbst hinfahren und Eistee trinken möchte.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge basiert auf dem gleichnamigen Buch von Kari Erlhoff, erschienen 2017. Kari ist bekannt dafür, starke Atmosphären zu schaffen und die Charaktere gut zu treffen. Im Buch sind die Hintergründe der Cousins und die Motivation des Sheriffs noch etwas detaillierter ausgearbeitet, aber das Hörspiel fängt den Kern der Geschichte sehr gut ein. Es ist eine der Folgen, die direkt als "neue Ära" (nach dem Rechtsstreit) konzipiert wurden und sich qualitativ nahtlos einfügen.


FAN-SERVICE-CHECK


- Bob's Family: Wir lernen Großtante Rosie kennen. Ich warte ja noch auf den Tag, an dem wir Bobs Cousin 3. Grades mütterlicherseits kennenlernen, der eine Alpakafarm in Peru betreibt.
- Visitenkarte: Wird natürlich überreicht (auch wenn sie in der Wüste wenig bringt).
- Justus' Diät: Wird ignoriert. Es gibt Essen bei Tante Rosie!

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Verbrechen im Nichts" ist wie ein guter Western: Nicht hektisch, staubig, atmosphärisch dicht und am Ende gewinnt die Gerechtigkeit (aber mit einem weinenden Auge). Wer die klassischen Reise-Folgen mag und Justus gerne beim Klugscheißen zuhört, ist hier goldrichtig. Es ist kein Action-Blockbuster wie Toteninsel, aber ein sehr solider, unterhaltsamer Fall für einen verregneten Sonntag.

Für Fans von: Geisterstadt, Tal des Schreckens und Chemie-Unterricht.

Wusstest du schon?

Der Originaltitel des Buches existiert nicht, da es sich um eine deutsche Originalausgabe handelt.
Die Sprecherin von Tante Rosie, Gerlinde Dillge, ist eine bekannte Theaterschauspielerin und Synchronsprecherin.
Der titelgebende Ort 'Nothing' in Arizona ist fiktiv, spielt aber auf reale Geisterstädte im Südwesten der USA an.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 Goldnuggets (die sich leider als Pyrit entpuppen)
Das Rätsel
Die Schatzsuche ist klassisch aufgebaut (Rätselreim, Landmarken), aber der eigentliche Clou ist Justus' Meta-Analyse: Er löst nicht nur das Rätsel, sondern beweist durch einen historischen Anachronismus (Periodensystem), dass das Rätsel selbst eine Fälschung ist. Ein schöner Twist für aufmerksame Zuhörer.
Plot & Logik
Die Grundkonstruktion 'Streich wird zur echten Gefahr' funktioniert gut. Dass ein erfahrener Sheriff auf eine Kinderschatzsuche hereinfällt, wirkt etwas naiv, wird aber durch seine Verzweiflung und den Zeitdruck halbwegs plausibel erklärt. Die Entführung des Hundes als reines Ablenkungsmanöver ist allerdings etwas drastisch für einen Mann, der eigentlich kein Verbrecher ist.
Kapitel
1 Nichts im Nichts 0:00 min
2 Seltsamer Ort 6:50 min
3 Botschaft aus der Vergangenheit 19:42 min
4 Das Ende der Spur? 30:34 min
5 Schatten in der Nacht 38:15 min
6 Das Geheimnis hinter dem Geheimnis 45:54 min
7 Am Abgrund 52:22 min
8 Das Schicksal ruft 62:32 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert mit seinem chemisch-historischen Wissen über das Element Gold ('Aurum'). Sein beleidigter Stolz, als er merkt, dass er an der Nase herumgeführt wurde, ist herrlich menschlich.
P
Peter Shaw
Zeigt viel Herz für den Hund 'Old Buck' und beweist Mut bei der Rettungsaktion am Steinbruch. Er ist hier weniger der Angsthase, sondern der tatkräftige Beschützer.
B
Bob Andrews
Fungiert als familiäres Bindeglied zu Tante Rosie. Er recherchiert solide, auch wenn ihm Justus im Finale die Show stiehlt.

Sprecher

Verwandte Folgen

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