Zusammenfassung

Der Fall beginnt in der Zentrale mit einer seltsamen Nachricht auf dem Anrufbeantworter: Ein gewisser Winston Granville bittet um Hilfe bei der Wiederbeschaffung seiner gestohlenen Erfindung, des 'Oculus Audiens'. Den Ort seines Hauses verschlüsselt er mit einem Caesar-Code ('U, R, V, H...' ergibt 'ROSE'), was Justus schnell nach Rose Hall in Barstow führt. Dort angekommen treffen die Detektive auf den überdrehten Winston und seinen mürrischen Bruder Matthew. Winston behauptet, sein Rivale John Frazier habe das Gerät gestohlen.

Die drei ??? übernachten in Rose Hall. In der Nacht werden sie von einem Erdbeben geweckt und beobachten, wie Matthew und ein Gehilfe namens Smithy im Keller eine Kiste vergraben. Justus vermutet darin einen Flugschreiber. Am nächsten Morgen drängt Winston sie, das 'Oculus Audiens' aus Fraziers Haus zurückzuholen. Da Frazier nicht da ist, steigen die Jungs kurzerhand ein und 'stehlen' das Gerät zurück – ein moralisch fragwürdiger Moment, den sie später bereuen. Denn ein Zeitungsbericht enthüllt kurz darauf: Frazier ist der rechtmäßige Erfinder und die Polizei sucht nun nach drei Jugendlichen in einem gelben Kleinwagen.

Um ihren Namen reinzuwaschen, fahren die Detektive zurück nach Barstow und konfrontieren den echten Professor Frazier. Dieser klärt sie auf: Winston ist ein harmloser Spinner, aber Matthew ist gefährlich. Zurück in Rose Hall finden sie das Haus verlassen vor, entdecken aber den gefesselten Smithy im Keller, den Matthew lebendig begraben wollte. Ein von Winston hinterlassener Hinweis ('Gefahr, Fort Carrington, Geheimgang') und Bobs Recherchen im Stadtarchiv bringen Licht ins Dunkel: Matthew Granville ist in Wahrheit der ehemalige Pilot Matt Fairweather, der vor 15 Jahren einen Flugzeugabsturz überlebte, bei dem sein Partner Colin Carrington starb. Matthew sucht nicht nach Gold, sondern nach Platin, von dem Carrington wusste.

Die Spur führt in die Berge zu einer alten Mine ('Fort Carrington'). Dort werden die Detektive und der unfreiwillig mitgeschleifte Winston von Matthew in eine Falle gelockt. Er bedroht sie mit einer Waffe und will sie in einem Schacht zurücklassen. Doch Justus hat vorgesorgt und die Luft aus den Reifen von Matthews Fluchtwagen gelassen. Als die Polizei – alarmiert durch Smithy – eintrifft, flieht Matthew zu Fuß in die Wüste, wird jedoch von einer Klapperschlange gebissen und stirbt. Die drei ??? können gerettet werden, kurz bevor ein weiteres Nachbeben den Stollen erschüttert.

Review

Folge 137: Wenn Sherlock Holmes und der Tagesschau-Sprecher in die Wüste gehen
Justus Jonas wird zum Einbrecher, Christian Rode dreht völlig durch und am Ende beißt die Schlange zu. Warum 'Pfad der Angst' das wohl bestbesetzte Hörspiel der Neuzeit ist!

Moin liebe Kollegen,

schnappt euch ein Stück Kirschkuchen (aber vorsicht, keine Rosinen!), denn heute reisen wir zurück ins Jahr 2010. Wir befinden uns in der Ära, in der Smartphones noch nicht alles konnten und Justus Jonas sich tatsächlich dazu hinreißen ließ, Dinge zu tun, für die man eigentlich in den Knast wandert. Willkommen zu Folge 137: "Pfad der Angst" – oder wie ich sie nenne: "Der Tag, an dem Sherlock Holmes und der Mann aus der Sesamstraße Brüder wurden".

ERSTER EINDRUCK


Schon der Titel klingt wie ein B-Movie aus den 80ern, oder? "Pfad der Angst". Könnte auch ein Wanderweg im Harz bei Nebel sein. Aber dann drückt man auf Play und BAM! Christian Rode (Gott hab ihn selig) als Winston Granville ballert einem ein "Husch, husch, husch, husch!" um die Ohren, dass man erst mal checken muss, ob man die Geschwindigkeit auf 2x gestellt hat. Der erste Eindruck: Hektisch, staubig und verdammt hochkarätig besetzt.

DIE STORY


Kurzfassung für Eilige: Ein durchgeknallter Erfinder (Winston) schickt Justus ein Caesar-Rätsel (Justus löst das natürlich im Schlaf, während er sich noch die Lippe abwischt). Die drei ??? sollen eine gestohlene Erfindung, das "Hörende Auge", zurückholen. Der Haken? Sie klauen es beim angeblichen Dieb zurück. Blöd nur, dass der "Dieb" (Prof. Frazier) der Gute ist und unser Auftraggeber manipuliert wurde. Plötzlich sind unsere Jungs gesuchte Verbrecher in einem gelben Kleinwagen. Es geht um Erdbeben, einen 15 Jahre alten Flugzeugabsturz und Goldgräber-Wahnsinn in der Wüste. Klingt voll? Ist es auch.

UNSERE HELDEN


Justus: Unser Erster zeigt hier moralische Flexibilität, die selbst Saul Goodman stolz machen würde. "Einbruch? Nennen wir es proaktive Sicherstellung von Beweismitteln!" Aber: Sein Reifen-Trick am Ende ist genial. Das ist der Justus, den wir lieben – arrogant, aber verdammt clever.

Peter: Der arme Kerl. Erst muss er in die Wüste (heiß!), dann gibt es Erdbeben (gruselig!) und dann wird er von einem Wahnsinnigen in eine Mine gesperrt (klaustrophobisch!). Peter sammelt hier Phobien wie andere Leute Briefmarken. Sein "Ich kann Matthew Granville überhaupt nicht einschätzen" ist die Untertreibung des Jahres.

Bob: Bob "The Archive" Andrews regelt mal wieder. Während die anderen schwitzen, wühlt er sich durch das Archiv der Barstow Desert News. Ohne Bob wären die Jungs heute noch in der Wüste und würden Steine polieren. MVP der Recherche!

DIE GEGENSPIELER


Matthew Granville (aka Matt Fairweather) ist ein klassischer Bösewicht: Gierig, skrupellos, aber am Ende dumm genug, zu Fuß durch die Wüste zu rennen. Sein Ende durch die Klapperschlange ist für ???-Verhältnisse erstaunlich düster und konsequent. Kein "Ich hätte es geschafft, wenn ihr neugierigen Kinder nicht gewesen wärt", sondern einfach Zack, Biss, Ende.

BESTE MOMENTE


1. Das "Husch husch"-Massaker: Winston Granville ist so herrlich drüber. Christian Rode spielt ihn, als hätte er drei Kannen Kaffee intravenös bekommen.
2. Der Einbruch: Dass die drei ??? tatsächlich bei Professor Frazier einsteigen und das Gerät klauen, ist ein echter "Oh Crap"-Moment. Man sitzt vor den Boxen und ruft: "Jungs, das ist eine Falle!", aber sie hören einen ja nicht (trotz "Hörendem Auge").
3. Das Finale: Die Szene, in der der Käfer fast abrutscht, ist soundtechnisch 1A gelöst. Da hält man kurz die Luft an.

SCHWACHSTELLEN


Seien wir ehrlich: Dass ein Flugschreiber nach 15 Jahren noch so perfekt funktioniert und genau dann ausgegraben wird, wenn die Detektive da sind... naja. Das ist schon sehr viel "Kommissar Zufall". Und der Titel! "Pfad der Angst" ist so generisch, der könnte auf jede zweite Folge passen. Warum nicht "Das Hörende Auge" oder "Die Rache der Klapperschlange"?

SERIEN-KONTEXT


Diese Folge stammt aus der Feder von Astrid Vollenbruch, die bekannt dafür ist, gerne mal komplexere, fast thriller-artige Plots zu schreiben (siehe "Geisterbucht"). Interessant für die Chronologie: Im Buch wird erwähnt, dass Winston Granville Peters Opa Ben Peck kennt (aus "Der unsichtbare Gegner"). Ein netter kleiner Continuity-Nod, der zeigt, dass Rocky Beach ein Dorf ist. Die Folge gilt unter Fans als solide, aber oft übersehen – vielleicht weil sie zwischen den großen Jubiläumsfolgen etwas untergeht.

SPRECHER-SPOTLIGHT (AKA "Das Gipfeltreffen der Legenden")


Leute, haltet euch fest. Der Cast ist der absolute Wahnsinn. Wir haben hier quasi den Olymp der deutschen Synchronsprecher:

Christian Rode (Winston): DER Sherlock Holmes (neben Peter Pasetti natürlich). Ihn hier als verwirrten, kichernden Kautz zu hören, ist Schauspielkunst pur. Er war auch die Bestie in der Disney-Hörspielversion von "Die Schöne und das Biest".
Uwe Friedrichsen (Matthew): Eine Legende! Wir kennen ihn als Uwe aus der Sesamstraße (ja, wirklich!) oder als Stimme von Danny Glover (Lethal Weapon). Dass er hier den Bösewicht gibt, ist ein genialer Schachzug.
Wilhelm Wieben (Prof. Frazier): Ja, DER Wilhelm Wieben. Der Mann, der uns jahrelang die Tagesschau vorgelesen hat. Wenn dieser Mann spricht, glaubt man ihm einfach alles. Selbst wenn er sagen würde "Der Mond ist aus Käse", würde man nicken und sagen: "Danke für die Info, Herr Wieben."

PRODUKTIONS-HISTORIE


Erschienen im März 2010. Astrid Vollenbruchs Buchvorlage ist (wie oft) etwas dichter als das Hörspiel. Im Buch wird Justus' Analyse des Caesar-Codes noch detaillierter beschrieben – er erklärt, dass es nicht zwingend 4 Buchstaben Verschiebung sein müssen. Das Hörspiel strafft das etwas, was dem Tempo gut tut, auch wenn Justus dadurch fast schon hellseherisch wirkt.


FAN-SERVICE-CHECK


Caesar-Chiffre: Ein Klassiker, den wir seit "Super-Papagei" lieben. Justus löst Codes zum Frühstück.
Der Käfer: Muss leiden. Wie immer.
Visitenkarte: Wird natürlich übergeben. Pflichtprogramm.

FAZIT & EMPFEHLUNG


"Pfad der Angst" ist wie ein gut gereifter Wein: Man schätzt ihn erst später so richtig. Die Story ist okay, aber die SPRECHER machen das Ding zu Gold. Es ist ein Kammerspiel der Ikonen Rode, Friedrichsen und Wieben. Wer auf klassische Abenteuer-Vibes mit Wüsten-Setting steht und hören will, wie Sherlock Holmes auf Drogen klingen würde, MUSS diese Folge hören.

Ranking: Solides oberes Mittelfeld mit Tendenz nach oben wegen des Star-Casts.

Wusstest du schon?

Christian Rode (Winston) und Uwe Friedrichsen (Matthew) sind zwei Hörspiel-Legenden, die hier als ungleiches Brüderpaar auftreten.
Der Titel 'Pfad der Angst' wird von Fans oft als etwas generisch empfunden, da er wenig konkreten Bezug zum 'Hörenden Auge' oder dem Flugschreiber hat.
Der Caesar-Code ist eine der ältesten Verschlüsselungstechniken der Welt, benannt nach Julius Caesar, der sie für seine militärische Korrespondenz nutzte.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 husch-husch-huschenden Erfindern
Das Rätsel
Der Einstieg mit dem Caesar-Code ('Cäsar: U, R, V, H...') ist für erfahrene Hörer fast zu simpel, aber nett inszeniert. Der wahre 'Twist' ist hier eher moralischer Natur: Dass die Detektive instrumentalisiert werden, um einen Diebstahl zu begehen, ist eine spannende Variation des klassischen Auftragsschemas.
Plot & Logik
Die Geschichte hat Hand und Fuß, auch wenn es ein glücklicher Zufall ist, dass der Flugschreiber nach 15 Jahren noch funktionstüchtig bzw. auffindbar ist und Matthew ihn ausgerechnet dann vergräbt, wenn Detektive im Haus sind. Dass Winston den Jungs trotz seiner Verwirrtheit den entscheidenden Hinweis hinterlässt, ist eine schöne, menschliche Geste, die gut zu seiner Charakterisierung passt.
Kapitel
1 Buchstabensalat 0:00 min
2 Scharlatan 7:31 min
3 Ein seltsamer Fund 17:06 min
4 Klartext 25:12 min
5 Ein einfacher Auftrag 26:54 min
6 Absturz 30:58 min
7 Ein hübscher kleiner Einbruch 33:52 min
8 Aufklärung 39:54 min
9 Ausgeflogen 46:14 min
10 Gold? 54:28 min
11 Die Erde bebt 59:29 min
12 In der Todesfalle 65:53 min
13 Falsche Prognose 74:26 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Justus zeigt sich hier von seiner analytischen Seite ('Nehmen wir mal an, Matthew Granville ist in Wirklichkeit Matt Fairweather'), lässt sich aber anfangs auch täuschen. Sein Schachzug mit den Autoreifen am Ende beweist Weitsicht.
P
Peter Shaw
Peter darf mal wieder derjenige sein, der die körperliche Gefahr am stärksten spürt ('Ich kann Matthew Granville überhaupt nicht einschätzen und das finde ich einigermaßen besorgniserregend'). Seine Angst vor dem Erdbeben ist greifbar.
B
Bob Andrews
Bob ist der MVP der Recherche. Sein Besuch im Archiv und die Verknüpfung der historischen Daten über Rose Hill mit den Flugzeugabstürzen sind der Schlüssel zur Lösung des Falls.

Sprecher

Verwandte Folgen

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