Zusammenfassung

Auf dem Schrottplatz von Onkel Titus tauchen nacheinander Caitlin und Jeremy Coppersmith auf, die beide nach Blechspielzeug ihres Vaters Felix suchen – speziell nach 'Mobymeggs'. Jeremy hinterlässt dabei versehentlich ein Gedicht, das Justus als Rätsel identifiziert. Bob recherchiert und findet heraus, dass die Coppersmith-Kinder zerstritten sind und ihr Vater verschwunden ist. Das Gedicht führt die Detektive zum 'Roten Turm', einem alten Fabrikschornstein. Peter erklettert ihn todesmutig, wird dabei jedoch von einem Unbekannten beschossen, kann aber gerade noch eine hölzerne Kiste bergen – die 'Höhle' für den mechanischen Krabbler.

Die Spur führt weiter zu Jeremy, bei dem die Detektive auf einen Mann treffen, der sich zunächst als Felix Coppersmith vorstellt, später aber als Anthony Quinn, ein Freund des Vaters, entpuppt. Da Jeremy den Körper des 'Schlupfkrabblers' besitzt, Caitlin den Schlüssel und Greg vermutlich die Gliedmaßen, initiieren die drei ??? mit einer List ein Familientreffen in Gregs Haus. Dort setzen sie unter den misstrauischen Augen der Geschwister den Automaten zusammen. Der aufgezogene Krabbler läuft in die Holzkiste und fördert ein kleines Buch mit einem neuen Gedicht zutage.

Dieses Rätsel leitet sie zur Kirche 'St. Augustine by the Sea' in Santa Monica. In einer Nachtkerze finden sie einen Zettel mit einem Zahlen-Code-Gedicht ('Nehmt eins von zwei...'). Justus knackt den Code als Wort-Buchstaben-Rätsel: 'Sechs Acht Fünf'. Anthony Quinn versucht noch, sie zu stoppen, warnt vor der Zerstörung des 'Meisterwerks', doch die Neugier siegt. Zurück in Gregs Haus geben sie den Code in die Steuerung der Modelleisenbahn ein. Ein Geheimfach öffnet sich und enthüllt ein kupfernes Straußenei. Darin befindet sich jedoch kein Schatz, sondern ein Familienfoto. Die Kinder begreifen: Sie selbst und ihre Einheit sind das 'Meisterwerk'. Der echte Vater Felix tritt hervor – die Schnitzeljagd war eine Inszenierung zur Versöhnung, und Quinn war der 'Schütze', der Peter nur erschrecken sollte.

Review

Familientherapie mit Schusswaffen und Blechspinnen – Ein Meisterwerk?
Eine Schnitzeljagd, die es in sich hat: Mechanische Krabbler, lyrische Rätsel und ein Vater, der seine Kinder auf sehr... spezielle Weise versöhnen will. Warum Folge 119 trotzdem genial ist, lest ihr hier!

Moin, liebe Detektiv-Kollegen und Freunde des gepflegten Schrottplatz-Ambientes!

Heute widmen wir uns einem Fall, der in der Fan-Gemeinde einen Ruf wie Donnerhall genießt. Wenn André Marx auf dem Cover steht, wissen wir eigentlich schon: Das wird gut. Das wird komplex. Und Justus wird wahrscheinlich mindestens dreimal „Interessant“ sagen, während er sich an der Unterlippe knetet. Folge 119, „Der geheime Schlüssel“, ist so etwas wie das „Comfort Food“ unter den Hörspielen – eine klassische Schnitzeljagd, ein bisschen Technik-Nostalgie und Familien-Drama, das jeder Daily Soap Konkurrenz machen würde. Aber Moment mal, wurde da gerade auf Peter geschossen? Dazu später mehr. Werft den Verstärker an, wir tauchen ab!

ERSTER EINDRUCK


Schon beim ersten Hören dachte ich: „Hach, das fühlt sich an wie früher.“ Wir starten auf dem Schrottplatz (immer ein Pluspunkt!), es geht um altes Spielzeug und mysteriöse Rätselgedichte. Die Atmosphäre ist dicht, fast ein bisschen märchenhaft durch diese seltsamen „Mobymeggs“ (oder Mobimecs, wie auch immer man diese krabbelnden Eier schreibt). Man merkt sofort: Hier geht’s nicht um Geister, sondern um Mechanik und Grips. Ein Fall zum Mitraten, bei dem man sich fühlt, als würde man selbst mit einem Notizblock in der Zentrale sitzen.

DIE STORY


Die Coppersmith-Geschwister sind sich so grün wie Justus und Skinny Norris. Ihr Vater Felix, ein genialer Spielzeugmacher, ist verschwunden, hat aber eine Reihe bizarrer Hinweise hinterlassen. Jeder der drei Erben hat ein Teil eines mechanischen Krabblers (den „Schlupfkrabbler“ – was für ein Wort!). Die drei ??? müssen die Teile zusammenführen, lyrische Rätsel entschlüsseln und Kletterpartien an alten Fabrikschornsteinen überleben, um das „Meisterwerk“ des Vaters zu finden. Klingt nach harmlosem Rätselspaß? Wäre da nicht ein Unbekannter, der Peter fast vom Turm ballert.

UNSERE HELDEN


Justus ist hier voll in seinem Element. Kein übernatürlicher Schnickschnack, sondern pure Logik. Sein absoluter Mic-Drop-Moment ist die Szene in der Kirche: Während wir Normalsterblichen noch überlegen, was „Nehmt eins von zwei“ bedeutet, hat Justus den Code „Sechs Acht Fünf“ schon längst geknackt. Der Mann ist eine menschliche Enigma-Maschine.

Peter, unser geliebter Angsthase, muss mal wieder ordentlich einstecken. Er darf den „Roten Turm“ erklimmen (natürlich ohne Sicherung, Arbeitsschutz ist in Rocky Beach ein Fremdwort) und wird dabei fast erschossen. Seine Panik ist absolut berechtigt, und Jens Wawrczeck spielt das so herrlich leidend, dass man ihn einfach in den Arm nehmen will.

Bob macht das, was er am besten kann: Er wühlt in der Vergangenheit. Seine Recherche über die Familie Coppersmith liefert das Fundament für den Fall. Solide Archivarbeit, ohne die Justus seine genialen Schlüsse gar nicht ziehen könnte.

DIE GEGENSPIELER


Die eigentlichen „Gegenspieler“ sind hier die dysfunktionalen Familienmitglieder selbst. Caitlin Coppersmith ist herrlich unsympathisch und zickig – eine wunderbare Antagonistin wider Willen. Aber der wahre Schurke (zumindest moralisch) ist für mich Vater Felix Coppersmith. Der Typ inszeniert eine lebensgefährliche Schnitzeljagd, um seine Kinder zu versöhnen? Das ist mal eine pädagogische Maßnahme, die beim Jugendamt für Schnappatmung sorgen würde.

BESTE MOMENTE


1. Der Turm-Aufstieg: Die Soundkulisse, wenn Peter diesen rostigen Turm hochklettert – der Wind, das Knarren, Peters Atem. Da bekommt man beim Zuhören feuchte Hände.
2. Der Code in der Kirche: Als Justus das Rätsel löst. Einfach chef’s kiss. Das ist klassisches Detektiv-Handwerk.
3. Das Finale: Wenn die Modelleisenbahn aufgeht. Ich liebe es, wenn Lösungen in mechanischen Spielzeugen versteckt sind. Das hat so einen Hauch von „Hugo Cabret“.

SCHWACHSTELLEN


Wir müssen reden. Über den Schuss. Am Ende stellt sich heraus, dass der ominöse Anthony Quinn (der falsche Felix) Peter „nur erschrecken“ wollte. Leute, er hat mit einer scharfen Waffe auf einen kletternden Teenager in großer Höhe geschossen! Das ist kein „Erschrecken“, das ist versuchter Totschlag! Dass am Ende alle lachen und sich in den Armen liegen („Ach Papa, du alter Schlingel, hast fast einen Detektiv umgelegt, haha!“), ist schon sehr, sehr weit hergeholt. Die Versöhnung wirkt dadurch etwas erzwungen zuckrig.

SERIEN-KONTEXT


Folge 119 markiert so etwas wie den Höhepunkt der „Silber-Ära“ der drei ???. André Marx zeigt hier, warum er als einer der besten Autoren der Serie gilt: Er verwebt klassische Elemente (Rätselgedichte) mit modernen Settings. Die Folge taucht regelmäßig in Top-10-Listen der Fans auf, weil sie die perfekte Balance zwischen Spannung und Wohlfühl-Atmosphäre hält. Interessant: Es gibt keine übernatürlichen Phänomene, was die Folge erdet und sie zeitlos macht. Sie steht in der Tradition von Rätsel-Klassikern wie „Das Erbe des Meisterdiebs“ (Folge 103), ist aber emotionaler aufgeladen.


SPRECHER-SPOTLIGHT


Hier wird es legendär! Franz-Josef Steffens spricht Anthony Quinn. Für uns Veteranen ist das Gänsehaut pur: Steffens war die Stimme von Professor Common im originalen „Super-Papagei“ (Folge 1)! Dass er hier, kurz vor seinem Tod im Jahr 2006, noch einmal eine so tragende Rolle (und wieder einen undurchsichtigen Charakter) spricht, ist ein wunderbares Geschenk an die Fans.

Auch Lutz Herkenrath (Jeremy) ist kein Unbekannter – viele kennen ihn als den fiesen Chef aus der Comedy-Serie „Ritas Welt“ oder als Erzähler bei „Thomas & seine Freunde“. Und Marion Martienzen (Caitlin)? Eine absolute Synchron-Größe! Sie ist unter anderem die deutsche Stimme von Fanny Ardant. Dass wir hier so ein hochkarätiges Ensemble haben, hört man in jeder Sekunde.

PRODUKTIONS-HISTORIE


Die Folge erschien 2004 und basiert auf dem gleichnamigen Buch von André Marx. Ein spannendes Detail: Im Buch sind die mechanischen Beschreibungen der „Mobimecs“ noch detaillierter (Marx liebt so etwas). Die Hörspiel-Adaption von André Minninger musste hier natürlich straffen, schafft es aber, die Faszination für die Mechanik durch tolle Soundeffekte (das Surren und Klicken des Krabblers) zu transportieren. Es ist eine der Folgen, bei der Buch und Hörspiel fast gleichauf in der Beliebtheit liegen.


FAN-SERVICE-CHECK


- Schrottplatz-Liebe: Onkel Titus kommt vor und es wird herrlich über „Werte“ vs. „Schrott“ diskutiert.
- Visitenkarte: Wird natürlich übergeben (auch wenn Justus sie hier fast schon arrogant routiniert zückt).
- Anthony Quinn: Der Name des falschen Vaters ist natürlich eine Anspielung auf den berühmten Schauspieler („Alexis Sorbas“). Ein nettes Augenzwinkern für die Filmfans unter den Hörern.

FAZIT & EMPFEHLUNG


„Der geheime Schlüssel“ ist ein absolutes Muss für jeden Fan. Sie hat alles: Rätsel, Atmosphäre, Drama und einen Justus in Höchstform. Trotz des moralisch fragwürdigen Erziehungsstils von Papa Coppersmith ist die Folge ein Highlight der 100er-Reihe. Perfekt für verregnete Sonntagnachmittage.

Ranking: Ein Klassiker der Neuzeit. Gehört in jedes Regal, direkt neben den Super-Papagei (schon allein wegen Franz-Josef Steffens!).

Wusstest du schon?

Der Autor der Buchvorlage ist André Marx, der für seine komplexen Rätselplots bekannt ist.
Der Name 'Anthony Quinn' für den Freund des Vaters ist eine offensichtliche Anspielung auf den berühmten Schauspieler (Alexis Sorbas).
Die Sprecherin von Caitlin, Marion Martienzen, ist Hörspielfans auch als 'Hexe Schrumpeldei' in späteren Folgen oder aus der Sesamstraße bekannt.
Cover
Bewertung
7.5
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7,5 von 10 mechanischen Schlupfkrabblern
Das Rätsel
Ein Fest für Rätselfreunde! Die Folge ist eine klassische Schnitzeljagd (Scavenger Hunt) par excellence. Vom lyrischen Einstieg über die Kletterpartie bis hin zum wunderbaren Buchstabencode in der Kirche ist alles dabei. Die Mechanik des Schlupfkrabblers ist zwar etwas märchenhaft präzise, aber als Plot-Device sehr charmant.
Plot & Logik
Der Plan des Vaters ist extrem riskant und komplex – dass die drei ??? genau zur richtigen Zeit auftauchen und die Geschwister zusammenbringen, erfordert viel 'Drehbuch-Glück'. Dass auf Peter geschossen wird, nur um ihn zu 'vertreiben' (wie Quinn am Ende behauptet), wirkt im Rückblick völlig unverhältnismäßig und passt kaum zum harmonischen Versöhnungs-Ende.
Kapitel
1 Wertvolle Sammlerstücke 0:00 min
2 Ein original Mobimec 3:16 min
3 Drei fanatische Sammler 9:55 min
4 Schlupfkrabbler 13:00 min
5 Erdbebensicher 15:44 min
6 Raus aus der Schusslinie 22:35 min
7 Was ist in der Kiste? 25:19 min
8 Der kreative Kopf der Firma 27:39 min
9 Roboter 37:57 min
10 Rohrpost der besonderen Art 38:42 min
11 Die Stadt der Engel 49:12 min
12 Im Dämmerlicht der Kirche 51:49 min
13 Zahlenrätsel 55:13 min
14 Kostenlose Werbung 59:18 min

Im Detail

J
Justus Jonas
Brilliert als Rätselknacker. Sein Moment in der Kirche, als er den Buchstabencode ('Sechs Acht Fünf') im Kopf löst, zeigt seine analytische Überlegenheit perfekt.
P
Peter Shaw
Der Mann für das Grobe. Er muss klettern, wird beschossen und darf sich ängstigen ('Lass uns einfach nicht mehr drüber reden, okay?'). Ein klassischer, physischer Peter-Einsatz.
B
Bob Andrews
Übernimmt den Recherche-Part über die Familiengeschichte und liefert den entscheidenden Hintergrund zu den Coppersmiths. Solide Archivarbeit.

Sprecher

Verwandte Folgen

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